Donnerstag, 4. Juni 2020

Ressourcenmanagement – auf den Boden (der Tatsachen) zurückkehren



Ein Training wird meist dann als gut bewertet, wenn möglichst sofort mess- und sichtbare Erfolge und Fortschritte festzustellen sind. Ein wesentlicher Faktor ist und bleibt aber auch die Sicherheit. Jedes Training, welches den Trainierenden nicht vollkommen „zerstört“, sondern noch ein paar Reserven übrig lässt, ist gut. Dieser Gedanke hilft uns auch beim Umgang mit den mentalen Ressourcen, im Umgang mit Stress.

 

Stress kommt hinterher

Wir kennen alle den Umstand, dass sich die negativen Auswirkungen von Stress und Belastung gerade dann zu erkennen geben, wenn wir sie so gar nicht gebrauchen können. Sicher, negative Auswirkungen kann wünscht sie niemand zu irgendeinem Zeitpunkt, aber warum wird man häufig dann krank, wenn man „frei“ hat, oder verzieht sich den Rücken, wenn man doch im Urlaub entspannen könnte?

 

Der Körper leistet, der Kopf auch. Im Dauermodus arbeiten beide daran, den Anforderungen gerecht zu werden, bis endlich Ruhe einkehrt. Dann fordern Kopf und Körper ihren Tribut.

 

Obwohl wir das alle kennen, ist es unheimlich schwer, während einer Belastungszeit, in der Ausführung einer Übung an „später“ zu denken. (Ich kann es im Sport teilweise, im Umgang mit geistigen Ressourcen nur sehr bedingt).

 

Verbesserung kommt hinterher

So, wie beim Sport sinnvolle Regenerationsphasen einberechnet werden sollten, weil man weiß, dass die Verbesserung der Leistungsfähigkeit streng genommen nach dem Training hergestellt wird, nicht während des Trainings, so sollte man sich auch ab und zu Gedanken darüber machen, wo man im Alltag Regenerationsphasen einbauen kann, statt diese auf die lange Bank des Jahresurlaubs zu schieben.

 

Kraft berechnen

Im Training der Akrobatik gehen wir hier ziemlich pragmatisch vor. Wir berechnen nicht nur die Kraft, die wir benötigen, um eine bestimmte Figur ausführen zu können, diese aufzubauen und zu halten, sondern wir rechnen auch immer die Kraft für den „Rückweg“ ein.

Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Viele Personen sind gerade in der Anfangseuphorie so hochmotiviert, dass sie alles geben. Das ist per se sehr schön, aber manchmal auch hochgefährlich. Nicht selten kann es vorkommen, dass die Person nach einer erfolgreich gemeisterten Figur/ einem neuen Trick in luftigen Höhen feststellt, dass sie nun nicht mehr weiß, wie sie sicher auf den Boden zurückkehren soll, bzw. schlichtweg die Kraft fehlt.

 

Dann kann der Rückweg gefährlich werden. Beim Workout ist der Trainer als Hilfestellung vor Ort, er/sie ist darauf vorbereitet und begleitet den Teilnehmer sicher auf den Boden zurück.

Bei mentalen Herausforderungen fehlt uns manchmal die Kraftberechnung für den Rückweg, das Zurückhalten notwendiger Reserven und ein Coach.

 

Mentale Kraft berechnen

Der Kopf und der Körper können viel erreichen und aushalten. Sie gehen beide nicht so schnell kaputt, wie wir manchmal glauben, aber ein wenig Glutreserve sollte auch hier zurückgehalten werden, denn aus Asche kann man kein neues Feuer entfachen und Phönix sind wir selten.

Freitag, 29. Mai 2020

Flexibilität trainieren, Grenzen akzeptieren – Agree to disagree




Im Sport sagt man dem Training der Flexibilität nach, dass es eine gute Methode sei, den Bewegungsapparat gesund zu erhalten, Stress zu vermindern und Verspannungen zu lösen.

Durch Dehnungsübungen „zieht“ man den Muskel in die Länge. Ansatz und Ursprung des Muskels sollen sich weiter voneinander entfernen – vereinfacht und sinnbildlich gesprochen.

Dieses „Langziehen“ kann eine bessere Aufnahme von Nährstoffen und Sauerstoff verursachen und ist somit (richtig ausgeführt) gesund. Am Anfang verursacht Dehnen Schmerzen. Auch das ist normal und als gesundes Warnsignal des Körpers zu verstehen. Kommunikation mit dem Körper, Atmung, Geduld und Ruhe sind hier wichtige Faktoren, die vor Verletzungen schützen.

 

Übertragen wir dieses Wissen um die Auswirkungen von Dehnungsübungen auf unseren Kopf, lassen sich metaphorische Gemeinsamkeiten erkennen.

 

Sturheit ist die Unflexibilität des Geistes

Das Training der Flexibilität stärkt auf Dauer Sehnen und Bänder, die Haltestrukturen unseres Körpers, die Unterstützer unserer knöchernen Strukturen.

Ähnlich kann das auch mit dem Zulassen anderer Sichtweisen und Meinungen sein.

 

Am Anfang verursacht es bei manchen Menschen scheinbar körperliche Schmerzen, auch nur zu registrieren, dass Dinge unterschiedlich betrachtet werden können. In Anlehnung an die oben genannten Dehnungsschmerzen, schützt sich der Kopf vor Verletzungen. Es überfordert die geistige Reichweite und muss deswegen vermieden werden.

 

Doch ebenso in Anlehnung an Dehnungsübungen für den Körper, kann es sogar gesund sein, sich auf die mögliche Erweiterung des eigenen geistigen Horizonts einzulassen.

So wie Dehnen im körperlichen Bereich einen Ausgleich muskulärer Dysbalancen schaffen kann, so könnte das theoretisch auch im Geiste passieren.

 

Mit Gewalt geht gar nichts und schnell auch nicht

Dehnen, Stretching, das Training der Flexibilität setzt voraus, dass man sich darauf einlässt. Man braucht Zeit, sich mit dem Körper auseinanderzusetzen. Man muss mit dem eigenen Körper kommunizieren. Bei jeder neuen Dehnungsübung reagiert auch unser Körper erst einmal stur: „Nö! Kenne ich nicht. Will ich nicht. Habe ich noch nie gemacht. Geht nicht. Tut weh. Lassen. Aufhören.“

 

Nun können wir der Forderungen und dem Willen unseres Körpers nachgeben und es bleiben lassen. Oder wir gehen in Mini-Schritten vorwärts, geben dem Körper Zeit, respektieren seinen Schmerz, hören auf ihn, wiederholen, trainieren und geben nicht auf.

 

Natürlich können wir auch versuchen, den Körper zu zwingen, weil wir es ja schließlich besser wissen. Im Sport wissen wir alle, wie ein solcher Versuch endet.

 

Geistig ist es ähnlich

Die Erweiterung geistiger Horizonte setzt voraus, dass man sich dafür Zeit nimmt, dass man Gegenargumente nicht sofort vom Tisch wischt, dass man Meinungen anhört und die Schmerzen der anderen Partei, wenn diese sich auf neue Meinungen einlassen soll, ernst nimmt. Auch hier führt Zwang zu gar nichts.

 

Wertschätzende Kommunikation

Das Schlagwort schlechthin der letzten Jahre und Monate, wenn es um innerbetriebliche Schulungsmaßnahmen im Bereich Führung und Teams ging. Das war vor Corona.

In den letzten Monaten scheint diese wertvolle Grundlage gemeinsamen Miteinander-Redens wieder unbedeutender geworden zu sein. Schade eigentlich.

 

Agree to disagree

Wir sind uns darüber einig, dass wir uns nicht einig sind.

Klingt ein wenig wie Sokrates berühmte Aussage: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ (Korrekt übersetzt müsste es angeblich heißen: Ich weiß, dass ich nicht weiß.)

 

Sokrates ist sich des Umstands bewusst, dass ihm das Wissen, welches über jeden Zweifel erhaben ist, fehlt. Kluger Mann.

 

Wissen ist nie allumfassend. Das wäre auch schlimm und schade, denn dann könnte man die Forschung und Entwicklung auch aufgeben. Zwischen Schwarz und Weiß existieren viele Grautöne, manchmal sogar Farben.

