Freitag, 8. Mai 2020

Brot und Spiele – UND Baumärkte


Wir haben alle eine Verantwortung in einer Gesellschaft, die wir zu übernehmen bereit sein sollten. Dazu gehört es auch, sich an Regeln zu halten. Je verständlicher die Regeln sind, je fairer diese auf- und umgesetzt werden, umso mehr bleibt das Gefühl, wir alle würden im selben Boot sitzen. Fernab aller Verschwörungstheorien fällt dies zunehmend schwer, je genauer man sich die Regeln betrachtet.

 

Föderalistisches System

Nachdem ich politisch ziemlich ungebildet bin, will ich hier gar nicht näher auf den Sinn oder Unsinn des föderalistischen Systems eingehen. Nur so viel: Kennt ein Virus sich damit auch so gut oder schlecht aus wie ich? Also hält es sich dann in den unterschiedlichen Bundesländern auch an die unterschiedlichen Regeln? Warum ist die Ansteckungsgefahr beispielsweise in Fitnessstudios in NRW geringer als in Bayern? Wie gesagt, ich verstehe es nicht.

 

Zeitungen

Während der ganzen Zeit des Lock-Downs hatten Tabak- und Zeitschriftenläden geöffnet. Mehr oder weniger nachvollziehbar. In Ordnung.

Wenn ich mir im Laden Zeitschriften ansehen und kaufen kann, warum müssen Zeitschriften dann beim Friseur weggeräumt werden?

 

Umkleiden

In den Bundesländern, die ihre Sportstätten wieder öffnen, ist es streng untersagt, die Umkleiden zu benutzen. Die Geschäfte, die Oberbekleidung anbieten, sind (ich lasse mich hier gerne eines Besseren belehren, wenn meine dürftige Recherche dazu ausschließlich zu den falschen Ergebnissen geführt haben sollte) die Anproben geöffnet. Es wird der Hinweis gegeben, dass das Anprobieren der Kleidungsstücke „über den Kopf“ unterlassen werden sollte (https://www.bghw.de/die-bghw/faq/faqs-rund-um-corona/spezielle-fragen-fuer-beschaeftigte-im-handel-und-in-der-warenlogistik/was-ist-im-einzelhandel-bei-der-ausgabe-von-waren-zur-anprobe-und-bei-deren-ruecknahme-sowie-bei-der-annahme-von-reparaturen-und-retouren-zu-beachten), aber auch gleichzeitig der beruhigende Hinweis gegeben, dass das Ansteckungsrisiko mittels eines Kleidungsstückes, was eine fremde andere Person vorher anprobiert hat, extrem gering wäre (https://www.rtl.de/cms/in-geschaeften-shoppen-waehrend-corona-kann-ich-mich-beim-kleidung-anprobieren-anstecken-4525596.html).

Aha!

 

Fahrradfahren

Ein Austausch mit meinem Neffen, der in Frankreich lebt (ja, jetzt gehen wir sogar über die Landesgrenzen hinaus) brachte eine weitere seltsame Regel zutage: Sport im Freien ist erlaubt, man darf joggen. Fahrradfahren ist allerdings untersagt. Den Grund dahinter versteht allem Anschein nach nicht mal die französische Gendarmerie, die nach Aussage meines Neffen, zwar Fahrradfahrer auf das Verbot hinweisen, aber nicht zu Anzeigen oder dem Verhängen von Bußgeldern greifen würde.

 

Brot und Spiele

Wie im alten Rom scheint es manchmal, dass es wichtig ist, im Zuge immer mehr aufkeimender Fragen, das Volk ruhigzustellen. Gebt dem Volk Essen und Genussmittel und Fußball.

Abstandsregeln sind hier dann nicht mehr so wichtig? Sport ist nur dann wichtig, wenn er wirtschaftlich interessant ist UND gleichermaßen das Volk ruhigstellen kann? Und Buhmann ist der, der aufdeckt, dass sich eben viele nicht an die Regeln des Mindestabstands und der Kontaktsperre halten?

Ich habe mich dazu lang ausgelassen, habe mit der Bitte um sportlichen Zusammenhalt einen Brief an den DFB und alle Vereine der 1. Und 2. Bundesliga geschrieben (hier: https://www.rtl.de/cms/in-geschaeften-shoppen-waehrend-corona-kann-ich-mich-beim-kleidung-anprobieren-anstecken-4525596.html).

 

Baumärkte

Und Baumärkte! Baumärkte sind auch ganz wichtig. So ein bisschen fragt man sich schon, warum das so ist? Kann es sein, dass man so die (ACHTUNG KLISCHEE) Ehefrauen ruhigstellen kann, die sich endlich ein verschönertes Wohnzimmer wünschen und die Ehemänner gleich auch, weil sie tagsüber dann was zu tun haben und abends Fußball gucken können?

 

Und jetzt?

Keine Ahnung! Sinnlose Revolte, das ungenierte Teilen irgendwelcher abstruser Verschwörungstheorien oder das trotzige Verhalten, sich über bestehende Regeln hinwegzusetzen kann nicht das Mittel der Wahl sein.

 

Blick in die Zukunft

Was ich mich ernsthaft frage ist, wie ich bei folgendem Fall vorgehen sollte?: Nehmen wir mal an, auch wir in Bayern dürfen irgendwann mal wieder unsere Sportstudios (groß, klein, mittel, mikro, mini) öffnen.
Sicherlich wird dann eine Maximalzahl an Personen festgesetzt werden, die sich in den Räumlichkeiten aufhalten darf. Was passiert, wenn die Polizei oder das Ordnungsamt kommt und die Einhaltung der Regeln und des Hygienekonzepts überprüfen möchte?
Muss ich den Personen Einlass gewähren? Und wenn ja und wenn dadurch die zulässige Personenanzahl überschritten würde, muss ich dann erst Kunden aus dem Studio rauschmeißen? Alle Kunden sind mir beispielsweise bekannt (namentlich) und mögliche Infektionsketten wären gut nachvollziehbar. Dieser Umstand wird durch das Betreten fremder Personen, die unter Umständen dazu führen, dass die zulässige Höchstzahl überschritten würde, zunichte gemacht.

Wie soll ich mich denn nun richtig und gut verhalten?

 

Fragen wir einfach das RKI

Wenn man Berichten glauben darf (https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus207808983/Corona-Krise-Wie-kann-das-RKI-ausgerechnet-jetzt-seine-Briefings-einstellen.html?cid=socialmedia.facebook.shared.web), werden die Informationen allerdings bis auf Weiteres eingestellt. Ich fühle mich etwas verloren, dabei würde ich doch so gerne meiner Verantwortung nachkommen und alles richtig machen.


Update auf Nachfrage:
Der Polizei und den Ordnungsbehörden muss man immer Einlass gewähren, egal wie viele Personen sich dann im Raum befinden....

Donnerstag, 23. April 2020

Zuviel Zug macht den Körper bockig


Die Frage, ob Stretching überhaupt etwas „bringt“ ,wird nach wie vor diskutiert. Auch stellt sich die Frage, was man unter Stretching versteht: Ist es das Lockern nach einer Trainingseinheit oder soll mittels eines gezielten Trainings eine Zunahme/Erhöhung der Flexibilität erreicht werden? Beide Ziele können mittels „Stretching“ erreicht werden, allerdings wird das Training je nach gewünschtem Ziel sehr unterschiedlich zu gestalten sein.
Neueste Forschungsergebnisse legen den Rückschluss nahe, dass ein gezieltes Training der Beweglichkeit eine gute Vorbeugung gegen verfrühte Alterserscheinungen darstellen kann und somit in jedem Falle Sinn macht. Doch es gibt auch einige Personen, die am Tag nach einem Flexi-Workout das Gefühl haben, es würde sich verschlechtern statt verbessern. Kann das sein?

Stretching als Abschluss

Man kennt das oftmals nicht sehr beliebte Stretching am Ende eines Work-Outs (nach Step-Aerobic, nach einem Poletraining, als Abschluss eines funktionalen Trainings etc.). Hier streiten sich, wie oben bereits erwähnt, die Geister, ob es überhaupt Sinn macht? Persönlich empfinde ich es als sinnvoll, denn ich merke, wenn es zu kurz gekommen ist oder ich es vergessen habe. Am nächsten Tag fühle ich mich dann „wie vom Bus überrollt“. Dieses Gefühl kann ich durch ein paar Stretching-Übungen am Ende minimieren.
Dieses Stunden-Abschluss-Dehnen hat nicht das Ziel der Zunahme der Flexibilität zum Ziel und kann dies auch nur marginal erreichen. Es dient der Lockerung, der Entspannung und tut (dem einen mehr, dem anderen weniger) gut.

