Freitag, 27. März 2020

Ein Kleinstunternehmen in der Corona-Krise

Wir, das sind Nadine, Günther, Sophie und Lorenz Rebel. Wir arbeiten selbständig seit dem Jahr 2000. Damals wurde das Unternehmen „Rebel-Management-Training“ gegründet, welches Seminare und Coachings, sowie betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet.

Im Jahr 2011 kam „CrazySports Augsburg“ dazu. Ein kleines Sportstudio, in welchem wir Yoga und Pilates, aber auch Aerial Hoop und Poledance-Kurse durchführen und medizinisches Fitnesstraining, Rückenfit-Kurse und Vieles mehr anbieten.

Schrittweiser Entzug der Existenzgrundlage
Im Zuge der Corona-Krise kamen zuerst die Absagen der Seminare. Man beruhigte sich, mit der Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Lebensunterhalts noch durch das Sportstudio generieren zu können, bis dann auch dieses am Montagabend, den 16.03.2020 nach den letzten beiden Kursen unter Tränen geschlossen wurde.

Wir haben schon viele herausfordernde Zeiten erlebt und mit den oben beschriebenen Tätigkeiten eine Familie ernähren zu wollen und zu können, war nicht immer leicht. Stillstand war noch nie unser Motto aber im Moment fühlen wir uns (fast) ohnmächtig.

Niemals stillstehen
Fast, weil auch in dieser Zeit Stillstand nicht das Mittel der Wahl sein kann.
So haben wir direkt am 16.03.2020 begonnen „Online-Kurse“ zu kreieren. Kein Mensch darf im Moment ins Fitnessstudio, zum Trainieren, ins Yogastudio.
Aber körperliche Betätigung ist und bleibt wichtig, auch für die Gesunderhaltung von Körper UND Seele.

Wie es weitergeht, weiß im Moment keiner, doch das Gefühl zu haben, nicht ganz untätig zu sein und gleichzeitig etwas für die Menschen tun zu können, ist gut.

Wir sind für Euch da – ein Versprechen, das auch online gilt
Wir möchten mit unseren Online-Kursen natürlich aus der Not eine Tugend machen. Und ja, die Teilnahme an den Online-Kursen ist kostenpflichtig. (www.crazy-sports-augsburg.com/online-classes).
Sicherlich für viele „viel teurer“ als das Fitnessstudio, welches ihr gewöhnt seid, dafür aber auch ohne Vertragsbindung. Was im Studio gilt, gilt auch für die Online-Classes!

Training in Krisenzeiten
Damit ihr allerdings nicht die „Katze im Sack“ kaufen müsst, haben wir Euch eine ganze Playlist mit Trainingsvideos zur Verfügung gestellt, die auch seit 19.03.2020 entstanden sind. Diese könnt ihr kostenlos nutzen, allerdings freuen wir uns über eine kleine Spende.
Playlist „Workout in Krisenzeiten“: 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLNuvWcKlqDu1XWAn8r8V-SRDQiPmhaSLw

Wie geht’s weiter? Weiß kein Mensch.
Im Moment versuchen wir für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer da zu sein und auch die Familie zu betreuen und selbst Gutes zu tun. So wurde aus dem Büro, in welchem nicht nur der Rechner steht, sondern auch meine Nähmaschine, eine Werkstatt für Atemschutzmasken.
Wir versorgen die Familie und Freunde damit, einige wenige fertigen wir auch auf Bestellung.

Danke
Wir möchten uns bedanken. Bedanken beim Staat (ja!), denn die Soforthilfe wurde uns ca. eine gute Woche nach Schließung des Studios zugesichert. Damit kann man schon mal ein oder zwei Atemzüge mehr machen und wenigstens für einen kurzen Moment die Sorgen beiseiteschieben.

Wir möchten uns auch bedanken bei den lieben Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die uns Mut zusprechen, die sich für die Online-Kurse angemeldet haben, die ihre Kurse bezahlt haben, auch wenn sie wissen, dass diese erst einmal nicht stattfinden können.
Bedanken bei denen, die uns Päckchen geschickt haben oder sich einfach mit ein paar lieben Worten für die gute Betreuung der letzten Jahre bedankt haben.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut das tut. Danke. Von ganzen Herzen Danke!


Donnerstag, 19. März 2020

Das Wechselbad zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkei



Die letzten Wochen hatte ich mich strikt geweigert, das „Virus“ in meinen Blogbeiträgen zu thematisieren. Teils wohlüberlegt, teils auch aus Trotz, teils vielleicht, weil es eben alle machen und ich dagegen rebellierte (Nomen est omen).
Und irgendwann kann man die Augen nicht mehr schließen, wenn man nicht blind gegen eine Wand laufen will

Man sieht die Sonne untergehen

und erschrickt doch, wenn es dunkel wird. (Herkunft unbekannt).
Eigentlich ein Trauerspruch, aber auch passend auf das, was wir gerade alle erleben.
Man beruhigt sich, man sagt sich, dass alles nicht so schlimm werden wird, man hält sich an der verbleibenden Normalität fest, man sagt sich, aber wenigstens XY geht ja noch und dann wird jeden Tag alles anders.

Eine Zerreißprobe

Ich bin ein ängstlicher Mensch, der gerne plant, für alles einen Plan B in der Tasche hat und seine Daseinsberechtigung in guter Leistung und dem Erbringen von guter Arbeit sieht.

Tja, bisschen blöd im Moment.

Planen kann ich nicht, Pläne B, C und D müssen erst noch (schnell) entwickelt werden, meine Leistung will im Moment keiner haben (verständlicherweise, die Menschen haben den Kopf ja ihrerseits voll mit anderen Gedanken) und ob die Arbeit in die ich mich seit Sonntag-Abend, als klar war, dass „die“ uns dicht machen werden, stürze „gut“ ist, das mag auch noch keiner sagen.

Jammern auf hohem Niveau

Sorgen, Ängste, Fragen, Unsicherheit und dennoch ein Jammern auf hohem Niveau. Ja, auf hohem Niveau! Es steht definitiv unsere Existenz auf dem Spiel. Wir stehen am Abgrund und es ist unklar, ob wir morgen nicht schon einen Schritt weiter sind.

ABER: Wir leben, wir sind gesund, die Familie ist zusammen, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben einen Garten, die Lebensmittelversorgung ist gewährleistet, wir können unsere Wäsche waschen, die Post funktioniert, die Bestellvorgänge auch, wir sind digital vernetzt. Es geht uns nicht schlecht!
Es ist nur auf einmal ganz anders als gestern.

Augen auf bei der Berufswahl

Wir arbeiten selbständig seit dem Jahr 2000. Damals wurde das Unternehmen „Rebel-Management-Training“ gegründet, welches Seminare und Coachings, sowie betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet.

Im Jahr 2011 kam „CrazySports Augsburg“ dazu. Ein kleines Sportstudio, in welchem wir Yoga und Pilates, aber auch Aerial Hoop und Poledance-Kurse durchführen und medizinisches Fitnesstraining, Rückenfit-Kurse und vieles mehr anbieten.
Im Zuge der Corona-Krise kamen zuerst die Absagen der Seminare. Man beruhigte sich, mit der Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Lebensunterhalts noch durch das Sportstudio generieren zu können, bis dann auch dieses am Montagabend nach den letzten beiden Kursen unter Tränen geschlossen wurde.

Und auch hier: Jammern auf hohem Niveau!

Ärzte, Schwestern, Pfleger, Krankenhauspersonal, Verkäufer und Verkäuferinnen im Einzelhandel, Busfahrer und Busfahrerinnen und viele viele Berufsgruppen mehr, sind weitaus härter betroffen, denn bei ihnen geht es nicht (nur) ums GELD, sondern um ihre Gesundheit, ihr Leben.

