Donnerstag, 17. September 2020

Empathie – Fluch und Segen

Die Fähigkeit, sich in die Lage anderer hineinversetzen und einfühlen zu können, gilt gemeinhin als wertvoll und wird von vielen Personen als persönliche Stärke definiert. Stimmt. Kann aber auch ein Fluch sein

 

Begriffsklärung

Mitgefühl, Mitleid, Empathie, Einfühlungsvermögen.

Fühlen muss nicht gleichbedeutend zu leiden sein und Einfühlungsvermögen könnte man als Synonym für Empathie verwenden.
Empathie geht auch ohne Sympathie. Man muss das Gegenüber nicht einmal wirklich sympathisch finden, wenn man zu echter Empathie fähig ist, allerdings macht das die ganze Sache etwas schwerer.

Man muss auch die Entscheidungen, die Gedanken und Rückschlüsse des anderen nicht gutheißen, nicht einmal verstehen – lediglich nachvollziehen können.

 

Empathie und Souveränität

Souveränität beschreibt nicht die Abwesenheit von Fehlern, im Gegenteil. Souveräne Menschen haben ein wohlwollendes aber realistisches Bild von sich selbst. Sie kennen ihre Macken, sie kennen ihre Vorzüge, sie wissen, was sie können und auch, was sie nicht können. Mit all diesen Dingen gehen sie, wenn es nötig werden sollte, offen um.

Dieses Wissen und diese Eigenschaft schafft die Grundlage, auch anderen Menschen Fehler, Macken und Ticks zuzugestehen.

 

Mitleid und Einfühlungsvermögen

Um deutlich zu machen, dass das eine nicht unbedingt etwas mit dem anderen zu tun haben muss, hilft uns ein Beispiel aus dem Sport. Ein Trainer ist meist selbst den Weg gegangen, auf welchem er/sie nun die teilnehmenden Personen begleitet. Er kennt die Anstrengung, die Schmerzen, den Frust aber auch die Erfolgserlebnisse.

Insofern fällt es ihm/ihr leicht, sich in die Lage der teilnehmenden Personen zu versetzen, dennoch wäre es fatal, wenn er immer „mitleiden“ würde.

 

Der Pole Seat

Einer der ersten Tricks, die man im Polesport lernt, ist das Sitzen an der Stange. Es tut zu Beginn einfach nur weh. Man stellt sich die Frage, warum man das überhaupt freiwillig macht. Aber es wird besser mit der Zeit.

Der Trainer ist meist über den Schmerzpunkt hinausgewachsen, aber er hat nicht vergessen, wie sich die Anfänge anfühlten. Er kann sich also perfekt in die Lage der Teilnehmer versetzen, aber es wäre wenig hilfreich, wenn er tatsächlich jedes Mal den Schmerz wieder miterleben würde.

 

Abgrenzung

Wer jedes Leid tatsächlich mitempfindet, wer Situationen anderer (positive wie negative) komplett adaptiert, aufsaugt und mit jeder Faser mitempfindet, der schädigt auf Dauer seine eigenen Ressourcen. Und bei positiven Erlebnissen anderer? Mitfreuen macht unheimlich viel Spaß, aber auch hier sollte man nicht über das Ziel hinausschießen, denn die Freude gehört ja einer anderen Person!

 

Echte Empathie braucht also Grenzen, damit sie nicht zum Fluch wird.

 


Donnerstag, 10. September 2020

Schweigen

 

Über was schreibe ich denn diese Woche? Über nichts. Jede Woche passieren interessante Dinge, aber nicht alle sind es wert, zu „Papier“ gebracht zu werden. Die Blogbeiträge sollen zum Nachdenken anregen, humorvoll sein, einen Mehrwert bieten. Alles andere wäre ein öffentliches Tagebuch. Da ich glaube, dass dies nicht unbedingt vielen Personen etwas bringt, gibt es heute nichts Neues. 

Ein paar gesammelte Zitate über das Schweigen

"Der Rest ist Schweigen" - William Shakespeare

"Schweigen macht keine Fehler" - aus Frankreich

"Schweigen herrscht. Stille dient" - KarlHeinz Karius (*1935), Urheber, Mensche und Werbeberater, Quelle: Karius, WortHupferl-Edition, WortHupferl-Verlag

"Lerne schweigen, ohne zu platzen" - Unbekannt

"Schweigen ist edel, verschweigen nicht." - Jean Paul (1763-1825)

"Schweigen ist die Ehre der Sklaven" - Publius Cornelius Tacitus (ca. 55-120 n.Chr.)

"Behutsames Schweigen ist das Heiligtum der Klugheit." - Baltasar Graciàn Morales (1601-1658)

Donnerstag, 3. September 2020

Den See überqueren

 

Wenn man die Aufgabe bekommt in einer Gruppe ein absolut unbekanntes Gewässer, welches noch nie jemand zuvor erforscht hat, sicher zu überqueren, so bereitet man sich vor. Der See ist riesig, die Aufgabe lautet, ans andere Ufer zu kommen, es gibt keine Inseln und keine Möglichkeit mal eben „rechts ranzufahren“. Was würde man tun?

 

Vorbereitungen treffen

Zunächst würde man sich überlegen, wie man die zu betreuende Gemeinschaft im Blick behalten kann, ihre Kräfte nicht überstrapaziert und durch die Methode der Fortbewegung bereits größtmögliche Sicherheit gewährleisten kann. Man würde also nicht jeden alleine schwimmen lassen, sondern sich für ein Boot entscheiden.

Dann würde man Proviant einpacken, Ferngläser, Trinkwasser. Um die Sicherheit der Gemeinschaft zu erhöhen, würde man diese verpflichten, Schwimmwesten zu tragen, würde Rettungsringe mitnehmen und noch so einiges mehr. Die Zusatzmaterialien dürften natürlich das Boot nicht überlasten, also wäre auch hier im Vorfeld immer eine Kosten-Nutzen-Analyse zu betreiben, während man dennoch ständig das Worst-Case-Szenario vor Augen hätte (alle Mitglieder der Gemeinschaft bekommen einen Sonnenstich, jedem wird schlecht, keiner hat mehr Kraft zum Rudern, die Segel des Boots gehen kaputt, es herrscht Flaute usw. usw. usw.)

 

Schon bei den Vorbereitungen müssten sich die Ängstlichen von den Furchtlosen sagen lassen, dass sie viel zu verkrampft mit der Situation umgehen würden, aber weder die Furchtlosen noch die Ängstlichen könnten genau sagen, was auf sie zukäme.

 

Auf dem See

Erst auf dem Weg stellt sich heraus, welche Vorbereitungen sinnvoll waren und welche man sich hätte sparen können. Einige Vorbereitungen (Trinkwasser) wären dabei nicht verhandelbar, bei anderen würde man eventuell feststellen, dass sie unnötig waren (während der ganzen Zeit herrschte bedecktes Wetter, es bestand nie die Gefahr einen Sonnenstich zu bekommen).

 

Den See erforschen

Während der Überfahrt möchte man natürlich mehr über den unbekannten See, den man überqueren muss, erfahren. Auch hierfür wurden Vorkehrungen getroffen, um beispielsweise die Wassertiefe zu messen.

Und man misst die Wassertiefe und stellt fest, dass diese auch 1-2km vom Ufer entfernt nur ca. 80cm beträgt. Die ersten wollen ihre Schwimmwesten ablegen, schließlich besteht bei 80cm Wassertiefe ja wohl keine Gefahr für die Gruppe, die sich aus geübten Schwimmern zusammensetzt. Die Ängstlichen mahnen, dass man nicht wissen könne, ob der See auch 200m weiter so flach bleiben würde, die Furchtlosen rollen mit den Augen.