Stretching als eigene Trainingseinheit

Möchte man mittels Stretchings die Beweglichkeit verbessern und bestimmte Ziele erreichen (Spagat, Brücke, etc.), so sind gesonderte, einzelne, eigene Trainingseinheiten notwendig, in welchem ausschließlich die Flexibilität trainiert wird. Grundvoraussetzung ist hier allerdings auch, dass der Körper gut erwärmt in das eigentliche Training startet, denn nur warme Sehnen und Bänder sind flexibel. Das darf man gerne mit einem Gummiband vergleichen. Lege ich es im Winter nach draußen und versuche dann, es in die Länge zu ziehen, reißt es entweder ganz oder es wird porös. Lege ich es in die Sonne, dann ist es weich und flexibel.

Entspannung versus harte Arbeit

Dienen die Dehnungsübungen am Ende eines Work-Outs der Entspannung und Lockerung, dem ruhigen Kursabschluss, so stellt ein gezieltes Training der Beweglichkeit harte Arbeit dar. Dieses Workout ist mindestens so anstrengend wie Krafttraining. Man schnauft manchmal wie eine Dampflok, man kommt mitunter sogar ganz schön ins Schwitzen und man merkt, dass eine Zunahme der Beweglichkeit immer auch vom Zusammenspiel von Kraftanstrengung und Dehnen abhängt.
Am Ende eines solchen Trainings ist man genauso müde und erschöpft wie nach jedem anderen Training auch.

Je mehr, desto besser?

Eben nicht. Was sich aus dem letzten Satz des oberen Abschnitts erschließt ist die Notwendigkeit, dem Körper Regenerationszeit zu bieten. Mittels eines gezielten Flexi-Workouts reizt man den Körper, man verbraucht seine Ressourcen, man triezt und triggert ihn. Danach sollte er sich erhohlen dürfen. So wie in jedem anderen Training auch, findet eine Leistungszunahme streng genommen nicht IM sondern NACH dem Training statt, wenn der Körper zur Ruhe kommen darf und sich – bildlich gesprochen – darüber Gedanken machen kann, was er da gerade durchgemacht hat und wie er das nächste Mal besser damit klarkommt.
Gönne ich dem Körper diese Ruhe nicht, wird er bockig und will gar nicht mehr. Dann riskiere ich Verletzungen, Übertraining oder sogar Rückschritte.

Mit Maß und Ziel

Wer dennoch wirklich jeden Tag stretchen möchte, dem sei ein sinnvoller Trainingsplan angeraten. Ein Tag Rücken und Schultern, am zweiten Tag Becken und Hüfte und am dritten Tag die Beine. Dann von mir aus wieder alles von vorne oder wirklich mal einen Tag Pause machen. Alles andere ist – meiner eigenen bescheidenen Meinung und meiner eigenen Erfahrung nach – unsinnig.


Kollateralschäden

Eine Zerrung ist übel. Eine Zerrung wirft einen um Wochen zurück. Sie ist schmerzhaft und wenn es passiert ist, dann wünscht man sich, die Zeit bitte nur um 10 Sekunden zurückdrehen zu dürfen. Um derartige Kollateralschäden zu vermeiden, ist es wichtig, umsichtig, konzentriert, ausgeruht, tief atmend und überlegt an die ganze Sache heranzugehen.
Kann man einen schlimmen Muskelkater im wahrsten Sinne des Wortes verschmerzen, wächst ein abgebrochener Fingernagel ziemlich schnell nach und heilen auch blaue Flecken binnen ein paar Tagen ab, so hat man von einer Zerrung über Monate was.


Persönliche Empfehlung

Für die Zunahme der Beweglichkeit ist es wichtig, gesonderte Trainingseinheiten durchzuführen. Auch hier benötigt der Körper Regenerationsphasen. Je mehr desto besser ist im Training selten gut und zahlt sich auch beim Flexi-Workout nicht aus. Wenn der Körper müde ist, muss er sich ausruhen können. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.

Mittwoch, 15. April 2020

Trainingsroutine


Jeden Tag ein paar frische Socken und Unterwäsche. Waschen, Duschen, Zähne putzen, sich herrichten. Routine. Notwendig. Wird halt gemacht.
Wie gut das Gefühl ist, diesen Routineaufgaben nachzugehen, wissen alle, die nach einer überstandenen Erkrankung oder auch nach einiger Zeit, in der man auf diese Dinge vielleicht sogar freiwillig verzichten musste, eine wohltuende Dusche genossen haben, frische Klamotten anziehen  und sich die Zähne putzen konnten.
Was hat das mit Training zu tun? Mehr als man glaubt.

Rien ne va plus – nichts geht mehr

Endlich mal kein Sport! Wer sich das denkt oder dachte, der zeigt, dass Sport nie zu den Dingen gehörte, die freiwillig und gerne ausgeführt wurden. Zwang, extrinsische Motivation und gesundheitliche political correctness haben dazu beigetragen, dass man sich 1x pro Woche zum Sport gequält hat. Eine laufende Nase oder eine 5minütige Verspätung beim Verlassen des Büros waren willkommene Ausreden, dass man es „heute leider nicht schafft.“

Ist so. Jeder Mensch ist anders. Katz mag Mäus – I mogs ned!

Diese Personen freuen sich darüber, endlich mal keine Ausreden finden zu müssen. Die Ausrede wird ja von staatlicher Seite geliefert. Die Fitnessstudios haben geschlossen, die Tanzschulen auch, die Hallenbäder sowieso, die Sportvereine ebenso. Und online? Nee, da hapert es an der Technik.

Also selbst wenn man wollen würde, dann geht es aufgrund der äußeren Bedingungen nicht, man kann da gar nichts dafür. (Manch eine Person mag sich denken: „Gott sei Dank lebe ich auf dem Land und meine Internetverbindung, über die ich mich jahrelang beim Streamen von Filmen beschwert habe, ist so schlecht, dass das mit den Online-Kursen gar nicht gehen würde!“)

Zähne putzen müssen oder wollen

Wer rastet der rostet. Zugegeben ist es nicht ganz einfach, sich zur Bewegung aufzuraffen, wenn man nicht will und nicht muss.
Man muss auch nicht die Unterwäsche wechseln, die Socken auch nicht und wenn man niemanden sieht, dann muss man auch nicht duschen oder Zähne putzen.
Igitt? Stimmt.

So schön rasierte Beine

„Du rasierst Dir noch die Beine? Ich sehe aus wie ein Yeti.“ – das war das Feedback auf ein Sommerbild der letzten Tage (natürlich gepostet bei Facebook). Auch hier stellt sich die Frage, für wen oder warum tat ich das, was gestern noch Routine war? Für andere, weil es jemand sehen konnte, weil ich einen gewissen Zwang verspürte? Oder weil ich es wollte?

Du machst noch Sport?

Keiner muss, jeder kann (wenn er will). Bewegungsroutine hilft der Psyche, hilft dem Immunsystem und schafft Struktur im Alltag, der keiner mehr ist. An Online-Angeboten mangelt es nicht und die Ausreden zählen auch nicht wirklich.
Wer keinen Sport machen möchte, dem sei das gegönnt, nur sollten diese Personen dazu stehen, dass sie lieber faul auf der Couch liegen und nicht die Corona-Krise oder die Technik dafür verantwortlich machen.

Bewegungsroutine und Pflegeroutine sind die Dinge, die wir selbst in der Hand haben, wenn uns von außen alles genommen wird. Halten wir daran fest, es wird sich auszahlen!

Donnerstag, 9. April 2020

Masken statt Sportstunden




Flexibilität benötigt Training. Manchmal hat man für Training keine Zeit, da muss es schnell gehen. Heute geht es um die geistige Flexibilität, um Einstellungen zu den eigenen Handlungsfeldern und um die Wertschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Körperliche versus geistige Flexibilität

Für das Training der Flexibilität im sportlichen Sinne benötigt man vor allem eines: Geduld.
Wer zu schnell zu viel von seinem Körper abverlangt, der zahlt dafür meist mit Verletzungen. Überdehnte Sehnen und Bänder, Risse.

