Sonntag, 27. Oktober 2019

"Wie früher..."


Das höre ich oft, wenn Personen das erste Mal im Luftring (Aerial Hoop) sind. Die Erinnerung an die unbeschwerten Schaukelmomente der Kindheit werden wach, mit ihnen zeigt sich nahezu gleichzeitig ein fast beseelter und glücklicher Gesichtsausdruck.

„Wie früher.“ Das höre ich aber auch oft im Pole-Unterricht, wenn es an das erste Klettern geht. Da werden die Erinnerungen an den Schulsport, das vermeintliche Versagen, wenn es darum ging, die Kletterstangen oder Seile zu erklimmen, wieder lebendig (Anmerkung: Das kann ich gut nachvollziehen, hier habe ich immer die Note 6 kassiert und mich bis auf die Knochen blamiert). Umso stolzer ist dann der Gesichtsausdruck, wenn das Klettern auf einmal klappt und man den Boden verlässt, in luftige Höhen aufsteigt (es braucht halt jemanden, der einem die richtige Technik erklärt).

„Ich kann nicht.“ – Das wiederum ist häufig die Aussage, wenn es darum geht, die erlernten Tricks und Elemente tänzerisch und fließend miteinander zu verbinden (im Pole- und auch im Hoop-Kurs, sogar manchmal im Yoga, wenn es um einen Flow geht). Hakt man ein wenig nach und stellt die Frage, ob die Personen meinen, nicht tanzen zu können oder ob sie nicht tanzen wollen, so hört man fast mit leichter Entrüstung die Antwort: „Ich KANN nicht tanzen, wollen würde ich schon.“

„Wie früher“ und „Ich kann nicht.“

Diese Aussagen haben mich schon immer ins Grübeln gebracht, vor allem, weil ich sie aus meiner Erinnerung so gut nachvollziehen kann. Stundenlang konnte ich auf der Schaukel verbringen. So lange, bis ich fast meine Hände nicht mehr von den Seilen lösen konnte und so nachhaltig, dass ich auch abends im Bett noch das Gefühl hatte, zu schaukeln.
Ich war der Welt entrückt, dem Himmel so nah und alles war leicht.

Ebenso habe ich aber, wie bereits oben beschrieben, das Stangenklettern in der Schule gehasst und kam mir vor wie der schwerste Elefant der Welt, der gerade am kleinsten Grashalm elegant nach oben kommen soll. Scham, Demütigung und ganz ganz viel Ohnmacht begleiteten diese Situationen.

Tanzen? Wundervoll. Als die Klasse einen Tanzkurs gemacht hat, war ich im Schwimmtraining. Ich habe nie gelernt zu tanzen und fand es dennoch immer schön. Tanz ist für mich ein Einblick in die Seele der tanzenden Personen, dazu muss die Seele natürlich so schön sein wie das Äußere, das die schönen Tänzer und Tänzerinnen darstellen. Da hatten wir dann schon Problem Nummer 1: Denn wenn man von sich das Bild eines „clumsy elefant“ hat, sich eher lächerlich als grazil vorkommt, dann wird es schwer, das richtige Bild zu malen, die richtigen Bewegungen zu finden. Noch bevor man eine Bewegung im Kopf zu Ende gedacht hat, bügelt man sie nieder: „Sieht sowieso doof aus. Ich kann das nicht, das sieht lächerlich aus.“

Warum beseelt uns Schaukeln, macht uns Klettern Angst und woher kommt der Wunsch zu tanzen, den man so selten verwirklicht? Und macht vielleicht genau die Mixtur dieser 3 Bereiche unter anderem auch den Reiz am Polesport und Aerial Hoop Training aus?

Ein bisschen was war noch vom Studium übrig. Im Kopf schwirrten Reste der Vorlesungen zu frühkindlicher emotionaler Entwicklung, zum Hospitalismus, der seines Zeichens durch Schaukelbewegungen der Patienten (unter anderem) gekennzeichnet ist. Genug, um hier anzusetzen?
Schaukeln stellt eine Form der basalen Stimulation dar, ist somit eine Form der körperbezogenen Kommunikation. Wir reden mit uns, nicht nur im Kopf, sondern ganzheitlich, mit dem Körper. Wiegen und Schaukeln tun dem Menschen gut.