 

Die Furchtlosen sehen in der weiteren Messung der Wassertiefe keinen Sinn, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der See auch im weiteren Verlauf flach bleiben würde, sei ja hoch. Die Ängstlichen bestehen darauf, weiter zu prüfen.

 

Auf beengtem Raum zusammensitzend, fängt man langsam an, sich zudem auf die Nerven zu gehen, die psychischen Belastungen nehmen zu und man muss feststellen, dass man hierfür kein „Mittelchen“ im 1. Hilfe Koffer hat.

 

Angekommen

Doch endlich ist man angekommen. Alle haben es an das andere Ufer geschafft. Tatsächlich hat man feststellen können, dass der gesamte See nie tiefer als 80cm war und zudem aus feinstem und klarem Trinkwasser bestand.

 

Dennoch macht es nun zunächst einmal keinen Sinn, darüber zu diskutieren, ob man sich das eine oder andere hätte sparen können und woran man vielleicht nicht gedacht hat, denn man ist ja angekommen.

Die Notwendigkeit, sich über die Erfahrungen auszutauschen, besteht dann, wenn man sich auf den Rückweg machen muss.

 

Der Rückweg

Erst bei der Vorbereitung des Rückwegs oder auf dem selbigen, zeigt sich, ob man aus den Erfahrungen der neuen Situation für die Zukunft gelernt hat.

Das Boot erneut mit Unmengen von Trinkwasser zu beschweren, wäre vielleicht unsinnig.

Auch könnte man sich Gedanken machen, ob die Schwimmwesten für geübte Schwimmer bei einer nachgewiesenen Wassertiefe von 80cm sinnvoll wären.

 

Dumm wäre es aber auch, auf die Medikamente gegen Sonnenstich zu verzichten, nur weil bei der ersten Überfahrt das Wetter schlecht war.

Bei einer umsichtigen Planung würde man berücksichtigen, dass die psychischen Belastungen wieder auftreten können und hier Vorkehrungen treffen.

 

Erkenntnisse gewinnen

Den „ängstlichen“ Planern der ersten Überfahrt kann man auch nach geglücktem Unterfangen keinen Vorwurf machen. Woher hätten sie es denn besser wissen sollen?

Dumm wäre nur, die gewonnenen Erkenntnisse nicht zu nutzen und sie NICHT in die Planung der Rückfahrt miteinfließen zu lassen.

 

Ein Fehler ist kein Fehler, so lange man ihn nicht zweimal macht!

 

Donnerstag, 27. August 2020

Entscheidungen fällen, Verantwortung übernehmen

 

 

Ein häufiger Führungsfehler ist die Trennung von Entscheidungsbefugnis und Verantwortungsübernahme. Soll heißen, dass eine Person die Entscheidung fällt und eine andere Person/alle anderen Personen die Verantwortung dafür übernehmen muss/müssen.

Eine Person entscheidet, das Ei auf den Boden zu werfen, geht das Ei dann kaputt, soll der

Boden dafür verantwortlich sein.

Was offensichtlich unfair ist, wird leider häufig praktiziert.

 

An der eigenen Nase packen

Kein Mensch ist frei von unehrenhaften Eigenschaften. Fehler eingestehen, Verantwortung übernehmen, gerade dann, wenn etwas nicht gut läuft – das macht keinem Spaß. Und was keinen Spaß bereitet, das wird vermieden. „Der/die hat angefangen.“ – „Ich war es nicht.“

Die Ausreden haben wir alle in der Kindheit benutzt, ganz gleich wie offensichtlich falsch oder wie durchschaubar sie waren.

Der Drang dieses Verhalten auch im Erwachsenenalter an den Tag zu legen, ist halbwegs natürlich. Aber das sollte ein Kind von einem mündigen Erwachsenen unterscheiden: Lächerliche Ausreden und ein „sich winden“ zu vermeiden.

 

Aktuelle Beispiele

Verantwortung hat auch etwas mit Konsequenzen zu tun. Man muss bereit sein, für das eigene Handeln zumindest die abschätzbaren Konsequenzen zu tragen. Apropos „Tragen“: Ja, das leidige Maskenthema liefert ein gutes Beispiel. Wie wäre es, wenn man den Personen, die für sich die Entscheidung treffen wollen, keine Maske zu tragen, sagen würde: „Ist okay, aber wenn eine deiner Kontaktpersonen sich infiziert, dann trägst Du die Behandlungskosten.“

Aufschrei! Das geht ja gar nicht!

Ich weiß nicht, ob alle Maßnahmen sinnvoll sind, ich weiß nicht, ob alles richtig ist, aber ich will persönlich das Risiko nicht eingehen, falsch zu liegen.

Gegenstimmen wie „Konsequenzen sind doch gar nicht abschätzbar!“ – „Wo sind denn die Beweise?, kennt man und auch diese haben zum Teil ihre Berechtigung. Ganz klar.

 

Nein, ich will nicht Partei für die „einen“ oder die „anderen“ ergreifen, denn Beispiele lassen sich überall finden. Wenn die Entscheidung getroffen wird, ganze Branchen von der Möglichkeit, sich selbst den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, abzuschneiden, dann muss dafür auch die Verantwortung übernommen werden. Ich kann nicht mein Kind im Zimmer einsperren, ihm kein Wasser und kein Brot geben, mich dann auch noch über das Klagen und Weinen aufregen und nichts daran ändern, um mich dann zu wundern, dass es verhungert, um am Ende zu sagen: „Na ja, es war ja vorher schon nicht so gesund.“

Drastisches Beispiel, ich weiß. Bewusst.

 

Sich aus der Affäre ziehen

Der Mensch lernt nun einmal durch Nachahmen oder Erfahrung. Nachahmen ist leichter, Erfahrung meist bitterer.

Wenn man allerdings nicht allzu selten beobachten kann, dass in den meisten Fällen Ausreden und Schuld- und Verantwortungsverschiebungen geschehen und dass dieses Verhalten in den meisten Fällen erfolgsgekrönt ist, warum sollte man es dann nicht auch versuchen?

 

Nicht das beste Vorbild

Leider sind hier die gesetzlichen Möglichkeiten, die in der Politik tätigen Personen offeriert werden, nicht geeignet, selbst ehrenwerter handeln zu wollen.

Wenn man einen Fehler gemacht hat, dann gesteht man diesen ein. Wenn man die Suppe eingebrockt hat, dann löffelt man sie aus. Wenn etwas schiefgelaufen ist, aufgrund des eigenen Fehlverhaltens, dann versucht man es auch selbst (mit Hilfe von anderen, die sich vielleicht besser auskennen) wieder gerade zu biegen. Aber man haut nicht ab und läuft nicht davon und lässt sich schon 3x nicht für dieses Verhalten belohnen.

Aber so wirken Rücktritte mit Abfindungs- und Pensionszahlungen nun einmal.

 

Entscheidung und Verantwortung

Wer Entscheidungen fällt, sollte bereit sein, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Allein, gemeinsam oder im Team. Alles andere hinterlässt ein schales Gefühl.

Donnerstag, 20. August 2020

Sonderveranstaltungen und Alltag

 

 

Als Trainer kommt man des Öfteren in den Genuss, in andere Studios eingeladen zu werden, um einen bzw. mehrere Workshops zu leiten. Auch bei Tagesseminaren und Abendvorträgen muss man sich darüber im Klaren sein, dass man die teilnehmenden Personen in ganz besonderen Stimmungen erreicht. Der Transfer in den Alltag (der Arbeit bzw. der täglichen Trainingsroutine) ist ein extrem wichtiger Bestandteil, der zum einen nicht vergessen werden darf und zum anderen aber auch das eigene Standing zerstören kann. Will man gehyped werden oder will man den Personen etwas mitgeben, was Ihnen auch morgen noch hilft? Diese Frage muss man sich dabei permanent stellen.