Geistige Flexibilität ist ebenso eine Frage des Trainings, doch manchmal hat man schlicht keine Zeit, zu trainieren, sondern muss Flexibilität beweisen, ohne einschätzen zu können, in welche Gefahren man sich begibt.
Man wandelt auf dünnem Eis und droht jederzeit einzubrechen: Mental und körperlich.
Überstrapazierte Ressourcen, Risse in der Seele sind die Folge, die man währenddessen kaum abschätzen kann.

Wie im körperlichen Training der Flexibilität ist es wichtig, in sich hineinzuhören und hineinzuspüren. Das bedeutet nicht, dass man sofort Auswege und Lösungen findet, aber man sollte achtsam bleiben. Schlafstörungen, Unruhe und Sorgen sind in den heutigen Zeiten normal, aber der Körper wird sie auf Dauer nicht wirklich wegstecken können.

Verordnete Untätigkeit ist Ohnmacht

Für manche ist die auferlegte Untätigkeit empfundene Ohnmacht. So auch für mich. Aus diesem Grunde habe ich angefangen, die Masken zu nähen. Zum einen, um etwas tun zu können, zum anderen auch, das gebe ich ganz offen zu, um diese zu verkaufen, denn natürlich sind auch uns sämtliche Einnahmequellen von heute auf morgen weggebrochen.

Online-Kurse und das Anfertigen von Masken. Schnell geschrieben - tatsächlich ein Full-Time-Job.
Denn auch die Online-Kurse verlangen von allen Beteiligten viel ab. Als Trainer möchte man sich bestmöglich auf seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer einstellen, wie immer. Im Online-Training kommen die häuslichen Voraussetzungen der teilnehmenden Personen noch dazu. Man versucht also Alternativen zu finden - überall. Sei es die berufliche Betätigung, sei es das Unterrichten. Wie kann ein Spin, eine Übung, ein Workout so gestaltet werden, dass jede teilnehmende Person einen Mehrwert genießen kann? Wie leitet man ordentlich an, ohne die Teilnehmer zu sehen? Wie stellt man sicher, dass die Teilnehmer folgen können? Wie ist die Ton- und Bildqualität? Wie die Lichtverhältnisse?

Je besser es funktioniert, umso mehr wünschen sich die Teilnehmer: Tipps, Tricks, Verbesserungen, Anleitungen und mehr. Manchmal wirklich schwer, wenn man nur einen Teil des Körpers der teilnehmenden Personen sieht und diese zum Teil nicht versteht.

Nach den Online-Classes bin ich richtig ausgelaugt. Das liegt daran, dass man als Trainer eben auch alleine im Studio ist, das liegt am Anspruch, den man an sich selbst stellt, das liegt an der mangelnden Routine.
Nach Hause zurückgekehrt flüchtet man sich in die nächste Arbeit, die weniger geistige Konzentration abverlangt: Man näht weiter.

Pausen? Wozu?

Ich habe im Moment wahnsinnige Angst. Existenzangst, Sorgen und Gedanken. Gedanken, Sorgen und Existenzängste. Es ist belastend und überschreitet vielleicht schon mögliche Grenzen. Was aber, wenn man sich "hinterher" sagen muss, man hätte "mehr" tun können?
Wann ist "hinterher" und was wäre "mehr" gewesen? Das sind Fragen, die niemand beantworten kann und die ihrerseits nicht zur Ruhe beitragen.

Die Situation der kleinen und mittelständischen Unternehmen

Isabella Mauss (http://www.kanzleimauss.de/) eine Teilnehmerin unserer Kurse hat dies alles verstanden und mich zum Interview eingeladen.
Das Video dazu findet ihr hier: https://youtu.be/oNmBCSLD_vY

Ich sende Euch ganz herzliche Grüße, freue mich über Eure Rückmeldungen, wünsche Euch frohe Ostern.
Passt auf Euch auf und haltet Euch fit.








Freitag, 3. April 2020

Challenge accepted - Online-Kurse



2 Wochen im Ausnahmezustand. Seit 2 Wochen kein reeller Kurs, seit 2 Wochen kein Face-to-Face Kontakt mit lieben Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Hart. Es fehlt der Spaß, der Austausch. Es fehlt die Routine. Es fehlt der oftmals so despektierlich betrachtete Alltag.
Seit 2 Wochen laufen bei uns die Online-Kurse, zunächst, mangels Internet-Anschlusses im Studio, von zu Hause aus, seit Dienstag im Studio.
Eine Zusammenfassung

Virtuell kann man nicht trainieren

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich schon oft darüber nachgedacht, einige der Kurse, die bei CrazySportsAugsburg laufen, zusätzlich auch online anzubieten. Immer wieder kamen Fragen von Personen, die aufgrund zu hoher Entfernung (Nordsee – Bayern) nicht an den laufenden Kursen teilnehmen können.
Das GEHT NICHT. Punkt. Man muss den Teilnehmer sehen können, man muss als Trainer auch mal Hand anlegen, man muss Hilfestellung geben und sichern und und und und.
Stimmt. Kein virtueller Kurs kann einen Live-Kurs ersetzen. Wird er nie können. Ist auch gar nicht das Ziel, kann es auch nicht sein.

Trainerausbildungen online
Seit knapp 3 Jahren führen wir unsere Trainerausbildungen auch Online durch. Das funktioniert sehr gut. Man lernt den Teilnehmer kennen, die Trainerausbildungen ziehen sich über durchschnittlich 5 Monate, man hat jede Woche Kontakt, die Teilnehmer bekommen ein individuelles schriftliches Feedback zu jeder Einheit. Die Qualität der Ausbildung steht der Ausbildung, die im Präsenzunterricht stattfindet, tatsächlich in nichts nach.
Aber KURSE?

Kurse online
Nun, Not macht erfinderisch und wenn man sich ziert, dann tritt einem das Leben eben manchmal in den Hintern. Manchmal heißt der Tritt dann „Shut-Down“.
Ich habe geweint, ich habe geflucht, ich habe verhandelt, ich habe mich dem Schicksal ergeben. 5 Wochen gar nichts machen kommt aber nicht in die Tüte. Als am Sonntag, den 15. März klar war, dass der Shut-Down kommen wird, wurde der Telefonanschluss für das Studio beantragt, der in den letzten 6 Jahren nicht notwendig war. Jetzt eben schon.
Schaltungstermin 31.03.2020. Und was bis dahin? Online-Kurse von zu Hause aus. Da wurde ein entsprechender Raum gesucht (Treppenhaus-Galerie), umgestaltet (neue Vorhänge müssen her, die sehen ja übel aus) und dann ging’s los. Am Samstag, den 21.03. fand die erste Yoga-Stunde statt, es folgte funktionales Training, Stretching und mehr. Nur Pole und Hoop – das geht zu Hause nicht. Seit Dienstag laufen alle Kurse im Studio: Yoga, Pilates, BBP, Stretching, Flexi-Yoga, funktionales Training aber eben nun endlich auch Poledance und Aerial Hoop.

Trainerempfinden
Für die teilnehmenden Personen ist es wichtig, dass sie den Trainer in „groß“ sehen und gut verstehen. Das klappt am besten, wenn alle ihre Kamera und ihr Mikro ausschalten. Der Trainer spricht also in einen leeren Bildschirm. Die ganze Zeit.
Gruselig. Komisch. Man fühlt sich allein. Gut (augenzwinkernd gemeint), manchmal bekommt man auch im realen Kurs kein Feedback und muss die teilnehmenden Personen bitten, eine Antwort zu geben, aber da bleibt wenigstens noch die sichtbare Präsenz der Personen, ihre Mimik, ihre Gestik, die Körpersprache.

Selbstvertrauen vorausgesetzt
Als Trainer kommt man da nur durch, wenn man sich der Angst und der eigenen Unsicherheit stellt und einfach loslegt. Noch ein bisschen mehr kommentieren, was man tut, noch ein bisschen mehr motivieren, sich vorstellen, dass die Teilnehmer live vor Ort wären und den eigenen Fähigkeiten vertrauen. Gibt der Trainer ein Bild der Unsicherheit ab, wie soll sich denn dann ein Teilnehmer auf der anderen Seite fühlen?
SABTA: Souveränes Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit? Nicht ganz. Jeder Trainer weiß, was er kann, er hat seine Erfahrungen, er kennt die Gruppendynamik und er weiß, dass er gut unterrichten kann. Außerdem KÖNNEN die Teilnehmer ja Feedback geben und man gestaltet den Kurs gemeinsam, findet Verbesserungspotentiale, tauscht sich aus.
Geht also. Es ist schwer. Es ist anstrengend, es ist irgendwie so, als ob man nur auf einem Auge sehen könnte und dennoch mit 120km/h auf einem Einrad den Berg herunterfährt, aber da muss ein Trainer durch.
Wir haben unseren Job geheiratet, da heißt es eben dann auch hier: In guten wie in schlechten Zeiten!