Fixpunkte schaffen, wenn alles aus dem Ruder läuft

Routine, ein strukturierter Tagesablauf, etwas an dem man sich (gedanklich) festhalten kann, beruhigende Pole schaffen. Wichtig!
Weiß ich! Aber ich handle seit Sonntagabend auch nicht (mehr) danach. Ich lenke mich mit Arbeit ab, suche wie wild nach neuen Wegen, unsere Angebote digital verfügbar zu machen und in den Pausen, die ich nicht mache, trinke ich zu viel Kaffee und tue noch andere Dinge, die der Gesundheit nicht zuträglich sind.

Das muss ein Ende haben

Wenn der Alltag nicht mehr wie gewohnt funktioniert, muss man sich einen neuen Alltag schaffen. Und wenn jeder Tag aufs Neue geplant werden muss, weil es keinen Alltag mehr gibt, dann sollte man sich überlegen, was man immer bei sich hat, was einem keiner nehmen kann.
Das sind mehr Dinge als man denkt. Zum einen ist es die innere Einstellung, an der im wilden Sturm gerüttelt werden kann, die aber auch Fels in der Brandung ist.
Zum anderen ist es die Einzigartigkeit von jeder Person, die auch wertvoll ist.
Hinzu kommt das Wissen und die Kommunikation dazu und unser Körper, der uns trägt.

Körperlich fit für die Seele

Seit Montag habe ich auf meinen geliebten Sport „verzichtet“. Nicht verzichtet, er erschien mir auf einmal unwichtig und weder habe ich die Zeit noch die Muse gefunden. Und ich merke, wie es mir zunehmend schlechter geht.

Ab heute wird wieder angegriffen: Yoga, Pilates, Workout und Tanzen auf gute Musik.
Ich weiß, dass ich mich erst dazu zwingen werde müssen. Ich weiß aber auch, dass es mir hilft, langfristig gesund zu bleiben und durchzuhalten.

Sport-Online

Auf alle Fälle gibt es ab nächster Woche bei CrazySports Augsburg Online-Kurse und wir freuen uns, Euch dort zu „sehen“. www.crazy-sports-augsburg.com/online-classes

Gutes für Körper und Seele – das Licht am Ende des Tunnels

Tut Euch Gutes! Das ist gerade in diesen Zeiten eine Betriebsinvestition. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, was „gut“ ist – aber das ist eine fast schon philosophische Frage.

Donnerstag, 12. März 2020

Trainer unter sich...


Eine Lektion unserer Trainerausbildungen behandelt den (möglichen) Motivationsverlust der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Man kann fast die Uhr danach stellen und als Trainer erkennt man die Entwicklung, steuert sehenden Auges darauf zu, tut, was man tun kann und scheitert dennoch manchmal. Das kann für den Trainer ziemlich frustrierend sein.
Umso beruhigender, wenn man als Ausbilder lesen kann, dass es auch anderen (angehenden) Trainern ähnlich geht.

Die Bearbeitung der Lektion über „Motivationsverlust“ durch die Teilnehmerin unserer Ausbildungen Margarita Sivov ist dabei so gut formuliert, dass sie geteilt werden muss (und darf).

Margarita Sivov – Trainerausbildung Pole Dance „Intermediate“
Lektion 15

Thema: Motivationsverlust der teilnehmenden Personen

Teilaufgabe 1 – Was ist mit Motivationsverlust gemeint? Welche Rolle spielt die Frustration besonders in Intermediate Kursen? Gerade dann, wenn die Figuren und Tricks immer höhere Anforderungen an die teilnehmenden Personen stellen, kommt es immer wieder vor, dass der Trainer merkt, dass sich Frustration breitmacht und teilnehmende Personen nicht immer ganz motiviert bei der Sache sind. Erläutere, warum das so ist und warum die Gefahr in Intermediate Kursen zunimmt.

Es kommt der Punkt in so ziemlich jeder Pole-Laufbahn, an dem man sich denkt man hätte die Grenze seiner körperlichen und mentalen Fähigkeiten erreicht. Diese Zeit kann bereits nach der ersten Stunde an der Stange kommen oder auch immer mal wieder, bei vielen tritt dieses Gefühl allerdings ziemlich im mittleren Level, dem sogenannten Intermediate Level auf. Viele Polerinas sind zum Start des Pole Sports meist durch frühere Sportarten körperlich relativ gut trainiert und sportlich. Viele andere sind es vielleicht nicht, bringen allerdings eine Menge Euphorie, Motivation und Willen mit, was beide letztendlich Stück für Stück voranbringt. Techniken werden eisern und ehrgeizig wiederholt, es wird sich regelmäßig gedehnt – insgesamt ist man sehr bemüht und geduldig mit sich und der neuen Sportart. Man feiert bald schon den ersten Erfolg: Der Aufstieg ins nächste Level. Endlich kein Anfänger mehr. Ab dann lassen sich Polerinas erfahrungsgemäß in folgende Schemata unterteilen:

Es beginnt bei vielen die Bequemlichkeit, die Komfortzone „Intermediate Kurs, denn man kann seinem Gewissen nun erzählen, dass man zwar nicht zu den Profis gehört, aber auch nicht mehr zu den „Nichtskönnern“. Viele Polerinas ruhen sich auf ihrem ersten Aufstieg aus und lassen die Sauberkeit in Sachen Techniken schleifen, dehnen sich nicht mehr regelmäßig und nehmen es evtl. nicht mehr ernst, mehrmals die Woche zum Kurs zu kommen geschweige denn andere Sportarten auszuüben. Man fühlt sich recht wohl mit seinen anderen Intermediate Polerinas. Und dann kommt dieser Zeitpunkt, wenn irgendwie auch die „festsitzenden“ Figuren nicht mehr sitzen wollen. Die Muskulatur baut sich zunehmend ab, man wird steifer und eigentlich müsste man wieder in den Anfängerkurs, weil man überhaupt nicht mehr richtig mithalten kann. Manche hören ab dann ganz auf, da ihnen der Beweis es „weiter geschafft zu haben“ genügt oder sie unglaublich frustriert sind oder sie machen weiter, drehen sich im Kreis, kommen mit kleinen Schritten mal wieder voran und es genügt auch. Frustration macht sich immer mal gelegentlich breit, da man sich ja eigentlich auch mal wieder etwas Neues präsentieren möchte.

Wieder andere sind seit Tag 1 an der Stange der Ehrgeiz in Person. Immer schneller höher, weiter und nie weit genug. Zufriedenheit ist kurz da, aber es wird stets verbissen an sich gearbeitet. Aber auch diese Art von Polerina merkt eines Tages, dass man die nächsten Tricks nicht mehr so schnell beherrscht – Frustration macht sich breit. Sonst konnte man doch immer alles nach ein paar Wiederholungen und an dem letzten Trick reißt man sich nun schon seit Wochen wenn nicht sogar Monaten gefühlt beide Arme heraus! Diese Frustration nebst Wut, Ungeduld und Selbstzweifeln lässt Polerinas ausbremsen.

