Donnerstag, 27. Februar 2020

Integral, Integration, Ganzheitlichkeit und noch ein paar Schlagwörter mehr

Vor einigen Tagen wurde ich durch Zufall mit der „integralen Theorie“ konfrontiert. Googlen. Aha! Ganzheitlicher Ansatz. Klingt gut. Nur so kann es gehen. Noch bin ich d’accord. Ja, das Innen und Außen zu betrachten (Gefühle des Menschen und Erwartungen der Umwelt), ist sicherlich sinnvoll. Ja, man kann den Menschen nicht getrennt von den Organisationen sehen, so wie man die Psychologie nicht von der Soziologie trennen kann. Letzteres hat mich im Studium schon immer genervt. Die Soziologen verfochten den Ansatz, alles sei durch die Gesellschaft bedingt, die Psychologen wiederum meinten, alles würde vom Individuum ausgehen. Eigene Gedanken, die sinngemäß folgendermaßen aussahen: „ Der Mensch mit seinem Denken, Fühlen und wollen IST ein Teil der Gesellschaft, die Gesellschaft wirkt ihrerseits auf das Denken, Fühlen und Wollen des Einzelnen ein.“ – wurden meist nur mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert. Mein Verstand setzte aus oder war wohl nicht für Höheres geschaffen.

Ganzheitlichkeit

Auch unser Claim lautet „ganzheitliches Training für ganzheitlichen Erfolg“. Hinter diesem Satz steckt die Verbindung von Sport (CrazySports Augsburg) und den beratenden Trainertätigkeiten (Rebel-Management-Training).

Die Erfahrungen von über 20 Jahren zeigen, dass der Kopf eben nicht getrennt vom Köper agiert und dass man die Dinge ganzheitlich betrachten und angehen sollte. Das war aber noch nie etwas bahnbrechend Neues für mich, sondern eher eine Selbstverständlichkeit.

Erlebnispädagogik, körperorientiertes Coaching, Psychosomatik, Hormone und Gefühle, Stress und Stresserleben, sportliches Training und Überwindung geistig gesetzter Grenzen (Angst zu Fallen, Angst vor Verletzungen) – all diese doch eher handfesten Bausteine sind für mich einem ganzheitlichen Ansatz zugehörig.
Wenn man einen Menschen verstehen möchte, so kann man ihn nicht nur in Zahlen zerlegen, sondern muss sich eben auch in seine (Gefühls)-Lage versetzen. Soweit so gut.
Das hat noch nichts besonders Spirituelles an sich - finde ich zumindest.


Spiritualität

Jetzt kommen wir zu einem Reizwort. Ja, ich bin ein gläubiger Mensch und ich glaube daran, dass wir mit unseren bisherigen Verstandes-Möglichkeiten noch lange nicht alles erfasst haben und es auch wohl nie erfassen werden können. Fakt. Für mich.

Das Wissen/der Glaube daran, dass es etwas Unbegreifliches, etwas Unvorstellbares, etwas „Übernatürliches“ gibt, macht einen Menschen noch nicht zum Spinner.
Das Wort „übernatürlich“ an sich ist meines Erachtens Ausdruck einer gewissen menschlichen Überheblichkeit, denn wer bestimmt denn, was natürlich ist und was nicht?
Normal bedeutet ja auch nur: „Der Norm entsprechend“ und Normen werden eben häufig von Menschen erstellt. Insofern bin ich mir ziemlich sicher, dass es Menschen gibt, die Zugang zu „höheren Sphären“ haben, oder wie sie es auch immer nennen mögen.

Wenn Spiritualität allerdings dazu führt, dass man die „anderen“, die armen Seelen, die auf ihrem beschränkten Weg zur spirituellen Reife noch keinen Schritt weitergekommen sind oder die diesen noch nicht einmal gehen wollen, mitleidig betrachtet und es diese Personen auf welche Art auch immer spüren lässt, dann reagiere ich gereizt.

Das ist gelebte Überheblichkeit, die den Wunsch nach ganzheitlichem Agieren ad absurdum führt. Es muss niemand bemitleidet werden, der (noch) keine Erleuchtung gefunden hat oder nicht in der Lage ist Engel, Feen, Elfen oder Einhörner zu sehen. So wie man niemandem bemitleiden muss, der noch nicht alle Länder bereist hat, die eine andere Person vielleicht schon bereisen konnte.

Genau dieses Verhalten lässt sich allerdings nicht selten beobachten: Trägt man in manchen Yoga-Workshops nicht die gleiche Kleidung wie andere, hat keine 5 Buddha-Bändchen an jedem Handgelenk und will auch nicht jedem gleich Liebe schenken, so ist man eine arme Wursthaut. Traurig. Bemitleidenswert. Von Erleuchtung weit entfernt.

Steht man Motivationsgurus kritisch gegenüber, weil man die heilsbringenden Sätze „Glaube an Dich und du kannst alles schaffen.“ – eben als netten Spruch ohne Inhalt betrachtet, der den zuhörenden Personen keine Handlungsmöglichkeiten aufzeigt oder sie lehrt, wie diese technisch zu nutzen sind, so ist man ein enfant terrible, ein nicht ganz so gern gesehener Gast.

Immer dann, wenn proklamierte Ganzheitlichkeit dazu führt, die Menschen, die (noch) nicht ganz so ganzheitlich agieren können, zu bemitleiden, sie abzulehnen, sich ihnen gegenüber in irgendeiner Weise herablassend zu verhalten, dann zeigt dies, wes Geistes Kind die Anhänger sind.

Was wäre denn ein Trainer/ein Lehrer/ein Coach, wenn er oder sie seinen Coachee/Schüler abschätzig betrachten würde, weil er/sie noch nicht da ist, wo man selbst schon ist?
Eltern betrachten ihre Kinder doch auch nicht abfällig, weil diese noch nicht mal alleine aufs Klo gehen können.

Ganzheitlich ja, vernünftig auch

Der fliegende Teppich ist eine tolle Vorstellung, aber für den zu bewältigenden Alltag ist es wichtig, erst einmal auf dem Teppich zu bleiben, bevor man mit ihm abheben möchte.
Denn wer abgehoben ist, verliert eben häufig die Verbindung zum Boden der Tatsachen, die allerdings eben auch betrachtet werden wollen und die sich nicht einfach wegsingen lassen.

Ganzheitlich heißt für mich/für uns, dass wir betrachten, was mit sinnvollen Maßnahmen möglich ist und gemeinsam mit dem Partner/Coachee/Teilnehmer/Schüler/Auftraggeber eruieren, wie wir vorgehen können und ob es dem anderen dabei gut und besser geht.

Tut es das nicht, oder versteht das Gegenüber den Trainer/Coach/Yogi nicht, so wählt man einen anderen Ansatz, denn es ist seine Pflicht und Verantwortung, die teilnehmende Person dort abzuholen, wo wie sich befindet, nicht mitleidig zu gucken, wenn die Person Angst hat einen Kopfstand zu machen, wo man doch wissen müsste, dass Umkehrpositionen (im Yoga beispielsweise) im wahrsten Sinne des Wortes der Schlüssel zu neuen Perspektiven sind.


Donnerstag, 20. Februar 2020

Trainer oder Dienstleister?


Beides! Die Frage, die sich stellt ist, ob man trainierender Dienstleister oder dienstleistender Trainer ist?
Ein Trainer leitet an, gestaltet, hilft, übt, erklärt und ist für seine Teilnehmer/Teilnehmerinnen da, ganz gleich ob es ich hierbei um ein Business-Training im Bereich der sozialen Fähigkeiten/der Personalentwicklung handelt, oder um sportliches Training.
Insofern hat ein Trainer Kunden/Kundinnen und ist immer auch Dienstleister. Die gesunde Mischung aus Trainer und Dienstleister zu finden ist somit nicht immer einfach, aber ein Muss.