 

Erwartungshaltung

Besondere Anlässe sind nicht mit dem Alltag vergleichbar. Soweit so gut. Als Trainer, der die heimischen Gefilde verlässt, um eine Schulung, einen Workshop oder einen Vortrag zu geben/zu halten, erreicht man die teilnehmenden Personen immer in einer besonderen Stimmung. Diese kann von positiven Gefühlen und Vorfreude bestimmt sein (Auftritte, Sportworkshops in anderen Studios) oder auch von einer weniger guten Grundstimmung (Fortbildungen und Seminare). Wie die Stimmung ist, erfährt man, wenn man vor Ort ist.

Bei Sportworkshops zu denen man eingeladen wird, hat man meist das Glück, dass alle anwesenden Personen in Vorfreude vereint sind. Sie haben sich selbst entschlossen, teilzunehmen und sie sind motiviert. In Fortbildungen und Seminaren kann das unter Umständen anders sein, wenn die teilnehmenden Personen von der Ebene der Vorgesetzten geschickt werden, wenig Lust haben und den Sinn der Veranstaltung nicht verstehen.

 

Nähe und Abstand in perfekter Melange

Fakt ist, als Trainer habe ich diese besondere Gruppe von Menschen für eine sehr begrenzte Zeit um mich. In dieser sehr begrenzten Zeit muss ich es schaffen, ihre Erwartungen zu erfüllen, Vorurteile auszuräumen, für die Personen da zu sein und alles zu geben.

Kein leichter Job.
Abendvorträge mit Rahmenprogramm, Showauftritte und sportliche Workshops gehören meist zu den Anlässen, die bei allen Beteiligten ein gewisses Hochgefühl aufkommen lassen. Gegenseitige Wertschätzung durchzieht den Raum, die Personen zeigen Interesse, sie genießen die Veranstaltung, kommen mit einer guten Stimmung.

Schnell begegnet man sich mit aufgeschlossener Freundlichkeit und Humor. Man lacht miteinander und die teilnehmenden Personen projizieren die guten Gefühle auf den Trainer.

Das macht Spaß und pusht das Ego und die Stimmung und es gehört zum Job, diese Rolle zu bedienen.

Auch in Seminaren und Fortbildungen erlebt man schnell, sobald die ersten Blockaden fallen, dass die teilnehmenden Personen in vollem Vertrauen um Rat bitten, Dinge aus dem beruflichen Alltag erzählen, sich öffnen und ihren tiefen Empfindungen Raum geben.

Das geht, weil alle Beteiligten wissen, dass diese „von 0 auf 100 Nähe“ auf eine gewisse Zeit begrenzt ist, dass man selbst wieder geht, aber auch, dass der Trainer wieder gehen wird.

 

Sonderrolle

Ein Trainer, der somit nur eine gewisse Zeit im Unternehmen verbringt wird immer eine Sonderrolle haben. Diese Sonderrolle kann man genießen und das Beste für sich selbst herausholen, oder aber es gelingt einem, den teilnehmenden Personen viel mitzugeben, was sie auch morgen und übermorgen noch nutzen können, was sie wirklich weiterbringt.

Im Idealfall bedient man beide Teile der Erwartungsmedaille. Motivationstrainer im Reinklischee habe ich für mich persönlich schon immer abgelehnt. Meist hatte ich das Gefühl, sie feiern sich eigentlich nur selbst. Morgen steht man als Teilnehmer aber immer noch mit den gleichen Problemen da und ein „Tschaka, ich schaffe das!“ bringt einen irgendwie auch nicht weiter.

 

Transfer in den Arbeitsalltag

In Seminaren, Vorträgen etc. wird somit auch oft im Feedbackbogen gefragt, ob man als teilnehmende Person meint, die Dinge in den Arbeitsalltag umsetzen zu können. Diese Frage ist gut, aber verfrüht gestellt. In der Sonderstimmung, in der man sich am Ende einer Veranstaltung befindet, kann man das noch gar nicht sagen.

Ob der Trainer wirklich was „drauf hatte“, wird sich erst später herausstellen, wenn er schon wieder weg ist.

 

Alltag und die Mixtur der Stimmungen

Und hier können die Stimmungen aufeinandertreffen und ebenso gleichermaßen auseinanderdriften. Wir alle haben schon einmal erlebt, wie es ist, wenn man aufgekratzt nach Hause kommt und der Partner oder die Partnerin schon im „Snooze-Modus“ war. Irgendwie prallen dann die Stimmungen aufeinander und der ruhige Part fühlt sich leicht gestresst von der Aufgekratztheit des anderen, umgekehrt hat man das Gefühl, die gute Stimmung würde gelöscht wie ein Feuer.

 

Zielsetzung

Ziel eines guten Trainers muss es sein, etwas mitzugeben, was auch morgen noch weiterhilft, womit der (zahlende) Teilnehmer auch morgen noch etwas anfangen kann. Das kann manchmal bedeuten, dass die Teilnehmer im Seminar/in der Veranstaltung vielleicht sogar nicht alles bekommen, was sie erwarten. Das kann manchmal bedeuten, dass die Erwartungen nicht komplett erfüllt werden.

Nein, man stimmt eben nicht in das Lästern über den Vorgesetzten mit ein, sondern schiebg hier einen Riegel vors. Es kann auch bedeuten, dass man nicht die wildeste Flexi-Figur zeigt, weil man weiß, dass sich die teilnehmenden Personen dann morgen nicht mehr rühren können, oder sich Verletzungen zuziehen, die sich eventuell erst am nächsten Tag zeigen.

Es könnte einem egal sein, denn für die gute Stimmung der Momentaufnahme wäre es besser, sich so zu verhalten, dass die Erwartungen alle erfüllt werden. Es ist aber auch eine Frage der Loyalität, des Anstands und der Verantwortung, an morgen zu denken, auch wenn man die Menschen morgen vielleicht gar nicht mehr sieht.

 

Donnerstag, 13. August 2020

An mir lag es nicht!

Im Training offeriere ich gerne folgende Ausreden: Wenn etwas nicht klappen sollte, dann ist daran natürlich wahlweise die Stange/das Trainingsgerät an sich, das Wetter, das zu anstrengende Warm-Up vorher oder generell der Trainer Schuld. Wir quittieren diese bereits zu Beginn ausgebreitete Auswahl an Ausflüchten gerne mit einem gemeinsamen Schmunzeln. Es ist zum einen wirklich sinnvoll, sich nicht dauernd selbst niederzumachen, wenn etwas nicht klappt, zum anderen übertreiben wir damit das, was Menschen im Allgemeinen gerne tun: Den Grund für eine Situation nicht bei sich zu suchen.

 

Wahrscheinlichkeitsrechnungen

Ein einfacher emotionsloser Vergleich zu Beginn. Ein – zugegeben etwas seltsamer – Test offeriert 140 Antwortmöglichkeiten. Alle Antworten sind richtig. Man muss 20 wählen, um die volle Punktzahl zu erreichen. Man selbst beschließt, nur 17 zu wählen und besteht den Test nicht.

„Selbst schuld!“, würde jeder Mensch hier sagen. So sind wir aber nun mal nicht gestrickt.

Es ist mühsam und kratzt am Ego, den Grund für ein suboptimales Ergebnis bei sich selbst zu suchen. Immerhin müsste man dann auch mit den Konsequenzen zurechtkommen. Entweder müsste man für das nächste Mal etwas ändern (bäh, anstrengend!) oder aber damit leben, dass man es selbst „versemmelt“ hat (bäh, doof!).