Ein (wissenschaftlicher) Diskurs setzt voraus, dass sich alle Parteien der Wahrscheinlichkeit bewusst sind, dass sie falsch liegen könnten. Trotzdem oder gerade deswegen interessieren sie sich für die Betrachtungen anderer.

 

Und am Ende eines Tages kann man dem anderen mit Respekt begegnen, obwohl man festgestellt hat, dass sich der andere nicht von der eigenen Sichtweise hat überzeugen lassen.

Agree to disagree – ein hohes Ziel!

Donnerstag, 21. Mai 2020

Sonderstatus mit gemischten Gefühlen



Seit dem 15.05.2020 haben wir die Ausnahmegenehmigung erhalten, unser Studio CrazySports Augsburg unter strengen Auflagen wieder öffnen zu dürfen. Die Freude war und ist riesig, das Verantwortungsgefühl, mit welchem man mit diesem Fakt umzugehen hat ebenso und dennoch ist die Freude ein wenig getrübt. Warum?

Die Regelungen werden immer undurchsichtiger

Am Anfang des Lock-Downs saßen wir alle im selben Boot. Der Schutz, den wir füreinander bieten können, die Verantwortung, die jeder in der Gesellschaft zu tragen bereit sein sollte, stehen an erster Stelle. Keine Frage.

Auch dass die Wirtschaft mit Vorsicht und Umsicht wieder hochgefahren werden muss, ist notwendig. Dass man hier Regelungen treffen muss, die nicht jedem Vertreter jeder Branche schmecken, ist ebenso klar wie nachvollziehbar.


ABER

Jetzt werden die Regelungen immer weniger nachvollziehbar.

Friseure: offen. Tätowierer: offen. Bekleidungsgeschäfte inklusive Anproben: offen. Kosmetikinstitute: offen. Therapeutische Massagen: offen. Schulen: (teilweise) offen.

Gerade weil jetzt (für uns) nicht mehr nachvollziehbar war, warum in einem Bekleidungsgeschäft die Infektionsgefahr geringer sein sollte als in einem Yoga- oder Pilates, oder sonstigem Kleinstsportstudio hatten wir und entschieden, weiter für eine Ausnahmegenehmigung zu kämpfen.

Letztlich konnten wir mit Hilfe des BDS (Bund der Selbständigen), mit Hilfe und offenen Ohren ortsansässiger Politiker und einem Rechtsanwalt erwirken, dass wir unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen.

Wichtig war hier ein vorangegangenes Gerichtsurteil, welches EMS-Studios nicht in die Branche der Fitnessstudios einordnete, weil man hier mit Abstand und kontaktlos trainieren könne. Wie bei vielen anderen Sportstudios auch.


Zweifelhafte Pionierstellung

Fakt ist, am 15.05.2020 erhielt CrazySports Augsburg eine Sonderstellung.

Etwas worauf man stolz sein kann? Natürlich freuen wir uns, aber die Gerechtigkeit sollte für alle herrschen, die ein gangbares Hygienekonzept vorweisen können. Sonst ist alles eine Farce und Willkür.


Willkür und Machtausübung

In jeder Pressekonferenz wartet man sehnsüchtig auf Aussagen, die die Sportbranche im Allgemeinen betreffen würden. In jeder Pressekonferenz wurde bisher diese Hoffnung zerschlagen.

Jeder der sich bewegt und Sport betreibt, weiß um die positive Wirkung. Es herrscht allem Anschein nach in der Politik wohl eine Vorstellung von Sport und Fitness, die fernab jeder Realität liegt.

 

Genommene Perspektiven

Auch heute, Stand 22. Mai 2020, gibt es für Fitnessstudios aller Couleur (auch Kleinstsportstudios) noch keine Perspektive. In Bayern wird noch nicht einmal ein mögliches Datum genannt. Bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das kann nicht sein.

 

Die Langzeitschäden für KMUs sind nicht mit den Lockerungen vorbei

Auch wenn die Branchen dann, inklusive unserer Sportbranche, alle wieder „hochfahren“ dürfen, ist nicht alles von heute auf morgen „gut“.

Viele haben ihren Mitgliedern versprochen, erst einmal alles nachzuholen. Im Gespräch mit vielen Kollegen und Kolleginnen zeichnete sich immer ein ähnliches Bild ab.

Dann kommt der Sommer, der normalerweise durch das gleichnamige Loch geprägt ist. Andere Kunden und Kundinnen werden nicht mehr kommen (können), weil sie ihrerseits mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen haben (Kurzarbeit, veränderte Arbeitszeiten und vieles mehr).

Fakt ist, die Regenerationsphase/ die Neuorientierung wird mindestens bis Ende des Jahres andauern, also können wir uns vielleicht wieder bewegen, aber ob wir wirklich agil sind, auch das kann im Moment niemand sagen. Wir sind als „genesen“ aus dem Krankenhaus entlassen, aber noch lange nicht fit.

Keine Egozentrik

Wir haben nahezu 2 Monate gekämpft und waren mit Erhalt der Ausnahmegenehmigung „siegreich“. Ich mag weder die Worte „Kampf“ noch „Sieg“, sie erinnern mich an Krieg.

Es hat unheimlich viel Kraft, Mühen und Anstrengungen gekostet. Für unser Studio ist es schön, dass wir eine Ausnahmegenehmigung bekommen haben, aber die vielen anderen Studios, die ähnliche Konzepte haben, sollten nicht vergessen werden.

Unser Weg

Welche Maßnahmen sich in unserem Fall als hilfreich erwiesen haben, wo man die richtigen Ansprechpartner findet, welche Gerichtsurteile zum Vergleich herangezogen werden können – all das haben wir für die Kollegen und Kolleginnen der Branche in einer PDF-Datei zusammengestellt. Diese kann gerne gegen eine Schutzgebühr, deren Höhe ihr selbst bestimmt, angefordert werden.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Was man oft vergisst


Jeder ist sich selbst der Nächste. Prinzipiell ist das nicht verwerflich, aber es stimmt so auch nicht immer ganz. Gerade in schweren Zeiten ist es wichtig, sich nicht in Selbstmitleid zu panieren. Stattdessen muss man sich öfter mal selbst in den Allerwertesten treten und die Perspektive für die öffnen, die aus ganz anderen Gründen an der Situation verzweifeln.

 

Das können die doch nicht machen

Auch hinter diesem „die“ stecken Menschen. Menschen, die Entscheidungen nicht leichtfertig treffen. Menschen, die sich Gedanken machen. Menschen, die Verordnungen nicht nur erstellen, sondern auch durchsetzen müssen. „Die“ ist keine gesichtslose Masse.
Wenn uns etwas nicht passt, wenn wir traurig, wütend oder sauer sind, so können wir nur schlecht auf eine Sache sauer sein. Das bedeutet, dass wir der Sache ein (oder mehrere) Gesichter geben (müssen). Sachlagen werden personalisiert und es kann sich ein richtiger Hass auf die Personen entwickeln, die eigentlich auch nur ihren Job machen.

 

Ich tu mir leid – ich tu mir so schön leid

Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Fragment eines Songtextes von Eisbrecher. Manchmal muss man sich in (Selbstmit)Leid panieren, um den Schmerz und die Tiefe dessen, was es in uns auslöst auch ganz verstehen und begreifen zu können. Das ist notwendig und gehört meines Erachtens zur Bewältigungsarbeit dazu. Aber dann muss auch wieder Schluss sein.

Fast wie beim Fahrradfahren. Berg runter einfach laufen lassen, oder sogar noch selbst in die Pedale treten, aber nur, damit man auf der anderen Seite die Steigung wieder leichter schafft.

Man muss sich also selbst eine Deadline setzten, wann dann auch mal mit dem Gejammer Schluss ist.

