Donnerstag, 23. Januar 2020

Wertschätzende Kommunikation

So lautet eines der Themen, welches wir in unserem Seminarportfolio haben. Obwohl ich persönlich finde, dass das Wort „Wertschätzung“ im Moment ebenso inflationär und manchmal sogar unüberlegt benutzt wird wie noch vor einigen Jahren das Wort „Authentizität“ oder natürlich auch „Nachhaltigkeit“, so entbehren alle Begriffe und die Füllung dieser mit Leben nicht der Wichtig- und Notwendigkeit. Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Authentizität gelten im „Business“ als weiche Erfolgsfaktoren, genauso können wir sie aber auch im Sporttraining als Mosaiksteinchen für den Erfolg betrachten.
Doch was ist Wertschätzung und wo beginnt sie?

Wertschätzung sollte nicht einseitig sein
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (m/w/d), Kunden und Kundinnen (m/w/d) und teilnehmende Personen an Sportkursen erwarten (zu Recht) Wertschätzung von ihren Vorgesetzten und Trainern (m/w/d). Im ersten Fall, weil sich das so gehört, weil man Leistungsträger im Unternehmen ist, weil es die Unternehmensphilosophie ist, oder Ähnliches.
Im zweiten Fall, weil man „Kunde/Kundin“ ist und manchmal auch der Meinung ist, für ein gewisses Maß an Wertschätzung ja auch zu „zahlen“.
Gegen beide Erwartungshaltungen ist rein gar nichts einzuwenden.

Wertschätzung sollte allerdings nie einseitig sein. Doch wie bringt man seinem Chef/ seiner Chefin Wertschätzung entgegen? Darf man das überhaupt, oder wäre das fehl am Platze, eben weil man sich in der Firmenhierarchie als niedriger gestellt empfindet?
Man kann sich doch nicht einfach mal so bei der hierarchisch höher gestellten Person „bedanken“ oder ihr/ihm ein gutes Feedback geben? Vielleicht empfindet man das als Überschreitung der eigenen Kompetenzen? Das muss nicht sein. Auch ein Chef/ Trainer freut sich über Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Auch er/sie benötigt Zuspruch!

Wertschätzung benötigt Zeit
Wertschätzung kann aus vielen kleinen Punkten persönlicher Aufmerksamkeit bestehen, die in der Summe auch nicht zu vernachlässigen sind, oder aber, weil man sich einmal „länger“ Zeit für eine Person nimmt. Wertschätzung lässt sich allerdings nicht im Handumdrehen erledigen. Im Sport können es kleine Rituale sein, die die teilnehmenden Personen immer wissen lassen, dass sie wertvolle Zeitgenossen sind. Im Yoga finde ich es beispielsweise besonders schön, das Ende einer Kurseinheit mit einem Dank an sich, an den eigenen Körper und an alle im Raum anwesenden Personen abzuschließen. Auch die Frage nach dem Befinden der TN zu Beginn der Kurse hat mehr als nur einen haftungstechnischen Hintergrund.

Wertschätzung benötigt Nähe
Wertschätzung kann man nicht mal eben schnell über den Flur brüllen. So nebenbei und im Vorbeigehen. Man muss sich der Person zuwenden, für sie da sein. Das ist in den Sportkursen manchmal leichter als im Business. Wenn ein Trainer/ eine Trainerin sichert, korrigiert, hilft, dann stellt er/sie Nähe her. Wird die Hilfestellung noch souverän und höflich eingeleitet, weil man die trainierende Person darauf vorbereitet, dass sie nun angefasst wird, legt man eine ruhige Stimme an den Tag, so kann das nicht nur ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, sondern auch ein Akt der Wertschätzung sein.

Empfindungen
Klingt alles einfach? Ist es im Alltag oftmals nicht. Mangelnde Wertschätzung ist zum einen Empfindungssache und zum anderen oftmals überhaupt keine böse Absicht, wie die Vorkommnisse in einem der letzten Business-Seminare zeigten. Obwohl die Deadline einer Gruppenarbeit vorher besprochen wurde, passierte Folgendes: Eine der Gruppen befand sich noch im Gespräch. Die Seminarleitung reagierte darauf, dass hier wohl noch etwas Zeit benötigt werden würde und kommunizierte dies. Verständlich. Den TN zugewandt. Präsent. 3 der 5 Personen hörten die Seminarleitung auch, blickten sie an und wendeten sich dann wieder der Gruppe zu.
Nach weiteren 5 Minuten erhob die Seminarleitung wieder die Stimme. Das Procedere wiederholte sich. Als man es dann gemeinsam doch schaffte, sich wieder aufeinander im Ganzen einzulassen, analysierte man, was hier passiert war.
Sicherlich könnte man Verhaltensweisen wie „sich nicht an Zeitpläne halten“, „Ignorieren“, „keine Rückmeldung geben“, „Nebenstellendiskussionen eröffnen“ und „andere von der Kommunikation ausschließen“ – als Elemente mangelnder Wertschätzung betiteln, das war allerdings keine Absicht und hier war bestimmt auch kein Vorsatz zu sehen. Es ist einfach passiert.

Gefühl bleibt wichtig
Wertschätzung liegt also auch immer im Auge des Betrachters. Auch im Sport.
Nicht jede Kritik ist mangelnde Wertschätzung, nicht jedes Lob tatsächliche Wertschätzung.
Hier kommt die oben zitierte Authentizität wieder zum Tragen: Man muss das Gefühl haben, dass es echt ist. Aber wie bitte bemisst man ein Gefühl?
Und so sehen wir, dass wir Gefühle eben niemals ganz ausklammern können – weder beim Sport, noch im Business.

Dienstag, 14. Januar 2020

Zweierlei Maß – Handwerk und Kunst


Kreative Arbeit und künstlerische schaffende Tätigkeiten bringen Ergebnisse hervor. Dabei ist es unerheblich, ob es flüchtige Ergebnisse der darstellenden Kunst sind (Tanz, Theater als eine Art der Kunst, die ein Publikum erfordert und für den Moment dauert in welchem jemand zusieht) oder überdauernde Werke der bildenden Kunst. Auch das Handwerk bringt Ergebnisse hervor, deren Dauer unterschiedlich ist (Brot, ein Dachstuhl, Kleidung etc.).
Kunst kann Handwerk sein und Handwerk Kunst. Die Übergänge sind fließend und für unser ästhetisches Empfinden ist es erfüllend, wenn das Handwerk künstlerischen Ansprüchen genügt, oder Kunst mit handwerklicher Kompetenz hergestellt wurde.
Für die Bewertung des Entstehungsprozesses ist dies allerdings manchmal gar nicht so unerheblich. Sieht man sich als Handwerker (m/w/d) oder als Künstler (m/w/d) und wie sieht einen die Gesellschaft?

Die Geschichte um den Entstehungsprozess des Werkes

Würde ein Handwerker, der die tägliche Leistung als Ergebnis seines handwerklichen Könnens ansieht, die gleichen Maßstäbe an den Tag legen wie es mancher Künstler tut, so wäre der Betrachter oder Leistungsempfänger (m/w/d) überrascht oder unzufrieden.

Umgekehrt sind wir vielleicht auch irritiert, wenn ein Künstler seine Tätigkeit mit handwerklichen Maßstäben misst.

Ein Autor (m/w/d), der über Schreibblockaden klagt, der mit vielen Worten darstellt, wie schwer ihm oder ihr das Schreiben fällt, der darüber klagt, dass er oder sie nie die richtigen Worte findet, dass er oder sie schon 100 mal von vorne angefangen hat, genießt unter Umständen Anerkennung. Eventuell schätzen wir das Ergebnis danach sogar als wertvoller ein. Ebenso kann man dieses Beispiel auf die Entstehung eines Bildes, einer Statue, einer Tanzchoreographie oder Ähnlichem anwenden.

Würde uns ein Handwerker das Gleiche erzählen, so würden wir an seinem Können zweifeln. Ein Bäcker, der 100 Brote backen muss, damit ein Genießbares dabei herauskommt und mit diesen zahlreichen misslungenen Versuchen auch noch hausieren gehen würde, würde wohl eher in Ungnade fallen.
Ebenso würde es wohl einem Schreiner oder Gärtner oder einem ähnlichen Berufszweig des Handwerks gehen.

Meister oder Künstler

Als die Meisterpflicht in einigen Handwerkszweigen für die Eröffnung eines Geschäfts aufgehoben wurde, wurde die Vermischung der gedanklichen Wertschätzung von Kunst bzw. Handwerk offensichtlich. Ist ein Foto Kunst oder Handwerk? Zahle ich für Kunst oder Handwerk?

Zugeschriebene Rollenkompetenz wirkt identitätsstiftend. Wenn mir eine Person das zutraut, was ich tue, dann stärkt das meine Persönlichkeit. Kann ich diesen Zuspruch erwarten, wenn ich mich selbst Autor/ Trainer/ Manager/ Tänzer/ Blogger/ Influencer nenne? Ist es mein Beruf eher ein Handwerk, wenn ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen will oder muss oder ist es eher Kunst?