Es ist viel einfacher, Gründe überall zu suchen, nur nicht bei sich. So sind wir nun mal, es ist hilfreich, das anzuerkennen.

 

Der Tritt in den Allerwertesten

Für das eigene Ego und den Wohlfühlfaktor in der gleichnamigen Zone ist es gut, Dinge zu tun, die das eigene Ego streicheln oder zumindest nicht in Frage stellen. Auch das ist normal. So lange man damit zufrieden ist und es keinerlei Beschwerden gibt, reicht das aus und ist auch vollkommen in Ordnung. Stellen sich Beschwerden ein, muss man etwas ändern. Menschen ändern sich aber nicht so gerne. Andere vielleicht schon, Umstände auch, aber nicht sich selbst (siehe oben genannten Anstrengung).

Beschwerden können dabei durchaus doppeldeutig verstanden werden: Unzufriedenheit im Job, Langweile in der Freizeit, Frustration in der Beziehung oder körperliche Beschwerden aufgrund zu geringer sportlicher Betätigung. Wie sich der Umstand, dass „etwas“ nicht mehr passt, äußert, ist dabei zweitrangig.

 

Trainer kennen das: Es gibt Übungen die liegen einem und es gibt Übungen, die liegen einem weniger. Es gibt die „eine“ Seite und es gibt die „andere“ Seite. Somit ist die Versuchung groß, nur das zu zeigen, was man bestens beherrscht und die anderen Dinge einfach „zu lassen“. Zur Untermauerung der eigenen Rolle (kompetent, sportlich, stark, kräftig, perfekt) scheint dieses Vorgehen nicht nur legitim, sondern auch erfolgsversprechend und nachvollziehbar zu sein.

 

Dinge zu tun, in denen man NICHT perfekt ist, miteinander zu trainieren und anzuleiten, selbst wenn man dabei nicht immer in die Meisterrolle schlüpfen kann und auch immer wieder die „andere“ Seite zu zeigen, erfordert einen gedanklichen Tritt in den Allerwertesten. Immer und immer wieder.

 

Training der Fairness

Das ist Training. Übst du noch, oder trainierst Du schon?

Und nein, das macht nicht immer Spaß und ja, es ist immer anstrengend, aber hinterher belohnt einen das Gefühl, wieder einmal eine (kleine) Grenze überschritten und somit den eigenen Horizont erweitert zu haben.

 

Dieses Vorgehen ist fair. Hart, aber fair. Sich selbst gegenüber, aber auch den Mitmenschen gegenüber, denn ein Bild zu skizzieren, durch welches man sich selbst überhöht, während man die Mitmenschen als defizitär dastehen lässt, entspricht einfach nicht der Wahrheit.

 

„Wer nur das tut, was er schon kann, wird immer bleiben, was er schon ist.“ (Henry Ford)
Kein Problem, so lange sich – siehe oben – keine Beschwerden einstellen.

 

Alles Negative zurücklassen

Am Ende sollte das gute Gefühl bleiben. Kein Training, keine Fortbildung, keine Verhandlung und kein Meeting verlaufen immer zu 100% toll. Es gibt immer etwas, was man kritisieren und bemängeln kann. Die Dosis macht das Gift und der Fokus den Sonnenschein.

Wer das Hauptaugenmerk auf das legt, was nicht gut gelaufen ist und sich ausschließlich auf diese Punkte fokussiert, der wird nie zufrieden werden. Wer zusammenfasst, was gut und was weniger gut gelaufen ist, wer ein Ziel vor Augen hat und wer bereit ist, an den richtigen Stellen die Änderungsmöglichkeiten bei sich selbst zu suchen, der wird gestärkt werden. Und auch das gilt für jede Art von Training, ob nun Personalentwicklung oder Sport.

 

Ein liebgewonnenes Ritual am Ende

Und so nehmen wir zum Abschluss jeder Kursstunde gedanklich das Positive mit, schieben das Negative von uns und schütteln das ab, was noch an uns klebt, uns aber nicht weiterbringt.


Donnerstag, 6. August 2020

Freundschaftliche Abrechnung



 

Freundschaft. Bekanntschaft. Gleiche Wellenlänge. Seelenverwandtschaft. Nutzbeziehung. Zweckgemeinschaft. Kooperation. Geschäftsbeziehung.

Jeder versteht unter jedem der oben genannten Begriffe etwas anderes, jeder definiert die Begriffe für sich selbst. Wie sehr die Definitionen auseinanderdriften können, merkt man erst, wenn man die Definitionsinhalte gemeinsam betrachtet/betrachten muss.

 

Empathie ohne Sympathie

Einfühlungsvermögen. Die Fähigkeit, sich in die Lage der anderen Person zu versetzen, obwohl man selbst die Gefühle und Ansichten nicht teilt, wird heutzutage auch im beruflichen Alltag gefordert. Von Kollegen und Kolleginnen, von Führungspersonen, von allen Personen.

Empathie funktioniert im Grunde sogar ohne Sympathie. Niemand verlangt, dass wir unser Gegenüber leiden mögen, wenn wir versuchen, es zu verstehen. Klingt schön, gelingt uns aber nicht immer. Die Bereitschaft, eine andere Person verstehen zu wollen, hängt eben doch stark mit der empfundenen Sympathie zusammen.

Die Fähigkeit, etwas nachvollziehen zu können, gefühlsmäßig zu verstehen, selbst wenn es nicht die eigenen Empfindungen oder Gefühle sind, das ist Empathie.

Dies auch ohne Zuneigung zu schaffen, ist schwer.

 

Kollegial aber nicht freundschaftlich

Mit Kollegen und Kolleginnen verbringt man meist mehr Zeit als mit dem eigenen Partner. Kunden und Kundinnen sieht man manchmal häufiger als die beste Freundin. Manchmal trifft man sogar den Postboten öfter. Wer so viel Zeit miteinander verbringt, der möchte auch eine gute Zeit haben. Verständlich. Kollegen und Kolleginnen können zu Freunden werden, müssen es aber nicht zwangsläufig und das ist vollkommen in Ordnung. Kollegiales Verhalten allein würde in vielen Bereichen vollkommen ausreichen, umschreibt es doch die Melange von Respekt, Wertschätzung und Anerkennung, Interesse sowie Kooperation. Das würde im beruflichen Alltag vollkommen genügen.

 

Nutzen ziehen

Dass man sich unter Kollegen gegenseitig nutzt und hilft, ist schon in der Arbeitsgestaltung implementiert. Dass es dabei so gerecht wie möglich zugehen sollte, ist ein Ziel, welches nicht immer erreicht werden kann. Kompromisse müssen geschlossen, Verzicht geübt werden. Von allen Beteiligten, das macht die Fairness aus. Ein echter Kompromiss – so sagt man – tut immer beiden Seiten weh. Manchmal hilft es, Übereinkünfte unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Dass man also im beruflichen Umfeld einschätzt, abwägt, auf- und berechnet, ist im Grunde nicht nur legitim, sondern normal.

Fair und kollegial ist es dann, wenn alle ihren Teil dazu beitragen. Auch dieses Verhalten hat mit Freundschaft noch nichts zu tun – eher mit Anstand.

 

Abrechnen

Eine besonders krude Mixtur entsteht, wenn der Begriff Freundschaft strapaziert, überstrapaziert oder dort gebraucht und ins Feld geführt hat, wo Freundschaft keinen Platz hat. Wer einen Vorteil für sich herausschlagen möchte und dies mit dem Argument der Freundschaft tut, der outet sich als Urheber einer möglichst lukrativen Nutzbeziehung.