Der trainierende Dienstleister

Bei dieser Form liegt das Hauptaugenmerk auf der Dienstleistung, die fast schon zu einer devoten Haltung gegenüber Auftraggeber und Kunden/Kundinnen führen kann. Alles wird auf den Wunsch des Auftraggebers/Kunden ausgerichtet, ganz gleich ob es letztlich zielführend ist oder nicht. Hauptsache der Kunde ist zufrieden. Das scheint auf den ersten Blick nicht falsch zu sein, denn wenn der Kunde zufrieden ist, so bleibt er und dann kann auch der Trainer zufrieden sein. Solange die Wünsche des Auftraggebers/Kunden mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmen, herrscht eitel Sonnenschein.
Schwierig und herausfordernd wird es dann, wenn offenkundige oder latente Erwartungen vorherrschen, die die Sinnhaftigkeit des Trainings oder das Selbstverständnis des Trainerberufs ad absurdum führen. Personalentwicklungsabteilungen, die der Meinung sind, jahrelange Missstände können mittels eines Ein-Tages-Seminars durch den Trainer behoben werden, genaue Vorschriften für Seminare, wie viele Inhalte, Übungen, Themen mit wie vielen Personen in einen Tag gepackt werden sollen, ganz gleich ob die Zeit und die Teilnehmerzahl das zulässt. Personen, die nach 2 Wochen Training einen Adonis-Körper erwarten. Personen, die im sportlichen Training stets fremdmotiviert werden möchten und ihrerseits nicht bereit sind, sich selbst in den „Allerwertesten“ zu treten.
Es gibt Erwartungen, die kann auch der beste Trainer nicht erfüllen. Man beginnt sich zu verbiegen, bis man bricht. Man verliert Glaubwürdigkeit und Authentizität. Man beschwört einen intrapersonellen Konflikt herauf.


Der dienstleistende Trainer

Ein Trainer, der kundenorientiert arbeitet, ist offen für das, was sich die Teilnehmer und der Auftraggeber wünschen. Er hat so viel Kompetenz und kann so flexibel reagieren, dass er exakt auf das eingehen kann, was gewünscht wird. Das setzt zum einen ein breites Portfolio an Wissen, Kompetenz und Erfahrung voraus, zum anderen aber auch die Kenntnis um die eigenen Grenzen.
Ein dienstleistender Trainer verliert seine Glaubwürdigkeit nicht und handelt immer authentisch. Er lebt im Idealfall vor, was er von seinen Teilnehmern verlangt. „Practice what you preach!“
Ein dienstleistender Trainer verlässt die eigene Komfortzone, geht an den Rand des Machbaren, aber eben nie darüber hinaus.
Er behält die Teilnehmergruppe im Blick, kann seine Seminar-/Trainingsführung anpassen, ohne sich mit auswendig gelernten Inhalten auf eine Gruppe von Menschen vorbereiten zu wollen, die eigene Wünsche mitbringen und die der Trainer/Seminarleiter vor Beginn des Trainings gar nicht kennt.
Das kann unter Umständen durchaus dazu führen, dass einige Auftraggeber/ Kunden unzufrieden sind, weil sie den Trainer nicht für ihre Zwecke versklaven konnten, weil im sportlichen Training keine sinnlose Verantwortungsverschiebung stattfinden kann, langfristig ist es – das Wissen und die Kompetenz des Trainers vorausgesetzt – sicherlich der bessere Weg für alle Beteiligten.

Freitag, 14. Februar 2020

To-Do versus DONE!



Es gibt solche Tage: Die To-Do-Liste scheint nicht kürzer zu werden, im Training klappt auch nichts, was man sich vorgenommen hat. Prädestiniert für schlechte Laune und das Gefühl nichts geschafft zu haben. Vieles was wir tun, erscheint uns selbstverständlich, nebensächlich, nicht erwähnenswert. Es kommt immer darauf an, ob man auch die „andere Seite“ betrachtet.

Im Hintergrundbild sieht man ein scheinbares Tohuwabohu an Notizen und Strichen.
Auf der linken Seite stehen die Dinge, die man sich vorgenommen hat, auf der rechten Seite, die Dinge, die ungeplant dazukamen, die man aber (trotzdem) auch noch erledigt hat.

Nicht alle Punkte auf der „Soll-Seite“ kann man immer dann abhaken, wenn man es möchte oder es sich vorgenommen hat. Das ist im Training so, dieser Umstand begleitet uns aber auch im Berufsleben und im Alltag. Legt man den Fokus beständig auf das, was man nicht geschafft hat, so stellt sich häufig Frust und ein Gefühl der Unzulänglichkeit ein. Vollkommen zu Unrecht, wenn man sich angewöhnt, auch die Dinge zu notieren, die scheinbar „nebenher“ laufen.

Ein Tipp für sinnvolles Zeitmanagement besagt, man solle nur ca. 40% des Tages verplanen, der Rest würde sich von alleine füllen. Das kennt man. Es stimmt. So lange man den Fokus aber nicht auf die ungeplanten Dinge legt, die man (trotzdem) erledigt hat, stimmen einen 40% selten zufrieden, schlimmer wird es noch, wenn man vermeintlich nicht mal 40% geschafft hat.

Gewöhnt man sich an, den Fokus auf die übrigen, ungeplanten 60% zu legen, stellt man fest, dass unterm Strich kein Tag unproduktiv war und kein Training umsonst.
Man hat zwar vielleicht nicht exakt das geschafft, was man sich vorgenommen hat, aber man war trotzdem tätig.
Die angestrebten 40 Liegestütze haben nicht geklappt, die Figur im Hoop oder in der Pole wollte nicht funktionieren, weil es eben kein Flexi-Tag war, das Skript/ die Präsentation ist noch nicht ganz fertig geworden? Mag sein.
Aber zählen 35 Liegestütze dann gar nicht? Haben wir unseren Körper nicht trainiert, bei den Versuchen, den Trick/ die Figur zu meistern? Die Präsentation ist eventuell deswegen nicht fertig geworden, weil ein anderes, ungeplantes Thema unsere Aufmerksamkeit forderte. Wir können despektierlich die eigenen mangelhaften Leistungen betrachten, oder den Fokus auf das legen, was wir stattdessen erledigt haben oder erledigen mussten und unsere Flexibilität und Durchhaltevermögen erforderten.

Es lohnt sich, auch die scheinbaren Selbstverständlichkeiten zu schätzen! Im Sport wie im Beruf.