Bring dein Leben kontrolliert aus dem Gleichgewicht und Du stehst sicherer!

Heute findet diese basale Stimulation auch in Altenheimen wieder Anwendung und geht auf einen Ansatz von Prof. Andreas B. Fröhlich zurück, der 1975 ein Konzept entwickelte, dessen Ziel es war, körperlich und geistig benachteiligte Kinder zu fördern. Dieses Konzept übertrug Prof. Christel Birnstein (Universität Witten/Herdecke) in den Bereich der Pflege von alten Menschen, die ihrerseits mit Beeinträchtigungen zu kämpfen haben.

Vereinfacht zusammengefasst kann man sagen, alles, was das Gleichgewichtsorgan, die Gleichgewichtswahrnehmung fördert und fordert, tut uns gut. Sich selbst in veränderten Positionen im Raum wahrnehmen, kann glücklich machen und beruhigen. Die sogenannten „vestibulären Anregungen“ stabilisieren dabei die Haltung des Menschen und normalisieren seinen Muskeltonus, so stellt sich bei vielen ein allgemeines und tiefes Wohlbefinden ein, so dass sogar Schmerzmedikamente überflüssig werden können und Menschen wieder sicherer auf den Beinen sind(amerikanische Studie der Universität Rochester bei Bewohnern eines Altenpflegeheims).
(Wer hier mehr dazu lesen möchte: https://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13832445/Schaukeln-ist-Magie-und-Medizin.html)

Ja, das bestätigt auch die Wichtigkeit und Notwendigkeit des sogenannten Propriozeptionstrainings (Schulung der Körperwahrnehmung), welches ein elementarer Bestandteil der Ausbildung zum medizinischen Fitnesstrainer darstellte. Sich selbst wahrnehmen und diese Wahrnehmung körperlich aktiv steuern können, das gehört unter anderem zur Kapitel der Sturzprophylaxe.

Ungewollte Bodenhaftung

So sehr uns Schaukeln beseelt, so häufig sind auch die demütigenden Erfahrungen mit dem Klettern. Dabei hat auch das Klettern therapeutische Wirkung. Klettern wird heute in einigen Therapien als eine von zahlreichen körperorientierten Methoden angewendet. Wir bieten es im Rahmen des „Embodiment – Acrobatic Therapy“ als Coachingmethode an.
Um die Menschen, die zu uns kommen, zu demütigen? Mitnichten. Wir zeigen, dass man mit der richtigen Technik über sich selbst hinauswachsen, Ängste überwinden und Leidenszustände lindern kann.

Das Klettern, die Höhe und vor allem das unsichere Turngerät können hier stellvertretend für die äußeren Gegebenheiten und die Unabwägbarkeiten des Lebens stehen. Dünn, wacklig, wenig Halt, rutschig und unten gähnt der Boden wie ein Schlund der mich verschlingen möchte. Wirklich verlockende Aussichten! Wenn man lernt, die richtige Technik einzusetzen, sich zu vertrauen und Kräfte dosiert einzusetzen, dann merkt man, dass man auch davor gar nicht mehr so viel Angst haben muss und wächst buchstäblich über sich hinaus.

Erwiesen ist, dass Klettern auf diesem Weg das Selbstvertrauen, die Kommunikation, das Körpergefühl, die Wahrnehmung von Emotionen verbessern kann und so ganz nebenbei ein super Muskeltraining darstellt, welches auch noch den Kopf fordert und so ein ganzheitliches Zusammenspiel der Sinne offeriert.

Tanz! Es muss auch nicht dein Name sein.

Fehlt uns noch der Blick auf das Element des Tanzes. Die Erfahrung zeigt uns, dass Kinder tanzen bevor sie laufen können. Fast instinktiv beginnen sie früher oder später, sich rhythmisch (mehr oder weniger geschickt, aber immer mit vollem Selbstverständnis) zur Musik zu bewegen. Jeder von uns hat das schon einmal beobachten können. Altersübergreifend vom Baby bis zum Kleinkind, in allen Ethnien und Nationen. Doch irgendwann hört es auf. Warum?