Wie in allen Lebenslagen, entscheidet sich in den harten, ungewohnten Zeiten, wenn man psychisch und physisch in neue Situationen gerät, ob man etwas wirklich will und weiter macht. Ungefähr ab dem Intermediate Level geht es für viele ins wirklich „Eingemachte“ des Pole Sports und man kann nicht mehr mit der natürlichen Sportlichkeit mithalten. Man muss noch härter trainieren – auch mental. Viele brauchen hierfür eine lange Zeit – zum einen, weil sie sich einbilden, sie könnten nie zu den Profis gehören -  „Where focus goes energy flows“, zum anderen dauert es, Kraft und Flexibilität für den Profi-Level aufzubauen, und sich auf diesen vorzurbereiten. Aus diesem Grund sind oftmals die meisten Teilnehmer in Pole Schools in Intermediate Kursen untergebracht.
Ein anderer Grund ist, dass dieses Level einen längeren Spielraum für den Trainer zulässt als andere. Wenn ein Teilnehmer sicher in Inverts hängt ist dieser automatisch kein Anfänger mehr, kann aber dennoch auch lange Zeit an der Iguana arbeiten und verharrt somit längere Zeit im Intermediate Level. Der „Zwischenbereich“ hat somit eine größere Bandbreite an Fähigkeiten als das Beginner- und Profi-Level und ist diesbezüglich ungenauer definiert. Den Teilnehmer kann dies demotivieren, da er sich fragt, wann es endlich ausreicht, um ins nächste Level zu wechseln.

Vielen Dank Margarita, dass wir diese Ausführungen teilen dürfen.
Informationen zu unseren Trainerausbildungen (Aerial Hoop und Poledance) findet man unter
www.crazy-sports-augsburg.com/trainerausbildung

Donnerstag, 5. März 2020

Perspektive Angst

Vorsicht, Nachsicht, Rücksicht, Umsicht, Aussicht, Fernsicht,
Den (klaren) Blick auf etwas werfen zu können, scheint wichtig zu sein. Die Informationsfülle und -flut, der wir heute ausgesetzt sind, trägt allerdings häufig dazu bei, unsere Sinne zu vernebeln und den klaren Blick zu verschleiern.
Angst, die auf fruchtbaren Boden fällt und mit Konsum ungefilterter Nachrichten gedüngt wird, lässt Scheuklappen entstehen, die der uneingeschränkten Sicht hinderlich gegenüberstehen.

Jeder kann mitreden, jeder bekommt eine Bühne
Soziale Medien bieten jeder Person eine Bühne. Bloggern(siehe hier), Influencern, intelligenten Personen und weniger intelligenten Personen. War Papier geduldig, so ist es das Netz noch viel mehr. Wer lange genug sucht und recherchiert, wird mit Sicherheit etwas finden, was die eigenen Vermutungen unterstützt. Per se ist das nicht zu verurteilen, so lange man dabei die Augen aufmacht.

Vernunft ist langweilig
Das Problem ist, dass klare Sichtweisen oftmals mit Vernunft gepaart sind und wir alle wissen, dass wir schon unsere Eltern als furchtbar langweilig und spießig empfanden, wenn sie uns mahnten „vernünftig“ zu sein. Vernunft steht für die Abwesenheit eines gewissen „Kicks“ oder „Thrills“, der das Adrenalin fließen lässt und uns antreibt, uns vielleicht sogar lebendig fühlen lässt.
Auch das ist nicht grundlegend zu verurteilen, so lange man mit den Geistern, die man heraufbeschwört, umgehen kann.
Der Horrorfilm, den man freiwillig „konsumiert“, sollte eigentlich nicht dazu führen, dass man sich nicht mehr in den Keller traut. Rational weiß man ja auch, dass sich im Keller wahrscheinlich kein Monstrum irgendeiner Couleur befindet, aber die Angst schränkt uns ein.
Mist, so war das nicht gedacht!

Geistige Brandstiftung
Als Trainerin habe ich ungewollt auch schon „geistige Brandstiftung“ betrieben. Ich habe so lange vor den möglichen Gefahren eines Tricks oder einer Übung gewarnt, bis die Umsicht in irrationale Angst umschlug. Ist die Angst erst einmal vorhanden, dann dauert es lange, diese wieder zu zähmen. Sie hört nicht zu, sie schreit und tobt mit verschlossenen Augen, sie benimmt sich wie ein trotziges Kind in rasender Wut und besteht darauf, Recht zu haben. Zeit ist aber etwas, was wir nicht zu haben scheinen. Fortschritte müssen schnell von statten gehen (ob im Sport oder im Business), Tutorials und Videos die unser Interesse wecken, sollten bitte nicht länger als 20 Sekunden andauern. Sich tiefgehend mit einer Thematik auseinanderzusetzen würde bedeuten, Zeit zu investieren. Konsum von Artikeln und Beiträgen, die das Feuer im Geist anfachen, geht schneller.

Hier schreibt ein ängstlicher Mensch
Wer nun glauben würde, dass diese Zeilen von einer angstfreien und absolut abgeklärten Person verfasst werden, der irrt gewaltig. „Was wäre wenn“ – und dabei immer nur an das Schlimmste denken, so bin ich aufgewachsen. Es ist harte Arbeit, die Umsicht, den klaren Blick und die Vernunft mit dem schreienden Trotzkind der Angst verhandeln zu lassen, aber es lohnt sich. Angst sollte auch nicht besiegt oder unterdrückt werden, denn sie ist eine gute Emotion. Nur dann, wenn sie uns dazu verleitet, absolut irrational zu werden und in allem immer nur das Schlimmste zu vermuten, brennt sie alles nieder, was uns das Leben auch als schön empfinden lässt.



Donnerstag, 27. Februar 2020

Integral, Integration, Ganzheitlichkeit und noch ein paar Schlagwörter mehr

Vor einigen Tagen wurde ich durch Zufall mit der „integralen Theorie“ konfrontiert. Googlen. Aha! Ganzheitlicher Ansatz. Klingt gut. Nur so kann es gehen. Noch bin ich d’accord. Ja, das Innen und Außen zu betrachten (Gefühle des Menschen und Erwartungen der Umwelt), ist sicherlich sinnvoll. Ja, man kann den Menschen nicht getrennt von den Organisationen sehen, so wie man die Psychologie nicht von der Soziologie trennen kann. Letzteres hat mich im Studium schon immer genervt. Die Soziologen verfochten den Ansatz, alles sei durch die Gesellschaft bedingt, die Psychologen wiederum meinten, alles würde vom Individuum ausgehen. Eigene Gedanken, die sinngemäß folgendermaßen aussahen: „ Der Mensch mit seinem Denken, Fühlen und wollen IST ein Teil der Gesellschaft, die Gesellschaft wirkt ihrerseits auf das Denken, Fühlen und Wollen des Einzelnen ein.“ – wurden meist nur mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert. Mein Verstand setzte aus oder war wohl nicht für Höheres geschaffen.

Ganzheitlichkeit

Auch unser Claim lautet „ganzheitliches Training für ganzheitlichen Erfolg“. Hinter diesem Satz steckt die Verbindung von Sport (CrazySports Augsburg) und den beratenden Trainertätigkeiten (Rebel-Management-Training).

Die Erfahrungen von über 20 Jahren zeigen, dass der Kopf eben nicht getrennt vom Köper agiert und dass man die Dinge ganzheitlich betrachten und angehen sollte. Das war aber noch nie etwas bahnbrechend Neues für mich, sondern eher eine Selbstverständlichkeit.

Erlebnispädagogik, körperorientiertes Coaching, Psychosomatik, Hormone und Gefühle, Stress und Stresserleben, sportliches Training und Überwindung geistig gesetzter Grenzen (Angst zu Fallen, Angst vor Verletzungen) – all diese doch eher handfesten Bausteine sind für mich einem ganzheitlichen Ansatz zugehörig.
Wenn man einen Menschen verstehen möchte, so kann man ihn nicht nur in Zahlen zerlegen, sondern muss sich eben auch in seine (Gefühls)-Lage versetzen. Soweit so gut.
Das hat noch nichts besonders Spirituelles an sich - finde ich zumindest.