Freitag, 7. Februar 2020

Reifung, Geduld und Wahnsinn




Unter „Reifung“ versteht man in der Biologie und in der Entwicklungspsychologie Verhaltensweisen, die man nicht erlernen muss, sondern die sich aufgrund genetischer Entwicklung einfach ergeben. Reifung stellt sich ein und ist von äußeren Einflüssen weitgehend unabhängig.
Geduld wird definiert als ein ruhiges und beherrschtes Ertragen von etwas Unangenehmen bzw. Langwierigen.
Wahnsinn ist die beständige Wiederholung gleicher Verhaltensweisen in der Erwartung eines neuen und anderen Ergebnisses.
Und Training? Welche Rolle spielt Training in all diesen Prozessen und Verhaltensweisen?
Werfen wir einen Blick darauf

Reifung umgekehrt
Es gibt Ansätze, die Reifung quasi umgekehrt betrachten: Obwohl die körperlichen Fähigkeiten und Anlagen schon längst vorhanden sind (Kraft, Flexibilität, Kompetenzen, erlernte Fähigkeiten), werden diese nicht genutzt, weil sie noch nicht genutzt werden können. Der Kopf könnte damit noch nicht umgehen, die Reifung im Hirn ist für ein souveränes Anwenden der Fähigkeiten noch nicht ausreichend fortgeschritten.
Das kennen wir: Obwohl wir eine Prüfung bestanden haben, die uns bescheinigt, dass wir über eine gewisse Fähigkeit verfügen, können wir diese (noch) nicht einsetzen. Obwohl wir eine Bescheinigung haben, die uns als kompetent erklärt, fühlen wir es noch nicht.
Im sportlichen Training geht ein Trainer darauf ein: Selbst wenn er in der Hilfestellung merkt, dass eine Person keine Fremdunterstützung mehr braucht, bleibt er da, vermittelt Sicherheit. Das Back-up im Hintergrund und der Plan B können auch bei der Nutzung geistiger Fähigkeiten helfen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen zu lassen, bis es so groß ist, dass Fähigkeiten und Denken übereinstimmen und reif zur Ernte sind.

Geduld
Kein Mensch ist von Haus aus geduldig, denn wer erträgt schon gerne etwas Unangenehmes, was zudem auch noch lange andauert? Jemandem also Ungeduld vorzuwerfen, bringt rein gar nichts. Ungeduld ist ein Gefühl, welches sich nicht verflüchtigt, nur weil eine andere Person sagt, dass das Gefühl unvernünftig wäre. Will man gemeinsam hier arbeiten, so sollte man nicht bei der Geduld ansetzen, sondern beim Gefühl des „Ertragens von etwas Unangenehmen“. Wer Training zur Erlangung einer gewünschten Fähigkeit (ob im Sport oder im Business) als Qual empfindet, den wird die Ungeduld immer einholen. Bis zu einem gewissen Teil kann der Trainer/Lehrer/Vorgesetzte die „Qualen lindern“. Motivation, Bestärkung, Mut machen, auf (kleine) Teilerfolge hinweisen, bessere Erklärungen geben, auf dem Weg zur Reifung zur Seite stehen und den Weg als Ziel betrachten. Sind die gefühlten Qualen beim anderen dennoch so groß, dass die Ungeduld Oberhand behält, so verlaufen die Bemühungen eines Mentors/Trainers im Sand.

Wahnsinn
Jedes Training ist Wahnsinn, denn gefühlt machen wir immer das Gleiche und erwarten andere Ergebnisse. Wie wir eine Sache neu/anders angehen sollen, ist uns gesagt worden. Wir haben es auch verstanden. Und dann setzen wir es um und es funktioniert nicht. Sehr demotivierend. Tatsächlich setzen wir es eben noch nicht genau so um, wie es uns gesagt wurde, auch wenn wir das meinen.
Also versuchen wir es wieder. Und wieder. Und wieder.
Und irgendwann klappt es dann.
Was ich im sportlichen Training häufig erlebe ist das Unverständnis, wie es so lange hat dauern können, bis man es endlich kann? Denn wenn es dann (auf einmal) klappt, stellen sich viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Frage, was jetzt anders gewesen sein sollte als die gefühlten 9999-mal vorher? Dazu kommt das plötzlich aufploppende Gefühl, dass es jetzt ganz leicht war.

10000 Mal
Ein Körper muss eine Bewegung ca. 10000-mal ausführen, bevor sie instinktiv wird. Es ist also ganz normal, dass einem der Weg dorthin lang erscheint und man das Gefühl hat, wahnsinnig zu werden.
Hat man sich dann eine neue Verhaltensweise/ eine neue Fähigkeit im wahrsten Sinne des Wortes angeeignet, so erscheint sie auf einmal leicht und selbstverständlich. Jetzt ist man reif dafür, diese Fähigkeit souverän und authentisch zu nutzen.
Ohne den langen Weg funktioniert es nicht. Es gibt leider keine Abkürzung.

Freitag, 31. Januar 2020

Grenzen setzen



Wir kennen das Problem. Ein „Nein“ wirkt selten freundlich, eine Weigerung mit- oder weiterzugehen, könnte als Ablehnung empfunden werden und manchmal setzen wir uns selbst unter Druck mit dem Denken „ein bisschen mehr muss sein, ein bisschen mehr geht schon noch.“ Mit den (geistigen) Grenzen, der Abgrenzung und der Verweigerung ist es wie mit vielen Dingen: Sie können uns schützen, sie können uns hemmen.

Freundlichkeit und Service
Im Berufsalltag werden Freundlichkeit und Service großgeschrieben. Im Dienstleistungsbereich sogar erwartet. Im Seminarbereich lautet ein Ratschlag, die teilnehmende Person dort abzuholen, wo sie sich befindet. Man geht auf die Personen zu, man richtet sich nach ihnen (aus), man offeriert mehr als 2 Möglichkeiten und das ist gut so.

Die wichtige Frage, die bei diesen Punkten nicht unbeantwortet bleiben sollte, ist, wie es uns selbst dabei geht? Je mehr man bei einem Zugeständnis das Gefühl bekommt, an die Wand gedrückt oder ausgenutzt zu werden, umso wichtiger ist es, rechtzeitig Grenzen zu setzen.

Überfreundlichkeit und Übertraining
Zu viel an Service, zu viel, was man gibt, ohne etwas zurückzubekommen und auch ein Übermaß an Training schaden mehr, als sie nutzen. Dabei ist es meist gut gemeint: „Wenn ich noch ein bisschen schneller antworte, wenn ich den Termin das 5. mal verschiebe, wenn ich meinen eigenen Tagesplan komplett über den Haufen werfe, wenn ich statt 3 mal pro Woche 5 mal trainiere, wenn ich trotz merkbarer Warnzeichen weitermache, dann muss es doch (endlich) gut oder wenigstens besser werden.“

Die gesunde Mischung
Ein Kompromiss ist nur dann gut, wenn er beiden Seiten weh tut, Serviceleistungen sind nur dann zu forcieren, wenn alle Beteiligten (auch die dienstleistende Person) daran Freude haben und „Zähne zusammenbeißen“ im Training ist nur dann sinnvoll, wenn die Warnzeichen, die der Körper und der Kopf gegeben haben, noch nicht überlaut waren.

Warnzeichen
Das oben beschriebene Gefühl, in der eigenen Freiheit mehr und mehr eingeschränkt zu werden, oder aber auch nur dann als „nett“ empfunden zu werden, wenn man sich konsequent nur nach den anderen richtet, ist für sich bereits ein Warnzeichen.
Kraftreserven, die selbst bei richtiger und unterstützender Atmung, nicht mehr mobilisiert werden können, ein Gefühl der absoluten Leere sind Warnzeichen, die uns beim körperlichen Training darauf hinweisen können, dass eine Pause besser ist als eine weitere Wiederholung.

Die Krux
Der Körper meldet sich meist (zu) früh, der Kopf meist (zu) spät. Training ist mehr als ein einfaches Wiederholen gut zu meisternder Herausforderungen. Es bringt uns jedes Mal an die Grenzen (an (!!!) die Grenzen, nicht darüber hinaus). Der Körper meckert erfahrungsgemäß früh: „Wie? Nee, das geht nicht. Aua, das tut weh! Ui, da muss ich ja schnaufen. PAUSE!“
Dazu kommt dann manchmal noch der Kopf, der einem den Spaß an der Sache verdirbt, weil man etwas (noch) nicht kann. Und ganz schnell ruft die Couch und die guten Vorsätze sind dahin, weil es eben nicht reicht, sich EINMAL in den Hintern zu treten, sondern weil man permanent mit dem inneren Schweinehund im Gespräch bleiben muss, er will ständig aufs Neue überzeugt werden.