Selbstverständnis unserer Tätigkeiten

Sieht es die ausübende Person eher als Handwerk, so wird sie sich hüten mit tausenden von misslungenen Versuchen hausieren zu gehen (obwohl diese natürlich auch existent sind – im Handwerk nennt man es wohl Lehrzeit, wobei diese nicht auf ein bestimmtes Lebensalter beschränkt ist), sieht sich die Person als Künstler, so kann man mit diesen „Schaffenskrisen“ das letztendliche Ergebnis im Auge der Betrachter sogar aufwerten.

Was erwarten wir von unserem Gegenüber? Sehen wir in ihm oder ihr einen Künstler und erkennen auch Fehlversuche an, oder ist es das Handwerk, von dem wir meisterliche Ergebnisse erwarten?

Donnerstag, 9. Januar 2020

Wissen, Glauben und Beweise


Im Winter werden die Tage kürzer und nach der Wintersonnenwende wieder länger. Wissen wir alle. Haben wir alle schon erlebt. Ist erforscht. Ist bewiesen. Wiederholt sich jedes Jahr.
Wissen und Erleben sind zweierlei paar Stiefel. Wissen und Glauben noch mal ein anderes Paar Schuhe.

Manchmal kann man Zuspruch erleben und zweifelt dennoch. In solchen Momenten ist Glauben notwendig. Atheisten, Nihilisten oder wie sich die Menschen, die von sich behaupten an „gar nichts“ zu glauben, auch immer selbst betiteln mögen, mögen das Beispiel der längeren und kürzeren Tage als Argument für die Abwertung und Negierung von Glauben sehen, denn man muss nicht daran glauben, dass die Tage nach der Wintersonnenwende wieder länger werden, damit es passiert, es passiert einfach.

Gleichzeitig proklamiert man die Notwendigkeit von Selbstvertrauen als Glauben in die eigenen Fähigkeiten und wenn es nur die Fähigkeiten zur Weiterentwicklung sind. Auch Selbstvertrauen ist eine Art von Glauben. Es wird geboren aus dem Nichts, es entwickelt sich, es wird genährt und gestärkt, manchmal strapaziert oder gar zerstört. Auch dann ist es wichtig, sich zunächst auf das zu berufen, was man schon selbst erlebt hat. Jede Person ist schon durch schwere Zeiten gegangen, jeder empfindet dabei schwere Zeiten subjektiv. Eine objektive Aufstellung, was als „schwer“ zu betiteln ist, was eine Herausforderung und Strapaze für den einen oder die andere darstellt, kann man sich sparen.

Zuspruch, Glauben und Vertrauen ohne Argumente und Anhaltspunkte ist ein bisschen substanzlos. Einen Menschen zu trösten ohne Argumente, ohne ihm oder ihr vorzuhalten, was er oder sie schon geschafft hat, ist schwer. Wir halten fest an Erfahrungen, an Wissen. Wir versuchen Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln, was manchmal in einer Art Aberglaube endet.

Glaube funktioniert ohne Beweise, ohne Wissen, ohne Erfahrung, auf die man sich berufen kann und dann wird es schwer. Was wir nicht sehen können, was uns eventuell nur erzählt wird, das lehnen wir gerne ab. Verständlich.
Allerdings manchmal ebenso unsinnig. Ich selbst habe noch nie den Nordpol gesehen. Man erzählt mir, dass es ihn gibt, ich habe Bilder gesehen, er ist auf den Weltkarten eingezeichnet, aber ich selbst habe ihn noch nie gesehen (ebenso wenig wie Amerika, Kanada, Asien etc. etc. etc.). Ist es nun Glauben oder Wissen, wenn ich die Existenz dieser Länder nicht negiere?

Für die Personalentwicklung, die Teamzusammensetzung und auch die Erfolge im Sport, das Erreichen von Zielen etc. ist Glauben notwendig. Je mehr wir diesen Glauben als Trainer argumentativ stützen können, je genauer der Fahrplan ist, den wir offerieren, umso eher sind wir alle gewillt zu glauben, aber ohne Glaube wird es definitiv nicht funktionieren.

Freitag, 3. Januar 2020

Männergrippe, Trainergrippe und Freizeit


Über die sprichwörtliche Männergrippe kann man Vieles lesen, hören, sich über Vieles amüsieren und die geplagten Männer auch immer wieder aufziehen. Ob das nur lustig ist oder in gewisser Weise mobbend diskriminierend, muss jede Person für sich selbst entscheiden.
Fakt ist, dass man mit gut gemeinten Ratschlägen wie „Hab‘ dich nicht so!“ nicht wirklich weiterkommt, denn jeder empfindet Belastungen eben anders.

Absolut faszinierend sind die Urlaubskrankheiten oder die Selbständigen-Grippe. So lange es sich tatsächlich „nur“ um eine böse Erkältung oder sonstige Beeinträchtigungen handelt, die zwar ihren Tribut fordern, aber heilen, darf man hier sogar dankbar sein.

Ab Herbst, so ungefähr zur Wiesenzeit fängt es an: Die häufigsten Worte, die man als Trainer/ Trainerin in die diversen WA-Gruppen der Kurse schreibt, sind: „Gute Besserung!“
Kein Mensch sucht sich eine Erkältung, Krankheit, Magen-Darm-Grippe, Kreislaufbeschwerden, Regelschmerzen oder Sonstiges freiwillig aus. Natürlich ist es uns allen lieber, es geht uns gut und wir können unseren Tagesplan so verfolgen, wie wir uns das in den Kopf gesetzt haben. Aber irgendwann geht es eben nicht mehr und auch das beste Immunsystem gibt auf.

„Warum wirst Du nicht krank?“ – fragte mich eine Teilnehmerin im Spätherbst. „Weil ich nicht kann!“
Das funktioniert seit ca. 20 Jahren ganz gut. Solange ich Kurse habe, Seminare zu geben, Coachings zu absolvieren etc., funktioniere ich. Spätestens am 24.12. ist dann Schluss. Jetzt weiß mein Körper, dass die nächsten (mindestens) 3 Tage „nichts“ ansteht. Also zumindest nichts Geschäftliches. Schleusen auf.
Ärgerlich? Klar! Nervig? Auch das. Muss das denn sein? Ja!

Nein, es macht keinen Spaß, wenn der Körper sich alles aufspart, um dann mit geballter Kraft dem Kopf zu sagen: „So, jetzt ist Schluss!“ – Aber es ist doch auch sehr faszinierend. Wir haben die Kraft uns selbst zu beeinflussen. Wir können in uns selbst wirklich gute Teamarbeit an den Tag legen: Nicht jeder macht immer alles zu gleichen Teilen, aber am Ende arbeitet man zusammen und jeder darf auch mal im Vordergrund stehen.

Und insofern dürfen wir auch für die „Auszeiten“, die wir uns nicht selbst nehmen, die wir nicht planen und die NIE ins Konzept passen, dankbar sein. An dieser Stelle möchte ich nochmals verdeutlichen, dass ich hier von Erkältungen, kleineren Wehwehchen und Beeinträchtigungen spreche, von denen wir wissen, dass sie uns ganz schön aus dem Konzept werfen, dass sie uns ganz schön fertig machen, dass sie ganz schön belastend sind und wir uns höchstens wie ein verprügelter halber Mensch fühlen, von denen wir aber wissen, sie gehen vorbei und das in absehbarer Zeit.

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Gute Vorsätze




Zu Beginn eines neuen Jahres sind erfahrungsgemäß die ersten Kurseinheiten immer voll. Motivation, gute Vorsätze, Plätzchen, Stollen und Weihnachtsessen, welche sich gefühlt oder tatsächlich auf den Hüften breit gemacht haben – man merkt einfach: Ein neues Jahr mit den entsprechenden Vorsätzen hat begonnen. Im Sportbereich ist das meist sehr gut zu beobachten.
Wir sind gespannt, ob dies auch 2020 der Fall sein wird.

Ende Januar ist Schluss

Leider zeigt die Erfahrung auch, dass sich diese Jahresanfangsmotivation nicht lange hält. Für wen auch im vergangenen Jahr Sport und körperliche Betätigung zum natürlichen Alltag gehörte, der bleibt, bei vielen ist Ende Januar dann schon wieder Schluss.
Dieses Verhalten findet sich nicht nur im Bereich der körperlichen Betätigungen. Viele gute Vorsätze schaffen es nicht bis in den Februar.

Meist liegt es daran, dass man sich schlicht zu viel vornimmt: Alles wird anders, mindestens 3x pro Woche Sport, schlechte Gewohnheiten sollten abgestellt werden.
Auch wenn sich die Zahl des Jahres ändert, so bleibt es schwer, alles auf einmal ändern zu wollen. Besser wäre es, sich kleine Ziele zu setzen, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, diese auch erreichen zu können.

Zu viel gewollt

Wer sich vornimmt ab sofort mindestens 3x pro Woche Sport treiben zu wollen, der wird von sich selbst binnen kürzester Zeit enttäuscht sein. Da kommt die Erkältung dazwischen, Überstunden in der Arbeit, eine Geburtstagseinladung oder Ähnliches.
Das Leben geht meist ähnlich wie im Vorjahr weiter. Einen zusätzlichen Baustein in den Alltag einzubauen gelingt nur, wenn dieser „klein“ genug ist.
Sich „nie“ wieder aufzuregen, von nun an „komplett“ auf Süßigkeiten zu verzichten oder von nun an „immer“ die eigene Meinung zu sagen sind Vorsätze, die Absolutbotschaften enthalten.