Spiritualität

Jetzt kommen wir zu einem Reizwort. Ja, ich bin ein gläubiger Mensch und ich glaube daran, dass wir mit unseren bisherigen Verstandes-Möglichkeiten noch lange nicht alles erfasst haben und es auch wohl nie erfassen werden können. Fakt. Für mich.

Das Wissen/der Glaube daran, dass es etwas Unbegreifliches, etwas Unvorstellbares, etwas „Übernatürliches“ gibt, macht einen Menschen noch nicht zum Spinner.
Das Wort „übernatürlich“ an sich ist meines Erachtens Ausdruck einer gewissen menschlichen Überheblichkeit, denn wer bestimmt denn, was natürlich ist und was nicht?
Normal bedeutet ja auch nur: „Der Norm entsprechend“ und Normen werden eben häufig von Menschen erstellt. Insofern bin ich mir ziemlich sicher, dass es Menschen gibt, die Zugang zu „höheren Sphären“ haben, oder wie sie es auch immer nennen mögen.

Wenn Spiritualität allerdings dazu führt, dass man die „anderen“, die armen Seelen, die auf ihrem beschränkten Weg zur spirituellen Reife noch keinen Schritt weitergekommen sind oder die diesen noch nicht einmal gehen wollen, mitleidig betrachtet und es diese Personen auf welche Art auch immer spüren lässt, dann reagiere ich gereizt.

Das ist gelebte Überheblichkeit, die den Wunsch nach ganzheitlichem Agieren ad absurdum führt. Es muss niemand bemitleidet werden, der (noch) keine Erleuchtung gefunden hat oder nicht in der Lage ist Engel, Feen, Elfen oder Einhörner zu sehen. So wie man niemandem bemitleiden muss, der noch nicht alle Länder bereist hat, die eine andere Person vielleicht schon bereisen konnte.

Genau dieses Verhalten lässt sich allerdings nicht selten beobachten: Trägt man in manchen Yoga-Workshops nicht die gleiche Kleidung wie andere, hat keine 5 Buddha-Bändchen an jedem Handgelenk und will auch nicht jedem gleich Liebe schenken, so ist man eine arme Wursthaut. Traurig. Bemitleidenswert. Von Erleuchtung weit entfernt.

Steht man Motivationsgurus kritisch gegenüber, weil man die heilsbringenden Sätze „Glaube an Dich und du kannst alles schaffen.“ – eben als netten Spruch ohne Inhalt betrachtet, der den zuhörenden Personen keine Handlungsmöglichkeiten aufzeigt oder sie lehrt, wie diese technisch zu nutzen sind, so ist man ein enfant terrible, ein nicht ganz so gern gesehener Gast.

Immer dann, wenn proklamierte Ganzheitlichkeit dazu führt, die Menschen, die (noch) nicht ganz so ganzheitlich agieren können, zu bemitleiden, sie abzulehnen, sich ihnen gegenüber in irgendeiner Weise herablassend zu verhalten, dann zeigt dies, wes Geistes Kind die Anhänger sind.

Was wäre denn ein Trainer/ein Lehrer/ein Coach, wenn er oder sie seinen Coachee/Schüler abschätzig betrachten würde, weil er/sie noch nicht da ist, wo man selbst schon ist?
Eltern betrachten ihre Kinder doch auch nicht abfällig, weil diese noch nicht mal alleine aufs Klo gehen können.

Ganzheitlich ja, vernünftig auch

Der fliegende Teppich ist eine tolle Vorstellung, aber für den zu bewältigenden Alltag ist es wichtig, erst einmal auf dem Teppich zu bleiben, bevor man mit ihm abheben möchte.
Denn wer abgehoben ist, verliert eben häufig die Verbindung zum Boden der Tatsachen, die allerdings eben auch betrachtet werden wollen und die sich nicht einfach wegsingen lassen.

Ganzheitlich heißt für mich/für uns, dass wir betrachten, was mit sinnvollen Maßnahmen möglich ist und gemeinsam mit dem Partner/Coachee/Teilnehmer/Schüler/Auftraggeber eruieren, wie wir vorgehen können und ob es dem anderen dabei gut und besser geht.

Tut es das nicht, oder versteht das Gegenüber den Trainer/Coach/Yogi nicht, so wählt man einen anderen Ansatz, denn es ist seine Pflicht und Verantwortung, die teilnehmende Person dort abzuholen, wo wie sich befindet, nicht mitleidig zu gucken, wenn die Person Angst hat einen Kopfstand zu machen, wo man doch wissen müsste, dass Umkehrpositionen (im Yoga beispielsweise) im wahrsten Sinne des Wortes der Schlüssel zu neuen Perspektiven sind.


Donnerstag, 20. Februar 2020

Trainer oder Dienstleister?


Beides! Die Frage, die sich stellt ist, ob man trainierender Dienstleister oder dienstleistender Trainer ist?
Ein Trainer leitet an, gestaltet, hilft, übt, erklärt und ist für seine Teilnehmer/Teilnehmerinnen da, ganz gleich ob es ich hierbei um ein Business-Training im Bereich der sozialen Fähigkeiten/der Personalentwicklung handelt, oder um sportliches Training.
Insofern hat ein Trainer Kunden/Kundinnen und ist immer auch Dienstleister. Die gesunde Mischung aus Trainer und Dienstleister zu finden ist somit nicht immer einfach, aber ein Muss.

Der trainierende Dienstleister

Bei dieser Form liegt das Hauptaugenmerk auf der Dienstleistung, die fast schon zu einer devoten Haltung gegenüber Auftraggeber und Kunden/Kundinnen führen kann. Alles wird auf den Wunsch des Auftraggebers/Kunden ausgerichtet, ganz gleich ob es letztlich zielführend ist oder nicht. Hauptsache der Kunde ist zufrieden. Das scheint auf den ersten Blick nicht falsch zu sein, denn wenn der Kunde zufrieden ist, so bleibt er und dann kann auch der Trainer zufrieden sein. Solange die Wünsche des Auftraggebers/Kunden mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmen, herrscht eitel Sonnenschein.
Schwierig und herausfordernd wird es dann, wenn offenkundige oder latente Erwartungen vorherrschen, die die Sinnhaftigkeit des Trainings oder das Selbstverständnis des Trainerberufs ad absurdum führen. Personalentwicklungsabteilungen, die der Meinung sind, jahrelange Missstände können mittels eines Ein-Tages-Seminars durch den Trainer behoben werden, genaue Vorschriften für Seminare, wie viele Inhalte, Übungen, Themen mit wie vielen Personen in einen Tag gepackt werden sollen, ganz gleich ob die Zeit und die Teilnehmerzahl das zulässt. Personen, die nach 2 Wochen Training einen Adonis-Körper erwarten. Personen, die im sportlichen Training stets fremdmotiviert werden möchten und ihrerseits nicht bereit sind, sich selbst in den „Allerwertesten“ zu treten.
Es gibt Erwartungen, die kann auch der beste Trainer nicht erfüllen. Man beginnt sich zu verbiegen, bis man bricht. Man verliert Glaubwürdigkeit und Authentizität. Man beschwört einen intrapersonellen Konflikt herauf.