 

„Abrechnen ist das Ende der Freundschaft.“
Aus Irland

 

Romantisierte Vorstellungen werden häufig enttäuscht

Wer das Argument „Freundschaft“ ins Feld führt, um eine Argumentationsgrundlage für finanzielle Vorteile zu haben, der hat den Begriff der Freundschaft nicht verstanden.

Wie ist es denn? Gilt eher: „Ich liebe dich, weil ich dich brauche.“ – oder „Ich brauche dich, weil ich dich liebe.“?

Freundschaft wächst und hat tiefe Wurzeln. Alles andere kann ebenfalls schöne Blumen hervorbringen und es ist nicht verkehrt, sich an diesen zu erfreuen, aber man sollte nicht hinter jeder guten und freundlichen Kooperation eine Freundschaft vermuten.

 

Donnerstag, 30. Juli 2020

Orakel, Omen, Weissagungen und der Wunsch, in die Zukunft blicken zu können


 

Heute schon wissen, was morgen kommt. Dieser Wunsch ist wohl so alt wie die Menschheit. Im Zuge des Lock-Downs habe ich einen Online-Kurs bei Harvard absolviert, der dies thematisierte. Was bringt die Zukunft? Wann werde ich diese Figur können? Wie schnell stellen sich die Erfolge des sportlichen Trainings ein? Bringt mir diese Weiterbildung wirklich etwas für meine berufliche Zukunft? Kommt ein 2. Lock-Down? Ganz gleich wie „groß“ oder „klein“ die Fragestellungen auch sein mögen, wir alle möchten wissen, was morgen kommt. Dabei ist es manchmal gut, dass wir diesen Wunsch nicht erfüllt bekommen.

 

Wenn es soweit ist

Hätte man mir im Herbst 2019 gesagt, was 2020 auf mich/auf uns (beruflich wie privat) zukommt, ich hätte mir die Kugel gegeben. 2019 war schon sehr kräftezehrend und ich hätte mir nicht vertraut, 2020 zu meistern, wenn ich gewusst hätte, was dieses Jahr für uns bereithält (und ja, es ist ja noch nicht vorbei). Ohne zu wissen, wie man genau durch ungewohnte Situationen kommen soll, haben wir es doch (bis hierher) geschafft.

Dieses Vertrauen geschöpft aus der Vergangenheit sollte uns eigentlich für die Zukunft stärken, aber das tut es nicht immer.

 

Prognosen, Ziele und Berechnung

Auf der anderen Seite vom Pferd herunterzufallen, ist allerdings ebenso wenig sinnvoll. Es ist schon gut, einen Regenschirm mitzunehmen, wenn die Wettervorhersage von Regen spricht. Im schlimmsten Falle benötigt man den Schirm nicht und lässt ihn irgendwo liegen. Es ist auch gut zu planen und sich über Eventualitäten Gedanken zu machen, so lange man sich darüber bewusst ist, dass es sich um ungefähre Planungen und unsichere Eventualitäten mit einem gewissem Maß an Wahrscheinlichkeit handelt. Auch im Sport ist es sinnvoll, sich VORHER zu überlegen, in welche Gefahren man sich unter Umständen begibt, wie man diese umgehen kann oder welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind, selbst wenn man dann im Nachgang feststellt, dass man die Hilfestellung gar nicht gebraucht hätte, oder durchaus noch einen Schritt hätte weitergehen können.

Auch Zwischenziele sind wichtig, um immer wieder überprüfen zu können, ob der eingeschlagene Weg noch richtig ist, oder angepasst werden muss. Das gilt im Sport, das gilt im Beruf, das gilt im Privatleben.

Große Ziele in ferner Zukunft müssen schon rein aus Motivationsgründen in Teilschritte mit messbaren Teilzielen dividiert werden. Der vielzitierte 5-Jahres-Plan, wobei ich finde, dass 5 Jahre eine enorm große Zeitspanne sind, schon binnen ein paar Wochen kann sich so vieles ändern.

 

Planung der Angst

Zu viel Wissen, zu viel Prognosen, zu viel Planung kann auch Angst heraufbeschwören (oder falsche Erwartungen). Als Trainer kann ich kein Datum nennen, zu welchem die teilnehmende Person den Trick XY ausführen wird können, obwohl ich immer wieder danach gefragt werde.

Ich kann Erfahrungen weitergeben, ich kann die teilnehmende Person begleiten, ich kann Teilziele definieren. Aber ich kann nicht in die Zukunft sehen.

 

Der Weg ist das Ziel – einfach weitermachen

Wenn man aus Überzeugung einen Weg gewählt hat, dann sollte man ihn weitergehen. Nicht stur, nicht wie „Hans Guck in die Luft“, nicht ohne Zwischenziele und nicht, ohne auf Freunde/Experten zu hören, aber dabeibleiben.

Mangelnder Erfolg erwächst einfach manchmal auch aus der Unlust/ dem Unverständnis, den gewählten Weg weiterzugehen, bzw. daraus, dass man nicht zurückbekommt, was man investiert hat, dass man keinen messbaren Erfolg sieht (zumindest nicht dann, wann man es gerne hätte). Kein Mensch schlägt bewusst einen falschen Weg ein, um sich oder andere zu schädigen. Also steckt ein Gedanke und ein Plan und ein Ziel dahinter, der sich als falsch erweisen kann, aber nicht muss.

 

Vertrauensinvestition

Sich ständig in Frage zu stellen, Pläne und Vorgehensweisen täglich zu ändern, nach sicheren Zukunftsprognosen zu hungern und dennoch keinerlei Garantien zu bekommen, ist manchmal eine Belastung.

Aber für die Zukunft gibt es eben keine Versicherung, nur die Investition des Vertrauens: In sich, aber auch in andere!

Donnerstag, 23. Juli 2020

Wer erinnert sich denn an die, die NICHT gegen Windmühlen gekämpft haben?



In einer Gruppe eines sozialen Netzwerks teilte eine „Kollegin“ ihre neuesten Erfahrungen mit Vorurteilen gegenüber Poledance mit. Ein haarsträubendes Geschehen. Aufgrund des Hobbies hat man eine Stellenzusage rückgängig gemacht. Natürlich kam der Vorschlag, etwas dagegen zu unternehmen, den Mund aufzumachen, sich zu wehren. Das wäre allerdings, wie gegen Windmühlen kämpfen - kam mehrfach als Gegenargument. Stimmt auch. Wer entscheidet eigentlich, was eine Windmühle ist und was ein Riese? Und wer erinnert sich denn an die, die alle NICHT gegen Windmühlen gekämpft haben?

 

Don Quijote

Er kann nicht zwischen Dichtung und Wahrheit unterscheiden. Er leidet an Selbstüberschätzung und kämpft gegen Windmühlen, weil er diese für Riesen hält. Sein treuer Begleiter tut alles, um ihn vor schlimmeren Gefahren zu bewahren, dennoch ist es meist Don Quijote der seine Abenteuer am Ende wenig ruhmreich beendet.

Zugegeben, das ist kein erstrebenswertes Schicksal. Kein Sinn für die Realität, gnadenlose Selbstüberschätzung und Kämpfe, die nie zu einem guten Ende führen werden. Nein, das muss man nicht nachmachen.

 

Windmühlen

Im Roman verwechselt Don die Windmühlen mit Riesen. Aber wer entscheidet heute, was eine Windmühle und was ein Riese ist? Und lohnt es sich denn eigentlich generell gegen Riesen zu kämpfen?

 

„Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren“ (Bertold Brecht).

 

„Alles ist Kampf, Ringen. Nur der verdient Liebe und das Leben, der täglich sie erobern muss.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

 

„Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss.“ (Sunzi)

 

„Der ungerechteste Frieden ist immer noch besser als der gerechteste Krieg.“ (Marcus Tullius Cicero).