Vielleicht, weil jemand gelacht hat? Vielleicht, weil mich jemand ausgelacht hat? Wäre Tanz nur Bewegung, so wäre das doch nicht so schlimm, oder? Wenn Tanz aber ein geöffnetes Fenster zum emotionalen Seelenleben darstellt und somit auch einen Grad der Verletzlichkeit, so ist Lachen eine Waffe, die in diesem Moment gegen mich gerichtet wird. Das verunsichert oder tut weh. Im Zuge des Vermeidungsverhaltens hört man dann auf zu tanzen.

(Auch hier habe ich mehrere interessante Ansätze gefunden, einen Artikel kann man hier nachlesen: https://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/wie-tanzen-als-medizin-wirkt-und-gluecklich-macht-a-881579.html)
In diesem Artikel beschreibt Gunter Kreutz (Universität Oldenburg), dass Tanzen entspannt und gegen Krankheiten helfen kann. Er spricht davon, dass Tanz Leben ist und sich langfristig keine Herrschaft durchsetzen konnte, die Tanz und Musik verboten hatte.

Tanz vereint die Geschlechter, ganz gleich wie viele es sein mögen. Tanz ist Körperlichkeit und kann nur mit dem Ausleben dieser vonstatten gehen, setzt also Offenheit, Selbstvertrauen und Kenntnis des eigenen Körpers voraus, verbessert diese Verhaltensweisen aber gleichermaßen auch. Studien weisen nach, dass während des Tanzens die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel sinkt. Das funktioniert ohne Musik und Tanz nicht.

Folgt man den Ausführungen von Kreutz weiter, so kann man nachlesen, dass Tanzen das Demenzrisiko um 76% reduziert (persönliche Anmerkung (schmunzelnd): Warum kann ich mir dann nie eine Choreo merken?.) Tanzen beansprucht so viel der Hirnkapazität, dass es nach Kreutz Motorik, Aufmerksamkeit, Langzeitgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis beansprucht und somit trainiert.

Tanzen heilt

Eine Studie zeigte (so Kreutz), dass Tanzen auch bei multipler Sklerose helfen kann und führt hier eine Patientin an, die nach 5-monatiger Tanztherapie gänzlich auf eine ihrer 2 Gehhilfen verzichten konnte. Bei Parkinson wird eine Verbesserung der Mobilität erreicht. Auf die Frage, wie das gehen könne, bestätigt Kreutz die in mir schlummernde (nicht wissenschaftliche) Vermutung, dass das über die Psyche vonstatten ginge. Menschen distanzieren sich von ihrem „Ich fühle mich mies-Ich“ und entfliehen in andere Welten. Durch Musik und rhythmische Bewegungen. Das tut gut und wenn keiner lacht, dann fühlt man sich frei.

Kleine Oasen und geschützte Räume

Und so vereinen wir vieles, was wir brauchen durch Tanz und Akrobatik, Yoga und Bewegung. Ohne es vielleicht vorher gewusst zu haben, dienen diese Auszeiten nicht nur dem Training der Muskulatur, sondern auch der Reinigung der Seele.

Vielleicht liegt daran der Reiz von Poledance, Aerial Hoop und der nicht endend wollende Erfolgsweg von Yoga. Ohne diese Elemente fehlt uns etwas und wo kann man denn sonst als Erwachsener schon schaukeln (außer man fährt nach Montreal, das gibt es Bushaltestellen mit Schaukeln)?
(Mehr zum Ansatz des „Embodiments – acrobatic therapy“ findet man hier: https://www.rebel-management-training.de/einzelcoaching-und-beratung

Freitag, 25. Oktober 2019

Beachtung, Achtsamkeit und die Tequila-Seite


Zugegeben, zunächst wollte ich den heutigen Blogbeitrag mit „Ignoranz und Missachtung“ betiteln. In Bezug auf die Sprachhygiene und weil es immer besser ist, das Positive zu sehen, habe ich dann die gegenteiligen Begriffe gewählt. Um die lesenden Personen in die Irre zu führen, weil ich jetzt doch über Ignoranz und Missachtung schimpfen will? Ja, es wird auch über diese beiden Begriffe gehen, doch eben auch über die Wirksamkeit einer echten Sprachhygiene.