Missempfindungen
Beim Kopf ist das ein wenig anders. Man lächelt, obwohl einem nicht danach zumute ist. Man reduziert einen Preis, man geht auf die Wünsche anderer ein. Warum eigentlich? Weil es eben (zunächst) nicht mit direkten körperlichen Schmerzen verbunden ist, die uns mahnen, dass es weh tut. Je länger man das über das eigene Wohlfühlmaß hinaus praktiziert, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass das dumpfe Missempfinden des Geistes sich einen körperlichen Ausdruck sucht (Tinnitus, Hautprobleme, Abwehrschwäche). Kopf und Körper lassen sich eben nicht trennen. Ganzheitlich ist das Zauberwort. Im Sport, im Training, aber auch im Umgang mit anderen Menschen. Wie sieht das Endergebnis aus? Bin ich stolz auf mich, wenn ich eine weitere Wiederholung geschafft habe, weil ich meinen Körper durch das Training des eigenen Körpergefühls kennengelernt habe und beständig mit ihm verhandle oder riskiere ich Verletzungen? Diese Frage lässt sich nahezu 1 zu 1 auf die geistige Ebene übertragen: Bin ich froh, auf die Wünsche anderer eingegangen zu sein, weil es mich mit einem guten Gefühl zurücklässt, mir selbst also auch Freude bereitet hat oder fühle ich mich dann nur leer und ausgelaugt und weiß nicht, wie ich die verbrauchten Ressourcen wieder auffüllen soll?

Grenzen überschreiten ist ebenso wichtig wie Grenzen setzen. Dafür muss man sie kennen.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Wertschätzende Kommunikation

So lautet eines der Themen, welches wir in unserem Seminarportfolio haben. Obwohl ich persönlich finde, dass das Wort „Wertschätzung“ im Moment ebenso inflationär und manchmal sogar unüberlegt benutzt wird wie noch vor einigen Jahren das Wort „Authentizität“ oder natürlich auch „Nachhaltigkeit“, so entbehren alle Begriffe und die Füllung dieser mit Leben nicht der Wichtig- und Notwendigkeit. Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Authentizität gelten im „Business“ als weiche Erfolgsfaktoren, genauso können wir sie aber auch im Sporttraining als Mosaiksteinchen für den Erfolg betrachten.
Doch was ist Wertschätzung und wo beginnt sie?

Wertschätzung sollte nicht einseitig sein
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (m/w/d), Kunden und Kundinnen (m/w/d) und teilnehmende Personen an Sportkursen erwarten (zu Recht) Wertschätzung von ihren Vorgesetzten und Trainern (m/w/d). Im ersten Fall, weil sich das so gehört, weil man Leistungsträger im Unternehmen ist, weil es die Unternehmensphilosophie ist, oder Ähnliches.
Im zweiten Fall, weil man „Kunde/Kundin“ ist und manchmal auch der Meinung ist, für ein gewisses Maß an Wertschätzung ja auch zu „zahlen“.
Gegen beide Erwartungshaltungen ist rein gar nichts einzuwenden.

Wertschätzung sollte allerdings nie einseitig sein. Doch wie bringt man seinem Chef/ seiner Chefin Wertschätzung entgegen? Darf man das überhaupt, oder wäre das fehl am Platze, eben weil man sich in der Firmenhierarchie als niedriger gestellt empfindet?
Man kann sich doch nicht einfach mal so bei der hierarchisch höher gestellten Person „bedanken“ oder ihr/ihm ein gutes Feedback geben? Vielleicht empfindet man das als Überschreitung der eigenen Kompetenzen? Das muss nicht sein. Auch ein Chef/ Trainer freut sich über Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Auch er/sie benötigt Zuspruch!

Wertschätzung benötigt Zeit
Wertschätzung kann aus vielen kleinen Punkten persönlicher Aufmerksamkeit bestehen, die in der Summe auch nicht zu vernachlässigen sind, oder aber, weil man sich einmal „länger“ Zeit für eine Person nimmt. Wertschätzung lässt sich allerdings nicht im Handumdrehen erledigen. Im Sport können es kleine Rituale sein, die die teilnehmenden Personen immer wissen lassen, dass sie wertvolle Zeitgenossen sind. Im Yoga finde ich es beispielsweise besonders schön, das Ende einer Kurseinheit mit einem Dank an sich, an den eigenen Körper und an alle im Raum anwesenden Personen abzuschließen. Auch die Frage nach dem Befinden der TN zu Beginn der Kurse hat mehr als nur einen haftungstechnischen Hintergrund.

Wertschätzung benötigt Nähe
Wertschätzung kann man nicht mal eben schnell über den Flur brüllen. So nebenbei und im Vorbeigehen. Man muss sich der Person zuwenden, für sie da sein. Das ist in den Sportkursen manchmal leichter als im Business. Wenn ein Trainer/ eine Trainerin sichert, korrigiert, hilft, dann stellt er/sie Nähe her. Wird die Hilfestellung noch souverän und höflich eingeleitet, weil man die trainierende Person darauf vorbereitet, dass sie nun angefasst wird, legt man eine ruhige Stimme an den Tag, so kann das nicht nur ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, sondern auch ein Akt der Wertschätzung sein.

Empfindungen
Klingt alles einfach? Ist es im Alltag oftmals nicht. Mangelnde Wertschätzung ist zum einen Empfindungssache und zum anderen oftmals überhaupt keine böse Absicht, wie die Vorkommnisse in einem der letzten Business-Seminare zeigten. Obwohl die Deadline einer Gruppenarbeit vorher besprochen wurde, passierte Folgendes: Eine der Gruppen befand sich noch im Gespräch. Die Seminarleitung reagierte darauf, dass hier wohl noch etwas Zeit benötigt werden würde und kommunizierte dies. Verständlich. Den TN zugewandt. Präsent. 3 der 5 Personen hörten die Seminarleitung auch, blickten sie an und wendeten sich dann wieder der Gruppe zu.
Nach weiteren 5 Minuten erhob die Seminarleitung wieder die Stimme. Das Procedere wiederholte sich. Als man es dann gemeinsam doch schaffte, sich wieder aufeinander im Ganzen einzulassen, analysierte man, was hier passiert war.
Sicherlich könnte man Verhaltensweisen wie „sich nicht an Zeitpläne halten“, „Ignorieren“, „keine Rückmeldung geben“, „Nebenstellendiskussionen eröffnen“ und „andere von der Kommunikation ausschließen“ – als Elemente mangelnder Wertschätzung betiteln, das war allerdings keine Absicht und hier war bestimmt auch kein Vorsatz zu sehen. Es ist einfach passiert.

Gefühl bleibt wichtig
Wertschätzung liegt also auch immer im Auge des Betrachters. Auch im Sport.
Nicht jede Kritik ist mangelnde Wertschätzung, nicht jedes Lob tatsächliche Wertschätzung.
Hier kommt die oben zitierte Authentizität wieder zum Tragen: Man muss das Gefühl haben, dass es echt ist. Aber wie bitte bemisst man ein Gefühl?
Und so sehen wir, dass wir Gefühle eben niemals ganz ausklammern können – weder beim Sport, noch im Business.