Der dienstleistende Trainer

Ein Trainer, der kundenorientiert arbeitet, ist offen für das, was sich die Teilnehmer und der Auftraggeber wünschen. Er hat so viel Kompetenz und kann so flexibel reagieren, dass er exakt auf das eingehen kann, was gewünscht wird. Das setzt zum einen ein breites Portfolio an Wissen, Kompetenz und Erfahrung voraus, zum anderen aber auch die Kenntnis um die eigenen Grenzen.
Ein dienstleistender Trainer verliert seine Glaubwürdigkeit nicht und handelt immer authentisch. Er lebt im Idealfall vor, was er von seinen Teilnehmern verlangt. „Practice what you preach!“
Ein dienstleistender Trainer verlässt die eigene Komfortzone, geht an den Rand des Machbaren, aber eben nie darüber hinaus.
Er behält die Teilnehmergruppe im Blick, kann seine Seminar-/Trainingsführung anpassen, ohne sich mit auswendig gelernten Inhalten auf eine Gruppe von Menschen vorbereiten zu wollen, die eigene Wünsche mitbringen und die der Trainer/Seminarleiter vor Beginn des Trainings gar nicht kennt.
Das kann unter Umständen durchaus dazu führen, dass einige Auftraggeber/ Kunden unzufrieden sind, weil sie den Trainer nicht für ihre Zwecke versklaven konnten, weil im sportlichen Training keine sinnlose Verantwortungsverschiebung stattfinden kann, langfristig ist es – das Wissen und die Kompetenz des Trainers vorausgesetzt – sicherlich der bessere Weg für alle Beteiligten.

Freitag, 14. Februar 2020

To-Do versus DONE!



Es gibt solche Tage: Die To-Do-Liste scheint nicht kürzer zu werden, im Training klappt auch nichts, was man sich vorgenommen hat. Prädestiniert für schlechte Laune und das Gefühl nichts geschafft zu haben. Vieles was wir tun, erscheint uns selbstverständlich, nebensächlich, nicht erwähnenswert. Es kommt immer darauf an, ob man auch die „andere Seite“ betrachtet.

Im Hintergrundbild sieht man ein scheinbares Tohuwabohu an Notizen und Strichen.
Auf der linken Seite stehen die Dinge, die man sich vorgenommen hat, auf der rechten Seite, die Dinge, die ungeplant dazukamen, die man aber (trotzdem) auch noch erledigt hat.

Nicht alle Punkte auf der „Soll-Seite“ kann man immer dann abhaken, wenn man es möchte oder es sich vorgenommen hat. Das ist im Training so, dieser Umstand begleitet uns aber auch im Berufsleben und im Alltag. Legt man den Fokus beständig auf das, was man nicht geschafft hat, so stellt sich häufig Frust und ein Gefühl der Unzulänglichkeit ein. Vollkommen zu Unrecht, wenn man sich angewöhnt, auch die Dinge zu notieren, die scheinbar „nebenher“ laufen.

Ein Tipp für sinnvolles Zeitmanagement besagt, man solle nur ca. 40% des Tages verplanen, der Rest würde sich von alleine füllen. Das kennt man. Es stimmt. So lange man den Fokus aber nicht auf die ungeplanten Dinge legt, die man (trotzdem) erledigt hat, stimmen einen 40% selten zufrieden, schlimmer wird es noch, wenn man vermeintlich nicht mal 40% geschafft hat.

Gewöhnt man sich an, den Fokus auf die übrigen, ungeplanten 60% zu legen, stellt man fest, dass unterm Strich kein Tag unproduktiv war und kein Training umsonst.
Man hat zwar vielleicht nicht exakt das geschafft, was man sich vorgenommen hat, aber man war trotzdem tätig.
Die angestrebten 40 Liegestütze haben nicht geklappt, die Figur im Hoop oder in der Pole wollte nicht funktionieren, weil es eben kein Flexi-Tag war, das Skript/ die Präsentation ist noch nicht ganz fertig geworden? Mag sein.
Aber zählen 35 Liegestütze dann gar nicht? Haben wir unseren Körper nicht trainiert, bei den Versuchen, den Trick/ die Figur zu meistern? Die Präsentation ist eventuell deswegen nicht fertig geworden, weil ein anderes, ungeplantes Thema unsere Aufmerksamkeit forderte. Wir können despektierlich die eigenen mangelhaften Leistungen betrachten, oder den Fokus auf das legen, was wir stattdessen erledigt haben oder erledigen mussten und unsere Flexibilität und Durchhaltevermögen erforderten.

Es lohnt sich, auch die scheinbaren Selbstverständlichkeiten zu schätzen! Im Sport wie im Beruf.

Freitag, 7. Februar 2020

Reifung, Geduld und Wahnsinn




Unter „Reifung“ versteht man in der Biologie und in der Entwicklungspsychologie Verhaltensweisen, die man nicht erlernen muss, sondern die sich aufgrund genetischer Entwicklung einfach ergeben. Reifung stellt sich ein und ist von äußeren Einflüssen weitgehend unabhängig.
Geduld wird definiert als ein ruhiges und beherrschtes Ertragen von etwas Unangenehmen bzw. Langwierigen.
Wahnsinn ist die beständige Wiederholung gleicher Verhaltensweisen in der Erwartung eines neuen und anderen Ergebnisses.
Und Training? Welche Rolle spielt Training in all diesen Prozessen und Verhaltensweisen?
Werfen wir einen Blick darauf

Reifung umgekehrt
Es gibt Ansätze, die Reifung quasi umgekehrt betrachten: Obwohl die körperlichen Fähigkeiten und Anlagen schon längst vorhanden sind (Kraft, Flexibilität, Kompetenzen, erlernte Fähigkeiten), werden diese nicht genutzt, weil sie noch nicht genutzt werden können. Der Kopf könnte damit noch nicht umgehen, die Reifung im Hirn ist für ein souveränes Anwenden der Fähigkeiten noch nicht ausreichend fortgeschritten.
Das kennen wir: Obwohl wir eine Prüfung bestanden haben, die uns bescheinigt, dass wir über eine gewisse Fähigkeit verfügen, können wir diese (noch) nicht einsetzen. Obwohl wir eine Bescheinigung haben, die uns als kompetent erklärt, fühlen wir es noch nicht.
Im sportlichen Training geht ein Trainer darauf ein: Selbst wenn er in der Hilfestellung merkt, dass eine Person keine Fremdunterstützung mehr braucht, bleibt er da, vermittelt Sicherheit. Das Back-up im Hintergrund und der Plan B können auch bei der Nutzung geistiger Fähigkeiten helfen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen zu lassen, bis es so groß ist, dass Fähigkeiten und Denken übereinstimmen und reif zur Ernte sind.

Geduld
Kein Mensch ist von Haus aus geduldig, denn wer erträgt schon gerne etwas Unangenehmes, was zudem auch noch lange andauert? Jemandem also Ungeduld vorzuwerfen, bringt rein gar nichts. Ungeduld ist ein Gefühl, welches sich nicht verflüchtigt, nur weil eine andere Person sagt, dass das Gefühl unvernünftig wäre. Will man gemeinsam hier arbeiten, so sollte man nicht bei der Geduld ansetzen, sondern beim Gefühl des „Ertragens von etwas Unangenehmen“. Wer Training zur Erlangung einer gewünschten Fähigkeit (ob im Sport oder im Business) als Qual empfindet, den wird die Ungeduld immer einholen. Bis zu einem gewissen Teil kann der Trainer/Lehrer/Vorgesetzte die „Qualen lindern“. Motivation, Bestärkung, Mut machen, auf (kleine) Teilerfolge hinweisen, bessere Erklärungen geben, auf dem Weg zur Reifung zur Seite stehen und den Weg als Ziel betrachten. Sind die gefühlten Qualen beim anderen dennoch so groß, dass die Ungeduld Oberhand behält, so verlaufen die Bemühungen eines Mentors/Trainers im Sand.