Blödsinniges Geschwafel?


Im Training versuchen wir (muskuläre) Dysbalancen zu vermeiden indem wir immer beide Seiten trainieren. Jeder Mensch kennt die dominante und die weniger gute Seite. Schnell sprechen wir dann auch von der „guten“ und der „schlechten“ Seite. Doch wenn wir über einen Sachverhalt/ einen Menschen/ eine Situation immer schlecht reden, so wird es uns schwerfallen, uns mit diesem Sachverhalt/ dieser Person/ dieser Situation in wohlwollender Weise auseinanderzusetzen, ja auch nur Zeit damit zu „vergeuden“. Warum soll ich mich um etwas kümmern, von dem ich schon von Vornherein der Meinung bin, dass es schlecht ist?

Da unsere Haltungen unsere Gedanken prägen, unsere Gedanken wiederum unser Handeln und unsere Motivation, vermeiden wir den Begriff „schlechte Seite“. Es gibt die eine und die andere Seite oder auch die Schokoladen- und Tequila-Seite.

Tequila-Seite?


Ja. Die Schokoladenseite ist die eine (die Gute – pssst!) – die Tequila-Seite ist die andere Seite, die man auch als Zitronenseite bezeichnen kann (man verzieht das Gesicht, wenn man sie trainieren soll). Da man für einen Tequila aber auch Zitronen braucht und der manchmal auch ganz lecker sein kann, nennen wir die „andere“ Seite Tequila-Seite.

Achtsamkeit, Beachtung und der Zeitfaktor


Was wir nicht brauchen, was uns keinen Vorteil verschafft, Dinge, die uns schwerfallen, denen schenken wir selten Beachtung und investieren auch keine Zeit in diese. In Zeiten in denen man mit Informationen überflutet wird, kann man dieses rigorose Vorgehen auch gut nachvollziehen.
Kann man im Sport damit argumentieren, dass ein ausbalanciertes Training wichtig ist, um Fehlhaltungen und Dysbalancen vorzubeugen, so fällt uns im Business-Zwischenmenschlichen-Bereich nicht so schnell ein Argument ein.

Eliminiere, was Du nicht brauchst.


Richtig. Ballast entfernen, sich von dem trennen, was einem nicht nützt, was man nicht verfolgen will, was für einen selbst keinen Wert hat. Das ist auch mit Kontakten so und muss nicht immer etwas mit Ablehnung zu tun haben.
Ein Mindestmaß an Beachtung und Achtsamkeit (Respekt, Anstand) sollte aber auch hier vorhanden sein.
Zugegeben, ich hasse es, wenn man einfach ignoriert wird. Nicht jedes Angebot ist für jeden wichtig, aber eine kurze Rückmeldung, dafür sollte Zeit sein.

Seltsame Blüten


Sonst bringt vor allem der Umgang mit sozialen Medien seltsame Blüten hervor. Da werden Freundschaftsanfragen gestellt (von vollkommen unbekannten Personen) und auf die Frage, wo denn die Gemeinsamkeiten liegen würden, bzw. dass man private Kontakte nur bestätigen würde, wenn man die Person auch kennen würde, wenn es sich allerdings um Geschäftliches handeln würde, der Person vorschlage, den Seiten zu folgen, mit „Fuck you“ geantwortet.
Da werden Freundschaftsanfragen von Personen gestellt, die man tatsächlich persönlich kennengelernt hat und die man dann auch bestätigt. Prima! Danach wird man ignoriert. Keine einzige Frage wird beantwortet, wohl aber wird man mit Wahlkampfwerbung behelligt.

Privat und Geschäftlich


Für die Ausgeglichenheit im Umgang auch mit sozialen Medien hilft es manchmal sich an Telefonbücher zu erinnern.
Ja, da steht die Person X, die ihres Zeichens ein „hohes Tier“ bei einer großen Firma ist, zu der man gerne Kontakt haben würde, vielleicht auch mit der privaten Telefonnummer im Telefonbuch (stand). Dennoch würde man sie wohl kaum zu Hause anrufen, um dann in den Hörer das Wort „Freundschaft?“ zu säuseln und auf Nachfragen einfach zu schweigen, oder?