Dienstag, 14. Januar 2020

Zweierlei Maß – Handwerk und Kunst


Kreative Arbeit und künstlerische schaffende Tätigkeiten bringen Ergebnisse hervor. Dabei ist es unerheblich, ob es flüchtige Ergebnisse der darstellenden Kunst sind (Tanz, Theater als eine Art der Kunst, die ein Publikum erfordert und für den Moment dauert in welchem jemand zusieht) oder überdauernde Werke der bildenden Kunst. Auch das Handwerk bringt Ergebnisse hervor, deren Dauer unterschiedlich ist (Brot, ein Dachstuhl, Kleidung etc.).
Kunst kann Handwerk sein und Handwerk Kunst. Die Übergänge sind fließend und für unser ästhetisches Empfinden ist es erfüllend, wenn das Handwerk künstlerischen Ansprüchen genügt, oder Kunst mit handwerklicher Kompetenz hergestellt wurde.
Für die Bewertung des Entstehungsprozesses ist dies allerdings manchmal gar nicht so unerheblich. Sieht man sich als Handwerker (m/w/d) oder als Künstler (m/w/d) und wie sieht einen die Gesellschaft?

Die Geschichte um den Entstehungsprozess des Werkes

Würde ein Handwerker, der die tägliche Leistung als Ergebnis seines handwerklichen Könnens ansieht, die gleichen Maßstäbe an den Tag legen wie es mancher Künstler tut, so wäre der Betrachter oder Leistungsempfänger (m/w/d) überrascht oder unzufrieden.

Umgekehrt sind wir vielleicht auch irritiert, wenn ein Künstler seine Tätigkeit mit handwerklichen Maßstäben misst.

Ein Autor (m/w/d), der über Schreibblockaden klagt, der mit vielen Worten darstellt, wie schwer ihm oder ihr das Schreiben fällt, der darüber klagt, dass er oder sie nie die richtigen Worte findet, dass er oder sie schon 100 mal von vorne angefangen hat, genießt unter Umständen Anerkennung. Eventuell schätzen wir das Ergebnis danach sogar als wertvoller ein. Ebenso kann man dieses Beispiel auf die Entstehung eines Bildes, einer Statue, einer Tanzchoreographie oder Ähnlichem anwenden.

Würde uns ein Handwerker das Gleiche erzählen, so würden wir an seinem Können zweifeln. Ein Bäcker, der 100 Brote backen muss, damit ein Genießbares dabei herauskommt und mit diesen zahlreichen misslungenen Versuchen auch noch hausieren gehen würde, würde wohl eher in Ungnade fallen.
Ebenso würde es wohl einem Schreiner oder Gärtner oder einem ähnlichen Berufszweig des Handwerks gehen.

Meister oder Künstler

Als die Meisterpflicht in einigen Handwerkszweigen für die Eröffnung eines Geschäfts aufgehoben wurde, wurde die Vermischung der gedanklichen Wertschätzung von Kunst bzw. Handwerk offensichtlich. Ist ein Foto Kunst oder Handwerk? Zahle ich für Kunst oder Handwerk?

Zugeschriebene Rollenkompetenz wirkt identitätsstiftend. Wenn mir eine Person das zutraut, was ich tue, dann stärkt das meine Persönlichkeit. Kann ich diesen Zuspruch erwarten, wenn ich mich selbst Autor/ Trainer/ Manager/ Tänzer/ Blogger/ Influencer nenne? Ist es mein Beruf eher ein Handwerk, wenn ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen will oder muss oder ist es eher Kunst?

Selbstverständnis unserer Tätigkeiten

Sieht es die ausübende Person eher als Handwerk, so wird sie sich hüten mit tausenden von misslungenen Versuchen hausieren zu gehen (obwohl diese natürlich auch existent sind – im Handwerk nennt man es wohl Lehrzeit, wobei diese nicht auf ein bestimmtes Lebensalter beschränkt ist), sieht sich die Person als Künstler, so kann man mit diesen „Schaffenskrisen“ das letztendliche Ergebnis im Auge der Betrachter sogar aufwerten.

Was erwarten wir von unserem Gegenüber? Sehen wir in ihm oder ihr einen Künstler und erkennen auch Fehlversuche an, oder ist es das Handwerk, von dem wir meisterliche Ergebnisse erwarten?

Donnerstag, 9. Januar 2020

Wissen, Glauben und Beweise


Im Winter werden die Tage kürzer und nach der Wintersonnenwende wieder länger. Wissen wir alle. Haben wir alle schon erlebt. Ist erforscht. Ist bewiesen. Wiederholt sich jedes Jahr.
Wissen und Erleben sind zweierlei paar Stiefel. Wissen und Glauben noch mal ein anderes Paar Schuhe.

Manchmal kann man Zuspruch erleben und zweifelt dennoch. In solchen Momenten ist Glauben notwendig. Atheisten, Nihilisten oder wie sich die Menschen, die von sich behaupten an „gar nichts“ zu glauben, auch immer selbst betiteln mögen, mögen das Beispiel der längeren und kürzeren Tage als Argument für die Abwertung und Negierung von Glauben sehen, denn man muss nicht daran glauben, dass die Tage nach der Wintersonnenwende wieder länger werden, damit es passiert, es passiert einfach.

Gleichzeitig proklamiert man die Notwendigkeit von Selbstvertrauen als Glauben in die eigenen Fähigkeiten und wenn es nur die Fähigkeiten zur Weiterentwicklung sind. Auch Selbstvertrauen ist eine Art von Glauben. Es wird geboren aus dem Nichts, es entwickelt sich, es wird genährt und gestärkt, manchmal strapaziert oder gar zerstört. Auch dann ist es wichtig, sich zunächst auf das zu berufen, was man schon selbst erlebt hat. Jede Person ist schon durch schwere Zeiten gegangen, jeder empfindet dabei schwere Zeiten subjektiv. Eine objektive Aufstellung, was als „schwer“ zu betiteln ist, was eine Herausforderung und Strapaze für den einen oder die andere darstellt, kann man sich sparen.

Zuspruch, Glauben und Vertrauen ohne Argumente und Anhaltspunkte ist ein bisschen substanzlos. Einen Menschen zu trösten ohne Argumente, ohne ihm oder ihr vorzuhalten, was er oder sie schon geschafft hat, ist schwer. Wir halten fest an Erfahrungen, an Wissen. Wir versuchen Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln, was manchmal in einer Art Aberglaube endet.

Glaube funktioniert ohne Beweise, ohne Wissen, ohne Erfahrung, auf die man sich berufen kann und dann wird es schwer. Was wir nicht sehen können, was uns eventuell nur erzählt wird, das lehnen wir gerne ab. Verständlich.
Allerdings manchmal ebenso unsinnig. Ich selbst habe noch nie den Nordpol gesehen. Man erzählt mir, dass es ihn gibt, ich habe Bilder gesehen, er ist auf den Weltkarten eingezeichnet, aber ich selbst habe ihn noch nie gesehen (ebenso wenig wie Amerika, Kanada, Asien etc. etc. etc.). Ist es nun Glauben oder Wissen, wenn ich die Existenz dieser Länder nicht negiere?

Für die Personalentwicklung, die Teamzusammensetzung und auch die Erfolge im Sport, das Erreichen von Zielen etc. ist Glauben notwendig. Je mehr wir diesen Glauben als Trainer argumentativ stützen können, je genauer der Fahrplan ist, den wir offerieren, umso eher sind wir alle gewillt zu glauben, aber ohne Glaube wird es definitiv nicht funktionieren.

Freitag, 3. Januar 2020

Männergrippe, Trainergrippe und Freizeit


Über die sprichwörtliche Männergrippe kann man Vieles lesen, hören, sich über Vieles amüsieren und die geplagten Männer auch immer wieder aufziehen. Ob das nur lustig ist oder in gewisser Weise mobbend diskriminierend, muss jede Person für sich selbst entscheiden.
Fakt ist, dass man mit gut gemeinten Ratschlägen wie „Hab‘ dich nicht so!“ nicht wirklich weiterkommt, denn jeder empfindet Belastungen eben anders.