Teilnehmerverhalten und Kundenstimmen
Auf der einen Seite gibt es Teilnehmer und Teilnehmerinnen, von denen man vom ersten Tag des Shut-Downs nichts mehr gehört hat. Keine Rückmeldung, keine Nachfragen, auch offene Rechnungen werden nicht beglichen, weil es ja im Moment auch keine Kurse gäbe. Richtig. Hier könnte man nur sinnlose Diskussionen anfangen (Rechnungsdatum, Zahlungsziel, AGB etc.) oder es bleiben lassen (habe mich für Letzteres entschieden, weil ich für diese Diskussionen im Moment keine Kraft habe).
Teilnehmer, die ohne jemals eine Online-Stunde ausprobieren zu wollen, sofort meckerten. Okay. Ist Geschmackssache. Ja, ich wäre auch lieber im Studio. Abhaken, zieht einen in der eigenen Ohnmacht und Trauer nur noch mehr runter. Ist traurig, aber nicht zu ändern.

Aber es gab auch viele liebe Rückmeldungen von Personen, von denen man es vielleicht gar nicht erwartet hätte: Care-Pakete zur seelischen Unterstützung. Liebe Mails mit solch dankbaren Worten, dass es einem vor Rührung die Tränen in die Augen trieb. Personen, die noch nicht mal die Möglichkeit hatten, eine einzige Live-Stunde mitzumachen, weil sie just erst im April hätten anfangen wollen, die sofort auf die Online-Kurse umgeswitcht sind.
Wahnsinn. Was da passierte war einfach nur großartig.

Als dann die Online-Kurse starteten war interessant, dass die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen viel relaxter damit umgehen als man es am Anfang vermutet hätte. Zahlreiche Teilnehmer waren sofort dabei, neue kamen hinzu, die aufgrund der Entfernung sonst nie teilgenommen hätten, andere lobten die neuen Möglichkeiten (ich muss nicht mehr raus, ich kann unter professioneller Anleitung den Kurs von zu Hause aus machen!), andere bitten schon jetzt darum, später – wenn dann die Krise vorbei ist – dies als Zusatzmöglichkeit doch irgendwie aufrecht zu erhalten.

Erkenntnisse
Eine Krise ist auch immer eine Chance. Gut, manche Chancen möchte man NICHT offeriert bekommen, auf andere wartet man vergeblich. Jetzt gilt es einfach weiterzumachen. Ich, ein Mensch, der gerne plant und am besten schon heute weiß, was übermorgen ist, kann das nicht. Dachte ich. Wenn einen das Leben in den Hintern tritt, dann stolpert man manchmal auch vorwärts. Wo der Weg endet kann ich nicht sagen, aber ich werde ihn weitergehen!

Freitag, 27. März 2020

Ein Kleinstunternehmen in der Corona-Krise

Wir, das sind Nadine, Günther, Sophie und Lorenz Rebel. Wir arbeiten selbständig seit dem Jahr 2000. Damals wurde das Unternehmen „Rebel-Management-Training“ gegründet, welches Seminare und Coachings, sowie betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet.

Im Jahr 2011 kam „CrazySports Augsburg“ dazu. Ein kleines Sportstudio, in welchem wir Yoga und Pilates, aber auch Aerial Hoop und Poledance-Kurse durchführen und medizinisches Fitnesstraining, Rückenfit-Kurse und Vieles mehr anbieten.

Schrittweiser Entzug der Existenzgrundlage
Im Zuge der Corona-Krise kamen zuerst die Absagen der Seminare. Man beruhigte sich, mit der Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Lebensunterhalts noch durch das Sportstudio generieren zu können, bis dann auch dieses am Montagabend, den 16.03.2020 nach den letzten beiden Kursen unter Tränen geschlossen wurde.

Wir haben schon viele herausfordernde Zeiten erlebt und mit den oben beschriebenen Tätigkeiten eine Familie ernähren zu wollen und zu können, war nicht immer leicht. Stillstand war noch nie unser Motto aber im Moment fühlen wir uns (fast) ohnmächtig.

Niemals stillstehen
Fast, weil auch in dieser Zeit Stillstand nicht das Mittel der Wahl sein kann.
So haben wir direkt am 16.03.2020 begonnen „Online-Kurse“ zu kreieren. Kein Mensch darf im Moment ins Fitnessstudio, zum Trainieren, ins Yogastudio.
Aber körperliche Betätigung ist und bleibt wichtig, auch für die Gesunderhaltung von Körper UND Seele.

Wie es weitergeht, weiß im Moment keiner, doch das Gefühl zu haben, nicht ganz untätig zu sein und gleichzeitig etwas für die Menschen tun zu können, ist gut.

Wir sind für Euch da – ein Versprechen, das auch online gilt
Wir möchten mit unseren Online-Kursen natürlich aus der Not eine Tugend machen. Und ja, die Teilnahme an den Online-Kursen ist kostenpflichtig. (www.crazy-sports-augsburg.com/online-classes).
Sicherlich für viele „viel teurer“ als das Fitnessstudio, welches ihr gewöhnt seid, dafür aber auch ohne Vertragsbindung. Was im Studio gilt, gilt auch für die Online-Classes!

Training in Krisenzeiten
Damit ihr allerdings nicht die „Katze im Sack“ kaufen müsst, haben wir Euch eine ganze Playlist mit Trainingsvideos zur Verfügung gestellt, die auch seit 19.03.2020 entstanden sind. Diese könnt ihr kostenlos nutzen, allerdings freuen wir uns über eine kleine Spende.
Playlist „Workout in Krisenzeiten“: 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLNuvWcKlqDu1XWAn8r8V-SRDQiPmhaSLw

Wie geht’s weiter? Weiß kein Mensch.
Im Moment versuchen wir für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer da zu sein und auch die Familie zu betreuen und selbst Gutes zu tun. So wurde aus dem Büro, in welchem nicht nur der Rechner steht, sondern auch meine Nähmaschine, eine Werkstatt für Atemschutzmasken.
Wir versorgen die Familie und Freunde damit, einige wenige fertigen wir auch auf Bestellung.

Danke
Wir möchten uns bedanken. Bedanken beim Staat (ja!), denn die Soforthilfe wurde uns ca. eine gute Woche nach Schließung des Studios zugesichert. Damit kann man schon mal ein oder zwei Atemzüge mehr machen und wenigstens für einen kurzen Moment die Sorgen beiseiteschieben.

Wir möchten uns auch bedanken bei den lieben Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die uns Mut zusprechen, die sich für die Online-Kurse angemeldet haben, die ihre Kurse bezahlt haben, auch wenn sie wissen, dass diese erst einmal nicht stattfinden können.
Bedanken bei denen, die uns Päckchen geschickt haben oder sich einfach mit ein paar lieben Worten für die gute Betreuung der letzten Jahre bedankt haben.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut das tut. Danke. Von ganzen Herzen Danke!


Donnerstag, 19. März 2020

Das Wechselbad zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkei



Die letzten Wochen hatte ich mich strikt geweigert, das „Virus“ in meinen Blogbeiträgen zu thematisieren. Teils wohlüberlegt, teils auch aus Trotz, teils vielleicht, weil es eben alle machen und ich dagegen rebellierte (Nomen est omen).
Und irgendwann kann man die Augen nicht mehr schließen, wenn man nicht blind gegen eine Wand laufen will

Man sieht die Sonne untergehen

und erschrickt doch, wenn es dunkel wird. (Herkunft unbekannt).
Eigentlich ein Trauerspruch, aber auch passend auf das, was wir gerade alle erleben.
Man beruhigt sich, man sagt sich, dass alles nicht so schlimm werden wird, man hält sich an der verbleibenden Normalität fest, man sagt sich, aber wenigstens XY geht ja noch und dann wird jeden Tag alles anders.

Eine Zerreißprobe

Ich bin ein ängstlicher Mensch, der gerne plant, für alles einen Plan B in der Tasche hat und seine Daseinsberechtigung in guter Leistung und dem Erbringen von guter Arbeit sieht.

Tja, bisschen blöd im Moment.

Planen kann ich nicht, Pläne B, C und D müssen erst noch (schnell) entwickelt werden, meine Leistung will im Moment keiner haben (verständlicherweise, die Menschen haben den Kopf ja ihrerseits voll mit anderen Gedanken) und ob die Arbeit in die ich mich seit Sonntag-Abend, als klar war, dass „die“ uns dicht machen werden, stürze „gut“ ist, das mag auch noch keiner sagen.