Schafft man es 2 oder 3 Wochen hintereinander nicht, das selbst gesetzte Ziel zu erreichen, ändert man selten das Ziel, man streicht es lieber. Ist auch einfacher für den Kopf, denn dann muss er sich damit gar nicht mehr auseinandersetzen.

Auch mit kleinen Schritten kommt man voran

1x pro Woche Sport. Einmal pro Woche 1 Stunde. Das scheint nicht viel, ist aber machbar.
Und wenn man sich beispielsweise vorgenommen hat, am Montag einen Kurs zu besuchen und es aufgrund oben genannter Bedingungen nicht schafft, so hat man noch 3 weitere Ausweichmöglichkeiten. Dann geht man eben am Mittwoch oder am Donnerstag oder am Freitag. Ist egal. Aber am Ende der Woche darf man dann mit Recht stolz auf sich sein, weil man es eben geschafft hat.

Ähnlich sieht es mit den „Verhaltenszielen“ aus, die nicht unbedingt etwas mit dem Sport zu tun haben. Anstatt sich vorzunehmen, ab 01. Januar als Fleischliebhaber nun Veganer werden zu wollen, kann man auch zunächst einmal die Fleischqualität verbessern, dafür die Häufigkeit des Konsums verringern. Anstatt sich vorzunehmen, sich „nie“ wieder aufzuregen, kann man sich „Deadlines“ setzen. Wenn man merkt, dass man sich über etwas ärgert, dann darf man es zulassen, aber man kann auch versuchen, ein Ende zu setzen. Eine Stunde darf man nach Herzenzlust schimpfen und lamentieren und sich ärgern, aber dann ist Schluss.

Auch im vergangenen Jahr war man ein guter Mensch

Zu vieles auf einmal verändern zu wollen bedeutet im Umkehrschluss ja auch, dass zu vieles in der Vergangenheit schlecht war. Das stimmt so nicht. Es ist anerkennenswert, sich entwickeln zu wollen, sich verbessern zu wollen, jeden neuen Tag mit dem Ziel zu beginnen, eine bessere Version des eigenen Ichs an den Tag zu legen. Renovieren statt abreißen. So gehen wir doch auch mit den Zimmern in unseren Wohnungen und Häusern vor. Niemand würde sich vornehmen, von heute auf morgen jedes Zimmer auf einmal komplett neu zu gestalten. Hier ist uns klar, dass dies mit zu viel Arbeit und Energieeinsatz verbunden wäre und dass wir uns damit die eigenen Rückzugsorte, das Gewohnte, das Vertraute kaputt machen würden. Neben der Zeit fehlen häufig auch die finanziellen Mittel und so geht man auch die Renovierungsarbeiten Stück für Stück an. Vielleicht indem man einfach erst einmal aufräumt, statt alles auf den Sperrmüll zu werfen?

Eigendynamik des Erfolgs

Wenn wir uns Ziele setzen, die wir erreichen können, so stärken wir unser Selbstvertrauen und schaffen uns Erfolgserlebnisse. Erfolg genießt dabei eine gewisse Eigendynamik. Er tut dem Kopf gut und verursacht Gefühle der Zufriedenheit und des Glücks. Das möchten wir gerne so oft wie möglich erleben. Gefühle der Unzulänglichkeit, des Versagens und einer defizitären Verhaltensweise wollen wir lieber vermeiden. Wir haben es selbst in der Hand, welche Ziele realistisch sind.

Samstag, 21. Dezember 2019

Rituale und Bräuche – braucht doch kein Mensch

Die Weihnachtszeit ist geprägt von Ritualen und Bräuchen: Barbarazweige am 04. Dezember, Lichter in den Fenstern, Lichter im Garten, um die dunkle Jahreszeit zu erhellen, Aufmerksamkeiten zu Nikolaus, kleine Geschenke auch für Kunden und Kundinnen, Postkarten an all die Menschen, die einen über das Jahr begleitet haben.

Nicht zeitgemäß

Was bringt das und ist das alles überhaupt noch zeitgemäß? Ja, man kann argumentativ und auf der Vernunftebene alles auch in einem anderen Licht sehen, offen gesagt auch einfach alles kaputtreden: Man entreißt dem Baum Zweige. Muss doch nicht sein! Zusätzliche Lichter in Fenstern und Gärten bedeuten nur zusätzlichen Stromverbrauch, den man sich und der Umwelt ersparen könnte, Nikoläuse sind in Plastik oder Stanniol verpackt, auch hier wieder Müll, den man vermeiden könnte, denn keine Person „braucht“ wirklich einen solche zusätzliche Kalorienzufuhr (brauchen im Sinne von „benötigen“). Die Geschenke wiederum, die man als kleine Aufmerksamkeit auch für Kunden und Kundinnen vorsieht, können argumentativ analog zu den Nikoläusen als sinnlos erachtet werden. Postkarten sind eine Verschwendung von Papierressourcen und wirtschaftlich absolut unsinnig, da das Porto mehr kostet, als dieses Stück Papier überhaupt wert ist.

Besseren Service bieten

Besser ist es doch, den Servicegedanken hochleben zu lassen, also als Dienstleister IMMER für Personen da zu sein, oder da sein zu wollen. Davon hat der andere wenigstens was und wenn es nur eine theoretische Möglichkeit wäre.

24/7 ist auch hier angekommen. Kein Jahr vergeht, in welchem wir nicht gefragt werden, ob am 24.12. – Heilig Abend – Kurse stattfinden würden.
Manchmal muss man dann mehr als einmal betonen, dass man da Weihnachten feiern würde. Da unser Studio normalerweise nur an Feiertage geschlossen hat, erntet man ein wenig Unverständnis, denn schließlich ist der 24.12. kein Feiertag.

Wertschätzung versus Abstumpfung

Gegen keines dieser Argumente lässt sich etwas sagen und was man dann auf der einen Seite als sowohl umweltschonend als auch vernünftig sehen kann, trägt doch auch etwas zur Verrohung der Gesellschaft bei. Das merkt man daran, wenn nichts zurückkommt.
Sich bedanken, das Jahr Revue passieren lassen, jemandem eine Süßigkeit schenken (auch wenn er oder sie sich diese selbst kaufen könnte), Post versenden, die man anfassen kann?

All das geht doch auch billiger, schneller und einfacher.
Da kann man schon mal auch auf den freundlichen Gruß „Frohe Weihnachten“ verzichten und selbst das argumentativ so belegen, dass man dadurch ja niemanden, der, aus welchen Gründen auch immer, nicht Weihnachten feiert, ausgrenzen möchte.

Copy and Paste – schnell und kostenlos!

Ich persönlich halte an den Bräuchen fest, weil ich sie mag und weil sie für mich zu Weihnachten gehören. Jedes Jahr wieder überlege ich mir, ob ich damit aufhören sollte. Es bringt ja nichts und selten kommt etwas zurück. Aber wenn es eine intrinsische Motivation ist, dann macht man es, weil man es machen möchte. Würde ich damit aufhören, weil es sich nicht „lohnt“ und die rückläufige Wertschätzung häufig ausbleibt, so würde ich mir selbst etwas vom Weihnachtszauber stehlen. Und dafür ist mir Weihnachten zu wichtig und ich zu egoistisch.

Freitag, 13. Dezember 2019

Laute und leise Stille


Die „stade“ Zeit ist oftmals geprägt von Hektik, gefühlten und tatsächlichen Verpflichtungen, dem Wunsch 20 Termine in einen Tag zu packen und alles richtig zu machen, um schnell besinnlich zu werden, damit sich die richtige „Stimmung“ einstellt. Klappt selten.
Hinzu kommen die Fragen anderer Personen, wie viele Plätzchen man schon gebacken hätte, ob man schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt hätte, wie die Planung für die Feiertage aussehen würde, was man an Silvester vorhätte, welches Menü es am Heilig Abend geben würde und vieles mehr.
Stille und Ruhe, Besinnlichkeit und Innehalten kann sich so nur in einer gezwungenen Art einstellen. Echte Ruhe kommt von innen.

Was hat das mit Sport zu tun?

Man muss mit der Stille auch umgehen können, als teilnehmende Person, aber auch als Trainer*in. Im Yoga geht man davon aus, dass es zumindest in der Phase der Endentspannung still werden sollte und nimmt es überrascht zur Kenntnis, wenn auch die Anfangsmeditation (ein großes Wort für ein paar Minuten des Ankommens!) gut klappt. Wie kann man als Trainer überhaupt wissen, ob es funktioniert oder nicht? Stille ist schließlich Stille. Punkt. Wenn keiner was sagt, dann reicht das doch, oder?

Gesichtslächeln und Herzenslächeln

So wie wir sehr wohl wissen, ob ein uns geschenktes Lächeln von Herzen kommt, oder ob es ein purer Akt der gelernten Höflichkeit ist, so können wir auch Herzensstille und Ruhe von aufgezwungenem Schweigen unterscheiden.

Du bist wichtig, da, wo Du gerade bist.