Absolut faszinierend sind die Urlaubskrankheiten oder die Selbständigen-Grippe. So lange es sich tatsächlich „nur“ um eine böse Erkältung oder sonstige Beeinträchtigungen handelt, die zwar ihren Tribut fordern, aber heilen, darf man hier sogar dankbar sein.

Ab Herbst, so ungefähr zur Wiesenzeit fängt es an: Die häufigsten Worte, die man als Trainer/ Trainerin in die diversen WA-Gruppen der Kurse schreibt, sind: „Gute Besserung!“
Kein Mensch sucht sich eine Erkältung, Krankheit, Magen-Darm-Grippe, Kreislaufbeschwerden, Regelschmerzen oder Sonstiges freiwillig aus. Natürlich ist es uns allen lieber, es geht uns gut und wir können unseren Tagesplan so verfolgen, wie wir uns das in den Kopf gesetzt haben. Aber irgendwann geht es eben nicht mehr und auch das beste Immunsystem gibt auf.

„Warum wirst Du nicht krank?“ – fragte mich eine Teilnehmerin im Spätherbst. „Weil ich nicht kann!“
Das funktioniert seit ca. 20 Jahren ganz gut. Solange ich Kurse habe, Seminare zu geben, Coachings zu absolvieren etc., funktioniere ich. Spätestens am 24.12. ist dann Schluss. Jetzt weiß mein Körper, dass die nächsten (mindestens) 3 Tage „nichts“ ansteht. Also zumindest nichts Geschäftliches. Schleusen auf.
Ärgerlich? Klar! Nervig? Auch das. Muss das denn sein? Ja!

Nein, es macht keinen Spaß, wenn der Körper sich alles aufspart, um dann mit geballter Kraft dem Kopf zu sagen: „So, jetzt ist Schluss!“ – Aber es ist doch auch sehr faszinierend. Wir haben die Kraft uns selbst zu beeinflussen. Wir können in uns selbst wirklich gute Teamarbeit an den Tag legen: Nicht jeder macht immer alles zu gleichen Teilen, aber am Ende arbeitet man zusammen und jeder darf auch mal im Vordergrund stehen.

Und insofern dürfen wir auch für die „Auszeiten“, die wir uns nicht selbst nehmen, die wir nicht planen und die NIE ins Konzept passen, dankbar sein. An dieser Stelle möchte ich nochmals verdeutlichen, dass ich hier von Erkältungen, kleineren Wehwehchen und Beeinträchtigungen spreche, von denen wir wissen, dass sie uns ganz schön aus dem Konzept werfen, dass sie uns ganz schön fertig machen, dass sie ganz schön belastend sind und wir uns höchstens wie ein verprügelter halber Mensch fühlen, von denen wir aber wissen, sie gehen vorbei und das in absehbarer Zeit.

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Gute Vorsätze




Zu Beginn eines neuen Jahres sind erfahrungsgemäß die ersten Kurseinheiten immer voll. Motivation, gute Vorsätze, Plätzchen, Stollen und Weihnachtsessen, welche sich gefühlt oder tatsächlich auf den Hüften breit gemacht haben – man merkt einfach: Ein neues Jahr mit den entsprechenden Vorsätzen hat begonnen. Im Sportbereich ist das meist sehr gut zu beobachten.
Wir sind gespannt, ob dies auch 2020 der Fall sein wird.

Ende Januar ist Schluss

Leider zeigt die Erfahrung auch, dass sich diese Jahresanfangsmotivation nicht lange hält. Für wen auch im vergangenen Jahr Sport und körperliche Betätigung zum natürlichen Alltag gehörte, der bleibt, bei vielen ist Ende Januar dann schon wieder Schluss.
Dieses Verhalten findet sich nicht nur im Bereich der körperlichen Betätigungen. Viele gute Vorsätze schaffen es nicht bis in den Februar.

Meist liegt es daran, dass man sich schlicht zu viel vornimmt: Alles wird anders, mindestens 3x pro Woche Sport, schlechte Gewohnheiten sollten abgestellt werden.
Auch wenn sich die Zahl des Jahres ändert, so bleibt es schwer, alles auf einmal ändern zu wollen. Besser wäre es, sich kleine Ziele zu setzen, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, diese auch erreichen zu können.

Zu viel gewollt

Wer sich vornimmt ab sofort mindestens 3x pro Woche Sport treiben zu wollen, der wird von sich selbst binnen kürzester Zeit enttäuscht sein. Da kommt die Erkältung dazwischen, Überstunden in der Arbeit, eine Geburtstagseinladung oder Ähnliches.
Das Leben geht meist ähnlich wie im Vorjahr weiter. Einen zusätzlichen Baustein in den Alltag einzubauen gelingt nur, wenn dieser „klein“ genug ist.
Sich „nie“ wieder aufzuregen, von nun an „komplett“ auf Süßigkeiten zu verzichten oder von nun an „immer“ die eigene Meinung zu sagen sind Vorsätze, die Absolutbotschaften enthalten.

Schafft man es 2 oder 3 Wochen hintereinander nicht, das selbst gesetzte Ziel zu erreichen, ändert man selten das Ziel, man streicht es lieber. Ist auch einfacher für den Kopf, denn dann muss er sich damit gar nicht mehr auseinandersetzen.

Auch mit kleinen Schritten kommt man voran

1x pro Woche Sport. Einmal pro Woche 1 Stunde. Das scheint nicht viel, ist aber machbar.
Und wenn man sich beispielsweise vorgenommen hat, am Montag einen Kurs zu besuchen und es aufgrund oben genannter Bedingungen nicht schafft, so hat man noch 3 weitere Ausweichmöglichkeiten. Dann geht man eben am Mittwoch oder am Donnerstag oder am Freitag. Ist egal. Aber am Ende der Woche darf man dann mit Recht stolz auf sich sein, weil man es eben geschafft hat.

Ähnlich sieht es mit den „Verhaltenszielen“ aus, die nicht unbedingt etwas mit dem Sport zu tun haben. Anstatt sich vorzunehmen, ab 01. Januar als Fleischliebhaber nun Veganer werden zu wollen, kann man auch zunächst einmal die Fleischqualität verbessern, dafür die Häufigkeit des Konsums verringern. Anstatt sich vorzunehmen, sich „nie“ wieder aufzuregen, kann man sich „Deadlines“ setzen. Wenn man merkt, dass man sich über etwas ärgert, dann darf man es zulassen, aber man kann auch versuchen, ein Ende zu setzen. Eine Stunde darf man nach Herzenzlust schimpfen und lamentieren und sich ärgern, aber dann ist Schluss.

Auch im vergangenen Jahr war man ein guter Mensch

Zu vieles auf einmal verändern zu wollen bedeutet im Umkehrschluss ja auch, dass zu vieles in der Vergangenheit schlecht war. Das stimmt so nicht. Es ist anerkennenswert, sich entwickeln zu wollen, sich verbessern zu wollen, jeden neuen Tag mit dem Ziel zu beginnen, eine bessere Version des eigenen Ichs an den Tag zu legen. Renovieren statt abreißen. So gehen wir doch auch mit den Zimmern in unseren Wohnungen und Häusern vor. Niemand würde sich vornehmen, von heute auf morgen jedes Zimmer auf einmal komplett neu zu gestalten. Hier ist uns klar, dass dies mit zu viel Arbeit und Energieeinsatz verbunden wäre und dass wir uns damit die eigenen Rückzugsorte, das Gewohnte, das Vertraute kaputt machen würden. Neben der Zeit fehlen häufig auch die finanziellen Mittel und so geht man auch die Renovierungsarbeiten Stück für Stück an. Vielleicht indem man einfach erst einmal aufräumt, statt alles auf den Sperrmüll zu werfen?