Wir wollen Beachtung, uns selbst verwirklichen, Likes generieren, Followerzahlen ansteigen lassen und sehen dies alles als Währung unserer persönlichen Bedeutung?
Vergessen wir dabei nicht die „andere“ Seite, auch dieser Seite, die wir vielleicht gar nicht so mögen, zumindest hin und wieder Beachtung zu schenken, damit wir keine Dysbalancen entwickeln.

Freitag, 18. Oktober 2019

Yoga und was man in den Berufsalltag mitnehmen kann


Zu Beginn einer neuen Herausforderung kann es durchaus sein, dass man sich in diese stürzt und ohne viel Nachdenken loslegt. Das muss nicht immer das Schlechteste sein. In vielen Fällen, gerade auch wenn es um berufliche Projekte geht, nimmt man sich allerdings Zeit (oder sollte sie sich nehmen) und betrachtet das neue Thema, beleuchtet es von allen Seiten, analysiert es und überlegt sich, wie sich das Thema darstellt und wie man am besten mit diesem umgeht.

Danach stellt man, wann immer möglich, die notwendigen Ressourcen bereit, um ausreichend Energie für die Projektbearbeitung zur Verfügung zu haben.
Man bereitet alles vor, stellt das richtige Team zusammen und beginnt zu arbeiten.
Viele Projekte stellen unterschiedliche Anforderungen, manche Teilschritte gehen leichter von der Hand, andere benötigen mehr Ruhe, wieder andere erfordern absoluten Krafteinsatz – aber alle Teilschritte sind notwendig.

Und am Ende hofft man, dass man das Projekt erfolgreich abschließt, das Thema in guter Art und Weise bearbeitet hat. Prima. Und auf geht’s zum nächsten Projekt.

Projektarbeit und Yoga im Vergleich

Im Grunde gleicht der Umgang mit Projekten (im beruflichen Alltag) somit fast dem Aufbau einer klassischen Yoga-Stunde.

Klassisch beginnt man hier mit der Anfangsentspannung: Man kommt an und zur Ruhe, man stellt sich auf das Kommende ein, man konzentriert sich auf das, was kommen wird und hält ein wenig Zwiesprache mit dem eigenen Körper, um ihn zu fragen, wie es ihm heute geht und mit welchen Befindlichkeiten er gerade zu tun hat, die eventuell im weiteren Verlauf der Aufmerksamkeit bedürfen.

Danach kümmert man sich auch in einer Yoga-Stunde um die Bereitstellung der notwendigen Energie: Prana. Mit entsprechenden Übungen (Pranayama) legt man den Fokus auf die Atmung, um die Energie bereitzustellen und zu erhöhen. Nur mit genügend Energie, Sauerstoff und Versorgung des Körpers mit diesen Bestandteilen ist ein konzentriertes und sinnvolles Absolvieren der nächsten Schritte möglich. Dieser Schritt entspricht der Ressourcenbereitstellung für ein Projekt.

Ist man so auf das Kommende eingestellt, bereitet man den Körper vor, erwärmt ihn. Auch im Yoga weiß man, dass viele Asanas sehr komplex sind und hohe Anforderungen an die Wahrnehmung, die Koordination und das Gleichgewicht stellen. Um derart komplexe Aufgaben bewältigen zu können, bedarf es der Vorbereitung. So kennt man das auch aus der Projektarbeit. Projekte sind komplex, stellen hohe Anforderungen, man kann sich nicht ohne Vorbereitung in diese stürzen. Zunächst stellt man das Team zusammen, bespricht, wägt ab, bereitet vor.

Asanas – das Projekt

Erst danach geht es an die eigentlichen Übungen, also die Projektarbeit im übertragenen Sinne
Je nach Projekt/ Thema der Yogastunde stehen andere Ziele/Ergebnisse im Vordergrund. Mit dem richtigen Team (im übertragenen Sinne das Zusammenspiel aus Atmung, Ruhe, Muskelkraft, Körperbewusstsein und Flexibilität) bringt man das Projekt zum Erfolg. Der Vergleich zeigt auch, dass in einem Team mehrere unterschiedliche Persönlichkeiten vonnöten sind, denn nicht alles lässt sich mit den gleichen Charaktereigenschaften bewältigen.