 

Der Tritt in den Allerwertesten

Wir kennen das vom Training. Eine Zwangspause ist hart und am Anfang fehlt es uns wirklich und wir sehnen uns danach. Dann tut es nicht mehr ganz so weh und schließlich gewöhnt man sich daran und wird faul. Fallen, wie in den jetzigen Zeiten, die verbindlichen Termine weg, ist es noch schwerer, sich aufzuraffen. Großes Lob an alle Personen, die die sportliche Betätigung nicht vergessen oder vernachlässigen. Online-Kurse sind nicht jedermanns Sache, das soll hier auch gar nicht das Thema sein. Körperliche Betätigung hilft uns. Sie schützt uns. Sie hilft dabei Stresshormone abzubauen und unser Herz gesund zu halten. Stress haben wir alle im Moment mehr als genug (Achtung: Stress muss nicht immer gleichbedeutend sein mit einem Berg an Arbeit, er kann auch „nur“ im Kopf entstehen). Sorgen fressen sich in unser Herz und machen es schwer. Gerade in solchen Zeiten in denen es darum geht, Gesundheitsgefahren für viele zu bannen, schleichen sich andere Gefahren ein, die man zunächst so gar nicht erkennen würde.

 

Der Tritt in den Hintern bedeutet aber nicht nur, dass man sportlich und körperlich (wieder) aktiv wird/bleibt, sondern auch, dass es wichtig ist, die Perspektiven zu wechseln und echte Empathie dort walten zu lassen, wo es uns schwerfällt. Und so kommen wir wieder zu „denen“ vom Anfang zurück.

 

Ignoranz

Die sind schuld an
Das machen die absichtlich

Die Situation macht uns allen keinen Spaß. Niemand hat sich das ausgesucht und vieles ist nicht mehr nachvollziehbar und verständlich. Ohnmacht, Wut und Aggression steigen und irgendwo müssen diese Empfindungen hin. Das kann überlegt passieren oder in hilfloser Ohnmacht auch entarten.

 

Ich habe in den letzten Wochen viel Ignoranz erlebt. Ignoranz in der Form, dass ich einfach ignoriert wurde. Das ist überhaupt kein schönes Gefühl, wenn man sich dann eventuell auch noch im oben beschriebenen Selbstmitleid paniert.

Aber – und das ist viel wichtiger – ich habe auch viel Zuspruch erfahren, dort, wo ich ihn vielleicht nicht erwartet hätte. Ich habe sehr nette Antworten bekommen und habe erlebt, dass es durchaus Politiker und Politikerinnen, Verbandsvorsitzende und Mitarbeiter von Behörden gibt, die sich einsetzen, die sich kümmern, die einem mit Wertschätzung begegnen.

Dafür gebührt all diesen Personen Dank!

 

Hiob hat viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Viel häufiger ist es allerdings so, dass wir „die“ ja gar nicht erreichen, sondern viel eher die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Behörden, von denen wir auch vorurteilsbehaftet denken, es würde sie nicht interessieren, sie wären langsam und hätten keine Ahnung von der „Welt da draußen“. Diese Personen bekommen dann unseren Unmut, unsere Ungeduld und unsere Sorgen, Ängste und Nöte ab, müssen unseren Frust erdulden.

Dabei machen sie nur ihren Job und haben dabei das Pech, dass sie eben greifbarer sind als andere.

 

Behörden halt

Auch diese Personen haben es sich nicht ausgesucht, jetzt mit Anträgen, Mehrarbeit, Fragen auf die niemand eine Antwort hat, bombardiert zu werden. Auch diese Personen sind nur begrenzt belastungsfähig. Auch diese Personen haben Mitgefühl und so gehen auch diesen Personen die Schicksale nach, auch wenn man daran zunächst gar nicht denken mag.

 

Natürlich denken wir an die vielen Menschen, die an „vorderster Front“ (ich mag den Begriff nicht, er klingt nach Krieg) ihre Arbeit verrichten, aber wir sollten auch die nicht vergessen, deren Tätigkeiten ebenso wichtig sind und die generell in unseren Augen im Moment sowieso mehr falsch als richtig machen. Das ist nicht fair. In vielen Situationen sind sie nur der Überbringer von Nachrichten und Anordnungen, die uns nicht gefallen!

Aber hey: „Don’t shoot the messenger”

 

In diesem Sinn auch Danke an diese Personen!

 

Freitag, 8. Mai 2020

Brot und Spiele – UND Baumärkte


Wir haben alle eine Verantwortung in einer Gesellschaft, die wir zu übernehmen bereit sein sollten. Dazu gehört es auch, sich an Regeln zu halten. Je verständlicher die Regeln sind, je fairer diese auf- und umgesetzt werden, umso mehr bleibt das Gefühl, wir alle würden im selben Boot sitzen. Fernab aller Verschwörungstheorien fällt dies zunehmend schwer, je genauer man sich die Regeln betrachtet.

 

Föderalistisches System

Nachdem ich politisch ziemlich ungebildet bin, will ich hier gar nicht näher auf den Sinn oder Unsinn des föderalistischen Systems eingehen. Nur so viel: Kennt ein Virus sich damit auch so gut oder schlecht aus wie ich? Also hält es sich dann in den unterschiedlichen Bundesländern auch an die unterschiedlichen Regeln? Warum ist die Ansteckungsgefahr beispielsweise in Fitnessstudios in NRW geringer als in Bayern? Wie gesagt, ich verstehe es nicht.

 

Zeitungen

Während der ganzen Zeit des Lock-Downs hatten Tabak- und Zeitschriftenläden geöffnet. Mehr oder weniger nachvollziehbar. In Ordnung.

Wenn ich mir im Laden Zeitschriften ansehen und kaufen kann, warum müssen Zeitschriften dann beim Friseur weggeräumt werden?

 

Umkleiden

In den Bundesländern, die ihre Sportstätten wieder öffnen, ist es streng untersagt, die Umkleiden zu benutzen. Die Geschäfte, die Oberbekleidung anbieten, sind (ich lasse mich hier gerne eines Besseren belehren, wenn meine dürftige Recherche dazu ausschließlich zu den falschen Ergebnissen geführt haben sollte) die Anproben geöffnet. Es wird der Hinweis gegeben, dass das Anprobieren der Kleidungsstücke „über den Kopf“ unterlassen werden sollte (https://www.bghw.de/die-bghw/faq/faqs-rund-um-corona/spezielle-fragen-fuer-beschaeftigte-im-handel-und-in-der-warenlogistik/was-ist-im-einzelhandel-bei-der-ausgabe-von-waren-zur-anprobe-und-bei-deren-ruecknahme-sowie-bei-der-annahme-von-reparaturen-und-retouren-zu-beachten), aber auch gleichzeitig der beruhigende Hinweis gegeben, dass das Ansteckungsrisiko mittels eines Kleidungsstückes, was eine fremde andere Person vorher anprobiert hat, extrem gering wäre (https://www.rtl.de/cms/in-geschaeften-shoppen-waehrend-corona-kann-ich-mich-beim-kleidung-anprobieren-anstecken-4525596.html).

Aha!

 

Fahrradfahren

Ein Austausch mit meinem Neffen, der in Frankreich lebt (ja, jetzt gehen wir sogar über die Landesgrenzen hinaus) brachte eine weitere seltsame Regel zutage: Sport im Freien ist erlaubt, man darf joggen. Fahrradfahren ist allerdings untersagt. Den Grund dahinter versteht allem Anschein nach nicht mal die französische Gendarmerie, die nach Aussage meines Neffen, zwar Fahrradfahrer auf das Verbot hinweisen, aber nicht zu Anzeigen oder dem Verhängen von Bußgeldern greifen würde.

 

Brot und Spiele

Wie im alten Rom scheint es manchmal, dass es wichtig ist, im Zuge immer mehr aufkeimender Fragen, das Volk ruhigzustellen. Gebt dem Volk Essen und Genussmittel und Fußball.

Abstandsregeln sind hier dann nicht mehr so wichtig? Sport ist nur dann wichtig, wenn er wirtschaftlich interessant ist UND gleichermaßen das Volk ruhigstellen kann? Und Buhmann ist der, der aufdeckt, dass sich eben viele nicht an die Regeln des Mindestabstands und der Kontaktsperre halten?

Ich habe mich dazu lang ausgelassen, habe mit der Bitte um sportlichen Zusammenhalt einen Brief an den DFB und alle Vereine der 1. Und 2. Bundesliga geschrieben (hier: https://www.rtl.de/cms/in-geschaeften-shoppen-waehrend-corona-kann-ich-mich-beim-kleidung-anprobieren-anstecken-4525596.html).