Eigendynamik des Erfolgs

Wenn wir uns Ziele setzen, die wir erreichen können, so stärken wir unser Selbstvertrauen und schaffen uns Erfolgserlebnisse. Erfolg genießt dabei eine gewisse Eigendynamik. Er tut dem Kopf gut und verursacht Gefühle der Zufriedenheit und des Glücks. Das möchten wir gerne so oft wie möglich erleben. Gefühle der Unzulänglichkeit, des Versagens und einer defizitären Verhaltensweise wollen wir lieber vermeiden. Wir haben es selbst in der Hand, welche Ziele realistisch sind.

Samstag, 21. Dezember 2019

Rituale und Bräuche – braucht doch kein Mensch

Die Weihnachtszeit ist geprägt von Ritualen und Bräuchen: Barbarazweige am 04. Dezember, Lichter in den Fenstern, Lichter im Garten, um die dunkle Jahreszeit zu erhellen, Aufmerksamkeiten zu Nikolaus, kleine Geschenke auch für Kunden und Kundinnen, Postkarten an all die Menschen, die einen über das Jahr begleitet haben.

Nicht zeitgemäß

Was bringt das und ist das alles überhaupt noch zeitgemäß? Ja, man kann argumentativ und auf der Vernunftebene alles auch in einem anderen Licht sehen, offen gesagt auch einfach alles kaputtreden: Man entreißt dem Baum Zweige. Muss doch nicht sein! Zusätzliche Lichter in Fenstern und Gärten bedeuten nur zusätzlichen Stromverbrauch, den man sich und der Umwelt ersparen könnte, Nikoläuse sind in Plastik oder Stanniol verpackt, auch hier wieder Müll, den man vermeiden könnte, denn keine Person „braucht“ wirklich einen solche zusätzliche Kalorienzufuhr (brauchen im Sinne von „benötigen“). Die Geschenke wiederum, die man als kleine Aufmerksamkeit auch für Kunden und Kundinnen vorsieht, können argumentativ analog zu den Nikoläusen als sinnlos erachtet werden. Postkarten sind eine Verschwendung von Papierressourcen und wirtschaftlich absolut unsinnig, da das Porto mehr kostet, als dieses Stück Papier überhaupt wert ist.

Besseren Service bieten

Besser ist es doch, den Servicegedanken hochleben zu lassen, also als Dienstleister IMMER für Personen da zu sein, oder da sein zu wollen. Davon hat der andere wenigstens was und wenn es nur eine theoretische Möglichkeit wäre.

24/7 ist auch hier angekommen. Kein Jahr vergeht, in welchem wir nicht gefragt werden, ob am 24.12. – Heilig Abend – Kurse stattfinden würden.
Manchmal muss man dann mehr als einmal betonen, dass man da Weihnachten feiern würde. Da unser Studio normalerweise nur an Feiertage geschlossen hat, erntet man ein wenig Unverständnis, denn schließlich ist der 24.12. kein Feiertag.

Wertschätzung versus Abstumpfung

Gegen keines dieser Argumente lässt sich etwas sagen und was man dann auf der einen Seite als sowohl umweltschonend als auch vernünftig sehen kann, trägt doch auch etwas zur Verrohung der Gesellschaft bei. Das merkt man daran, wenn nichts zurückkommt.
Sich bedanken, das Jahr Revue passieren lassen, jemandem eine Süßigkeit schenken (auch wenn er oder sie sich diese selbst kaufen könnte), Post versenden, die man anfassen kann?

All das geht doch auch billiger, schneller und einfacher.
Da kann man schon mal auch auf den freundlichen Gruß „Frohe Weihnachten“ verzichten und selbst das argumentativ so belegen, dass man dadurch ja niemanden, der, aus welchen Gründen auch immer, nicht Weihnachten feiert, ausgrenzen möchte.

Copy and Paste – schnell und kostenlos!

Ich persönlich halte an den Bräuchen fest, weil ich sie mag und weil sie für mich zu Weihnachten gehören. Jedes Jahr wieder überlege ich mir, ob ich damit aufhören sollte. Es bringt ja nichts und selten kommt etwas zurück. Aber wenn es eine intrinsische Motivation ist, dann macht man es, weil man es machen möchte. Würde ich damit aufhören, weil es sich nicht „lohnt“ und die rückläufige Wertschätzung häufig ausbleibt, so würde ich mir selbst etwas vom Weihnachtszauber stehlen. Und dafür ist mir Weihnachten zu wichtig und ich zu egoistisch.

Freitag, 13. Dezember 2019

Laute und leise Stille


Die „stade“ Zeit ist oftmals geprägt von Hektik, gefühlten und tatsächlichen Verpflichtungen, dem Wunsch 20 Termine in einen Tag zu packen und alles richtig zu machen, um schnell besinnlich zu werden, damit sich die richtige „Stimmung“ einstellt. Klappt selten.
Hinzu kommen die Fragen anderer Personen, wie viele Plätzchen man schon gebacken hätte, ob man schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt hätte, wie die Planung für die Feiertage aussehen würde, was man an Silvester vorhätte, welches Menü es am Heilig Abend geben würde und vieles mehr.
Stille und Ruhe, Besinnlichkeit und Innehalten kann sich so nur in einer gezwungenen Art einstellen. Echte Ruhe kommt von innen.

Was hat das mit Sport zu tun?

Man muss mit der Stille auch umgehen können, als teilnehmende Person, aber auch als Trainer*in. Im Yoga geht man davon aus, dass es zumindest in der Phase der Endentspannung still werden sollte und nimmt es überrascht zur Kenntnis, wenn auch die Anfangsmeditation (ein großes Wort für ein paar Minuten des Ankommens!) gut klappt. Wie kann man als Trainer überhaupt wissen, ob es funktioniert oder nicht? Stille ist schließlich Stille. Punkt. Wenn keiner was sagt, dann reicht das doch, oder?

Gesichtslächeln und Herzenslächeln

So wie wir sehr wohl wissen, ob ein uns geschenktes Lächeln von Herzen kommt, oder ob es ein purer Akt der gelernten Höflichkeit ist, so können wir auch Herzensstille und Ruhe von aufgezwungenem Schweigen unterscheiden.

Du bist wichtig, da, wo Du gerade bist.

Es klappt nicht immer, dass man sich voll und ganz auf den Kurs, die Sportstunde einlässt. Irgendwie kann man nicht abschalten, die To-Do-Liste mault weiterhin vor sich hin, vielleicht ein wenig leiser, weil sie vor der Tür stehen bleiben musste, aber wie der durchdringende Bass eines Musikstücks immer noch wahrnehmbar.
Oftmals gewinnt die To-Do-Liste auch und man „schafft es heute nicht“.
Es funktioniert auch nicht immer, dass man bis zur letzten Minute des Cool-Downs oder der Entspannungsphase gedanklich noch bei der Sache ist. Der Geist macht sich schon auf den Weg nach Hause, sehnt sich nach der Dusche, dem Abendessen, der Couch.
Das ist ganz normal.