 

Und was stimmt jetzt? Diese Zitate bringen uns nur bedingt weiter, denn letztlich bleibt die Frage offen, ob man jetzt besser kämpfen soll, oder ob man um des eigenen inneren Friedens willen und weil es zu viele Ressourcen (Zeit und Geld) kosten würde und höchstwahrscheinlich zudem noch aussichtslos wäre, es besser sein lässt?

 

Indirekte Bestätigung

Nimmt man eine erfahrene Ungerechtigkeit, die auf Vorurteilen und mangelndem Wissen basiert, hin, so bestätigt man mit diesem Verhalten indirekt auch das Verhalten des Anderen.

Das kann die geringeren Kosten verursachen oder die höheren.
Nimmt man das Verhalten hin, so ist klar, dass man nichts dazu getan hat, dass es sich in Zukunft ändern wird oder kann. Wenn man damit leben kann, ist alles in Ordnung. Wenn diese unterlassene Änderungsbereitschaft dazu führt, dass man mit sich nicht mehr im Reinen ist, dann kann dieses Verhalten langfristig die höheren Kosten verursachen.

 

Hat doch sowieso keinen Sinn?

Frauen, die wählen wollen? Sklaven, die frei sein wollen? Revolution? Gleichberechtigung? Mädchen, die eine Schule besuchen wollen? Gleichgeschlechtliche Beziehungen, die öffentlich akzeptiert werden sollen?

 

So ein Unfug. Das hat doch alles keinen Sinn. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Bis eine Person die Windmühlen nicht erkannte und dennoch gekämpft hat.

 

Nachtrag: Es ist so traurig, dass sich einige Menschen für Ihre Überzeugungen nicht schämen, während sie zeitgleich von anderen Personen fordern, sich für das zu schämen, was diese tun oder sind.

 

Donnerstag, 16. Juli 2020

Baden und Duschen – eine etwas andere Betrachtung des Zeitmanagements


 

Duschen und Baden haben beide den gleichen Zweck: Reinigung und Körperpflege. Duschen ist ressourcenschonender (geringerer Wasser- und Zeitverbrauch). Im Zuge von „Geiz ist geil“ und „schneller ist besser“ liegt der Rückschluss nahe, dass Duschen besser als Baden ist.

Punkt. Alle Liebhaber eines genüsslichen Bads werden darüber semierfreut sein, weil ein Genussmoment genommen wird. Verschwenderisch mit Zeit und Ressourcen im Allgemeinen umzugehen, kann sich heutzutage kaum mehr eine Person leisten, manchmal ist es aber wichtig, zu wissen, wann Baden nicht nur genuss- sondern sogar sinnvoll sein kann, überträgt man diese metaphorische Sichtweise auf andere Bereiche unseres Lebens.

 

Leistung

Heutzutage wollen wir große Ziele oftmals schnell erreichen. Wer wenig Zeit braucht, ist automatisch gut. Wenig Fahrstunden, Lehrzeitverkürzung, das Überspringen von Schulklassen, eine kurze Studiendauer. Leistung.

Sagt doch schon die Formel: Leistung ist Arbeit durch Zeit! Da sich diese Formel auf die mechanische Leistung bezieht, wir aber doch auch menschlich und nicht immer mechanisch handeln sollten, kann man diese Formel eben auch nur bedingt auf das menschliche Miteinander, auf das sportliche Training, auf die Teamarbeit und auf künstlerische Aktivitäten wie Tanz übertragen.

 

Schnell und effektiv – aber nicht immer effizient und ressourcenschonend

Das menschliche Miteinander und Genussmomente für jede beteiligte Person bleiben bei einer rein mechanischen Betrachtung auf der Strecke. Und Zeit ist nicht immer die einzige Ressource, die geschont werden sollte. Betrachten wir uns ein paar Beispiele aus dem Akrobatiktraining an der Pole und im Hoop. Vielen teilnehmenden Personen ist es wichtig, möglichst schnell die Welt auf den Kopf stellen zu können, sprich zu Invertieren, um kopfüber am Trainingsgerät zu hängen. Das soll schnell erreicht werden und die Bewegung an sich wird dann meist auch schnell ausgeführt: Es wird gerissen, gesprungen und mit viel (unkontrolliertem) Schwung gearbeitet. Der Erfolg scheint einem Recht zu geben. Man ist ja oben. Gemäß der oben erwähnten Formel hat man auch alles richtig gemacht. Langfristig schadet man aber bei zu hoher Geschwindigkeit und falscher Technik dem Körper und schädigt seine Ressourcen.

 

Manche Augenblicke verlangen Dramaturgie

Ein Essen bei Freunden, ein gutes Buch, ein Theaterstück, ein romantischer Abend. Kunst an sich. Zeit spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle. Man kommt nicht zur Essenseinladung, setzt sich sofort an den Tisch und geht wieder, sobald man den letzten Bissen verschlungen hat. Man möchte bei einem Krimi nicht auf Seite zwei wissen, wer der Täter/die Täterin war, einen Theaterabend will man ebenso auskosten wie einen Museumsbesuch und über Romantik unter Zeitdruck brauchen wir gar nicht zu reden.

 

Im Training

Gute Haltung und korrekte Ausführung der Übungen sind im Training wichtig. Beim Yoga, im Pilates, im Pole – und Hooptraining, beim Stretching, im Tanztraining. Die Korrektur und das Überprüfen der Grundhaltung benötigt Zeit. Zeit, die vor allem auch die Schönheit des Moments, der Ausführung positiv beeinflusst. Jede Teilbewegung sollte geschätzt und zelebriert, nicht als nur notwendiges Übel angesehen werden. Nimmt man sich die Zeit, führt die Bewegungen kontrolliert und konzentriert aus und genießt dabei jeden Augenblick (oder lässt es zumindest so aussehen), so kann man auch besser überprüfen, ob man an alles gedacht hat. Stürzt man sich stattdessen mit der hektischen Fokussierung der Endfigur in die Ausführung derselben, so sieht es meist so aus, als ob man auf der Flucht wäre und man vergisst wichtige Aspekte.

 

Im sozialen Miteinander

Small-Talk. Der Inbegriff des Zeitstehlens, gehen wir nach der obigen Formel durchs soziale Miteinander. Streichen wir jeden Small-Talk so merken wir, was übrigbleibt: Kälte. Natürlich sind die Grenzen zwischen Geschwätz und Small-Talk schwimmend und werden von Person zu Person unterschiedlich gesetzt, aber auch diese Zeit des Redens, in der keine wesentlichen Informationen ausgetauscht werden, hat ihre Berechtigung.

 

Im Team

Ebenso sieht es bei Zielvereinbarungsgesprächen und Teammeetings aus. Es ist nicht schön, wenn der/die Vorgesetzte ewig um den heißen Brei herumredet und die Spannung ins Unendliche steigt, weil Spannung hier nervenzerreißend werden kann und es mitunter höflicher wäre, die Eingangsfloskeln kurz zu halten, um dann zügig zum Kernthema voranzuschreiten. Doch lässt man alles weg, was nicht direkt dem Informationsaustausch dient, so fehlt auch hier ein Faktor, der uns das Arbeiten im Team angenehm macht.

 

Beides hat seine Berechtigung

Ein Kuchen ohne Glasur, ein Tanz durch den man durchhetzt, ein Museumsbesuch im Schnelldurchlauf. Keine schöne Vorstellung. Mit künstlich in die Länge gezogenen Augenblicken hat das nichts zu tun. Beide Herangehensweisen haben ihre Berechtigung und manchmal ist es sogar Geschmackssache, was besser ist, denkt man nur an das Entfernen eines Pflasters. Schnell oder sanft?