Wahnsinn
Jedes Training ist Wahnsinn, denn gefühlt machen wir immer das Gleiche und erwarten andere Ergebnisse. Wie wir eine Sache neu/anders angehen sollen, ist uns gesagt worden. Wir haben es auch verstanden. Und dann setzen wir es um und es funktioniert nicht. Sehr demotivierend. Tatsächlich setzen wir es eben noch nicht genau so um, wie es uns gesagt wurde, auch wenn wir das meinen.
Also versuchen wir es wieder. Und wieder. Und wieder.
Und irgendwann klappt es dann.
Was ich im sportlichen Training häufig erlebe ist das Unverständnis, wie es so lange hat dauern können, bis man es endlich kann? Denn wenn es dann (auf einmal) klappt, stellen sich viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Frage, was jetzt anders gewesen sein sollte als die gefühlten 9999-mal vorher? Dazu kommt das plötzlich aufploppende Gefühl, dass es jetzt ganz leicht war.

10000 Mal
Ein Körper muss eine Bewegung ca. 10000-mal ausführen, bevor sie instinktiv wird. Es ist also ganz normal, dass einem der Weg dorthin lang erscheint und man das Gefühl hat, wahnsinnig zu werden.
Hat man sich dann eine neue Verhaltensweise/ eine neue Fähigkeit im wahrsten Sinne des Wortes angeeignet, so erscheint sie auf einmal leicht und selbstverständlich. Jetzt ist man reif dafür, diese Fähigkeit souverän und authentisch zu nutzen.
Ohne den langen Weg funktioniert es nicht. Es gibt leider keine Abkürzung.

Freitag, 31. Januar 2020

Grenzen setzen



Wir kennen das Problem. Ein „Nein“ wirkt selten freundlich, eine Weigerung mit- oder weiterzugehen, könnte als Ablehnung empfunden werden und manchmal setzen wir uns selbst unter Druck mit dem Denken „ein bisschen mehr muss sein, ein bisschen mehr geht schon noch.“ Mit den (geistigen) Grenzen, der Abgrenzung und der Verweigerung ist es wie mit vielen Dingen: Sie können uns schützen, sie können uns hemmen.

Freundlichkeit und Service
Im Berufsalltag werden Freundlichkeit und Service großgeschrieben. Im Dienstleistungsbereich sogar erwartet. Im Seminarbereich lautet ein Ratschlag, die teilnehmende Person dort abzuholen, wo sie sich befindet. Man geht auf die Personen zu, man richtet sich nach ihnen (aus), man offeriert mehr als 2 Möglichkeiten und das ist gut so.

Die wichtige Frage, die bei diesen Punkten nicht unbeantwortet bleiben sollte, ist, wie es uns selbst dabei geht? Je mehr man bei einem Zugeständnis das Gefühl bekommt, an die Wand gedrückt oder ausgenutzt zu werden, umso wichtiger ist es, rechtzeitig Grenzen zu setzen.

Überfreundlichkeit und Übertraining
Zu viel an Service, zu viel, was man gibt, ohne etwas zurückzubekommen und auch ein Übermaß an Training schaden mehr, als sie nutzen. Dabei ist es meist gut gemeint: „Wenn ich noch ein bisschen schneller antworte, wenn ich den Termin das 5. mal verschiebe, wenn ich meinen eigenen Tagesplan komplett über den Haufen werfe, wenn ich statt 3 mal pro Woche 5 mal trainiere, wenn ich trotz merkbarer Warnzeichen weitermache, dann muss es doch (endlich) gut oder wenigstens besser werden.“

Die gesunde Mischung
Ein Kompromiss ist nur dann gut, wenn er beiden Seiten weh tut, Serviceleistungen sind nur dann zu forcieren, wenn alle Beteiligten (auch die dienstleistende Person) daran Freude haben und „Zähne zusammenbeißen“ im Training ist nur dann sinnvoll, wenn die Warnzeichen, die der Körper und der Kopf gegeben haben, noch nicht überlaut waren.

Warnzeichen
Das oben beschriebene Gefühl, in der eigenen Freiheit mehr und mehr eingeschränkt zu werden, oder aber auch nur dann als „nett“ empfunden zu werden, wenn man sich konsequent nur nach den anderen richtet, ist für sich bereits ein Warnzeichen.
Kraftreserven, die selbst bei richtiger und unterstützender Atmung, nicht mehr mobilisiert werden können, ein Gefühl der absoluten Leere sind Warnzeichen, die uns beim körperlichen Training darauf hinweisen können, dass eine Pause besser ist als eine weitere Wiederholung.

Die Krux
Der Körper meldet sich meist (zu) früh, der Kopf meist (zu) spät. Training ist mehr als ein einfaches Wiederholen gut zu meisternder Herausforderungen. Es bringt uns jedes Mal an die Grenzen (an (!!!) die Grenzen, nicht darüber hinaus). Der Körper meckert erfahrungsgemäß früh: „Wie? Nee, das geht nicht. Aua, das tut weh! Ui, da muss ich ja schnaufen. PAUSE!“
Dazu kommt dann manchmal noch der Kopf, der einem den Spaß an der Sache verdirbt, weil man etwas (noch) nicht kann. Und ganz schnell ruft die Couch und die guten Vorsätze sind dahin, weil es eben nicht reicht, sich EINMAL in den Hintern zu treten, sondern weil man permanent mit dem inneren Schweinehund im Gespräch bleiben muss, er will ständig aufs Neue überzeugt werden.

Missempfindungen
Beim Kopf ist das ein wenig anders. Man lächelt, obwohl einem nicht danach zumute ist. Man reduziert einen Preis, man geht auf die Wünsche anderer ein. Warum eigentlich? Weil es eben (zunächst) nicht mit direkten körperlichen Schmerzen verbunden ist, die uns mahnen, dass es weh tut. Je länger man das über das eigene Wohlfühlmaß hinaus praktiziert, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass das dumpfe Missempfinden des Geistes sich einen körperlichen Ausdruck sucht (Tinnitus, Hautprobleme, Abwehrschwäche). Kopf und Körper lassen sich eben nicht trennen. Ganzheitlich ist das Zauberwort. Im Sport, im Training, aber auch im Umgang mit anderen Menschen. Wie sieht das Endergebnis aus? Bin ich stolz auf mich, wenn ich eine weitere Wiederholung geschafft habe, weil ich meinen Körper durch das Training des eigenen Körpergefühls kennengelernt habe und beständig mit ihm verhandle oder riskiere ich Verletzungen? Diese Frage lässt sich nahezu 1 zu 1 auf die geistige Ebene übertragen: Bin ich froh, auf die Wünsche anderer eingegangen zu sein, weil es mich mit einem guten Gefühl zurücklässt, mir selbst also auch Freude bereitet hat oder fühle ich mich dann nur leer und ausgelaugt und weiß nicht, wie ich die verbrauchten Ressourcen wieder auffüllen soll?

Grenzen überschreiten ist ebenso wichtig wie Grenzen setzen. Dafür muss man sie kennen.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Wertschätzende Kommunikation

So lautet eines der Themen, welches wir in unserem Seminarportfolio haben. Obwohl ich persönlich finde, dass das Wort „Wertschätzung“ im Moment ebenso inflationär und manchmal sogar unüberlegt benutzt wird wie noch vor einigen Jahren das Wort „Authentizität“ oder natürlich auch „Nachhaltigkeit“, so entbehren alle Begriffe und die Füllung dieser mit Leben nicht der Wichtig- und Notwendigkeit. Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Authentizität gelten im „Business“ als weiche Erfolgsfaktoren, genauso können wir sie aber auch im Sporttraining als Mosaiksteinchen für den Erfolg betrachten.
Doch was ist Wertschätzung und wo beginnt sie?