 

Baumärkte

Und Baumärkte! Baumärkte sind auch ganz wichtig. So ein bisschen fragt man sich schon, warum das so ist? Kann es sein, dass man so die (ACHTUNG KLISCHEE) Ehefrauen ruhigstellen kann, die sich endlich ein verschönertes Wohnzimmer wünschen und die Ehemänner gleich auch, weil sie tagsüber dann was zu tun haben und abends Fußball gucken können?

 

Und jetzt?

Keine Ahnung! Sinnlose Revolte, das ungenierte Teilen irgendwelcher abstruser Verschwörungstheorien oder das trotzige Verhalten, sich über bestehende Regeln hinwegzusetzen kann nicht das Mittel der Wahl sein.

 

Blick in die Zukunft

Was ich mich ernsthaft frage ist, wie ich bei folgendem Fall vorgehen sollte?: Nehmen wir mal an, auch wir in Bayern dürfen irgendwann mal wieder unsere Sportstudios (groß, klein, mittel, mikro, mini) öffnen.
Sicherlich wird dann eine Maximalzahl an Personen festgesetzt werden, die sich in den Räumlichkeiten aufhalten darf. Was passiert, wenn die Polizei oder das Ordnungsamt kommt und die Einhaltung der Regeln und des Hygienekonzepts überprüfen möchte?
Muss ich den Personen Einlass gewähren? Und wenn ja und wenn dadurch die zulässige Personenanzahl überschritten würde, muss ich dann erst Kunden aus dem Studio rauschmeißen? Alle Kunden sind mir beispielsweise bekannt (namentlich) und mögliche Infektionsketten wären gut nachvollziehbar. Dieser Umstand wird durch das Betreten fremder Personen, die unter Umständen dazu führen, dass die zulässige Höchstzahl überschritten würde, zunichte gemacht.

Wie soll ich mich denn nun richtig und gut verhalten?

 

Fragen wir einfach das RKI

Wenn man Berichten glauben darf (https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus207808983/Corona-Krise-Wie-kann-das-RKI-ausgerechnet-jetzt-seine-Briefings-einstellen.html?cid=socialmedia.facebook.shared.web), werden die Informationen allerdings bis auf Weiteres eingestellt. Ich fühle mich etwas verloren, dabei würde ich doch so gerne meiner Verantwortung nachkommen und alles richtig machen.


Update auf Nachfrage:
Der Polizei und den Ordnungsbehörden muss man immer Einlass gewähren, egal wie viele Personen sich dann im Raum befinden....

Donnerstag, 30. April 2020

Rote Ampeln


Bereits Kinder lernen früh, dass eine rote Ampel zur Vorsicht und zum Stehenbleiben mahnt. Sie mahnt nicht nur, sie schreibt es uns vor und wir folgen. Das ist auch gut so, denn verständliche und verbindliche Regeln sichern ein weitgehend reibungsloses Funktionieren der Gesellschaft. Aber manchmal macht man sich selbst über so selbstverständliche Dinge wie rote Ampeln Gedanken.

Stopp
Wir müssen nicht immer alles verstehen und manchmal ist es auch nicht gut, alles zu hinterfragen, einfach, weil damit wertvolle Zeit vergeudet wurde. Eine Person des Vertrauens brüllt mir zu: „STOOOOOPPPPPP!“
Selbst, wenn ich im Moment überhaupt nicht überreißen kann, worum es geht, werde ich innehalten und auf meinem Weg nicht weitergehen, weil ich der Person, die mir gerade unsanft nur ein einziges Wort zubrüllt, vertraue. Auch weiß oder hoffe ich vielleicht, dass mir der Grund für dieses Verhalten gleich erklärt werden wird.

Ständiges Hinterfragen zehrt an den Nerven und ist nicht immer zielführend
Ein Grundmaß an gegenseitigem Vertrauen ist immer dann wichtig, wenn Menschen miteinander zu tun haben, sich austauschen bzw. etwas miteinander gestalten. Das ist im Sport so, das ist in der Familie und am Arbeitsplatz so, das betrifft die Gesellschaft an sich.

Wenn ich jede Übung, jede Anweisung und jede Kursgestaltung eines Trainers ständig hinterfrage, werde ich zum einen nicht weiterkommen, zum anderen die Gruppe aufhalten und letztlich auch die eigenen und die Energieressourcen des Trainers aufbrauchen, ohne zu einem Ziel zu gelangen.

Wenn ich in einen Bus einsteige, dann vertraue ich auch darauf, dass der Busfahrer weiß, was er tut und wohin er fährt und werde das nicht immer in Frage stellen.
Das ist gut und das ist notwendig.

Akzeptanz ist allerdings nicht mit blindem Gehorsam zu verwechseln
Aber manchmal schleichen sich Gedanken ein und es tauchen Fragen auf, die sich eben nicht einfach so abstellen lassen. Hinsichtlich eines Miteinanders auf Augenhöhe ist es hier wichtig, sich diesen Fragen zu stellen und diese beantworten zu wollen, oder auch zuzugeben, dass man diese Fragen nicht oder noch nicht beantworten kann.

Die rote Ampel
Man fährt auf menschenleeren Straßen nachts um 4:00 Uhr. An einer kleinen Nebenstraße, ebenso menschen- und autoleer wie der Rest des ausgestorbenen/schlafenden Dorfs, ist eine Ampel und diese steht auf Rot. Man hält. Weil es Vorschrift ist. Weil man brav ist, weil Rebellion nicht immer Sinn macht, oder weil man Angst hat, dass aus dem Nichts plötzlich eine Polizeistreife auftaucht oder es womöglich eine fiese Blitzampel sein könnte.
Aber man überlegt sich schon, warum gerade diese Ampel denn nun geschaltet sein muss? Man schüttelt vielleicht den Kopf und versteht es nicht, aber man hält.
Natürlich wird man sich bestimmt nicht am nächsten Tag zur zuständigen Stadt begeben, um nachzufragen, warum just diese Ampel geschaltet sein muss, weil man selbst den Sinn dahinter nicht erkennt.
Dafür ist die Problematik zu klein und die Beeinträchtigung des Lebens und der Freiheit zu gering.

Fragen zulassen
Je mehr man persönlich involviert ist und je mehr es das eigene Leben betrifft, umso bohrender werden die Fragen werden und Fragen sind per se gut.
Als Trainer kann ich auch nicht jeden Kunden/Teilnehmer als enfant terrible und Unterwanderer meiner Kompetenz betrachten, der sich traut, Fragen zu stellen.

Fragen zu stellen ist kein Zeichen von Dummheit und Rebellion
Man muss nicht alles gut finden, was eine andere Person vorschlägt oder vorschreibt. Das ist allerdings nicht gleichbedeutend damit, dass man sich dann den Vorschriften zuwider verhält.
Ich kann an der roten Ampel stehenbleiben und mich dennoch fragen, was das für einen Sinn hat.

Meine Aufgabe als Dienstleister
Im Training, im Seminar, im Coaching – in jedem Bereich meiner beruflichen Tätigkeit ist es wichtig, dass mein Gegenüber versteht, adaptiert, vertraut. Dafür muss ich bereit sein, mich den Fragen zu stellen. Ich muss erklären können, warum Regeln gelten, aber auch, warum und wieso ich Ausnahmen mache.
Ausnahmen müssen begründet sein und eine gute Argumentationsgrundlage haben.

Aktuelles Beispiel aus den Online-Classes
Ich möchte dies abschließend an einem kleinen Beispiel aus den Online-Classes verdeutlichen. Im Studio gilt die Regel „kein Schmuck“. Die Gründe hierfür sind, dass die Trainingsgeräte verkratzt werden und dass durch Schmuck auch ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko besteht.

Trainieren die teilnehmenden Personen von zu Hause aus mit, ist der erste Punkt der Argumentationslinie nichtig. Nun, nicht wirklich nichtig, aber er könnte mir egal sein, denn es sind ja nicht meine Trainingsgeräte, sondern der Privatbesitz der Teilnehmer.

Dennoch weise ich zu Beginn darauf hin, denn das Verletzungsrisiko besteht weiterhin. Und selbst wenn die Teilnehmer sich nicht im Studio befinden, so trainieren sie unter meiner Anleitung und deswegen fühle ich mich für sie verantwortlich.