Es klappt nicht immer, dass man sich voll und ganz auf den Kurs, die Sportstunde einlässt. Irgendwie kann man nicht abschalten, die To-Do-Liste mault weiterhin vor sich hin, vielleicht ein wenig leiser, weil sie vor der Tür stehen bleiben musste, aber wie der durchdringende Bass eines Musikstücks immer noch wahrnehmbar.
Oftmals gewinnt die To-Do-Liste auch und man „schafft es heute nicht“.
Es funktioniert auch nicht immer, dass man bis zur letzten Minute des Cool-Downs oder der Entspannungsphase gedanklich noch bei der Sache ist. Der Geist macht sich schon auf den Weg nach Hause, sehnt sich nach der Dusche, dem Abendessen, der Couch.
Das ist ganz normal.

Aber manchmal ist einfach nur Frieden

Wirklich intensiv wird es, wenn man jede Minute des Kurses ganz bei sich und der Sache ist.
Und dann stellt sich eine ruhige Stille an, die sich einfach anders „anhört“ als eine Stille, die ihren Ursprung in dem Gebot hat, dass man halt jetzt mal nix sagen darf.
Die ersten Male hat mich das als Trainerin auch irritiert. Kein stilles Seufzen, keine Korrektur der Positionen, kein Husten, kein Rumgerutsche auf der Matte/dem Boden. Nur Ruhe. Konzentration, Intensität. So oft hatte ich darum gebeten, es als Ziel in den Raum gestellt, erklärt, dass es nicht wichtig ist, das Ziel sofort zu erreichen, kleine Indizien mitgegeben an denen man messen könne, ob man wirklich zu Ruhe käme und vieles mehr. Die Qualität des Trainings hängt nicht immer mit der Intensität der Übungen zusammen, oftmals ist es tatsächlich nur die „Ganzheitlichkeit“, die den Trainingseffekt verbessert. Der Weg dorthin ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen. Wer einmal die Stille genossen hat, der kann es wieder tun. Und so gelingt es uns in manchen Jahren besser, die Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen und in anderen Jahren eben nicht so gut. Das ist nicht schlimm.

Mal so, mal so

Versuchen wir so oft wie möglich, die Momente der echten Stille wahrzunehmen, es sind die Momente der Ruhe, der echten Besinnlichkeit. Wir nehmen mit allen Sinnen wahr, genießen, sind hier und jetzt. Das geht im Sport, das geht auch in der Weihnachtszeit. Und wenn es nicht geht, dann können wir es auch nicht erzwingen, dann bleibt die Stille eben laut und die stade Zeit hektisch.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Es ist immer der Ausländer schuld – oder: Warum Füße nicht Beine sind


Gleich vorweg: Nein, es geht nicht um Politik und es geht nicht um das, was Einige für gut oder weniger gut erachten. Meine Einstellung zu Menschen, ganz gleich welcher Herkunft, die sich derart gestaltet, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat, solange dessen Handeln auf Anstand, Respekt, Rücksichtnahme und Höflichkeit basiert, tut hier gar nichts zur Sache. Vielmehr geht es um einen Fall aus einem Seminar, der zeigt, wie schnell Missverständnisse entstehen können.

Kurz, klar, knackig und unmissverständlich

Ein Trainer/ eine Trainerin hat die Aufgabe, Sachverhalte so klar und deutlich darzustellen, dass es keine Missverständnisse geben kann, die zu Gefahren führen. Im sportlichen Bereich wie auch bei Seminaren. Hierfür kann der Trainer/ die Trainerin Einiges tun: Klare Ansagen, kurze Sätze, unmissverständliche Formulierungen.
In den Erklärungen für den Sportbereich ist es beispielsweise sinnvoll, eben nicht von „rechts“ und „links“ zu sprechen, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass alle Personen die gleiche Ausgangsstellung einnehmen.

Im Sport

Hängt man im Pole-Sport kopfüber an der Stange und der Grippunkt, der einem vor dem Fall bewahrt ist die Wade, so macht es wenig Sinn zu sagen, dass nun das rechte/linke Bein gelöst werden soll. Ist man sich als Trainer nicht sicher, ob alle auf der gleichen Seite gestartet sind, so kann dies unter Umständen die teilnehmende Person in Gefahr bringen. Der kleinste gemeinsame Nenner und das (Körper-)Gefühl sind hier wichtiger. Man bezieht sich also auf das, was die teilnehmende Person selbst spüren kann und formuliert dementsprechend: „Ihr spürt die Wade an der Pole. Diese bleibt in der Figur die gesamte Zeit über an der Pole und stellt Euren Grippunkt dar. Das andere Bein wird gelöst.“ – So sollte sicher sein, dass die teilnehmenden Personen sich nicht in Gefahr begeben.
Man spricht auch nicht vom „rechten“ oder „linken“ Arm/ der Hand, sondern stellt die Bezugspunkte her, die jede teilnehmende Person selbst überprüfen kann: Der innere Arm bleibt an der Stange/ am Hoop. Wobei innen immer die Seite ist, die sich näher am Trainingsgerät befindet.

Missverstehen wollen

Viel Verantwortung liegt also beim Trainer und er/sie kann durch richtige Formulierungen dazu beitragen, dass es keine gefährlichen Missverständnisse gibt. Doch nicht immer ist die Schuld beim Trainer zu suchen. Wer etwas missverstehen möchte, der tut es, da kann sich die andere Person auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln und es wird sich nichts ändern.

Füße und Beine

In Bayern haben wir manchmal das Problem, dass die bayrischen Füße eben nicht nur die Füße sind, sondern damit das gesamte Bein betitelt wird. Wenn ein Trainer also sagt, dass die Füße gestreckt werden sollen und das auch so meint, eine teilnehmende Person allerdings im bayrischen Verständnis nun das ganze Bein streckt, so ist es nicht dem Trainer/ der Trainerin zuzuschreiben, wenn dadurch wichtige Presspoints/ Grippunkte gelöst werden.

„Ich dachte, Du meinst das Bein!“ – „Nein, ich sprach von den Füßen und habe auch die Füße gemeint.“

Die Erfahrung macht klug oder zumindest umsichtiger

Beim nächsten Mal kann man bereits darauf hinweisen, dass mit Fuß wirklich nur der Fuß gemeint ist und nicht das Bein. Einiges kann man aber nicht vorausplanen oder antizipieren.

Warum sind jetzt immer die Ausländer schuld?

In einem Seminar legte ich einige Ansätze der Kommunikation dar. Unter anderem auch die Aussage, der ich mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehe, dass angeblich für das, was beim Empfänger ankommen würde, immer der Aussender der Botschaft verantwortlich wäre.
Ich verwendete also das Wort „Aussender“ statt „Sender“ und legte dar, dass ich dem nicht ganz zustimmen könne, weil man meiner Meinung nach nicht immer genau voraussehen könne, was der andere aufnimmt oder versteht, und führte noch ein paar Dinge mehr aus.

Eine teilnehmende Person zeigte deutliche Zeichen des Unmuts auf dem Gesicht und wurde immer unruhiger. Ich sprach sie daraufhin an, ob es hier noch Probleme mit dem Verständnis geben würde oder ob sie anderer Meinung sei? Daraufhin sagte sie, dass die nicht verstehen könne, warum immer die Ausländer verantwortlich wären?

Zunächst wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, weil ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, auf was die Person sich bezog. Ich fragte nach, wann ich etwas Derartiges geäußert hätte? Daraufhin sagte mir die Person, dass ich doch selbst vor einigen Minuten gesagt hätte, dass für das, was beim Empfänger ankommen würde, immer der Ausländer verantwortlich wäre.

Ein Missverständnis

Interessanterweise hatten wir vorher die Genese von Konflikten behandelt, die zu einem großen Teil eben aus Missverständnissen entstehen würden und just lieferte uns der Verlauf des Seminars das beste Beispiel dafür. Die Person hatte mich schlicht missverstanden.
Ich betonte das Wort „Aussender“ nochmals ganz deutlich und räumte ein, dass man auch nur „Sender“ sagen könne. Die Person meinte daraufhin, dass es das Wort Aussender ja gar nicht geben könne und sie deswegen der Meinung gewesen wäre, ich müsste „Ausländer“ gemeint haben.

Die gesamte Seminargruppe, mich eingeschlossen, war sehr froh, dass wir dieses Missverständnis im Seminar aus dem Weg räumen konnten, es hätte fatale Folgen haben können (zugeschriebene Ausländerfeindlichkeit etc.).

Bringschuld und Holschuld

Es ist also die Pflicht eines Trainers/ einer Trainerin die Dinge so unmissverständlich wie möglich zu erklären und die Aufgabe der Empfänger, sich bei den kleinsten Unsicherheiten zu melden und rückzufragen, um Gefahren und fatale Folgen ausschließen zu können. Das gilt im Sportbereich wie in der Mitarbeiterführung und in Seminaren.

Dienstag, 26. November 2019

Die Krux mit dem Grip – oder: Was tun gegen Winterhaut?



Das Einzige, was uns an der Pole hält (ausgehend von klassischen Oberflächen der Pole wie Edelstahl oder Chrom, teilweise auch Messing) ist die Haut. Aber Haut ist nicht gleich Haut.
Mindestens zweimal im Jahr kennen wir das Problem mit schlechtem Grip. Der Übergang von Winter auf Sommer und die Umstellung von Sommer auf Winter macht auch unserer Haut zu schaffen: Egal welches Hilfsmittel wir benutzen (flüssige Gripmittel, Pads, Wachs etc.), mit dem Halt will es einfach nicht funktionieren.