Wertschätzung sollte nicht einseitig sein
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (m/w/d), Kunden und Kundinnen (m/w/d) und teilnehmende Personen an Sportkursen erwarten (zu Recht) Wertschätzung von ihren Vorgesetzten und Trainern (m/w/d). Im ersten Fall, weil sich das so gehört, weil man Leistungsträger im Unternehmen ist, weil es die Unternehmensphilosophie ist, oder Ähnliches.
Im zweiten Fall, weil man „Kunde/Kundin“ ist und manchmal auch der Meinung ist, für ein gewisses Maß an Wertschätzung ja auch zu „zahlen“.
Gegen beide Erwartungshaltungen ist rein gar nichts einzuwenden.

Wertschätzung sollte allerdings nie einseitig sein. Doch wie bringt man seinem Chef/ seiner Chefin Wertschätzung entgegen? Darf man das überhaupt, oder wäre das fehl am Platze, eben weil man sich in der Firmenhierarchie als niedriger gestellt empfindet?
Man kann sich doch nicht einfach mal so bei der hierarchisch höher gestellten Person „bedanken“ oder ihr/ihm ein gutes Feedback geben? Vielleicht empfindet man das als Überschreitung der eigenen Kompetenzen? Das muss nicht sein. Auch ein Chef/ Trainer freut sich über Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Auch er/sie benötigt Zuspruch!

Wertschätzung benötigt Zeit
Wertschätzung kann aus vielen kleinen Punkten persönlicher Aufmerksamkeit bestehen, die in der Summe auch nicht zu vernachlässigen sind, oder aber, weil man sich einmal „länger“ Zeit für eine Person nimmt. Wertschätzung lässt sich allerdings nicht im Handumdrehen erledigen. Im Sport können es kleine Rituale sein, die die teilnehmenden Personen immer wissen lassen, dass sie wertvolle Zeitgenossen sind. Im Yoga finde ich es beispielsweise besonders schön, das Ende einer Kurseinheit mit einem Dank an sich, an den eigenen Körper und an alle im Raum anwesenden Personen abzuschließen. Auch die Frage nach dem Befinden der TN zu Beginn der Kurse hat mehr als nur einen haftungstechnischen Hintergrund.

Wertschätzung benötigt Nähe
Wertschätzung kann man nicht mal eben schnell über den Flur brüllen. So nebenbei und im Vorbeigehen. Man muss sich der Person zuwenden, für sie da sein. Das ist in den Sportkursen manchmal leichter als im Business. Wenn ein Trainer/ eine Trainerin sichert, korrigiert, hilft, dann stellt er/sie Nähe her. Wird die Hilfestellung noch souverän und höflich eingeleitet, weil man die trainierende Person darauf vorbereitet, dass sie nun angefasst wird, legt man eine ruhige Stimme an den Tag, so kann das nicht nur ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, sondern auch ein Akt der Wertschätzung sein.

Empfindungen
Klingt alles einfach? Ist es im Alltag oftmals nicht. Mangelnde Wertschätzung ist zum einen Empfindungssache und zum anderen oftmals überhaupt keine böse Absicht, wie die Vorkommnisse in einem der letzten Business-Seminare zeigten. Obwohl die Deadline einer Gruppenarbeit vorher besprochen wurde, passierte Folgendes: Eine der Gruppen befand sich noch im Gespräch. Die Seminarleitung reagierte darauf, dass hier wohl noch etwas Zeit benötigt werden würde und kommunizierte dies. Verständlich. Den TN zugewandt. Präsent. 3 der 5 Personen hörten die Seminarleitung auch, blickten sie an und wendeten sich dann wieder der Gruppe zu.
Nach weiteren 5 Minuten erhob die Seminarleitung wieder die Stimme. Das Procedere wiederholte sich. Als man es dann gemeinsam doch schaffte, sich wieder aufeinander im Ganzen einzulassen, analysierte man, was hier passiert war.
Sicherlich könnte man Verhaltensweisen wie „sich nicht an Zeitpläne halten“, „Ignorieren“, „keine Rückmeldung geben“, „Nebenstellendiskussionen eröffnen“ und „andere von der Kommunikation ausschließen“ – als Elemente mangelnder Wertschätzung betiteln, das war allerdings keine Absicht und hier war bestimmt auch kein Vorsatz zu sehen. Es ist einfach passiert.

Gefühl bleibt wichtig
Wertschätzung liegt also auch immer im Auge des Betrachters. Auch im Sport.
Nicht jede Kritik ist mangelnde Wertschätzung, nicht jedes Lob tatsächliche Wertschätzung.
Hier kommt die oben zitierte Authentizität wieder zum Tragen: Man muss das Gefühl haben, dass es echt ist. Aber wie bitte bemisst man ein Gefühl?
Und so sehen wir, dass wir Gefühle eben niemals ganz ausklammern können – weder beim Sport, noch im Business.

Dienstag, 14. Januar 2020

Zweierlei Maß – Handwerk und Kunst


Kreative Arbeit und künstlerische schaffende Tätigkeiten bringen Ergebnisse hervor. Dabei ist es unerheblich, ob es flüchtige Ergebnisse der darstellenden Kunst sind (Tanz, Theater als eine Art der Kunst, die ein Publikum erfordert und für den Moment dauert in welchem jemand zusieht) oder überdauernde Werke der bildenden Kunst. Auch das Handwerk bringt Ergebnisse hervor, deren Dauer unterschiedlich ist (Brot, ein Dachstuhl, Kleidung etc.).
Kunst kann Handwerk sein und Handwerk Kunst. Die Übergänge sind fließend und für unser ästhetisches Empfinden ist es erfüllend, wenn das Handwerk künstlerischen Ansprüchen genügt, oder Kunst mit handwerklicher Kompetenz hergestellt wurde.
Für die Bewertung des Entstehungsprozesses ist dies allerdings manchmal gar nicht so unerheblich. Sieht man sich als Handwerker (m/w/d) oder als Künstler (m/w/d) und wie sieht einen die Gesellschaft?

Die Geschichte um den Entstehungsprozess des Werkes

Würde ein Handwerker, der die tägliche Leistung als Ergebnis seines handwerklichen Könnens ansieht, die gleichen Maßstäbe an den Tag legen wie es mancher Künstler tut, so wäre der Betrachter oder Leistungsempfänger (m/w/d) überrascht oder unzufrieden.

Umgekehrt sind wir vielleicht auch irritiert, wenn ein Künstler seine Tätigkeit mit handwerklichen Maßstäben misst.

Ein Autor (m/w/d), der über Schreibblockaden klagt, der mit vielen Worten darstellt, wie schwer ihm oder ihr das Schreiben fällt, der darüber klagt, dass er oder sie nie die richtigen Worte findet, dass er oder sie schon 100 mal von vorne angefangen hat, genießt unter Umständen Anerkennung. Eventuell schätzen wir das Ergebnis danach sogar als wertvoller ein. Ebenso kann man dieses Beispiel auf die Entstehung eines Bildes, einer Statue, einer Tanzchoreographie oder Ähnlichem anwenden.

Würde uns ein Handwerker das Gleiche erzählen, so würden wir an seinem Können zweifeln. Ein Bäcker, der 100 Brote backen muss, damit ein Genießbares dabei herauskommt und mit diesen zahlreichen misslungenen Versuchen auch noch hausieren gehen würde, würde wohl eher in Ungnade fallen.
Ebenso würde es wohl einem Schreiner oder Gärtner oder einem ähnlichen Berufszweig des Handwerks gehen.

Meister oder Künstler

Als die Meisterpflicht in einigen Handwerkszweigen für die Eröffnung eines Geschäfts aufgehoben wurde, wurde die Vermischung der gedanklichen Wertschätzung von Kunst bzw. Handwerk offensichtlich. Ist ein Foto Kunst oder Handwerk? Zahle ich für Kunst oder Handwerk?