 

 

Manchmal ist es eine Kunst, sich in der heutigen Zeit, Zeit zu nehmen.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Werden oder sein – Beispiel Disziplin

Diszipliniert sein oder diszipliniert werden? – Das ist hier die Frage. Ersteres gilt fast schon als Tugend, als Aushängeschild für einen Plan, den man verfolgt, als Hinweis auf Biss und Durchsetzungsvermögen. Letzteres verbinden wir mit Strafen und Sanktionierungen, mit Erziehungsmaßnahmen und sehen es als Aberkennung unserer Freiheit. Kann man die beiden Sichtweisen einfach so trennen, nur weil ein Verb anders ist?


Disziplin und Spontaneität
Diese beiden Charaktereigenschaften scheinen nicht so gut miteinander zu harmonieren. Disziplin verfolgt einen Plan, sieht einen Ablauf vor, geht nach einem Schema vor, lebt zum Teil von der Wiederholung. Spontaneität setzt auf Freiheit, auf unbeschwerte Verhaltensweisen, skizziert ein Bild der Leichtigkeit des Seins, bricht aus der Routine aus.


Berufs- und Privatleben
Auf den ersten Blick wünschen wir uns im beruflichen Umfeld disziplinierte Menschen, egal ob wir dies aus der Sicht einer Führungskraft tun, die diese Eigenschaft bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehen möchte oder aus der Sicht eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin, die sich auch auf die Führungskraft verlassen können möchte.

Im Privatleben denken wir bei disziplinierten Menschen häufig an spaßreduzierte Personen. Das muss aber nicht sein. Disziplin hat nichts mit Humorlosigkeit zu tun, ganz im Ernst ;-)


Und dann war da noch die Fremdbestimmtheit
Es kommt auch immer darauf an, von wem die Disziplin ausgeht. Legen wir uns selbst die Regeln auf, die wir befolgen wollen, haben wir einen Plan und weichen von diesem nicht ab, auch wenn es manchmal schwer wird, dann gilt dies als anerkennenswert.

Werden wir diszipliniert, so bäumen wir uns häufig auf.

Gegen rote Ampeln, gegen Masken, gegen Korrekturen, gegen Kritik, gegen Maßnahmen, gegen Steuern, gegen Obrigkeiten, gegen.to be continued.


Disziplin und Souveränität
Es kann allerdings auch ein Zeichen von Souveränität sein, Dinge diszipliniert zu verfolgen, die wir uns selbst nicht ausgesucht haben. Zähneputzen beispielsweise.

Kein Kind sucht sich Zähneputzen freiwillig aus. Bis ein Kind hier diszipliniert ist, muss es häufig ermahnt, zu Disziplin angehalten werden. Irgendwann wird aus der auferlegten Disziplin Routine und dann sind 2x3 Minuten am Tag auch keinen Kampf mehr wert, weil es andere Dinge gibt, auf die man die Energie viel besser verwenden kann.


Training, Coaching, Gesellschaft
Im sportlichen Training schreibt uns der Trainer zunächst vor, was wir tun sollen. Je exakter wir es ausführen und je länger wir dabeibleiben, umso eher werden wir mit Erfolgen belohnt. Auch im Coaching legt ein Trainer/Coach den Finger in die Wunde und zeigt uns neue, ungewohnte Wege auf, die uns anfangs belasten, stressen, viel von uns abverlangen. Bleiben wir auch hier dabei, so werden wir (auch hier die Qualität des Trainers vorausgesetzt), Veränderungen bemerken, es wird besser werden.

Allein in der Gesellschaft scheint das so eine Sache zu sein mit der Disziplin.

Man muss als Mitglied einer Gemeinschaft nicht alles gut finden, was man zu Wohle der Gemeinschaft tun sollte/ tun muss, aber man sollte sich auch überlegen, ob der Zahnputzkrieg der Kleinkind-Trotzphase hier wirklich weitergeführt werden muss.


Konkrete Beispiele zum Abschluss
Die neuen Hygieneauflagen haben für uns alle Veränderungen mit sich gebracht. Die Maske nicht vergessen, die Hände desinfizieren.

In den meisten Fällen läuft es gut, aber in vielen Fällen eben auch nicht.

In unserem Sportstudio machen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen so toll mit, dass es schon zur Routine geworden ist. Matten werden desinfiziert, Masken werden getragen und dürfen am Trainingsplatz abgesetzt werden. Jeder macht mit und ich habe das Gefühl, es macht (trotzdem) Spaß.

Gut, manchmal muss man auch hier erwachsene Menschen „disziplinieren“, die die Regeln „vergessen“. Als Studioinhaberin bin ich aber dafür verantwortlich, dass diese Regeln eingehalten werden und daran hängt auch die (weitere) Möglichkeit unter Einhaltung der Hygieneregeln geöffnet haben zu dürfen. Weil mir das wichtig ist, muss ich erwachsene Menschen auf diese Regeln manchmal hinweisen: „Eintritt bitte nur mit Maske!“ – „Bitte die Hände desinfizieren“.


Disziplin muss nicht immer Spaß machen
Das macht keinen Spaß, es erfordert halt nur Disziplin – auf beiden Seiten.

Ich glaube nicht, dass es auch nur einer Person wirklich Spaß macht, eine Maske zu tragen. Ich beneide auch die Personen nicht, die jeden Tag mehrere Stunden damit durchhalten müssen, das möchte ich an dieser Stelle betonen.

Wenn ich allerdings sehe, wie ein Speiselokal mit großer Terrasse von Gästen überrannt wird, die zu 80% KEINE Maske dabeihaben (obwohl sie diese doch nur zum Eintreten aufsetzen sollten), dann fühle ich mich an den Zahnputzkrieg erinnert.

Es ist kein Aushängeschild von sinnvoller Revolution, sich an diese kleinen Disziplinarmaßnahmen nicht zu halten, sondern eine Respektlosigkeit. Ich mag die Masken auch nicht, ich bin froh, wenn ich keine tragen muss und ob sie wirklich in irgendeiner Weise hilfreich sind, wer weiß? Aber es könnte doch sein, also dann halte ich mich eben dran.

Bin ich jetzt diszipliniert oder werde ich diszipliniert? Das ist hier die Frage.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Schuldig im Sinne der Anklage

Leider finde ich den Bildpost nicht mehr, den ich vor ein paar Jahren geteilt hatte. Sinngemäß wurde hier gesagt, dass man nicht nach Anerkennung anderer hungern solle, wenn man nicht bereit wäre, sich selbst anzuerkennen. Man könne nichts von anderen fordern, von dem man nicht bereit wäre, es sich selbst zuzugestehen. Dieser Bildpost ploppte vor ein paar Tagen als „Erinnerung“ in meiner Timeline wieder auf und der Gedanke erhielt durch den Artikel „Kein positives Selbstwertgefühl durch Poledance?“ von Luisa Sprung (Studentin und Poledancetrainerin) aus dem aktuellen Pole Art Magazine 02/2020 weitere Befeuerung.

Als Trainerin stelle ich immer wieder fest, dass es nicht schwer ist, anderen Menschen Komplimente zu machen, sie zu loben, sie zu ermutigen, ihnen positives Feedback zu geben. Oftmals muss man dann doch resignieren. Warum? Weil das Gegenüber dieses Feedback einfach nicht annehmen möchte.

 

 

Größe, Raum und Präsenz

Obwohl wir infiltriert werden mit den Gedanken, dass wir alles erreichen können, dass uns vieles/alles zusteht und in einer relativ „freien“ Zeit mit vielen Möglichkeiten leben, kann man immer wieder bemerken, dass sich Personen selbst klein machen.
Es stellt sich die Frage, ob beispielsweise Schulter-Nackenprobleme ihren Ursprung in einer arbeitsalltäglichen Fehlhaltung haben, oder ob die Fehlhaltung nicht vielleicht im Kopf entsteht, weil man sich permanent verstecken und schützen möchte (auch das führt dazu, dass gerne die Schultern zu den Ohren gezogen werden, und der Hals-Nackenbereich verkrampft)?