Ist es im Sommer eine zu feuchte Haut, weil man einfach mehr schwitzt, so quält uns im Winter häufig die zu trockene Haut. Pulverchen und Gripmittel, die die Haut trocken halten sollen, machen es nicht besser. Kein Wunder. Wo keinerlei Feuchtigkeit ist, da kann auch mit Gripmittel kein Halt entstehen.
Wie bei einem Kuchenteig vermischen wir zwar Mehl mit Backpulver, aber die Flüssigkeit, die den Klebeeffekt mit sich bringt, fehlt.

Stimmt im Sommer die Aussage „Vor dem Pole-Training nicht eincremen“ in den meisten Fällen (zumindest, wenn es sich um Lotions mit mehr oder weniger hohem Öl-/Fettgehalt handelt), so kann dieses Vorgehen im Winter die Problematik sogar noch verstärken.

Die Haut muss geschmeidig sein, nicht zu trocken und über genügend Grundfeuchtigkeit verfügen, damit Gripmittel auf ihr haften können.

Da jede Haut anders ist, muss man lange herumprobieren, bis man das passende Procedere gefunden hat. Hier ein paar Tipps, die helfen können:
1.)    Einmal pro Woche ein Ganzkörperpeeling machen, um abgestorbene Hautzellen zu entfernen. Dazu (um Mikroplastik zu vermeiden) einfach 2 Esslöffel Reis in einer Kaffeemühle mahlen und mit Duschgel oder Öl zu einem Brei verarbeiten und einmassieren. Ganz ohne Hilfsmittel geht es auch mit Peelinghandschuhen, die ihr in jedem Drogeriemarkt bekommt.
2.)   Danach großzügig mit einer reichhaltigen Körpercreme/ -milk eincremen (der Bade-Peeling-Eincremetag darf natürlich nicht an einem Poletrainingstag sein.)
3.)   Während des Rests der Woche immer darauf achten, dass die Haut genügend Feuchtigkeit besitzt. Hier helfen Gel-Lotions verschiedener Hersteller, die kaum Öle oder Fette enthalten, wohl aber die Haut geschmeidig machen.
4.)   Die Lotion für die Feuchtigkeit könnt ihr ganz leicht noch „leichter“ machen. Einfach die Hälfte der neuen Packung in eine leere Lotionsflasche füllen und mit Wasser vermengen. So spart ihr bares Geld und die so hergestellte Lotion reicht meist aus, der Haut genügend Feuchtigkeit zu geben, ohne den Grip an der Pole zu behindern.
5.)   Die Häufigkeit der oben genannten Verfahrensweisen müsst ihr selbst austesten. Ich würde nicht häufiger als 1x pro Woche ein Peeling empfehlen, weil es die Haut doch reizt. Ob ihr dann täglich nach der Dusche die leichte Körperlotion verwendet (auch hier gilt die Devise: Weniger ist mehr. Eine walnussgroße Menge reicht normalerweise für den ganzen Körper) oder nur alle 2 bis 3 Tage, kommt auf Euren individuellen Hauttyp an.

Mit diesen Verfahrensweisen habe ich auch im Winter kaum mehr Probleme mit mangelndem Grip.
Viel Erfolg Euch und viel Spaß beim Training.

Freitag, 22. November 2019

Ganzheitliches Training - immer sinnvoll?


Ganz oder gar nicht! – Erst die Verstrebungen bringen die Kraft

Ein Song von Wolfgang Petry, eine Komödie über arbeitslose Stahlarbeiter, die eine Stripgruppe bilden, um ihre Stütze aufzubessern, eine Aussage über (scheinbare) Wahlmöglichkeiten, eine Ansage an die eigene Motivation und vieles mehr.

Ganzheitlichkeit – nur ein inflationär benutzter Begriff?

War es vor kurzem noch das Wort „Wertschätzung“ welches sinnbildlich für alles Gute im menschlichen und sozialen Miteinander steht und stand, so ist es heute die Ganzheitlichkeit. Ganzheitlich ist gut. Ganzheitlich verspricht Erfolg. Ganzheitlich ist intensiv.

Ganzheitlich bedeutet aber auch, alles wahrzunehmen und mit allem umzugehen. Mit den (scheinbaren) Defiziten und den vorhandenen Stärken, mit Deprivationen und Fülle.

Ganzheitliche Beratung

Ganzheitliche Beratung beispielsweise ist mehr als nur die Verordnung eines Medikaments oder einer Vorgehensweise, die Symptome bekämpft. Ganzheitliche Beratung ist nicht nur ein Ratschlag, sie geht tiefer. Ganz gleich in welchem Bereich. Ob es sich nun um einen ganzheitlichen Coachingansatz, oder um ganzheitliches (sportliches) Training handelt, hier wird von allen Beteiligten mehr als nur ein Teilbereich gefordert (und gefördert).

Nach einer klaren Ist-Stand-Analyse, die das Thema definiert, werden die vorhandenen Ressourcen betrachtet, eine Lösung gesucht, verglichen, ob die Lösung zur Person passt, die Strategie der Lösung individuell angepasst und danach gemeinsam umgesetzt. Das Gegenüber wird nicht allein gelassen.

In der Pädagogik beschreibt der ganzheitliche Ansatz analog das Einbeziehen der affektiv-emotionalen Aspekte neben den traditionell kognitiv-intellektuellen Aspekten. Lernen geht eben nicht nur im Kopf vonstatten.

Ein gesunder Ansatz?

Ganzheitlichkeit mit dem Ziel der vollkommenen Gesundheit?

"Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und 
sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen." (Definition WHO, 1946)


Geht nicht! Niemand fühlt sich vollständig wohl. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und Themen und Herausforderungen, die den Alltag mehr oder weniger mitbestimmen.
Es muss also allen Beteiligten klar sein, dass die Suche nach Ganzheitlichkeit dem Weg der Erleuchtung gleichkommen könnte: Langwierig, schwierig, herausfordernd und nur für wenige zu erreichen.

Na dann kann man es auch bleiben lassen, oder? Also lieber gar nicht als ganz?
Ein ganzheitlicher Ansatz, egal ob im Sport oder in der Beratung ist ein sinnvoller Weg. Angeblich sagte Antoine de Saint-Exupéry einmal:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem Meer.“

So ist es im Sport, so ist es im Berufsalltag. Man kann Aufgaben verteilen, Übungen machen, Trainingspläne erstellen und wird damit auch Erfolg haben. Die Halbwertszeit ist allerdings kurz. Teams müssen (gefühlt) nach jeder erledigten Aufgabe neu angelernt werden, das Körpergefühl im sportlichen Training wird nur leidlich verbessert. Man tut zwar etwas, aber weiß eigentlich nicht warum und wozu, erwartet aber dennoch die erhofften Erfolge.

Was Ganzheitlichkeit verlangt

Ganzheitlichkeit wird in diesem Miteinander aus Trainer/Coach und Gegenüber (im Sport oder Berufsalltag) in aller erster Linie vom Trainer verlangt. Er/sie muss gewillt sein, sich ganz einzubringen. Und zu „ganz“ gehört hier eben auch die Psyche, die Persönlichkeit, der Charakter, die eigenen Emotionen, die eigenen Bedürfnisse, das Wissen um und die Handhabung der eigenen Stärken und Schwächen und die Offenheit.

So lange ein Trainer/Berater/Coach sich selbst nicht ganzheitlich einbringt, kann er dies auch nicht von seinen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, von seinen Klienten und Klientinnen oder auch von seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verlangen.

Ganzheitlichkeit polarisiert

Wer sich als Dienstleister (in welchem Bereich auch immer) dermaßen einbringt, arbeitet ganzheitlich, was allerdings auch bedeutet, dass er oder sie ganzheitlich Energien nutzt und verbraucht.
Wer sich komplett offenbart und in seiner Tätigkeit aufgeht, lässt das Gegenüber an Überzeugungen, Emotionen und eigenen Werten teilhaben. Das wird polarisieren.
Eine Einstellung, die die eigene Tätigkeit als puren „Job“ bezeichnet, sieht das nicht vor.

Dementsprechend muss nicht nur das Gegenüber auf die Bedeutung der Ganzheitlichkeit vorbereitet werden, sondern der Dienstleister auch.

Ganzheitlichkeit kann nicht immer und überall und in jedem Bereich erreicht werden kann, noch ist diese überall sinnvoll.
Wenn man sich einen Dorn eingetreten hat, so möchte man eine kompetente Person, die diesen Störfaktor professionell und ohne Folgeschäden entfernt. Hier sucht man bestimmt nicht nach einem Menschen, der zunächst einmal grundsätzliche Fragen nach der Lebensgestaltung stellt, um herausfinden zu können, wie dieses „große Unglück“ überhaupt passieren konnte und welchen Anteil an diesem „Unfall“ die geschädigte Person selbst trägt.
So wird der Begriff der Ganzheitlichkeit in einigen Bereichen der Medizin auch verständlicherweise kritisch betrachtet bis abgelehnt.

Hohe Ziele

Im betrieblichen Gesundheitsmanagement hat man als Berater das Ziel, das Wohlbefinden der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ganz allgemein und im beruflichen Umfeld zu verbessern. Als Trainer im sportlichen Bereich erwarten Kunden und Kundinnen (sichtbare) Erfolge durch die Inanspruchnahme der Dienstleistung. Der ganzheitliche Ansatz eines Beraters/Coachs verspricht mehr Ruhe, Gelassenheit, Selbstvertrauen und dadurch mehr Erfolg für das Gegenüber.