Der große Unterschied

Jeder Vergleich hinkt und so hat auch der Vergleich einer Yoga-Stunde mit der Projektarbeit im Unternehmen bestimmt mehr als einen Haken. Das ist in Ordnung. Was allerdings so gar nicht zusammenpasst, ist der letzte Programmpunkt einer Yoga-Stunde mit dem üblichen Vorgehen nach Projekten.
Eine Yoga-Stunde wird mit der Tiefenentspannung abgeschlossen. Diese ist nicht ohne die Anstrengung vorher möglich und stellt zudem einen runden Abschluss für Körper und Geist dar.
Wie sieht das allerdings mit Projekten aus? In vielen Bereichen zählt allein das Ergebnis. Ist das Projekt (erfolgreich) abgeschlossen, so ist der Sache Genüge getan. In den seltensten Fällen nimmt sich das Projektteam am Ende Zeit für die Tiefenentspannung, für das ruhige Revue passieren lassen der vorangegangenen Phase. Urlaub, ein paar freie Tage oder das gemeinsame Abschlussessen mit dem Team sind hier nicht gemeint, vielmehr ein protokollfreies Abschlussmeeting, welches Ruhe und Gelassenheit (gleich wie der Ausgang des Projektes war) offeriert.

Keine Entspannung ohne Anstrengung

Die Wünsche einiger Personen lassen sich allerdings doch wieder vergleichen: Viele Menschen wollen Tiefenentspannung ohne Anspannung und Arbeit im Vorfeld. Viele Menschen möchten gute Projekte ohne viel Aufwand aber mit tollen Ergebnissen.

Yoga oder Projektarbeit? Wichtig ist immer eine runde Choreographie, so wie eine gute Geschichte nicht nur einen attraktiven Anfang, sondern auch ein passendes Ende benötigt.





Donnerstag, 10. Oktober 2019

Wer bin ich und wenn ja, wie divers?




In Ordnung. Dann werden wir die Toilettenschilder im Studio nochmals verändern. Künftig wird es nicht mehr die Beschriftung „Sporty Men“ und „Sporty Women“ geben, sondern ganz langweilig „Toilette“ und „Privat“. Wobei „Privat“ auch allen Personen offensteht, die unser Studio besuchen.

An dieser Stelle ärgere ich mich gerade, dass wir so ganz ohne Vertragsbindung arbeiten. Hätten wir Verträge, dann hätten wir auch Mitglieder und hier gibt es – soweit ich weiß – keine Mitglieder und Mitgliederinnen, oder doch? Wobei sich hier die Frage stellt, ob allein das Wort „Mit Glied (er)“ vielleicht in Zukunft gar nicht mehr benutzt werden darf, weil es per se ja schon geschlechtsdiskriminierend ist?

Komplizierte Toilettenbeschriftung

Zurück zur Toilettenbeschriftung: Es war den Menschen, die in unser Studio kamen bisher auch herzlich egal, was auf der Toilette stand, Hauptsache sie ist sauber. Benutzt wurde die Toilette, die gerade frei ist, so einfach war das. (Und so wird es hoffentlich auch in Zukunft bleiben. Für die Sauberkeit sorge ich, für den unkomplizierten Umgang die Personen, die zu uns ins Studio kommen.)

Wir bieten Sportkurse für Menschen an! Nicht für Tiere, nicht für Aliens – für Menschen. Tatsächlich stellt das manche interessierte Person vor ein Dilemma. Bei einem Telefonat vor ein paar Wochen fragte eine Person (das ist neutral oder? Also Person ist m/w/d?), ob wir reine Frauenkurse hätten? Ich verneinte. Sie stellte die Frage erneut, als ob sie der Meinung wäre, man/frau/divers hätte sie nicht richtig verstanden. Wieder war die Antwort gleichlautend: Wir würden Sportkurse für Menschen anbieten. Sie (die Person) entgegnete darauf, dass sie sich aber wohler fühlen würde, wenn es nur Frauen wären. Ich entgegnete darauf, dass sie dann generell ein Problem haben würde, denn Pilates (um diesen Kurs ging es ihr (der Person)) würde ein männlicher Trainer unterrichten (hier darf ich das Geschlecht nennen, denn es handelt sich um meinen Mann, er ist – soweit ich das weiß und beurteilen kann – männlich. ABER: Darf ich überhaupt „mein Mann“ sagen, oder ist das zu besitzergreifend? Muss es in Zukunft vielleicht heißen: Die Person, die für sich selbst die Geschlechtsbezeichnung „männlich“ bevorzugt und in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit mir lebt?).