So mancher mag das zu Beginn übergriffig empfinden, wenn ich darauf hinweise, dass der Schmuck bitte abgenommen werden solle. „Was soll das, wie spielt die sich auf? Ist doch meine Entscheidung, ist doch mein Trainingsgerät!“
Stimmt. Also muss ich begründen können, warum ich diesen Hinweis gebe.
Und ich sollte den Hinweis immer geben. Nicht bei Person A dreimal und bei Person B gar nicht, weil die Kette doch so hübsch ist und ich vielleicht sogar eine ähnliche habe.

Vorurteile
Ohne persönlich beleidigt zu reagieren, sollte ich diese Fragen beantworten können. Selbst, wenn der Hintergrund doch selbstverständlich sein müsste.
Erst wenn ich die Regeln nicht ständig verändere und nicht einer Person mehr Rechte einräume, weil mich persönliche Vorlieben dazu verleiten und einer anderen Person Rechte beschneide, weil mir ihr Körpergeruch nicht passt, schaffe ich nachhaltiges Vertrauen.

Nur weil eine Regel in Frage gestellt wird, kann ich nicht den Fragesteller verurteilen.
Es gibt keine dummen Fragen und es muss wünschenswert bleiben, dass Personen, die miteinander etwas gestalten auch ihr Hirn benutzen dürfen. Es kommt auf mich an, ob ich mich den Fragen stellen will, ob ich sie beantworten kann oder ob ich mich winde.
Letzteres dient auf Dauer sicherlich nicht der Vertrauensbildung.

Donnerstag, 23. April 2020

Zuviel Zug macht den Körper bockig


Die Frage, ob Stretching überhaupt etwas „bringt“ ,wird nach wie vor diskutiert. Auch stellt sich die Frage, was man unter Stretching versteht: Ist es das Lockern nach einer Trainingseinheit oder soll mittels eines gezielten Trainings eine Zunahme/Erhöhung der Flexibilität erreicht werden? Beide Ziele können mittels „Stretching“ erreicht werden, allerdings wird das Training je nach gewünschtem Ziel sehr unterschiedlich zu gestalten sein.
Neueste Forschungsergebnisse legen den Rückschluss nahe, dass ein gezieltes Training der Beweglichkeit eine gute Vorbeugung gegen verfrühte Alterserscheinungen darstellen kann und somit in jedem Falle Sinn macht. Doch es gibt auch einige Personen, die am Tag nach einem Flexi-Workout das Gefühl haben, es würde sich verschlechtern statt verbessern. Kann das sein?

Stretching als Abschluss

Man kennt das oftmals nicht sehr beliebte Stretching am Ende eines Work-Outs (nach Step-Aerobic, nach einem Poletraining, als Abschluss eines funktionalen Trainings etc.). Hier streiten sich, wie oben bereits erwähnt, die Geister, ob es überhaupt Sinn macht? Persönlich empfinde ich es als sinnvoll, denn ich merke, wenn es zu kurz gekommen ist oder ich es vergessen habe. Am nächsten Tag fühle ich mich dann „wie vom Bus überrollt“. Dieses Gefühl kann ich durch ein paar Stretching-Übungen am Ende minimieren.
Dieses Stunden-Abschluss-Dehnen hat nicht das Ziel der Zunahme der Flexibilität zum Ziel und kann dies auch nur marginal erreichen. Es dient der Lockerung, der Entspannung und tut (dem einen mehr, dem anderen weniger) gut.

Stretching als eigene Trainingseinheit

Möchte man mittels Stretchings die Beweglichkeit verbessern und bestimmte Ziele erreichen (Spagat, Brücke, etc.), so sind gesonderte, einzelne, eigene Trainingseinheiten notwendig, in welchem ausschließlich die Flexibilität trainiert wird. Grundvoraussetzung ist hier allerdings auch, dass der Körper gut erwärmt in das eigentliche Training startet, denn nur warme Sehnen und Bänder sind flexibel. Das darf man gerne mit einem Gummiband vergleichen. Lege ich es im Winter nach draußen und versuche dann, es in die Länge zu ziehen, reißt es entweder ganz oder es wird porös. Lege ich es in die Sonne, dann ist es weich und flexibel.

Entspannung versus harte Arbeit

Dienen die Dehnungsübungen am Ende eines Work-Outs der Entspannung und Lockerung, dem ruhigen Kursabschluss, so stellt ein gezieltes Training der Beweglichkeit harte Arbeit dar. Dieses Workout ist mindestens so anstrengend wie Krafttraining. Man schnauft manchmal wie eine Dampflok, man kommt mitunter sogar ganz schön ins Schwitzen und man merkt, dass eine Zunahme der Beweglichkeit immer auch vom Zusammenspiel von Kraftanstrengung und Dehnen abhängt.
Am Ende eines solchen Trainings ist man genauso müde und erschöpft wie nach jedem anderen Training auch.

Je mehr, desto besser?

Eben nicht. Was sich aus dem letzten Satz des oberen Abschnitts erschließt ist die Notwendigkeit, dem Körper Regenerationszeit zu bieten. Mittels eines gezielten Flexi-Workouts reizt man den Körper, man verbraucht seine Ressourcen, man triezt und triggert ihn. Danach sollte er sich erhohlen dürfen. So wie in jedem anderen Training auch, findet eine Leistungszunahme streng genommen nicht IM sondern NACH dem Training statt, wenn der Körper zur Ruhe kommen darf und sich – bildlich gesprochen – darüber Gedanken machen kann, was er da gerade durchgemacht hat und wie er das nächste Mal besser damit klarkommt.
Gönne ich dem Körper diese Ruhe nicht, wird er bockig und will gar nicht mehr. Dann riskiere ich Verletzungen, Übertraining oder sogar Rückschritte.

Mit Maß und Ziel

Wer dennoch wirklich jeden Tag stretchen möchte, dem sei ein sinnvoller Trainingsplan angeraten. Ein Tag Rücken und Schultern, am zweiten Tag Becken und Hüfte und am dritten Tag die Beine. Dann von mir aus wieder alles von vorne oder wirklich mal einen Tag Pause machen. Alles andere ist – meiner eigenen bescheidenen Meinung und meiner eigenen Erfahrung nach – unsinnig.


Kollateralschäden

Eine Zerrung ist übel. Eine Zerrung wirft einen um Wochen zurück. Sie ist schmerzhaft und wenn es passiert ist, dann wünscht man sich, die Zeit bitte nur um 10 Sekunden zurückdrehen zu dürfen. Um derartige Kollateralschäden zu vermeiden, ist es wichtig, umsichtig, konzentriert, ausgeruht, tief atmend und überlegt an die ganze Sache heranzugehen.
Kann man einen schlimmen Muskelkater im wahrsten Sinne des Wortes verschmerzen, wächst ein abgebrochener Fingernagel ziemlich schnell nach und heilen auch blaue Flecken binnen ein paar Tagen ab, so hat man von einer Zerrung über Monate was.


Persönliche Empfehlung

Für die Zunahme der Beweglichkeit ist es wichtig, gesonderte Trainingseinheiten durchzuführen. Auch hier benötigt der Körper Regenerationsphasen. Je mehr desto besser ist im Training selten gut und zahlt sich auch beim Flexi-Workout nicht aus. Wenn der Körper müde ist, muss er sich ausruhen können. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.

Mittwoch, 15. April 2020

Trainingsroutine


Jeden Tag ein paar frische Socken und Unterwäsche. Waschen, Duschen, Zähne putzen, sich herrichten. Routine. Notwendig. Wird halt gemacht.
Wie gut das Gefühl ist, diesen Routineaufgaben nachzugehen, wissen alle, die nach einer überstandenen Erkrankung oder auch nach einiger Zeit, in der man auf diese Dinge vielleicht sogar freiwillig verzichten musste, eine wohltuende Dusche genossen haben, frische Klamotten anziehen  und sich die Zähne putzen konnten.
Was hat das mit Training zu tun? Mehr als man glaubt.

Rien ne va plus – nichts geht mehr

Endlich mal kein Sport! Wer sich das denkt oder dachte, der zeigt, dass Sport nie zu den Dingen gehörte, die freiwillig und gerne ausgeführt wurden. Zwang, extrinsische Motivation und gesundheitliche political correctness haben dazu beigetragen, dass man sich 1x pro Woche zum Sport gequält hat. Eine laufende Nase oder eine 5minütige Verspätung beim Verlassen des Büros waren willkommene Ausreden, dass man es „heute leider nicht schafft.“

Ist so. Jeder Mensch ist anders. Katz mag Mäus – I mogs ned!