Grundsätzlich ist es gut, den Menschen mit all seinen Facetten zu betrachten. Die Psychosomatik tut dies schon lange, in dem sie körperliche Erscheinungen mit dem Denken und den psychischen Prozessen verbindet.

Der Prozess

Jede Person, die Ganzheitlichkeit verspricht/ vermitteln möchte/ erreichen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass damit ein Prozess angestoßen wird. Es ist kein Schalter, den man umlegt, sondern eine Entwicklung, die gemeinsam gestaltet wird.

Ist man dafür bereit? Möchte man Wege begleiten/gehen, auf denen Steine liegen werden, die Pausen verlangen, die nicht geradlinig sind?
Ganzheitlichkeit ist kein neues Feature oder ein neuer Fitnesstrend.

Es ist schön, wenn man als Sporttrainer den teilnehmenden Personen ein Verständnis für die gesamten Funktionsweisen mitgeben kann, wenn man ihnen hilft, Mechanismen zu erkennen, das Körpergefühl zu verbessern und mehr zu tun als „nur“ zu trainieren. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass das nicht von jeder Person gewünscht ist.

Im Betrieb, im betrieblichen Gesundheitsmanagement und in der Unternehmensberatung ist das ähnlich. Manchmal möchte man einfach nur Lösungen haben, ganz bewusst OHNE ein Tiefenverständnis für die Hintergründe.
Wer sich allerdings bewusst auf Ganzheitlichkeit einlässt, der stößt einen Prozess an, der mehr als nur erfolgsversprechend ist.

Es geht immer darum, Begriffe und die damit verbundenen (entstehenden) Ideologien kritisch und vernünftig zu betrachten. Ganzheitlichkeit gehört dazu.

Ganzheitlichkeit in Petto

Ein guter Trainer/ eine gute Trainerin sollte allerdings die Fähigkeit besitzen, ganzheitlich zu agieren. Ganz am Ende darf ich hier kurz auf die gewachsene Verbindung zwischen dem Sportbereich (CrazySports Augsburg) und der Unternehmensberatung (Rebel-Management-Training) eingehen.
Die beiden Bereiche waren schon „immer“ parallel zueinander vorhanden. Erst die Verstrebungen zwischen den beiden Bereichen ermöglichen Ganzheitlichkeit und machen aus den starken Parallelen Schienen, auf denen man metaphorisch den Weg zum Ziel zurücklegen kann. Dann kann aus einem steinigen Weg eine ruhige Fahrt wie auf Schienen werden.

Donnerstag, 14. November 2019

Flexibilität trainieren - Für den Körper UND den Geist


Flexibilität – Die Kompetenz gegen das Altern

Offen für Neues. Neugierig. Wendig. Flink. Aufgeschlossen. Beweglich. Dehnbar. Gelenkig.

Lauter positive Eigenschaften. Die einen beziehen sich eher auf die Einstellung eines Menschen, die anderen eher auf seinen Körper. Beides setzt Training voraus.
In beiden Bereichen verlieren wir unsere Fähigkeiten, wenn wir sie nicht gebrauchen. In beiden Bereichen kostet es Überwindung und Kraft, verloren gegangene Fähigkeiten wiederherzustellen, oder auch nur die Potentiale zu entwickeln.
In beiden Bereichen kann es mit „Schmerzen“ und Missempfindungen verbunden sein, wenn wir uns „dehnen“ müssen. In beiden Bereichen versuchen wir deshalb häufig, uns davor zu drücken. In beiden Bereichen hätten wir gerne die positiven Effekte, die mit Flexibilität verbunden sind.

Flexibilität als Soft Skill

Flexibilität als Berufskompetenz beschreibt die Fähigkeit, sich anzupassen. Dabei spielt die Zeitkomponente eine wichtige Rolle. Je schneller wir uns anpassen können, je direkter wir auf eine Gegebenheit reagieren können, umso besser. Eine flexible Person ist nicht stur, steht dem Wandel aufgeschlossen gegenüber und kommt mit Veränderungen zurecht.
Die negative Seite der Flexibilität ist ein laxer Umgang mit Vorschriften, Regeln und vielleicht auch mit Loyalität. Flexibel ja, verlässlich aber bitte dennoch.

Flexibilität als Hard Skill

Sprechen wir von Flexibilität im sportlichen Bereich, beziehen wir uns eher auf die körperlichen Fähigkeiten. Füße über den Kopf, Spagat, Mittelspagat, Brücke, Bogengang, Schlangenmensch.
Auch hier tut Flexibilität gut. Auch hier kann ein zu großes Maß an Flexibilität Probleme mit sich bringen: Wenn die Muskulatur der (genetischen/ antrainierten) Biegsamkeit keinen gesunden Einhalt mehr bieten kann, dann kann es auf Dauer gefährlich für den Körper werden.

Training der Flexibilität

Beweglichkeit ist eine motorische Grundeigenschaft und Aufgeschlossenheit (geistige Flexibilität) angeboren. Wann geht sie uns verloren?

Nun körperlich betrachtet ist die Frage schnell beantwortet: Zu wenig Bewegung, zu einseitige Bewegungen, der Zwang des Stillsitzens, zu wenig Sport, kein gezieltes Training der Flexibilität plus Alterungsprozess ergibt stocksteifen Menschen.

„Das ist genetisch so! Dagegen kann ich nichts!“ – Diese Aussage kennt man. Stimmt bis zu einem gewissen Grad. Allerdings lässt sich ALLES verbessern, wenn man gewillt ist zu trainieren.

Jedes Training ist dabei ein Ausbrechen aus dem Gewohnten, setzt also schon vor der eigentlichen Übung Flexibilität (nämlich im Kopf) voraus. Flexibilität hier als Wille, sich auf Neues, Unbekanntes, Anstrengendes, vielleicht sogar Schmerzhaftes einzulassen, nicht sofort aufzugeben, es wieder und wieder zu versuchen, auch wenn man es nicht kennt und vielleicht sogar nicht sofort versteht.

Im Sport locken die Ziele und Vorteile und helfen über die Anstrengung und den Schmerz hinwegzusehen: Der Alterungsprozess wird verlangsamt, die Durchblutung verbessert, Verletzungen und Krämpfen vorgebeugt, Verspannungen gelöst, die allgemeine und sportliche Leistung verbessert.
All diese „Benefits“ locken uns und ermutigen uns.

Und wie trainiert man geistige Flexibilität?

Beginnen wir zunächst mit dem Unangenehmen. Wie im Sport auch muss man die geistige Flexibilität trainieren. Wie im Sport setzt das die Bereitschaft voraus, sich auf Neues und mitunter vielleicht sogar Schmerzhaftes einlassen zu wollen. Dabei ist nicht jeder Schmerz ein Schmerz, wir übersetzen dieses neue Gefühl häufig nur als Schmerz, weil es nicht sofort in die Kategorie „Wohlfühlzone-Faktor-Couch“ einzuordnen ist, also ist es doof und schlecht und muss weg.

Die gesunde Mischung macht’s

So wie es auch in sportlicher Hinsicht gilt, eine Hyperflexibilität zu vermeiden, so brauchen wir auch Menschen, die geistig an Werten festhalten und loyal sind. Überzeugungen und Werte sind dabei nicht mit Sturheit und Verbohrtheit gleichzusetzen. Sonst könnte ein stocksteifer Mensch, der keinen Funken Flexibilität besitzt und schon nicht mehr in der Lage ist, sich selbst die Schuhe anzuziehen, ja auch stolz auf diese „aufrechte Haltung“ sein.

Mittwoch, 6. November 2019

Die Kopie darf nur der Anfang sein



Kopieren, Nachmachen – Fake it till you make it?

Diesen Tätigkeiten und Verhaltensweisen stand ich immer schon mit gemischten Gefühlen gegenüber. Ja klar, niemand muss das Rad neu erfinden und natürlich orientiert man sich an Personen, die den Weg bereits gegangen sind und dabei erfolgreich waren. Lernen hat viel mit Abgucken zu tun. Im Sport kann man gar nicht anders: Wie macht es das „Vorbild“, wie kann ich es nachmachen? Genaues Beobachten und Kopieren ist hier sogar erwünscht.
Man stellt (Trainings-)Pläne auf, die von anderen Personen erstellt und für gut befunden wurden, man lässt sich erklären, wie eine Übung/ ein Trick/ ein Move funktioniert und versucht, diesen Erklärungen so detailgetreu wie möglich zu folgen, damit das Ergebnis so aussieht wie die Vorlage. Was also kann daran verkehrt sein?

Was mich daran stört, ist nicht das Verhalten an sich, welches zu Beginn einer neuen Tätigkeit, einer neuen Herausforderung fast immer zu finden ist, sondern vielmehr, dass dies das einzige Verhalten im Repertoire bleibt.
Den zweiten Teilsatz till you make it.“ überlesen viele geflissentlich, Kopieren reicht ja.

Auch im Sport, in der Akrobatik, im Tanz, bei der Erstellung von Trainingsplänen geht es früher oder später darum, den eigenen Weg zu finden, den eigenen Stil zu entwickeln. Nur so kann man unverwechselbar werden, eine Marke kreieren und den Weg finden, der am besten zum eigenen Ego und Körper passt.