Jammern auf hohem Niveau

Sorgen, Ängste, Fragen, Unsicherheit und dennoch ein Jammern auf hohem Niveau. Ja, auf hohem Niveau! Es steht definitiv unsere Existenz auf dem Spiel. Wir stehen am Abgrund und es ist unklar, ob wir morgen nicht schon einen Schritt weiter sind.

ABER: Wir leben, wir sind gesund, die Familie ist zusammen, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben einen Garten, die Lebensmittelversorgung ist gewährleistet, wir können unsere Wäsche waschen, die Post funktioniert, die Bestellvorgänge auch, wir sind digital vernetzt. Es geht uns nicht schlecht!
Es ist nur auf einmal ganz anders als gestern.

Augen auf bei der Berufswahl

Wir arbeiten selbständig seit dem Jahr 2000. Damals wurde das Unternehmen „Rebel-Management-Training“ gegründet, welches Seminare und Coachings, sowie betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet.

Im Jahr 2011 kam „CrazySports Augsburg“ dazu. Ein kleines Sportstudio, in welchem wir Yoga und Pilates, aber auch Aerial Hoop und Poledance-Kurse durchführen und medizinisches Fitnesstraining, Rückenfit-Kurse und vieles mehr anbieten.
Im Zuge der Corona-Krise kamen zuerst die Absagen der Seminare. Man beruhigte sich, mit der Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Lebensunterhalts noch durch das Sportstudio generieren zu können, bis dann auch dieses am Montagabend nach den letzten beiden Kursen unter Tränen geschlossen wurde.

Und auch hier: Jammern auf hohem Niveau!

Ärzte, Schwestern, Pfleger, Krankenhauspersonal, Verkäufer und Verkäuferinnen im Einzelhandel, Busfahrer und Busfahrerinnen und viele viele Berufsgruppen mehr, sind weitaus härter betroffen, denn bei ihnen geht es nicht (nur) ums GELD, sondern um ihre Gesundheit, ihr Leben.

Fixpunkte schaffen, wenn alles aus dem Ruder läuft

Routine, ein strukturierter Tagesablauf, etwas an dem man sich (gedanklich) festhalten kann, beruhigende Pole schaffen. Wichtig!
Weiß ich! Aber ich handle seit Sonntagabend auch nicht (mehr) danach. Ich lenke mich mit Arbeit ab, suche wie wild nach neuen Wegen, unsere Angebote digital verfügbar zu machen und in den Pausen, die ich nicht mache, trinke ich zu viel Kaffee und tue noch andere Dinge, die der Gesundheit nicht zuträglich sind.

Das muss ein Ende haben

Wenn der Alltag nicht mehr wie gewohnt funktioniert, muss man sich einen neuen Alltag schaffen. Und wenn jeder Tag aufs Neue geplant werden muss, weil es keinen Alltag mehr gibt, dann sollte man sich überlegen, was man immer bei sich hat, was einem keiner nehmen kann.
Das sind mehr Dinge als man denkt. Zum einen ist es die innere Einstellung, an der im wilden Sturm gerüttelt werden kann, die aber auch Fels in der Brandung ist.
Zum anderen ist es die Einzigartigkeit von jeder Person, die auch wertvoll ist.
Hinzu kommt das Wissen und die Kommunikation dazu und unser Körper, der uns trägt.

Körperlich fit für die Seele

Seit Montag habe ich auf meinen geliebten Sport „verzichtet“. Nicht verzichtet, er erschien mir auf einmal unwichtig und weder habe ich die Zeit noch die Muse gefunden. Und ich merke, wie es mir zunehmend schlechter geht.

Ab heute wird wieder angegriffen: Yoga, Pilates, Workout und Tanzen auf gute Musik.
Ich weiß, dass ich mich erst dazu zwingen werde müssen. Ich weiß aber auch, dass es mir hilft, langfristig gesund zu bleiben und durchzuhalten.

Sport-Online

Auf alle Fälle gibt es ab nächster Woche bei CrazySports Augsburg Online-Kurse und wir freuen uns, Euch dort zu „sehen“. www.crazy-sports-augsburg.com/online-classes

Gutes für Körper und Seele – das Licht am Ende des Tunnels

Tut Euch Gutes! Das ist gerade in diesen Zeiten eine Betriebsinvestition. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, was „gut“ ist – aber das ist eine fast schon philosophische Frage.

Donnerstag, 12. März 2020

Trainer unter sich...


Eine Lektion unserer Trainerausbildungen behandelt den (möglichen) Motivationsverlust der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Man kann fast die Uhr danach stellen und als Trainer erkennt man die Entwicklung, steuert sehenden Auges darauf zu, tut, was man tun kann und scheitert dennoch manchmal. Das kann für den Trainer ziemlich frustrierend sein.
Umso beruhigender, wenn man als Ausbilder lesen kann, dass es auch anderen (angehenden) Trainern ähnlich geht.

Die Bearbeitung der Lektion über „Motivationsverlust“ durch die Teilnehmerin unserer Ausbildungen Margarita Sivov ist dabei so gut formuliert, dass sie geteilt werden muss (und darf).

Margarita Sivov – Trainerausbildung Pole Dance „Intermediate“
Lektion 15

Thema: Motivationsverlust der teilnehmenden Personen

Teilaufgabe 1 – Was ist mit Motivationsverlust gemeint? Welche Rolle spielt die Frustration besonders in Intermediate Kursen? Gerade dann, wenn die Figuren und Tricks immer höhere Anforderungen an die teilnehmenden Personen stellen, kommt es immer wieder vor, dass der Trainer merkt, dass sich Frustration breitmacht und teilnehmende Personen nicht immer ganz motiviert bei der Sache sind. Erläutere, warum das so ist und warum die Gefahr in Intermediate Kursen zunimmt.

Es kommt der Punkt in so ziemlich jeder Pole-Laufbahn, an dem man sich denkt man hätte die Grenze seiner körperlichen und mentalen Fähigkeiten erreicht. Diese Zeit kann bereits nach der ersten Stunde an der Stange kommen oder auch immer mal wieder, bei vielen tritt dieses Gefühl allerdings ziemlich im mittleren Level, dem sogenannten Intermediate Level auf. Viele Polerinas sind zum Start des Pole Sports meist durch frühere Sportarten körperlich relativ gut trainiert und sportlich. Viele andere sind es vielleicht nicht, bringen allerdings eine Menge Euphorie, Motivation und Willen mit, was beide letztendlich Stück für Stück voranbringt. Techniken werden eisern und ehrgeizig wiederholt, es wird sich regelmäßig gedehnt – insgesamt ist man sehr bemüht und geduldig mit sich und der neuen Sportart. Man feiert bald schon den ersten Erfolg: Der Aufstieg ins nächste Level. Endlich kein Anfänger mehr. Ab dann lassen sich Polerinas erfahrungsgemäß in folgende Schemata unterteilen:

Es beginnt bei vielen die Bequemlichkeit, die Komfortzone „Intermediate Kurs, denn man kann seinem Gewissen nun erzählen, dass man zwar nicht zu den Profis gehört, aber auch nicht mehr zu den „Nichtskönnern“. Viele Polerinas ruhen sich auf ihrem ersten Aufstieg aus und lassen die Sauberkeit in Sachen Techniken schleifen, dehnen sich nicht mehr regelmäßig und nehmen es evtl. nicht mehr ernst, mehrmals die Woche zum Kurs zu kommen geschweige denn andere Sportarten auszuüben. Man fühlt sich recht wohl mit seinen anderen Intermediate Polerinas. Und dann kommt dieser Zeitpunkt, wenn irgendwie auch die „festsitzenden“ Figuren nicht mehr sitzen wollen. Die Muskulatur baut sich zunehmend ab, man wird steifer und eigentlich müsste man wieder in den Anfängerkurs, weil man überhaupt nicht mehr richtig mithalten kann. Manche hören ab dann ganz auf, da ihnen der Beweis es „weiter geschafft zu haben“ genügt oder sie unglaublich frustriert sind oder sie machen weiter, drehen sich im Kreis, kommen mit kleinen Schritten mal wieder voran und es genügt auch. Frustration macht sich immer mal gelegentlich breit, da man sich ja eigentlich auch mal wieder etwas Neues präsentieren möchte.