Diese Personen freuen sich darüber, endlich mal keine Ausreden finden zu müssen. Die Ausrede wird ja von staatlicher Seite geliefert. Die Fitnessstudios haben geschlossen, die Tanzschulen auch, die Hallenbäder sowieso, die Sportvereine ebenso. Und online? Nee, da hapert es an der Technik.

Also selbst wenn man wollen würde, dann geht es aufgrund der äußeren Bedingungen nicht, man kann da gar nichts dafür. (Manch eine Person mag sich denken: „Gott sei Dank lebe ich auf dem Land und meine Internetverbindung, über die ich mich jahrelang beim Streamen von Filmen beschwert habe, ist so schlecht, dass das mit den Online-Kursen gar nicht gehen würde!“)

Zähne putzen müssen oder wollen

Wer rastet der rostet. Zugegeben ist es nicht ganz einfach, sich zur Bewegung aufzuraffen, wenn man nicht will und nicht muss.
Man muss auch nicht die Unterwäsche wechseln, die Socken auch nicht und wenn man niemanden sieht, dann muss man auch nicht duschen oder Zähne putzen.
Igitt? Stimmt.

So schön rasierte Beine

„Du rasierst Dir noch die Beine? Ich sehe aus wie ein Yeti.“ – das war das Feedback auf ein Sommerbild der letzten Tage (natürlich gepostet bei Facebook). Auch hier stellt sich die Frage, für wen oder warum tat ich das, was gestern noch Routine war? Für andere, weil es jemand sehen konnte, weil ich einen gewissen Zwang verspürte? Oder weil ich es wollte?

Du machst noch Sport?

Keiner muss, jeder kann (wenn er will). Bewegungsroutine hilft der Psyche, hilft dem Immunsystem und schafft Struktur im Alltag, der keiner mehr ist. An Online-Angeboten mangelt es nicht und die Ausreden zählen auch nicht wirklich.
Wer keinen Sport machen möchte, dem sei das gegönnt, nur sollten diese Personen dazu stehen, dass sie lieber faul auf der Couch liegen und nicht die Corona-Krise oder die Technik dafür verantwortlich machen.

Bewegungsroutine und Pflegeroutine sind die Dinge, die wir selbst in der Hand haben, wenn uns von außen alles genommen wird. Halten wir daran fest, es wird sich auszahlen!

Donnerstag, 9. April 2020

Masken statt Sportstunden




Flexibilität benötigt Training. Manchmal hat man für Training keine Zeit, da muss es schnell gehen. Heute geht es um die geistige Flexibilität, um Einstellungen zu den eigenen Handlungsfeldern und um die Wertschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Körperliche versus geistige Flexibilität

Für das Training der Flexibilität im sportlichen Sinne benötigt man vor allem eines: Geduld.
Wer zu schnell zu viel von seinem Körper abverlangt, der zahlt dafür meist mit Verletzungen. Überdehnte Sehnen und Bänder, Risse.

Geistige Flexibilität ist ebenso eine Frage des Trainings, doch manchmal hat man schlicht keine Zeit, zu trainieren, sondern muss Flexibilität beweisen, ohne einschätzen zu können, in welche Gefahren man sich begibt.
Man wandelt auf dünnem Eis und droht jederzeit einzubrechen: Mental und körperlich.
Überstrapazierte Ressourcen, Risse in der Seele sind die Folge, die man währenddessen kaum abschätzen kann.

Wie im körperlichen Training der Flexibilität ist es wichtig, in sich hineinzuhören und hineinzuspüren. Das bedeutet nicht, dass man sofort Auswege und Lösungen findet, aber man sollte achtsam bleiben. Schlafstörungen, Unruhe und Sorgen sind in den heutigen Zeiten normal, aber der Körper wird sie auf Dauer nicht wirklich wegstecken können.

Verordnete Untätigkeit ist Ohnmacht

Für manche ist die auferlegte Untätigkeit empfundene Ohnmacht. So auch für mich. Aus diesem Grunde habe ich angefangen, die Masken zu nähen. Zum einen, um etwas tun zu können, zum anderen auch, das gebe ich ganz offen zu, um diese zu verkaufen, denn natürlich sind auch uns sämtliche Einnahmequellen von heute auf morgen weggebrochen.

Online-Kurse und das Anfertigen von Masken. Schnell geschrieben - tatsächlich ein Full-Time-Job.
Denn auch die Online-Kurse verlangen von allen Beteiligten viel ab. Als Trainer möchte man sich bestmöglich auf seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer einstellen, wie immer. Im Online-Training kommen die häuslichen Voraussetzungen der teilnehmenden Personen noch dazu. Man versucht also Alternativen zu finden - überall. Sei es die berufliche Betätigung, sei es das Unterrichten. Wie kann ein Spin, eine Übung, ein Workout so gestaltet werden, dass jede teilnehmende Person einen Mehrwert genießen kann? Wie leitet man ordentlich an, ohne die Teilnehmer zu sehen? Wie stellt man sicher, dass die Teilnehmer folgen können? Wie ist die Ton- und Bildqualität? Wie die Lichtverhältnisse?

Je besser es funktioniert, umso mehr wünschen sich die Teilnehmer: Tipps, Tricks, Verbesserungen, Anleitungen und mehr. Manchmal wirklich schwer, wenn man nur einen Teil des Körpers der teilnehmenden Personen sieht und diese zum Teil nicht versteht.

Nach den Online-Classes bin ich richtig ausgelaugt. Das liegt daran, dass man als Trainer eben auch alleine im Studio ist, das liegt am Anspruch, den man an sich selbst stellt, das liegt an der mangelnden Routine.
Nach Hause zurückgekehrt flüchtet man sich in die nächste Arbeit, die weniger geistige Konzentration abverlangt: Man näht weiter.

Pausen? Wozu?

Ich habe im Moment wahnsinnige Angst. Existenzangst, Sorgen und Gedanken. Gedanken, Sorgen und Existenzängste. Es ist belastend und überschreitet vielleicht schon mögliche Grenzen. Was aber, wenn man sich "hinterher" sagen muss, man hätte "mehr" tun können?
Wann ist "hinterher" und was wäre "mehr" gewesen? Das sind Fragen, die niemand beantworten kann und die ihrerseits nicht zur Ruhe beitragen.

Die Situation der kleinen und mittelständischen Unternehmen

Isabella Mauss (http://www.kanzleimauss.de/) eine Teilnehmerin unserer Kurse hat dies alles verstanden und mich zum Interview eingeladen.
Das Video dazu findet ihr hier: https://youtu.be/oNmBCSLD_vY

Ich sende Euch ganz herzliche Grüße, freue mich über Eure Rückmeldungen, wünsche Euch frohe Ostern.
Passt auf Euch auf und haltet Euch fit.








Freitag, 3. April 2020

Challenge accepted - Online-Kurse



2 Wochen im Ausnahmezustand. Seit 2 Wochen kein reeller Kurs, seit 2 Wochen kein Face-to-Face Kontakt mit lieben Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Hart. Es fehlt der Spaß, der Austausch. Es fehlt die Routine. Es fehlt der oftmals so despektierlich betrachtete Alltag.
Seit 2 Wochen laufen bei uns die Online-Kurse, zunächst, mangels Internet-Anschlusses im Studio, von zu Hause aus, seit Dienstag im Studio.
Eine Zusammenfassung

Virtuell kann man nicht trainieren

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich schon oft darüber nachgedacht, einige der Kurse, die bei CrazySportsAugsburg laufen, zusätzlich auch online anzubieten. Immer wieder kamen Fragen von Personen, die aufgrund zu hoher Entfernung (Nordsee – Bayern) nicht an den laufenden Kursen teilnehmen können.
Das GEHT NICHT. Punkt. Man muss den Teilnehmer sehen können, man muss als Trainer auch mal Hand anlegen, man muss Hilfestellung geben und sichern und und und und.
Stimmt. Kein virtueller Kurs kann einen Live-Kurs ersetzen. Wird er nie können. Ist auch gar nicht das Ziel, kann es auch nicht sein.