Sport und Benchmarking

Auch zu Beginn von Benchmarking steht der Vergleich der eigenen Leistung/ des eigenen Produkts mit Produkten von Mitbewerbern, die „besser“ sind. Am Ende soll allerdings nicht ein Plagiat/ eine Kopie des Besten hergestellt werden. Der Vergleich dient der Analyse, worin die Unterschiede bestehen, der Klärung der Frage, warum man selbst nicht der Beste/Marktführer ist und der Genese von Verbesserungsmöglichkeiten. Soweit die Theorie.

Schein und Anschein

„Hat man vor einer neuen Herausforderung keine Angst, so ist sie zu klein.“ – sagt man. Stimmt in gewisser Weise. In allen Situationen, die uns Angst einflößen, suchen wir nach Sicherheit, nach einem Halteseil, nach Hilfestellung, nach probaten Wegen, die bereits gut ausgetreten sind, damit wir auf diesen den Pionieren einfach nachlaufen können. Wir kopieren Verhaltensweisen, schmücken diese mit dem richtigen Auftreten und Accessoires und hoffen, dass das Gegenüber uns das abnimmt, was wir uns selbst noch nicht glauben.

Das funktioniert sogar körperlich. Mittels des Bodyfeedbacks übermittelt unser Körper unserem Gehirn Signale. Ist das Auftreten entsprechend (groß, stark, stolz, mit Körperspannung, Rumpfstabilität und erhobenem Haupt) so lautet die Rückmeldung: „Kein Grund zur Panik, Besitzer fühlt sich sicher und agiert mit Selbstvertrauen, alles im grünen Bereich.“ Diese Positiv-Verstärkung können wir nutzen. Die Grundhaltung ist das Wichtigste. Das gilt nicht nur im Sport, sondern auch im allgemeinen Berufsleben. Die richtigen Accessoires helfen. Im Sport ist uns klar, dass wir mit Funktionsbekleidung bessere Leistungen erbringen können als wenn wir in High Heels und Wollpullover zum Joggen gehen würden. Im Berufsleben sind es Rhetorik, Kleidung, Visitenkarten und mehr. Die Erscheinung muss stimmen, dann passt meist auch der erste Eindruck.

Wenn der erste Ton erklingt

So agieren wir auch beim Unterrichten von Choreographien und Tanz. Sobald der erste Ton erklingt, muss die Haltung stimmen. Der (imaginäre) Zuschauer/ die (imaginäre) Zuschauerin möchte einen Tänzer/ eine Tänzerin sehen, niemand, der sich seiner Rolle nicht einmal selbst bewusst ist. Hier ist uns klar, dass wir eine Rolle einnehmen. Eine Rolle, die uns hilft, uns größer zu fühlen, Selbstvertrauen aufzubauen und stärker zu werden (mental und körperlich). Und es ist uns klar, dass wir zumindest anfangs „spielen“, weil wir ja keine Tänzer/Tänzerinnen sind.

If you stumble – make it part of the dance

Und wenn dann doch was schiefläuft? Dann muss es gewollt aussehen. Sinngemäß meint das die Zwischenüberschrift. Wenn Du stolperst, lass es so aussehen, als ob es dazugehört.
Genau hier zeigt sich die geringe Reichweite des Ratschlags, zu kopieren und nachzuahmen, bzw. was passiert, wenn man den zweiten Teilsatz einfach negiert. Dann ist man verloren, denn das kopierte Individuum/Unternehmen hat mir ja nur den geradlinigen Weg vorgelebt, nicht den, den ich zu gehen in der Lage sein muss, wenn es mein Weg ist, der vielleicht an manchen Stellen holprig/ steinig und eng ist.
So muss neben dem Kopieren von Bewährten auch gleichzeitig die Suche nach dem eigenen Weg ablaufen. Was kann man aus einem (missglückten) Tanzschritt noch machen? Wie kann man es so aussehen lassen, als ob es gewollt wäre? Nur das Wissen um die eigenen Fähigkeiten offeriert einen Plan B, der mit ebenso großer Eleganz ausgeführt wird, wie der eigentlich angedachte Plan A.

Ein guter Coach/Trainer vermittelt also immer Wahlmöglichkeiten, Alternativen, zeigt Vor- und Nachteile auf und respektiert die Persönlichkeiten, die Vielfalt, das Bunte.

Nur der eigene Stil ist unverwechselbar

Nochmals an dieser Stelle. Anfängliches Nachahmen und Kopieren ist Teil eines ganz normalen Lernprozesses. Anders geht es gar nicht und daran ist nicht Verwerfliches. Ziel muss es allerdings sein, den einen Weg, den eigenen Stil, die eigenen Verhaltensweisen zu erkennen, zu perfektionieren, sie zu entwickeln und so zur unverwechselbaren Marke zu werden.
Das setzt Mühe, Anstrengung, Training, einen guten Coach und einen langen Atem voraus.

Das ist ja anstrengend

Und weil dem so ist, bleiben viele Personen beim ersten Teilsatz und ahmen nach. Aus Selbstschutz (wie manche Tiere), aus Faulheit und Bequemlichkeit, aus Ermangelung eines guten Coaches oder vielleicht einfach, weil sie keinerlei Substanz zu bieten haben? Je besser und selbstverständlicher dabei das Auftreten ist, umso länger kommen diese Personen damit auch durch, manchmal sehr zum Ärger der Urhebers/ der Urheberin.

Nachmacher, Nachmacher

Wir lesen und fühlen uns in die Kindheit und Jugendzeit zurückversetzt. Da wurde allzu offensichtliches Imitieren ganz schnell mit diesem despektierlich quäkenden Ausruf quittiert. Und wir alle verstanden, was damit zum Ausdruck gebracht werden sollte: „Du bist ja langweilig. Dir fällt ja selbst nichts ein. Das hat vor Dir schon jemand anderes gemacht. Das gehört dir nicht. Das passt nicht zu Dir.“ – im schlimmsten Fall trafen alle Aussagen zu.

Ein Nachmacher kann immer nur hinter dem Original bleiben, kann nur reagieren, ist immer eine Spur zu langsam.
Da dies nicht unser langfristiges Ziel sein kann, ist es wichtig, dass wir die Kopie immer nur als Krücke sehen, die uns hilft anfangs, wenn die Beine noch schwach und der Kopf voller Zweifel ist, den Weg zu gehen. So lange, bis wir uns unserer Besonderheiten bewusst sind, die nutzen und sie auf die Bühne bringen.

So versuchen wir es auch im Tanz- und Choreographie-Unterricht den teilnehmenden Personen mitzugeben. Nicht jeder ist gleich flexibel, nicht jeder ist gleich stark, nicht jeder kann auf die gleiche Weise interpretieren. Und das ist gut so. Wir arbeiten gemeinsam am jeweiligen Stil und erkennen an, dass jede Person ihre Einzigartigkeiten hat, die präsentiert werden können und dürfen, sofern die Person das möchte.

Sonntag, 27. Oktober 2019

"Wie früher..."


Das höre ich oft, wenn Personen das erste Mal im Luftring (Aerial Hoop) sind. Die Erinnerung an die unbeschwerten Schaukelmomente der Kindheit werden wach, mit ihnen zeigt sich nahezu gleichzeitig ein fast beseelter und glücklicher Gesichtsausdruck.

„Wie früher.“ Das höre ich aber auch oft im Pole-Unterricht, wenn es an das erste Klettern geht. Da werden die Erinnerungen an den Schulsport, das vermeintliche Versagen, wenn es darum ging, die Kletterstangen oder Seile zu erklimmen, wieder lebendig (Anmerkung: Das kann ich gut nachvollziehen, hier habe ich immer die Note 6 kassiert und mich bis auf die Knochen blamiert). Umso stolzer ist dann der Gesichtsausdruck, wenn das Klettern auf einmal klappt und man den Boden verlässt, in luftige Höhen aufsteigt (es braucht halt jemanden, der einem die richtige Technik erklärt).

„Ich kann nicht.“ – Das wiederum ist häufig die Aussage, wenn es darum geht, die erlernten Tricks und Elemente tänzerisch und fließend miteinander zu verbinden (im Pole- und auch im Hoop-Kurs, sogar manchmal im Yoga, wenn es um einen Flow geht). Hakt man ein wenig nach und stellt die Frage, ob die Personen meinen, nicht tanzen zu können oder ob sie nicht tanzen wollen, so hört man fast mit leichter Entrüstung die Antwort: „Ich KANN nicht tanzen, wollen würde ich schon.“

„Wie früher“ und „Ich kann nicht.“

Diese Aussagen haben mich schon immer ins Grübeln gebracht, vor allem, weil ich sie aus meiner Erinnerung so gut nachvollziehen kann. Stundenlang konnte ich auf der Schaukel verbringen. So lange, bis ich fast meine Hände nicht mehr von den Seilen lösen konnte und so nachhaltig, dass ich auch abends im Bett noch das Gefühl hatte, zu schaukeln.
Ich war der Welt entrückt, dem Himmel so nah und alles war leicht.

Ebenso habe ich aber, wie bereits oben beschrieben, das Stangenklettern in der Schule gehasst und kam mir vor wie der schwerste Elefant der Welt, der gerade am kleinsten Grashalm elegant nach oben kommen soll. Scham, Demütigung und ganz ganz viel Ohnmacht begleiteten diese Situationen.