Wieder andere sind seit Tag 1 an der Stange der Ehrgeiz in Person. Immer schneller höher, weiter und nie weit genug. Zufriedenheit ist kurz da, aber es wird stets verbissen an sich gearbeitet. Aber auch diese Art von Polerina merkt eines Tages, dass man die nächsten Tricks nicht mehr so schnell beherrscht – Frustration macht sich breit. Sonst konnte man doch immer alles nach ein paar Wiederholungen und an dem letzten Trick reißt man sich nun schon seit Wochen wenn nicht sogar Monaten gefühlt beide Arme heraus! Diese Frustration nebst Wut, Ungeduld und Selbstzweifeln lässt Polerinas ausbremsen.

Wie in allen Lebenslagen, entscheidet sich in den harten, ungewohnten Zeiten, wenn man psychisch und physisch in neue Situationen gerät, ob man etwas wirklich will und weiter macht. Ungefähr ab dem Intermediate Level geht es für viele ins wirklich „Eingemachte“ des Pole Sports und man kann nicht mehr mit der natürlichen Sportlichkeit mithalten. Man muss noch härter trainieren – auch mental. Viele brauchen hierfür eine lange Zeit – zum einen, weil sie sich einbilden, sie könnten nie zu den Profis gehören -  „Where focus goes energy flows“, zum anderen dauert es, Kraft und Flexibilität für den Profi-Level aufzubauen, und sich auf diesen vorzurbereiten. Aus diesem Grund sind oftmals die meisten Teilnehmer in Pole Schools in Intermediate Kursen untergebracht.
Ein anderer Grund ist, dass dieses Level einen längeren Spielraum für den Trainer zulässt als andere. Wenn ein Teilnehmer sicher in Inverts hängt ist dieser automatisch kein Anfänger mehr, kann aber dennoch auch lange Zeit an der Iguana arbeiten und verharrt somit längere Zeit im Intermediate Level. Der „Zwischenbereich“ hat somit eine größere Bandbreite an Fähigkeiten als das Beginner- und Profi-Level und ist diesbezüglich ungenauer definiert. Den Teilnehmer kann dies demotivieren, da er sich fragt, wann es endlich ausreicht, um ins nächste Level zu wechseln.

Vielen Dank Margarita, dass wir diese Ausführungen teilen dürfen.
Informationen zu unseren Trainerausbildungen (Aerial Hoop und Poledance) findet man unter
www.crazy-sports-augsburg.com/trainerausbildung

Donnerstag, 5. März 2020

Perspektive Angst

Vorsicht, Nachsicht, Rücksicht, Umsicht, Aussicht, Fernsicht,
Den (klaren) Blick auf etwas werfen zu können, scheint wichtig zu sein. Die Informationsfülle und -flut, der wir heute ausgesetzt sind, trägt allerdings häufig dazu bei, unsere Sinne zu vernebeln und den klaren Blick zu verschleiern.
Angst, die auf fruchtbaren Boden fällt und mit Konsum ungefilterter Nachrichten gedüngt wird, lässt Scheuklappen entstehen, die der uneingeschränkten Sicht hinderlich gegenüberstehen.

Jeder kann mitreden, jeder bekommt eine Bühne
Soziale Medien bieten jeder Person eine Bühne. Bloggern(siehe hier), Influencern, intelligenten Personen und weniger intelligenten Personen. War Papier geduldig, so ist es das Netz noch viel mehr. Wer lange genug sucht und recherchiert, wird mit Sicherheit etwas finden, was die eigenen Vermutungen unterstützt. Per se ist das nicht zu verurteilen, so lange man dabei die Augen aufmacht.

Vernunft ist langweilig
Das Problem ist, dass klare Sichtweisen oftmals mit Vernunft gepaart sind und wir alle wissen, dass wir schon unsere Eltern als furchtbar langweilig und spießig empfanden, wenn sie uns mahnten „vernünftig“ zu sein. Vernunft steht für die Abwesenheit eines gewissen „Kicks“ oder „Thrills“, der das Adrenalin fließen lässt und uns antreibt, uns vielleicht sogar lebendig fühlen lässt.
Auch das ist nicht grundlegend zu verurteilen, so lange man mit den Geistern, die man heraufbeschwört, umgehen kann.
Der Horrorfilm, den man freiwillig „konsumiert“, sollte eigentlich nicht dazu führen, dass man sich nicht mehr in den Keller traut. Rational weiß man ja auch, dass sich im Keller wahrscheinlich kein Monstrum irgendeiner Couleur befindet, aber die Angst schränkt uns ein.
Mist, so war das nicht gedacht!

Geistige Brandstiftung
Als Trainerin habe ich ungewollt auch schon „geistige Brandstiftung“ betrieben. Ich habe so lange vor den möglichen Gefahren eines Tricks oder einer Übung gewarnt, bis die Umsicht in irrationale Angst umschlug. Ist die Angst erst einmal vorhanden, dann dauert es lange, diese wieder zu zähmen. Sie hört nicht zu, sie schreit und tobt mit verschlossenen Augen, sie benimmt sich wie ein trotziges Kind in rasender Wut und besteht darauf, Recht zu haben. Zeit ist aber etwas, was wir nicht zu haben scheinen. Fortschritte müssen schnell von statten gehen (ob im Sport oder im Business), Tutorials und Videos die unser Interesse wecken, sollten bitte nicht länger als 20 Sekunden andauern. Sich tiefgehend mit einer Thematik auseinanderzusetzen würde bedeuten, Zeit zu investieren. Konsum von Artikeln und Beiträgen, die das Feuer im Geist anfachen, geht schneller.

Hier schreibt ein ängstlicher Mensch
Wer nun glauben würde, dass diese Zeilen von einer angstfreien und absolut abgeklärten Person verfasst werden, der irrt gewaltig. „Was wäre wenn“ – und dabei immer nur an das Schlimmste denken, so bin ich aufgewachsen. Es ist harte Arbeit, die Umsicht, den klaren Blick und die Vernunft mit dem schreienden Trotzkind der Angst verhandeln zu lassen, aber es lohnt sich. Angst sollte auch nicht besiegt oder unterdrückt werden, denn sie ist eine gute Emotion. Nur dann, wenn sie uns dazu verleitet, absolut irrational zu werden und in allem immer nur das Schlimmste zu vermuten, brennt sie alles nieder, was uns das Leben auch als schön empfinden lässt.



Donnerstag, 27. Februar 2020

Integral, Integration, Ganzheitlichkeit und noch ein paar Schlagwörter mehr

Vor einigen Tagen wurde ich durch Zufall mit der „integralen Theorie“ konfrontiert. Googlen. Aha! Ganzheitlicher Ansatz. Klingt gut. Nur so kann es gehen. Noch bin ich d’accord. Ja, das Innen und Außen zu betrachten (Gefühle des Menschen und Erwartungen der Umwelt), ist sicherlich sinnvoll. Ja, man kann den Menschen nicht getrennt von den Organisationen sehen, so wie man die Psychologie nicht von der Soziologie trennen kann. Letzteres hat mich im Studium schon immer genervt. Die Soziologen verfochten den Ansatz, alles sei durch die Gesellschaft bedingt, die Psychologen wiederum meinten, alles würde vom Individuum ausgehen. Eigene Gedanken, die sinngemäß folgendermaßen aussahen: „ Der Mensch mit seinem Denken, Fühlen und wollen IST ein Teil der Gesellschaft, die Gesellschaft wirkt ihrerseits auf das Denken, Fühlen und Wollen des Einzelnen ein.“ – wurden meist nur mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert. Mein Verstand setzte aus oder war wohl nicht für Höheres geschaffen.

Ganzheitlichkeit

Auch unser Claim lautet „ganzheitliches Training für ganzheitlichen Erfolg“. Hinter diesem Satz steckt die Verbindung von Sport (CrazySports Augsburg) und den beratenden Trainertätigkeiten (Rebel-Management-Training).

Die Erfahrungen von über 20 Jahren zeigen, dass der Kopf eben nicht getrennt vom Köper agiert und dass man die Dinge ganzheitlich betrachten und angehen sollte. Das war aber noch nie etwas bahnbrechend Neues für mich, sondern eher eine Selbstverständlichkeit.