Herr, Frau oder Du?

In meiner Tätigkeit als Trainerin/ Beraterin und Coach für Rebel-Management-Training leite ich auch Seminare. Hier muss ich die anwesenden Personen ab und an sogar ansprechen. Ich habe mich hier bisher immer vor einer „Du-Pflicht“ gedrückt, also die Personen, die anwesend waren auch mit „Herr“ oder „Frau“ angesprochen. In Zukunft werde ich zum französischen „Du“ übergehen: Vorname plus „Sie“. So ist jedem gedient. Kein „Frau“, kein „Herr“ und dennoch das „Sie“, welches für mich nie für „Distanz“ sondern für „Höflichkeit und Respekt“ stand und stehen wird.

Führungskräftinnen, Mitgliederinnen, Vorgesetzinnen?

Selbstverständlichkeiten setzen Selbstverständnis voraus. Je mehr man auf etwas pocht, es in den Vordergrund stellen muss, sich auf diesen Punkt bezieht, desto eher wird der Umgang damit „verkrampft“. Das war schon mit der gendergerechten Sprache (Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Mitglieder und Mitgliederinnen, Teilnehmer und Teilnehmerinnen, Vorgesetzte und Vorgesetztinnen, Führungskräfte und Führungskräftinnen) so, das ist es auch mit dem Wort divers.
Ein Mensch, der sich selbst versteht, versteht es auch, das Bild von sich zu entwerfen, welches die Gesellschaft wahrnehmen soll. Meistens. Und wenn nicht, dann muss man damit auch umgehen können.

Gedemütigt und diskriminiert

Ich darf das sagen, denn ich bin in den letzten 23 Jahren so oft auf meine „Kurze Haarpracht“ angesprochen worden, so oft als Transvestit betitelt worden, so oft für lesbisch gehalten worden (da hilft es auch nichts zu erklären, dass man glücklich verheiratet ist und zwei Kinder hat), so oft als Mann bezeichnet worden, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als das mit Humor zu nehmen.
Zugegeben: Das gelingt mir nicht immer. Es gibt genug Situationen, wo es schmerzt, wo es weh tut, wo ich mich gekränkt und vielleicht auch ein wenig gedemütigt fühle, aber es deswegen habe ich immer noch nicht das Recht von der Gesellschaft eine komplette Umwandlung zu verlangen. Es waren einzelne Individuen, die nicht anwesend waren, als Anstand, Respekt, Wertschätzung und Taktgefühl durchgenommen wurde, nicht die Gesellschaft an sich.

Herzlich Willkommen

Bei uns sind Menschen herzlich willkommen. Wer sich nicht mehr menschlich benimmt, ist auch nicht willkommen. Tiere mögen wir auch, die haben nur leider im Studio keinen Zutritt.

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Zeigt her Eure Füße…


zeigt her Eure Schuh.“ So heißt es in einem bekannten (oder mittlerweile weniger bekannten) Kinderlied. Zuerst die Füße, dann die Schuhe.

Vernachlässigung


Obwohl unsere Füße eine im wahrsten Sinne des Wortes „tragende Rolle“ spielen, vernachlässigen wir diese gern. Es gibt nicht wenige Menschen, die ihre eigenen Füße nicht mögen, ja nicht einmal anfassen wollen. Sie finden diese nicht schön oder sogar eklig.

Wohl sind uns die positiven Auswirkungen einer Fußreflexzonenmassage bekannt, man gönnt sich vielleicht sogar eine professionelle Pediküre oder lässt Fische an den eigenen Füßen herumknabbern, aber so richtig respektieren kann man die Fundamente der Säulen unserer aufrechten (und aufrichtigen ?) Haltung nicht.