Aber manchmal ist einfach nur Frieden

Wirklich intensiv wird es, wenn man jede Minute des Kurses ganz bei sich und der Sache ist.
Und dann stellt sich eine ruhige Stille an, die sich einfach anders „anhört“ als eine Stille, die ihren Ursprung in dem Gebot hat, dass man halt jetzt mal nix sagen darf.
Die ersten Male hat mich das als Trainerin auch irritiert. Kein stilles Seufzen, keine Korrektur der Positionen, kein Husten, kein Rumgerutsche auf der Matte/dem Boden. Nur Ruhe. Konzentration, Intensität. So oft hatte ich darum gebeten, es als Ziel in den Raum gestellt, erklärt, dass es nicht wichtig ist, das Ziel sofort zu erreichen, kleine Indizien mitgegeben an denen man messen könne, ob man wirklich zu Ruhe käme und vieles mehr. Die Qualität des Trainings hängt nicht immer mit der Intensität der Übungen zusammen, oftmals ist es tatsächlich nur die „Ganzheitlichkeit“, die den Trainingseffekt verbessert. Der Weg dorthin ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen. Wer einmal die Stille genossen hat, der kann es wieder tun. Und so gelingt es uns in manchen Jahren besser, die Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen und in anderen Jahren eben nicht so gut. Das ist nicht schlimm.

Mal so, mal so

Versuchen wir so oft wie möglich, die Momente der echten Stille wahrzunehmen, es sind die Momente der Ruhe, der echten Besinnlichkeit. Wir nehmen mit allen Sinnen wahr, genießen, sind hier und jetzt. Das geht im Sport, das geht auch in der Weihnachtszeit. Und wenn es nicht geht, dann können wir es auch nicht erzwingen, dann bleibt die Stille eben laut und die stade Zeit hektisch.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Es ist immer der Ausländer schuld – oder: Warum Füße nicht Beine sind


Gleich vorweg: Nein, es geht nicht um Politik und es geht nicht um das, was Einige für gut oder weniger gut erachten. Meine Einstellung zu Menschen, ganz gleich welcher Herkunft, die sich derart gestaltet, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat, solange dessen Handeln auf Anstand, Respekt, Rücksichtnahme und Höflichkeit basiert, tut hier gar nichts zur Sache. Vielmehr geht es um einen Fall aus einem Seminar, der zeigt, wie schnell Missverständnisse entstehen können.

Kurz, klar, knackig und unmissverständlich

Ein Trainer/ eine Trainerin hat die Aufgabe, Sachverhalte so klar und deutlich darzustellen, dass es keine Missverständnisse geben kann, die zu Gefahren führen. Im sportlichen Bereich wie auch bei Seminaren. Hierfür kann der Trainer/ die Trainerin Einiges tun: Klare Ansagen, kurze Sätze, unmissverständliche Formulierungen.
In den Erklärungen für den Sportbereich ist es beispielsweise sinnvoll, eben nicht von „rechts“ und „links“ zu sprechen, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass alle Personen die gleiche Ausgangsstellung einnehmen.

Im Sport

Hängt man im Pole-Sport kopfüber an der Stange und der Grippunkt, der einem vor dem Fall bewahrt ist die Wade, so macht es wenig Sinn zu sagen, dass nun das rechte/linke Bein gelöst werden soll. Ist man sich als Trainer nicht sicher, ob alle auf der gleichen Seite gestartet sind, so kann dies unter Umständen die teilnehmende Person in Gefahr bringen. Der kleinste gemeinsame Nenner und das (Körper-)Gefühl sind hier wichtiger. Man bezieht sich also auf das, was die teilnehmende Person selbst spüren kann und formuliert dementsprechend: „Ihr spürt die Wade an der Pole. Diese bleibt in der Figur die gesamte Zeit über an der Pole und stellt Euren Grippunkt dar. Das andere Bein wird gelöst.“ – So sollte sicher sein, dass die teilnehmenden Personen sich nicht in Gefahr begeben.
Man spricht auch nicht vom „rechten“ oder „linken“ Arm/ der Hand, sondern stellt die Bezugspunkte her, die jede teilnehmende Person selbst überprüfen kann: Der innere Arm bleibt an der Stange/ am Hoop. Wobei innen immer die Seite ist, die sich näher am Trainingsgerät befindet.

Missverstehen wollen

Viel Verantwortung liegt also beim Trainer und er/sie kann durch richtige Formulierungen dazu beitragen, dass es keine gefährlichen Missverständnisse gibt. Doch nicht immer ist die Schuld beim Trainer zu suchen. Wer etwas missverstehen möchte, der tut es, da kann sich die andere Person auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln und es wird sich nichts ändern.

Füße und Beine

In Bayern haben wir manchmal das Problem, dass die bayrischen Füße eben nicht nur die Füße sind, sondern damit das gesamte Bein betitelt wird. Wenn ein Trainer also sagt, dass die Füße gestreckt werden sollen und das auch so meint, eine teilnehmende Person allerdings im bayrischen Verständnis nun das ganze Bein streckt, so ist es nicht dem Trainer/ der Trainerin zuzuschreiben, wenn dadurch wichtige Presspoints/ Grippunkte gelöst werden.

„Ich dachte, Du meinst das Bein!“ – „Nein, ich sprach von den Füßen und habe auch die Füße gemeint.“

Die Erfahrung macht klug oder zumindest umsichtiger

Beim nächsten Mal kann man bereits darauf hinweisen, dass mit Fuß wirklich nur der Fuß gemeint ist und nicht das Bein. Einiges kann man aber nicht vorausplanen oder antizipieren.

Warum sind jetzt immer die Ausländer schuld?

In einem Seminar legte ich einige Ansätze der Kommunikation dar. Unter anderem auch die Aussage, der ich mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehe, dass angeblich für das, was beim Empfänger ankommen würde, immer der Aussender der Botschaft verantwortlich wäre.
Ich verwendete also das Wort „Aussender“ statt „Sender“ und legte dar, dass ich dem nicht ganz zustimmen könne, weil man meiner Meinung nach nicht immer genau voraussehen könne, was der andere aufnimmt oder versteht, und führte noch ein paar Dinge mehr aus.

Eine teilnehmende Person zeigte deutliche Zeichen des Unmuts auf dem Gesicht und wurde immer unruhiger. Ich sprach sie daraufhin an, ob es hier noch Probleme mit dem Verständnis geben würde oder ob sie anderer Meinung sei? Daraufhin sagte sie, dass die nicht verstehen könne, warum immer die Ausländer verantwortlich wären?

Zunächst wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, weil ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, auf was die Person sich bezog. Ich fragte nach, wann ich etwas Derartiges geäußert hätte? Daraufhin sagte mir die Person, dass ich doch selbst vor einigen Minuten gesagt hätte, dass für das, was beim Empfänger ankommen würde, immer der Ausländer verantwortlich wäre.

Ein Missverständnis

Interessanterweise hatten wir vorher die Genese von Konflikten behandelt, die zu einem großen Teil eben aus Missverständnissen entstehen würden und just lieferte uns der Verlauf des Seminars das beste Beispiel dafür. Die Person hatte mich schlicht missverstanden.
Ich betonte das Wort „Aussender“ nochmals ganz deutlich und räumte ein, dass man auch nur „Sender“ sagen könne. Die Person meinte daraufhin, dass es das Wort Aussender ja gar nicht geben könne und sie deswegen der Meinung gewesen wäre, ich müsste „Ausländer“ gemeint haben.

Die gesamte Seminargruppe, mich eingeschlossen, war sehr froh, dass wir dieses Missverständnis im Seminar aus dem Weg räumen konnten, es hätte fatale Folgen haben können (zugeschriebene Ausländerfeindlichkeit etc.).

Bringschuld und Holschuld

Es ist also die Pflicht eines Trainers/ einer Trainerin die Dinge so unmissverständlich wie möglich zu erklären und die Aufgabe der Empfänger, sich bei den kleinsten Unsicherheiten zu melden und rückzufragen, um Gefahren und fatale Folgen ausschließen zu können. Das gilt im Sportbereich wie in der Mitarbeiterführung und in Seminaren.