Trainerausbildungen online
Seit knapp 3 Jahren führen wir unsere Trainerausbildungen auch Online durch. Das funktioniert sehr gut. Man lernt den Teilnehmer kennen, die Trainerausbildungen ziehen sich über durchschnittlich 5 Monate, man hat jede Woche Kontakt, die Teilnehmer bekommen ein individuelles schriftliches Feedback zu jeder Einheit. Die Qualität der Ausbildung steht der Ausbildung, die im Präsenzunterricht stattfindet, tatsächlich in nichts nach.
Aber KURSE?

Kurse online
Nun, Not macht erfinderisch und wenn man sich ziert, dann tritt einem das Leben eben manchmal in den Hintern. Manchmal heißt der Tritt dann „Shut-Down“.
Ich habe geweint, ich habe geflucht, ich habe verhandelt, ich habe mich dem Schicksal ergeben. 5 Wochen gar nichts machen kommt aber nicht in die Tüte. Als am Sonntag, den 15. März klar war, dass der Shut-Down kommen wird, wurde der Telefonanschluss für das Studio beantragt, der in den letzten 6 Jahren nicht notwendig war. Jetzt eben schon.
Schaltungstermin 31.03.2020. Und was bis dahin? Online-Kurse von zu Hause aus. Da wurde ein entsprechender Raum gesucht (Treppenhaus-Galerie), umgestaltet (neue Vorhänge müssen her, die sehen ja übel aus) und dann ging’s los. Am Samstag, den 21.03. fand die erste Yoga-Stunde statt, es folgte funktionales Training, Stretching und mehr. Nur Pole und Hoop – das geht zu Hause nicht. Seit Dienstag laufen alle Kurse im Studio: Yoga, Pilates, BBP, Stretching, Flexi-Yoga, funktionales Training aber eben nun endlich auch Poledance und Aerial Hoop.

Trainerempfinden
Für die teilnehmenden Personen ist es wichtig, dass sie den Trainer in „groß“ sehen und gut verstehen. Das klappt am besten, wenn alle ihre Kamera und ihr Mikro ausschalten. Der Trainer spricht also in einen leeren Bildschirm. Die ganze Zeit.
Gruselig. Komisch. Man fühlt sich allein. Gut (augenzwinkernd gemeint), manchmal bekommt man auch im realen Kurs kein Feedback und muss die teilnehmenden Personen bitten, eine Antwort zu geben, aber da bleibt wenigstens noch die sichtbare Präsenz der Personen, ihre Mimik, ihre Gestik, die Körpersprache.

Selbstvertrauen vorausgesetzt
Als Trainer kommt man da nur durch, wenn man sich der Angst und der eigenen Unsicherheit stellt und einfach loslegt. Noch ein bisschen mehr kommentieren, was man tut, noch ein bisschen mehr motivieren, sich vorstellen, dass die Teilnehmer live vor Ort wären und den eigenen Fähigkeiten vertrauen. Gibt der Trainer ein Bild der Unsicherheit ab, wie soll sich denn dann ein Teilnehmer auf der anderen Seite fühlen?
SABTA: Souveränes Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit? Nicht ganz. Jeder Trainer weiß, was er kann, er hat seine Erfahrungen, er kennt die Gruppendynamik und er weiß, dass er gut unterrichten kann. Außerdem KÖNNEN die Teilnehmer ja Feedback geben und man gestaltet den Kurs gemeinsam, findet Verbesserungspotentiale, tauscht sich aus.
Geht also. Es ist schwer. Es ist anstrengend, es ist irgendwie so, als ob man nur auf einem Auge sehen könnte und dennoch mit 120km/h auf einem Einrad den Berg herunterfährt, aber da muss ein Trainer durch.
Wir haben unseren Job geheiratet, da heißt es eben dann auch hier: In guten wie in schlechten Zeiten!

Teilnehmerverhalten und Kundenstimmen
Auf der einen Seite gibt es Teilnehmer und Teilnehmerinnen, von denen man vom ersten Tag des Shut-Downs nichts mehr gehört hat. Keine Rückmeldung, keine Nachfragen, auch offene Rechnungen werden nicht beglichen, weil es ja im Moment auch keine Kurse gäbe. Richtig. Hier könnte man nur sinnlose Diskussionen anfangen (Rechnungsdatum, Zahlungsziel, AGB etc.) oder es bleiben lassen (habe mich für Letzteres entschieden, weil ich für diese Diskussionen im Moment keine Kraft habe).
Teilnehmer, die ohne jemals eine Online-Stunde ausprobieren zu wollen, sofort meckerten. Okay. Ist Geschmackssache. Ja, ich wäre auch lieber im Studio. Abhaken, zieht einen in der eigenen Ohnmacht und Trauer nur noch mehr runter. Ist traurig, aber nicht zu ändern.

Aber es gab auch viele liebe Rückmeldungen von Personen, von denen man es vielleicht gar nicht erwartet hätte: Care-Pakete zur seelischen Unterstützung. Liebe Mails mit solch dankbaren Worten, dass es einem vor Rührung die Tränen in die Augen trieb. Personen, die noch nicht mal die Möglichkeit hatten, eine einzige Live-Stunde mitzumachen, weil sie just erst im April hätten anfangen wollen, die sofort auf die Online-Kurse umgeswitcht sind.
Wahnsinn. Was da passierte war einfach nur großartig.

Als dann die Online-Kurse starteten war interessant, dass die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen viel relaxter damit umgehen als man es am Anfang vermutet hätte. Zahlreiche Teilnehmer waren sofort dabei, neue kamen hinzu, die aufgrund der Entfernung sonst nie teilgenommen hätten, andere lobten die neuen Möglichkeiten (ich muss nicht mehr raus, ich kann unter professioneller Anleitung den Kurs von zu Hause aus machen!), andere bitten schon jetzt darum, später – wenn dann die Krise vorbei ist – dies als Zusatzmöglichkeit doch irgendwie aufrecht zu erhalten.

Erkenntnisse
Eine Krise ist auch immer eine Chance. Gut, manche Chancen möchte man NICHT offeriert bekommen, auf andere wartet man vergeblich. Jetzt gilt es einfach weiterzumachen. Ich, ein Mensch, der gerne plant und am besten schon heute weiß, was übermorgen ist, kann das nicht. Dachte ich. Wenn einen das Leben in den Hintern tritt, dann stolpert man manchmal auch vorwärts. Wo der Weg endet kann ich nicht sagen, aber ich werde ihn weitergehen!

Freitag, 27. März 2020

Ein Kleinstunternehmen in der Corona-Krise

Wir, das sind Nadine, Günther, Sophie und Lorenz Rebel. Wir arbeiten selbständig seit dem Jahr 2000. Damals wurde das Unternehmen „Rebel-Management-Training“ gegründet, welches Seminare und Coachings, sowie betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet.

Im Jahr 2011 kam „CrazySports Augsburg“ dazu. Ein kleines Sportstudio, in welchem wir Yoga und Pilates, aber auch Aerial Hoop und Poledance-Kurse durchführen und medizinisches Fitnesstraining, Rückenfit-Kurse und Vieles mehr anbieten.

Schrittweiser Entzug der Existenzgrundlage
Im Zuge der Corona-Krise kamen zuerst die Absagen der Seminare. Man beruhigte sich, mit der Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Lebensunterhalts noch durch das Sportstudio generieren zu können, bis dann auch dieses am Montagabend, den 16.03.2020 nach den letzten beiden Kursen unter Tränen geschlossen wurde.

Wir haben schon viele herausfordernde Zeiten erlebt und mit den oben beschriebenen Tätigkeiten eine Familie ernähren zu wollen und zu können, war nicht immer leicht. Stillstand war noch nie unser Motto aber im Moment fühlen wir uns (fast) ohnmächtig.

Niemals stillstehen
Fast, weil auch in dieser Zeit Stillstand nicht das Mittel der Wahl sein kann.
So haben wir direkt am 16.03.2020 begonnen „Online-Kurse“ zu kreieren. Kein Mensch darf im Moment ins Fitnessstudio, zum Trainieren, ins Yogastudio.
Aber körperliche Betätigung ist und bleibt wichtig, auch für die Gesunderhaltung von Körper UND Seele.