Erlebnispädagogik, körperorientiertes Coaching, Psychosomatik, Hormone und Gefühle, Stress und Stresserleben, sportliches Training und Überwindung geistig gesetzter Grenzen (Angst zu Fallen, Angst vor Verletzungen) – all diese doch eher handfesten Bausteine sind für mich einem ganzheitlichen Ansatz zugehörig.
Wenn man einen Menschen verstehen möchte, so kann man ihn nicht nur in Zahlen zerlegen, sondern muss sich eben auch in seine (Gefühls)-Lage versetzen. Soweit so gut.
Das hat noch nichts besonders Spirituelles an sich - finde ich zumindest.


Spiritualität

Jetzt kommen wir zu einem Reizwort. Ja, ich bin ein gläubiger Mensch und ich glaube daran, dass wir mit unseren bisherigen Verstandes-Möglichkeiten noch lange nicht alles erfasst haben und es auch wohl nie erfassen werden können. Fakt. Für mich.

Das Wissen/der Glaube daran, dass es etwas Unbegreifliches, etwas Unvorstellbares, etwas „Übernatürliches“ gibt, macht einen Menschen noch nicht zum Spinner.
Das Wort „übernatürlich“ an sich ist meines Erachtens Ausdruck einer gewissen menschlichen Überheblichkeit, denn wer bestimmt denn, was natürlich ist und was nicht?
Normal bedeutet ja auch nur: „Der Norm entsprechend“ und Normen werden eben häufig von Menschen erstellt. Insofern bin ich mir ziemlich sicher, dass es Menschen gibt, die Zugang zu „höheren Sphären“ haben, oder wie sie es auch immer nennen mögen.

Wenn Spiritualität allerdings dazu führt, dass man die „anderen“, die armen Seelen, die auf ihrem beschränkten Weg zur spirituellen Reife noch keinen Schritt weitergekommen sind oder die diesen noch nicht einmal gehen wollen, mitleidig betrachtet und es diese Personen auf welche Art auch immer spüren lässt, dann reagiere ich gereizt.

Das ist gelebte Überheblichkeit, die den Wunsch nach ganzheitlichem Agieren ad absurdum führt. Es muss niemand bemitleidet werden, der (noch) keine Erleuchtung gefunden hat oder nicht in der Lage ist Engel, Feen, Elfen oder Einhörner zu sehen. So wie man niemandem bemitleiden muss, der noch nicht alle Länder bereist hat, die eine andere Person vielleicht schon bereisen konnte.

Genau dieses Verhalten lässt sich allerdings nicht selten beobachten: Trägt man in manchen Yoga-Workshops nicht die gleiche Kleidung wie andere, hat keine 5 Buddha-Bändchen an jedem Handgelenk und will auch nicht jedem gleich Liebe schenken, so ist man eine arme Wursthaut. Traurig. Bemitleidenswert. Von Erleuchtung weit entfernt.

Steht man Motivationsgurus kritisch gegenüber, weil man die heilsbringenden Sätze „Glaube an Dich und du kannst alles schaffen.“ – eben als netten Spruch ohne Inhalt betrachtet, der den zuhörenden Personen keine Handlungsmöglichkeiten aufzeigt oder sie lehrt, wie diese technisch zu nutzen sind, so ist man ein enfant terrible, ein nicht ganz so gern gesehener Gast.

Immer dann, wenn proklamierte Ganzheitlichkeit dazu führt, die Menschen, die (noch) nicht ganz so ganzheitlich agieren können, zu bemitleiden, sie abzulehnen, sich ihnen gegenüber in irgendeiner Weise herablassend zu verhalten, dann zeigt dies, wes Geistes Kind die Anhänger sind.

Was wäre denn ein Trainer/ein Lehrer/ein Coach, wenn er oder sie seinen Coachee/Schüler abschätzig betrachten würde, weil er/sie noch nicht da ist, wo man selbst schon ist?
Eltern betrachten ihre Kinder doch auch nicht abfällig, weil diese noch nicht mal alleine aufs Klo gehen können.

Ganzheitlich ja, vernünftig auch

Der fliegende Teppich ist eine tolle Vorstellung, aber für den zu bewältigenden Alltag ist es wichtig, erst einmal auf dem Teppich zu bleiben, bevor man mit ihm abheben möchte.
Denn wer abgehoben ist, verliert eben häufig die Verbindung zum Boden der Tatsachen, die allerdings eben auch betrachtet werden wollen und die sich nicht einfach wegsingen lassen.

Ganzheitlich heißt für mich/für uns, dass wir betrachten, was mit sinnvollen Maßnahmen möglich ist und gemeinsam mit dem Partner/Coachee/Teilnehmer/Schüler/Auftraggeber eruieren, wie wir vorgehen können und ob es dem anderen dabei gut und besser geht.

Tut es das nicht, oder versteht das Gegenüber den Trainer/Coach/Yogi nicht, so wählt man einen anderen Ansatz, denn es ist seine Pflicht und Verantwortung, die teilnehmende Person dort abzuholen, wo wie sich befindet, nicht mitleidig zu gucken, wenn die Person Angst hat einen Kopfstand zu machen, wo man doch wissen müsste, dass Umkehrpositionen (im Yoga beispielsweise) im wahrsten Sinne des Wortes der Schlüssel zu neuen Perspektiven sind.


Donnerstag, 20. Februar 2020

Trainer oder Dienstleister?


Beides! Die Frage, die sich stellt ist, ob man trainierender Dienstleister oder dienstleistender Trainer ist?
Ein Trainer leitet an, gestaltet, hilft, übt, erklärt und ist für seine Teilnehmer/Teilnehmerinnen da, ganz gleich ob es ich hierbei um ein Business-Training im Bereich der sozialen Fähigkeiten/der Personalentwicklung handelt, oder um sportliches Training.
Insofern hat ein Trainer Kunden/Kundinnen und ist immer auch Dienstleister. Die gesunde Mischung aus Trainer und Dienstleister zu finden ist somit nicht immer einfach, aber ein Muss.

Der trainierende Dienstleister

Bei dieser Form liegt das Hauptaugenmerk auf der Dienstleistung, die fast schon zu einer devoten Haltung gegenüber Auftraggeber und Kunden/Kundinnen führen kann. Alles wird auf den Wunsch des Auftraggebers/Kunden ausgerichtet, ganz gleich ob es letztlich zielführend ist oder nicht. Hauptsache der Kunde ist zufrieden. Das scheint auf den ersten Blick nicht falsch zu sein, denn wenn der Kunde zufrieden ist, so bleibt er und dann kann auch der Trainer zufrieden sein. Solange die Wünsche des Auftraggebers/Kunden mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmen, herrscht eitel Sonnenschein.
Schwierig und herausfordernd wird es dann, wenn offenkundige oder latente Erwartungen vorherrschen, die die Sinnhaftigkeit des Trainings oder das Selbstverständnis des Trainerberufs ad absurdum führen. Personalentwicklungsabteilungen, die der Meinung sind, jahrelange Missstände können mittels eines Ein-Tages-Seminars durch den Trainer behoben werden, genaue Vorschriften für Seminare, wie viele Inhalte, Übungen, Themen mit wie vielen Personen in einen Tag gepackt werden sollen, ganz gleich ob die Zeit und die Teilnehmerzahl das zulässt. Personen, die nach 2 Wochen Training einen Adonis-Körper erwarten. Personen, die im sportlichen Training stets fremdmotiviert werden möchten und ihrerseits nicht bereit sind, sich selbst in den „Allerwertesten“ zu treten.
Es gibt Erwartungen, die kann auch der beste Trainer nicht erfüllen. Man beginnt sich zu verbiegen, bis man bricht. Man verliert Glaubwürdigkeit und Authentizität. Man beschwört einen intrapersonellen Konflikt herauf.


Der dienstleistende Trainer

Ein Trainer, der kundenorientiert arbeitet, ist offen für das, was sich die Teilnehmer und der Auftraggeber wünschen. Er hat so viel Kompetenz und kann so flexibel reagieren, dass er exakt auf das eingehen kann, was gewünscht wird. Das setzt zum einen ein breites Portfolio an Wissen, Kompetenz und Erfahrung voraus, zum anderen aber auch die Kenntnis um die eigenen Grenzen.
Ein dienstleistender Trainer verliert seine Glaubwürdigkeit nicht und handelt immer authentisch. Er lebt im Idealfall vor, was er von seinen Teilnehmern verlangt. „Practice what you preach!“
Ein dienstleistender Trainer verlässt die eigene Komfortzone, geht an den Rand des Machbaren, aber eben nie darüber hinaus.
Er behält die Teilnehmergruppe im Blick, kann seine Seminar-/Trainingsführung anpassen, ohne sich mit auswendig gelernten Inhalten auf eine Gruppe von Menschen vorbereiten zu wollen, die eigene Wünsche mitbringen und die der Trainer/Seminarleiter vor Beginn des Trainings gar nicht kennt.
Das kann unter Umständen durchaus dazu führen, dass einige Auftraggeber/ Kunden unzufrieden sind, weil sie den Trainer nicht für ihre Zwecke versklaven konnten, weil im sportlichen Training keine sinnlose Verantwortungsverschiebung stattfinden kann, langfristig ist es – das Wissen und die Kompetenz des Trainers vorausgesetzt – sicherlich der bessere Weg für alle Beteiligten.