Tanzen? Wundervoll. Als die Klasse einen Tanzkurs gemacht hat, war ich im Schwimmtraining. Ich habe nie gelernt zu tanzen und fand es dennoch immer schön. Tanz ist für mich ein Einblick in die Seele der tanzenden Personen, dazu muss die Seele natürlich so schön sein wie das Äußere, das die schönen Tänzer und Tänzerinnen darstellen. Da hatten wir dann schon Problem Nummer 1: Denn wenn man von sich das Bild eines „clumsy elefant“ hat, sich eher lächerlich als grazil vorkommt, dann wird es schwer, das richtige Bild zu malen, die richtigen Bewegungen zu finden. Noch bevor man eine Bewegung im Kopf zu Ende gedacht hat, bügelt man sie nieder: „Sieht sowieso doof aus. Ich kann das nicht, das sieht lächerlich aus.“

Warum beseelt uns Schaukeln, macht uns Klettern Angst und woher kommt der Wunsch zu tanzen, den man so selten verwirklicht? Und macht vielleicht genau die Mixtur dieser 3 Bereiche unter anderem auch den Reiz am Polesport und Aerial Hoop Training aus?

Ein bisschen was war noch vom Studium übrig. Im Kopf schwirrten Reste der Vorlesungen zu frühkindlicher emotionaler Entwicklung, zum Hospitalismus, der seines Zeichens durch Schaukelbewegungen der Patienten (unter anderem) gekennzeichnet ist. Genug, um hier anzusetzen?
Schaukeln stellt eine Form der basalen Stimulation dar, ist somit eine Form der körperbezogenen Kommunikation. Wir reden mit uns, nicht nur im Kopf, sondern ganzheitlich, mit dem Körper. Wiegen und Schaukeln tun dem Menschen gut.


Bring dein Leben kontrolliert aus dem Gleichgewicht und Du stehst sicherer!

Heute findet diese basale Stimulation auch in Altenheimen wieder Anwendung und geht auf einen Ansatz von Prof. Andreas B. Fröhlich zurück, der 1975 ein Konzept entwickelte, dessen Ziel es war, körperlich und geistig benachteiligte Kinder zu fördern. Dieses Konzept übertrug Prof. Christel Birnstein (Universität Witten/Herdecke) in den Bereich der Pflege von alten Menschen, die ihrerseits mit Beeinträchtigungen zu kämpfen haben.

Vereinfacht zusammengefasst kann man sagen, alles, was das Gleichgewichtsorgan, die Gleichgewichtswahrnehmung fördert und fordert, tut uns gut. Sich selbst in veränderten Positionen im Raum wahrnehmen, kann glücklich machen und beruhigen. Die sogenannten „vestibulären Anregungen“ stabilisieren dabei die Haltung des Menschen und normalisieren seinen Muskeltonus, so stellt sich bei vielen ein allgemeines und tiefes Wohlbefinden ein, so dass sogar Schmerzmedikamente überflüssig werden können und Menschen wieder sicherer auf den Beinen sind(amerikanische Studie der Universität Rochester bei Bewohnern eines Altenpflegeheims).
(Wer hier mehr dazu lesen möchte: https://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13832445/Schaukeln-ist-Magie-und-Medizin.html)

Ja, das bestätigt auch die Wichtigkeit und Notwendigkeit des sogenannten Propriozeptionstrainings (Schulung der Körperwahrnehmung), welches ein elementarer Bestandteil der Ausbildung zum medizinischen Fitnesstrainer darstellte. Sich selbst wahrnehmen und diese Wahrnehmung körperlich aktiv steuern können, das gehört unter anderem zur Kapitel der Sturzprophylaxe.

Ungewollte Bodenhaftung

So sehr uns Schaukeln beseelt, so häufig sind auch die demütigenden Erfahrungen mit dem Klettern. Dabei hat auch das Klettern therapeutische Wirkung. Klettern wird heute in einigen Therapien als eine von zahlreichen körperorientierten Methoden angewendet. Wir bieten es im Rahmen des „Embodiment – Acrobatic Therapy“ als Coachingmethode an.
Um die Menschen, die zu uns kommen, zu demütigen? Mitnichten. Wir zeigen, dass man mit der richtigen Technik über sich selbst hinauswachsen, Ängste überwinden und Leidenszustände lindern kann.

Das Klettern, die Höhe und vor allem das unsichere Turngerät können hier stellvertretend für die äußeren Gegebenheiten und die Unabwägbarkeiten des Lebens stehen. Dünn, wacklig, wenig Halt, rutschig und unten gähnt der Boden wie ein Schlund der mich verschlingen möchte. Wirklich verlockende Aussichten! Wenn man lernt, die richtige Technik einzusetzen, sich zu vertrauen und Kräfte dosiert einzusetzen, dann merkt man, dass man auch davor gar nicht mehr so viel Angst haben muss und wächst buchstäblich über sich hinaus.

Erwiesen ist, dass Klettern auf diesem Weg das Selbstvertrauen, die Kommunikation, das Körpergefühl, die Wahrnehmung von Emotionen verbessern kann und so ganz nebenbei ein super Muskeltraining darstellt, welches auch noch den Kopf fordert und so ein ganzheitliches Zusammenspiel der Sinne offeriert.

Tanz! Es muss auch nicht dein Name sein.

Fehlt uns noch der Blick auf das Element des Tanzes. Die Erfahrung zeigt uns, dass Kinder tanzen bevor sie laufen können. Fast instinktiv beginnen sie früher oder später, sich rhythmisch (mehr oder weniger geschickt, aber immer mit vollem Selbstverständnis) zur Musik zu bewegen. Jeder von uns hat das schon einmal beobachten können. Altersübergreifend vom Baby bis zum Kleinkind, in allen Ethnien und Nationen. Doch irgendwann hört es auf. Warum?

Vielleicht, weil jemand gelacht hat? Vielleicht, weil mich jemand ausgelacht hat? Wäre Tanz nur Bewegung, so wäre das doch nicht so schlimm, oder? Wenn Tanz aber ein geöffnetes Fenster zum emotionalen Seelenleben darstellt und somit auch einen Grad der Verletzlichkeit, so ist Lachen eine Waffe, die in diesem Moment gegen mich gerichtet wird. Das verunsichert oder tut weh. Im Zuge des Vermeidungsverhaltens hört man dann auf zu tanzen.

(Auch hier habe ich mehrere interessante Ansätze gefunden, einen Artikel kann man hier nachlesen: https://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/wie-tanzen-als-medizin-wirkt-und-gluecklich-macht-a-881579.html)
In diesem Artikel beschreibt Gunter Kreutz (Universität Oldenburg), dass Tanzen entspannt und gegen Krankheiten helfen kann. Er spricht davon, dass Tanz Leben ist und sich langfristig keine Herrschaft durchsetzen konnte, die Tanz und Musik verboten hatte.

Tanz vereint die Geschlechter, ganz gleich wie viele es sein mögen. Tanz ist Körperlichkeit und kann nur mit dem Ausleben dieser vonstatten gehen, setzt also Offenheit, Selbstvertrauen und Kenntnis des eigenen Körpers voraus, verbessert diese Verhaltensweisen aber gleichermaßen auch. Studien weisen nach, dass während des Tanzens die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel sinkt. Das funktioniert ohne Musik und Tanz nicht.

Folgt man den Ausführungen von Kreutz weiter, so kann man nachlesen, dass Tanzen das Demenzrisiko um 76% reduziert (persönliche Anmerkung (schmunzelnd): Warum kann ich mir dann nie eine Choreo merken?.) Tanzen beansprucht so viel der Hirnkapazität, dass es nach Kreutz Motorik, Aufmerksamkeit, Langzeitgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis beansprucht und somit trainiert.

Tanzen heilt

Eine Studie zeigte (so Kreutz), dass Tanzen auch bei multipler Sklerose helfen kann und führt hier eine Patientin an, die nach 5-monatiger Tanztherapie gänzlich auf eine ihrer 2 Gehhilfen verzichten konnte. Bei Parkinson wird eine Verbesserung der Mobilität erreicht. Auf die Frage, wie das gehen könne, bestätigt Kreutz die in mir schlummernde (nicht wissenschaftliche) Vermutung, dass das über die Psyche vonstatten ginge. Menschen distanzieren sich von ihrem „Ich fühle mich mies-Ich“ und entfliehen in andere Welten. Durch Musik und rhythmische Bewegungen. Das tut gut und wenn keiner lacht, dann fühlt man sich frei.

Kleine Oasen und geschützte Räume

Und so vereinen wir vieles, was wir brauchen durch Tanz und Akrobatik, Yoga und Bewegung. Ohne es vielleicht vorher gewusst zu haben, dienen diese Auszeiten nicht nur dem Training der Muskulatur, sondern auch der Reinigung der Seele.

Vielleicht liegt daran der Reiz von Poledance, Aerial Hoop und der nicht endend wollende Erfolgsweg von Yoga. Ohne diese Elemente fehlt uns etwas und wo kann man denn sonst als Erwachsener schon schaukeln (außer man fährt nach Montreal, das gibt es Bushaltestellen mit Schaukeln)?
(Mehr zum Ansatz des „Embodiments – acrobatic therapy“ findet man hier: https://www.rebel-management-training.de/einzelcoaching-und-beratung