Zugeschriebene Rollenkompetenz wirkt identitätsstiftend. Wenn mir eine Person das zutraut, was ich tue, dann stärkt das meine Persönlichkeit. Kann ich diesen Zuspruch erwarten, wenn ich mich selbst Autor/ Trainer/ Manager/ Tänzer/ Blogger/ Influencer nenne? Ist es mein Beruf eher ein Handwerk, wenn ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen will oder muss oder ist es eher Kunst?

Selbstverständnis unserer Tätigkeiten

Sieht es die ausübende Person eher als Handwerk, so wird sie sich hüten mit tausenden von misslungenen Versuchen hausieren zu gehen (obwohl diese natürlich auch existent sind – im Handwerk nennt man es wohl Lehrzeit, wobei diese nicht auf ein bestimmtes Lebensalter beschränkt ist), sieht sich die Person als Künstler, so kann man mit diesen „Schaffenskrisen“ das letztendliche Ergebnis im Auge der Betrachter sogar aufwerten.

Was erwarten wir von unserem Gegenüber? Sehen wir in ihm oder ihr einen Künstler und erkennen auch Fehlversuche an, oder ist es das Handwerk, von dem wir meisterliche Ergebnisse erwarten?

Donnerstag, 9. Januar 2020

Wissen, Glauben und Beweise


Im Winter werden die Tage kürzer und nach der Wintersonnenwende wieder länger. Wissen wir alle. Haben wir alle schon erlebt. Ist erforscht. Ist bewiesen. Wiederholt sich jedes Jahr.
Wissen und Erleben sind zweierlei paar Stiefel. Wissen und Glauben noch mal ein anderes Paar Schuhe.

Manchmal kann man Zuspruch erleben und zweifelt dennoch. In solchen Momenten ist Glauben notwendig. Atheisten, Nihilisten oder wie sich die Menschen, die von sich behaupten an „gar nichts“ zu glauben, auch immer selbst betiteln mögen, mögen das Beispiel der längeren und kürzeren Tage als Argument für die Abwertung und Negierung von Glauben sehen, denn man muss nicht daran glauben, dass die Tage nach der Wintersonnenwende wieder länger werden, damit es passiert, es passiert einfach.

Gleichzeitig proklamiert man die Notwendigkeit von Selbstvertrauen als Glauben in die eigenen Fähigkeiten und wenn es nur die Fähigkeiten zur Weiterentwicklung sind. Auch Selbstvertrauen ist eine Art von Glauben. Es wird geboren aus dem Nichts, es entwickelt sich, es wird genährt und gestärkt, manchmal strapaziert oder gar zerstört. Auch dann ist es wichtig, sich zunächst auf das zu berufen, was man schon selbst erlebt hat. Jede Person ist schon durch schwere Zeiten gegangen, jeder empfindet dabei schwere Zeiten subjektiv. Eine objektive Aufstellung, was als „schwer“ zu betiteln ist, was eine Herausforderung und Strapaze für den einen oder die andere darstellt, kann man sich sparen.

Zuspruch, Glauben und Vertrauen ohne Argumente und Anhaltspunkte ist ein bisschen substanzlos. Einen Menschen zu trösten ohne Argumente, ohne ihm oder ihr vorzuhalten, was er oder sie schon geschafft hat, ist schwer. Wir halten fest an Erfahrungen, an Wissen. Wir versuchen Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln, was manchmal in einer Art Aberglaube endet.

Glaube funktioniert ohne Beweise, ohne Wissen, ohne Erfahrung, auf die man sich berufen kann und dann wird es schwer. Was wir nicht sehen können, was uns eventuell nur erzählt wird, das lehnen wir gerne ab. Verständlich.
Allerdings manchmal ebenso unsinnig. Ich selbst habe noch nie den Nordpol gesehen. Man erzählt mir, dass es ihn gibt, ich habe Bilder gesehen, er ist auf den Weltkarten eingezeichnet, aber ich selbst habe ihn noch nie gesehen (ebenso wenig wie Amerika, Kanada, Asien etc. etc. etc.). Ist es nun Glauben oder Wissen, wenn ich die Existenz dieser Länder nicht negiere?

Für die Personalentwicklung, die Teamzusammensetzung und auch die Erfolge im Sport, das Erreichen von Zielen etc. ist Glauben notwendig. Je mehr wir diesen Glauben als Trainer argumentativ stützen können, je genauer der Fahrplan ist, den wir offerieren, umso eher sind wir alle gewillt zu glauben, aber ohne Glaube wird es definitiv nicht funktionieren.

Freitag, 3. Januar 2020

Männergrippe, Trainergrippe und Freizeit


Über die sprichwörtliche Männergrippe kann man Vieles lesen, hören, sich über Vieles amüsieren und die geplagten Männer auch immer wieder aufziehen. Ob das nur lustig ist oder in gewisser Weise mobbend diskriminierend, muss jede Person für sich selbst entscheiden.
Fakt ist, dass man mit gut gemeinten Ratschlägen wie „Hab‘ dich nicht so!“ nicht wirklich weiterkommt, denn jeder empfindet Belastungen eben anders.

Absolut faszinierend sind die Urlaubskrankheiten oder die Selbständigen-Grippe. So lange es sich tatsächlich „nur“ um eine böse Erkältung oder sonstige Beeinträchtigungen handelt, die zwar ihren Tribut fordern, aber heilen, darf man hier sogar dankbar sein.

Ab Herbst, so ungefähr zur Wiesenzeit fängt es an: Die häufigsten Worte, die man als Trainer/ Trainerin in die diversen WA-Gruppen der Kurse schreibt, sind: „Gute Besserung!“
Kein Mensch sucht sich eine Erkältung, Krankheit, Magen-Darm-Grippe, Kreislaufbeschwerden, Regelschmerzen oder Sonstiges freiwillig aus. Natürlich ist es uns allen lieber, es geht uns gut und wir können unseren Tagesplan so verfolgen, wie wir uns das in den Kopf gesetzt haben. Aber irgendwann geht es eben nicht mehr und auch das beste Immunsystem gibt auf.

„Warum wirst Du nicht krank?“ – fragte mich eine Teilnehmerin im Spätherbst. „Weil ich nicht kann!“
Das funktioniert seit ca. 20 Jahren ganz gut. Solange ich Kurse habe, Seminare zu geben, Coachings zu absolvieren etc., funktioniere ich. Spätestens am 24.12. ist dann Schluss. Jetzt weiß mein Körper, dass die nächsten (mindestens) 3 Tage „nichts“ ansteht. Also zumindest nichts Geschäftliches. Schleusen auf.
Ärgerlich? Klar! Nervig? Auch das. Muss das denn sein? Ja!

Nein, es macht keinen Spaß, wenn der Körper sich alles aufspart, um dann mit geballter Kraft dem Kopf zu sagen: „So, jetzt ist Schluss!“ – Aber es ist doch auch sehr faszinierend. Wir haben die Kraft uns selbst zu beeinflussen. Wir können in uns selbst wirklich gute Teamarbeit an den Tag legen: Nicht jeder macht immer alles zu gleichen Teilen, aber am Ende arbeitet man zusammen und jeder darf auch mal im Vordergrund stehen.

Und insofern dürfen wir auch für die „Auszeiten“, die wir uns nicht selbst nehmen, die wir nicht planen und die NIE ins Konzept passen, dankbar sein. An dieser Stelle möchte ich nochmals verdeutlichen, dass ich hier von Erkältungen, kleineren Wehwehchen und Beeinträchtigungen spreche, von denen wir wissen, dass sie uns ganz schön aus dem Konzept werfen, dass sie uns ganz schön fertig machen, dass sie ganz schön belastend sind und wir uns höchstens wie ein verprügelter halber Mensch fühlen, von denen wir aber wissen, sie gehen vorbei und das in absehbarer Zeit.