Man muss sich nicht erhöhen oder künstlich „groß“ machen, es reicht in vielen Bereichen schon, wenn man die eigene Größe wahrnimmt und nutzt (im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne).

 

Nicht um das Bitten, was einem zusteht

Wer auf seine Rechte pocht, der kann das tun, aber souverän wirkt es in den seltensten Fällen. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl müssen gefüttert und gepflegt werden. Diese wichtigen Eigenschaften sind nichts, was man sich einmal zulegt und dann das ganze Leben nutzen kann. Immer wieder macht sich im Garten Selbstwertgefühl Unkraut breit. Immer wieder müssen wir uns die Zeit nehmen, dieses zu betrachten, uns zu fragen, woher es kommt und es vorsichtig zu entfernen, damit wir nicht auch die guten Sprösslinge entfernen.

 

Der oben erwähnte Artikel von Luisa Sprung beschreibt Ergebnisse einer Querschnittsstudie, die Luisa Sprung im Rahmen ihrer Bachelorarbeit durchgeführt hat. Die Bachelorarbeit behandelte die Fragestellung, ob das Selbstwertgefühl von Frauen durch Poledance positiv beeinflusst werden würde. Die Studie kam zum Ergebnis, dass dem eher nicht so ist.

 

Aber warum? Weil der Sport so schwer ist, weil diesen Sport eben nur einige wenige Menschen erlernen und ausüben können, weil das Training zu hart ist? Nein!

Weil die meisten Menschen (hier Frauen) meiner persönlichen bescheidenen Meinung nach, das Positive, was sie für sich herausziehen könnten, selbst zerstören. Immer und immer wieder.

 

Sie jäten kein Unkraut, sie kaufen sich Samentüten voller Unkrautsamen und streuen diese ins Beet der Selbstwertsgefühlspflanzen.

 

Angebote ausschlagen

Das ist nicht nur in der Nischensportart Poledance der Fall. Das kann man überall beobachten.

Jede Person erlebt Situationen, in denen sie mehr als zufrieden sein kann. Manchmal bekommt sie das sogar als Rückmeldung von anderen Personen zu hören: „Toll gemacht.“ – „Das sieht gut aus.“ – „Das gefällt mir“ – „Tolle Leistung.“ – oder einfach nur ein „Wow“.

 

Die häufigsten Reaktionen? Abmildern, verneinen, negieren, verweigern.

„Ach, das war doch gar nichts.“ – „Das machen die Lichtverhältnisse“ – „Echt, das gefällt Dir? Das ist doch schon ganz alt/das war doch gar nicht schwer/das ist doch nichts.“ – „Ja, ich hatte Glück.“ – „Ach Quatsch – das hat doch kein „wow“ verdient.“

 

Der Feedbackgeber möchte bei der Pflege des Selbstvertrauensbeets helfen und offeriert Dünger. Doch anstatt diesen Dünger dankbar anzunehmen, wird er ausgeschlagen. Währenddessen wuchert das Unkraut im Selbstvertrauensbeet weiter.

 

Über sich selbst hinauswachsen

Es ist so unheimlich schön zusehen zu können, wie Menschen wachsen. Über ihre gefühlte Größe hinauswachsen und ihre wahre Größe realisieren. Ein Trainer und Coach – ob nun im Sport oder Businessbereich kann dazu beitragen, aber er kann es nicht alleine und auf Dauer bewerkstelligen, wenn es die andere Person nicht will.

 

Inspirationen zu diesem Artikel unter anderem durch: Pole Art Magazine, 02/2020 – Seite 30-31, Luisa Sprung: „Kein positives Selbstwertgefühl durch Pole Dance?“

Donnerstag, 25. Juni 2020

Respekt – Achtung – Wertschätzung

 

Respektlosigkeit, Missachtung, Geringschätzung. Die Gegenteile. Findet niemand gut. Die meisten Menschen sind sich einig, dass diese Verhaltensweisen nicht zu einem freundlichen Miteinander beitragen. Doch Respektlosigkeit, Missachtung und Geringschätzung sind im alltäglichen Miteinander leider viel häufiger vertreten als wir meinen.


Alltagsdiskriminierung

Da ist beispielsweise die kleine blonde Frau mit der piepsigen Stimme, der man nichts zutraut, oder die Trägerin eines Kopftuchs, die man im Kundenkontakt als weniger gewinnbringend ansieht. Es kann aber auch der junge gepiercte Mann sein, den man nicht als Kindergärtner sieht, oder oder oder


Wahrnehmungsfehler

Wir alle sind mit Wahrnehmungsfehlern behaftet. Diese Klischees nähren und füttern und das Wachstum von Vorurteilen begünstigen. Können! Müssen nicht. Denn ein wesentlicher Vorteil der Wahrnehmungsfehler besteht darin, dass wir diese abstellen können, sobald wir uns ihrer bewusst sind.

Sobald wir uns beispielsweise die Frage stellen, ob wir die fachliche Kompetenz der kleinen blonden Frau mit der piepsigen Stimme wirklich einschätzen können, wirklich etwas darüber wissen, haben wir die Chance, den Fehler in der Wahrnehmung auszumerzen.

Ein zweiter Blick ist notwendig, eine Chance, die wir der Person und uns selbst offerieren.

Es ist demnach wichtig zu wissen, dass niemand von uns frei von Vorurteilen agiert und Klischees immer vorhanden sind.

Das werden wir so schnell nicht abstellen können, aber wir sollten uns bewusst werden, wohin Klischees und Vorurteile führen können.

 

Klischee

Klischees leben davon, dass sie in vielen Bereichen (leider) zutreffen. Und gerade wenn wir die Chance haben, uns mit den Menschen, die wir schnell mal in die Klischee-Schublade stecken könnten, auseinanderzusetzen, gehen wir den Weg des Respekts und der Achtung.

 

Jede Form von Missachtung ist Diskriminierung

Denkweisen, die aufrecht erhalten werden, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste, sind gelebte Formen der Missachtung, der Respektlosigkeit und der Dummheit.

Wenn man Menschen, die diese Klischees entkräften, kennenlernt und dennoch an den Vorurteilen festhält, so ist die absichtliche Missachtung. Traurig.

 

Alltagsüberzeugungen

„Blöde Studenten haben von einem wirklichen Arbeitsalltag doch keine Ahnung.“ – „Die sitzt doch nur im Supermarkt an der Kasse.“ – „Was willst du von jemandem erwarten, der sich den halben Tag im Kuhstall aufhält?“ – „Na ja, der/die hat nur Hauptschulabschluss, sagt ja schon einiges über die Intelligenz.“ – „Wow, ein Mann, der sich um Kleinkinder kümmern möchte, ungewöhnlich! Aber ich finde das toll.“

To be continued.

 

Die Existenz ist nicht verwerflich

Um es noch einmal zu verdeutlichen. Die bloße Existenz derartiger „Meinungen“ ist an sich nicht verwerflich. Die haben wir alle bis zu einem gewissen Teil, da ist niemand besser als der Nächste. Wenn man diese allerdings trotz anderer Erfahrungen aufrechterhält und immer wieder zum Besten gibt, so verletzt man damit andere Menschen. Immer und immer wieder.

Es stellt sich dann nur die Frage, ob dies absichtlich oder aus Dummheit heraus passiert, Diskriminierung und Missachtung bleibt es.