Freitag, 14. Februar 2020

To-Do versus DONE!



Es gibt solche Tage: Die To-Do-Liste scheint nicht kürzer zu werden, im Training klappt auch nichts, was man sich vorgenommen hat. Prädestiniert für schlechte Laune und das Gefühl nichts geschafft zu haben. Vieles was wir tun, erscheint uns selbstverständlich, nebensächlich, nicht erwähnenswert. Es kommt immer darauf an, ob man auch die „andere Seite“ betrachtet.

Im Hintergrundbild sieht man ein scheinbares Tohuwabohu an Notizen und Strichen.
Auf der linken Seite stehen die Dinge, die man sich vorgenommen hat, auf der rechten Seite, die Dinge, die ungeplant dazukamen, die man aber (trotzdem) auch noch erledigt hat.

Nicht alle Punkte auf der „Soll-Seite“ kann man immer dann abhaken, wenn man es möchte oder es sich vorgenommen hat. Das ist im Training so, dieser Umstand begleitet uns aber auch im Berufsleben und im Alltag. Legt man den Fokus beständig auf das, was man nicht geschafft hat, so stellt sich häufig Frust und ein Gefühl der Unzulänglichkeit ein. Vollkommen zu Unrecht, wenn man sich angewöhnt, auch die Dinge zu notieren, die scheinbar „nebenher“ laufen.

Ein Tipp für sinnvolles Zeitmanagement besagt, man solle nur ca. 40% des Tages verplanen, der Rest würde sich von alleine füllen. Das kennt man. Es stimmt. So lange man den Fokus aber nicht auf die ungeplanten Dinge legt, die man (trotzdem) erledigt hat, stimmen einen 40% selten zufrieden, schlimmer wird es noch, wenn man vermeintlich nicht mal 40% geschafft hat.

Gewöhnt man sich an, den Fokus auf die übrigen, ungeplanten 60% zu legen, stellt man fest, dass unterm Strich kein Tag unproduktiv war und kein Training umsonst.
Man hat zwar vielleicht nicht exakt das geschafft, was man sich vorgenommen hat, aber man war trotzdem tätig.
Die angestrebten 40 Liegestütze haben nicht geklappt, die Figur im Hoop oder in der Pole wollte nicht funktionieren, weil es eben kein Flexi-Tag war, das Skript/ die Präsentation ist noch nicht ganz fertig geworden? Mag sein.
Aber zählen 35 Liegestütze dann gar nicht? Haben wir unseren Körper nicht trainiert, bei den Versuchen, den Trick/ die Figur zu meistern? Die Präsentation ist eventuell deswegen nicht fertig geworden, weil ein anderes, ungeplantes Thema unsere Aufmerksamkeit forderte. Wir können despektierlich die eigenen mangelhaften Leistungen betrachten, oder den Fokus auf das legen, was wir stattdessen erledigt haben oder erledigen mussten und unsere Flexibilität und Durchhaltevermögen erforderten.

Es lohnt sich, auch die scheinbaren Selbstverständlichkeiten zu schätzen! Im Sport wie im Beruf.

Freitag, 7. Februar 2020

Reifung, Geduld und Wahnsinn




Unter „Reifung“ versteht man in der Biologie und in der Entwicklungspsychologie Verhaltensweisen, die man nicht erlernen muss, sondern die sich aufgrund genetischer Entwicklung einfach ergeben. Reifung stellt sich ein und ist von äußeren Einflüssen weitgehend unabhängig.
Geduld wird definiert als ein ruhiges und beherrschtes Ertragen von etwas Unangenehmen bzw. Langwierigen.
Wahnsinn ist die beständige Wiederholung gleicher Verhaltensweisen in der Erwartung eines neuen und anderen Ergebnisses.
Und Training? Welche Rolle spielt Training in all diesen Prozessen und Verhaltensweisen?
Werfen wir einen Blick darauf

Reifung umgekehrt
Es gibt Ansätze, die Reifung quasi umgekehrt betrachten: Obwohl die körperlichen Fähigkeiten und Anlagen schon längst vorhanden sind (Kraft, Flexibilität, Kompetenzen, erlernte Fähigkeiten), werden diese nicht genutzt, weil sie noch nicht genutzt werden können. Der Kopf könnte damit noch nicht umgehen, die Reifung im Hirn ist für ein souveränes Anwenden der Fähigkeiten noch nicht ausreichend fortgeschritten.
Das kennen wir: Obwohl wir eine Prüfung bestanden haben, die uns bescheinigt, dass wir über eine gewisse Fähigkeit verfügen, können wir diese (noch) nicht einsetzen. Obwohl wir eine Bescheinigung haben, die uns als kompetent erklärt, fühlen wir es noch nicht.
Im sportlichen Training geht ein Trainer darauf ein: Selbst wenn er in der Hilfestellung merkt, dass eine Person keine Fremdunterstützung mehr braucht, bleibt er da, vermittelt Sicherheit. Das Back-up im Hintergrund und der Plan B können auch bei der Nutzung geistiger Fähigkeiten helfen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen zu lassen, bis es so groß ist, dass Fähigkeiten und Denken übereinstimmen und reif zur Ernte sind.

Geduld
Kein Mensch ist von Haus aus geduldig, denn wer erträgt schon gerne etwas Unangenehmes, was zudem auch noch lange andauert? Jemandem also Ungeduld vorzuwerfen, bringt rein gar nichts. Ungeduld ist ein Gefühl, welches sich nicht verflüchtigt, nur weil eine andere Person sagt, dass das Gefühl unvernünftig wäre. Will man gemeinsam hier arbeiten, so sollte man nicht bei der Geduld ansetzen, sondern beim Gefühl des „Ertragens von etwas Unangenehmen“. Wer Training zur Erlangung einer gewünschten Fähigkeit (ob im Sport oder im Business) als Qual empfindet, den wird die Ungeduld immer einholen. Bis zu einem gewissen Teil kann der Trainer/Lehrer/Vorgesetzte die „Qualen lindern“. Motivation, Bestärkung, Mut machen, auf (kleine) Teilerfolge hinweisen, bessere Erklärungen geben, auf dem Weg zur Reifung zur Seite stehen und den Weg als Ziel betrachten. Sind die gefühlten Qualen beim anderen dennoch so groß, dass die Ungeduld Oberhand behält, so verlaufen die Bemühungen eines Mentors/Trainers im Sand.

Wahnsinn
Jedes Training ist Wahnsinn, denn gefühlt machen wir immer das Gleiche und erwarten andere Ergebnisse. Wie wir eine Sache neu/anders angehen sollen, ist uns gesagt worden. Wir haben es auch verstanden. Und dann setzen wir es um und es funktioniert nicht. Sehr demotivierend. Tatsächlich setzen wir es eben noch nicht genau so um, wie es uns gesagt wurde, auch wenn wir das meinen.
Also versuchen wir es wieder. Und wieder. Und wieder.
Und irgendwann klappt es dann.
Was ich im sportlichen Training häufig erlebe ist das Unverständnis, wie es so lange hat dauern können, bis man es endlich kann? Denn wenn es dann (auf einmal) klappt, stellen sich viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Frage, was jetzt anders gewesen sein sollte als die gefühlten 9999-mal vorher? Dazu kommt das plötzlich aufploppende Gefühl, dass es jetzt ganz leicht war.

10000 Mal
Ein Körper muss eine Bewegung ca. 10000-mal ausführen, bevor sie instinktiv wird. Es ist also ganz normal, dass einem der Weg dorthin lang erscheint und man das Gefühl hat, wahnsinnig zu werden.
Hat man sich dann eine neue Verhaltensweise/ eine neue Fähigkeit im wahrsten Sinne des Wortes angeeignet, so erscheint sie auf einmal leicht und selbstverständlich. Jetzt ist man reif dafür, diese Fähigkeit souverän und authentisch zu nutzen.
Ohne den langen Weg funktioniert es nicht. Es gibt leider keine Abkürzung.