Wie es weitergeht, weiß im Moment keiner, doch das Gefühl zu haben, nicht ganz untätig zu sein und gleichzeitig etwas für die Menschen tun zu können, ist gut.

Wir sind für Euch da – ein Versprechen, das auch online gilt
Wir möchten mit unseren Online-Kursen natürlich aus der Not eine Tugend machen. Und ja, die Teilnahme an den Online-Kursen ist kostenpflichtig. (www.crazy-sports-augsburg.com/online-classes).
Sicherlich für viele „viel teurer“ als das Fitnessstudio, welches ihr gewöhnt seid, dafür aber auch ohne Vertragsbindung. Was im Studio gilt, gilt auch für die Online-Classes!

Training in Krisenzeiten
Damit ihr allerdings nicht die „Katze im Sack“ kaufen müsst, haben wir Euch eine ganze Playlist mit Trainingsvideos zur Verfügung gestellt, die auch seit 19.03.2020 entstanden sind. Diese könnt ihr kostenlos nutzen, allerdings freuen wir uns über eine kleine Spende.
Playlist „Workout in Krisenzeiten“: 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLNuvWcKlqDu1XWAn8r8V-SRDQiPmhaSLw

Wie geht’s weiter? Weiß kein Mensch.
Im Moment versuchen wir für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer da zu sein und auch die Familie zu betreuen und selbst Gutes zu tun. So wurde aus dem Büro, in welchem nicht nur der Rechner steht, sondern auch meine Nähmaschine, eine Werkstatt für Atemschutzmasken.
Wir versorgen die Familie und Freunde damit, einige wenige fertigen wir auch auf Bestellung.

Danke
Wir möchten uns bedanken. Bedanken beim Staat (ja!), denn die Soforthilfe wurde uns ca. eine gute Woche nach Schließung des Studios zugesichert. Damit kann man schon mal ein oder zwei Atemzüge mehr machen und wenigstens für einen kurzen Moment die Sorgen beiseiteschieben.

Wir möchten uns auch bedanken bei den lieben Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die uns Mut zusprechen, die sich für die Online-Kurse angemeldet haben, die ihre Kurse bezahlt haben, auch wenn sie wissen, dass diese erst einmal nicht stattfinden können.
Bedanken bei denen, die uns Päckchen geschickt haben oder sich einfach mit ein paar lieben Worten für die gute Betreuung der letzten Jahre bedankt haben.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut das tut. Danke. Von ganzen Herzen Danke!


Donnerstag, 19. März 2020

Das Wechselbad zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkei



Die letzten Wochen hatte ich mich strikt geweigert, das „Virus“ in meinen Blogbeiträgen zu thematisieren. Teils wohlüberlegt, teils auch aus Trotz, teils vielleicht, weil es eben alle machen und ich dagegen rebellierte (Nomen est omen).
Und irgendwann kann man die Augen nicht mehr schließen, wenn man nicht blind gegen eine Wand laufen will

Man sieht die Sonne untergehen

und erschrickt doch, wenn es dunkel wird. (Herkunft unbekannt).
Eigentlich ein Trauerspruch, aber auch passend auf das, was wir gerade alle erleben.
Man beruhigt sich, man sagt sich, dass alles nicht so schlimm werden wird, man hält sich an der verbleibenden Normalität fest, man sagt sich, aber wenigstens XY geht ja noch und dann wird jeden Tag alles anders.

Eine Zerreißprobe

Ich bin ein ängstlicher Mensch, der gerne plant, für alles einen Plan B in der Tasche hat und seine Daseinsberechtigung in guter Leistung und dem Erbringen von guter Arbeit sieht.

Tja, bisschen blöd im Moment.

Planen kann ich nicht, Pläne B, C und D müssen erst noch (schnell) entwickelt werden, meine Leistung will im Moment keiner haben (verständlicherweise, die Menschen haben den Kopf ja ihrerseits voll mit anderen Gedanken) und ob die Arbeit in die ich mich seit Sonntag-Abend, als klar war, dass „die“ uns dicht machen werden, stürze „gut“ ist, das mag auch noch keiner sagen.

Jammern auf hohem Niveau

Sorgen, Ängste, Fragen, Unsicherheit und dennoch ein Jammern auf hohem Niveau. Ja, auf hohem Niveau! Es steht definitiv unsere Existenz auf dem Spiel. Wir stehen am Abgrund und es ist unklar, ob wir morgen nicht schon einen Schritt weiter sind.

ABER: Wir leben, wir sind gesund, die Familie ist zusammen, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben einen Garten, die Lebensmittelversorgung ist gewährleistet, wir können unsere Wäsche waschen, die Post funktioniert, die Bestellvorgänge auch, wir sind digital vernetzt. Es geht uns nicht schlecht!
Es ist nur auf einmal ganz anders als gestern.

Augen auf bei der Berufswahl

Wir arbeiten selbständig seit dem Jahr 2000. Damals wurde das Unternehmen „Rebel-Management-Training“ gegründet, welches Seminare und Coachings, sowie betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet.

Im Jahr 2011 kam „CrazySports Augsburg“ dazu. Ein kleines Sportstudio, in welchem wir Yoga und Pilates, aber auch Aerial Hoop und Poledance-Kurse durchführen und medizinisches Fitnesstraining, Rückenfit-Kurse und vieles mehr anbieten.
Im Zuge der Corona-Krise kamen zuerst die Absagen der Seminare. Man beruhigte sich, mit der Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Lebensunterhalts noch durch das Sportstudio generieren zu können, bis dann auch dieses am Montagabend nach den letzten beiden Kursen unter Tränen geschlossen wurde.

Und auch hier: Jammern auf hohem Niveau!

Ärzte, Schwestern, Pfleger, Krankenhauspersonal, Verkäufer und Verkäuferinnen im Einzelhandel, Busfahrer und Busfahrerinnen und viele viele Berufsgruppen mehr, sind weitaus härter betroffen, denn bei ihnen geht es nicht (nur) ums GELD, sondern um ihre Gesundheit, ihr Leben.

Fixpunkte schaffen, wenn alles aus dem Ruder läuft

Routine, ein strukturierter Tagesablauf, etwas an dem man sich (gedanklich) festhalten kann, beruhigende Pole schaffen. Wichtig!
Weiß ich! Aber ich handle seit Sonntagabend auch nicht (mehr) danach. Ich lenke mich mit Arbeit ab, suche wie wild nach neuen Wegen, unsere Angebote digital verfügbar zu machen und in den Pausen, die ich nicht mache, trinke ich zu viel Kaffee und tue noch andere Dinge, die der Gesundheit nicht zuträglich sind.

Das muss ein Ende haben

Wenn der Alltag nicht mehr wie gewohnt funktioniert, muss man sich einen neuen Alltag schaffen. Und wenn jeder Tag aufs Neue geplant werden muss, weil es keinen Alltag mehr gibt, dann sollte man sich überlegen, was man immer bei sich hat, was einem keiner nehmen kann.
Das sind mehr Dinge als man denkt. Zum einen ist es die innere Einstellung, an der im wilden Sturm gerüttelt werden kann, die aber auch Fels in der Brandung ist.
Zum anderen ist es die Einzigartigkeit von jeder Person, die auch wertvoll ist.
Hinzu kommt das Wissen und die Kommunikation dazu und unser Körper, der uns trägt.

Körperlich fit für die Seele

Seit Montag habe ich auf meinen geliebten Sport „verzichtet“. Nicht verzichtet, er erschien mir auf einmal unwichtig und weder habe ich die Zeit noch die Muse gefunden. Und ich merke, wie es mir zunehmend schlechter geht.

Ab heute wird wieder angegriffen: Yoga, Pilates, Workout und Tanzen auf gute Musik.
Ich weiß, dass ich mich erst dazu zwingen werde müssen. Ich weiß aber auch, dass es mir hilft, langfristig gesund zu bleiben und durchzuhalten.

Sport-Online

Auf alle Fälle gibt es ab nächster Woche bei CrazySports Augsburg Online-Kurse und wir freuen uns, Euch dort zu „sehen“. www.crazy-sports-augsburg.com/online-classes

Gutes für Körper und Seele – das Licht am Ende des Tunnels

Tut Euch Gutes! Das ist gerade in diesen Zeiten eine Betriebsinvestition. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, was „gut“ ist – aber das ist eine fast schon philosophische Frage.