Kapitalverbrecher


Es muss reichen, wenn man alle 3 Monate die Fische ranlässt, oder sogar einmal pro Monat zur Pediküre geht. Für den Rest der Zeit sperren wir unsere Füße wie Delinquenten eines Kapitalverbrechens ein. Freigang bekommen die Füße vielleicht mal im Urlaub, am Strand, im Sand.

Wir stehen auf und ziehen Hausschuhe an. Wir machen Sport und tragen Joggingschuhe. Wir gehen zur Arbeit und tragen Businessschuhe und manche Menschen tragen sogar im Bett Socken. Luft, Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten bekommen unsere Füße so gut wie nie.

„Nee, das ist ja eklig. Ich mag meine Füße nicht, die sind ungepflegt. Da bekomme ich immer ganz schnell kalte Füße. Etc. etc. etc.“
Wir kümmern uns um unser Gesicht. Wir wissen, dass gepflegte Hände wie eine Visitenkarte angesehen werden. Wir ärgern uns über einen Pickel auf der Stirn oder Pigmentflecken auf dem Dekolleté. Denjenigen, die uns durchs Leben tragen, zollen wir weder Aufmerksamkeit noch Respekt, beschämt verstecken wir sie fast unser Leben lang.

Wissenschaftlich erwiesen


Dabei hat Barfußlaufen so viele Vorteile: Erst wenn wir unsere Füße von den Schuhen befreien, kann und muss die Muskulatur dieser und auch der Waden richtig arbeiten. Wir trainieren. Barfuß läuft man anders und federt dadurch Aufprallkräfte ab, die sich schädlich auf die Wirbelsäule auswirken können. Prof. Dr. Astrid Zech (Sportwissenschaftlerin der Uni Jena) führt an, dass es zunehmend Hinweise gäbe, dass das Barfußlaufen die Laufökonomie verbessern würde. Sie sagt auch, dass man an den Füßen von Barfußläufern sehen würde, dass die Füße breiter und das Fußgewölbe höher seien.

Auch ich musste als Kind Einlagen tragen (und habe diese gehasst). Plattfüße, so die Diagnose. Habe ich heute nicht mehr. Alles, was bei uns im Studio passiert, passiert barfuß. Egal ob im Yoga oder Pilates, bei Pole oder Hoop, im Stretching oder Personal Training. Wir sind ein Barfuß-Studio. Zu Beginn einer Teilnehmer*innen-Trainer*innen-Beziehung führt dies häufig zu Irritationen, aber schon nach kurzer Zeit merken unsere teilnehmenden Personen die positiven Auswirkungen: Rückenschmerzen nehmen, ebenso wie Hallux-Beschwerden ab. Die Füße sind nicht mehr so oft kalt.

Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass bereits Kinder vom Barfuß-Laufen profitieren, weil es ihre motorische Entwicklung fördert (Prof. Dr. Astrid Zech, Sportwissenschaftlerin der Uni Jena). 

Sturzprophylaxe und einfaches Workout


Im medizinischen Fitnesstraining wird beispielsweise auch für Osteoporose-Patienten die Balancefähigkeit trainiert (um Stürze vermeiden zu können). Und was ist elementar für die Balancefähigkeit? Füße, die sich entfalten können dürfen.

Weniger Rückenschmerzen, eine gesündere Fußmuskulatur, die eigene Aktivierung der Fußreflexzonen, seltener kalte Füße und vielleicht sogar ein verbessertes Verhältnis zu den eigenen Füßen, die jeden Tag so viel für uns tun, nur, weil wir ihnen erlauben, sich frei zu entfalten? Ja, manchmal kann es tatsächlich einfach sein.

Freitag, 27. September 2019

Beckenkippung nicht nur für Bauchtänzer



ISG Blockaden, Ischiasbeschwerden, das Piriformis-Syndrom. Allein die Aufzählung führt bei manchen bestimmt schon zu schmerzverzerrten Gesichtern. Wenn der untere Rücken schmerzt, so wissen wir, dass sich das in unguter Weise auch auf die Beine und den oberen Rücken auswirken kann.

 

Eine stabile Mitte


Je stabiler unsere Körperachse, desto besser die Kraftübertragung nach oben und unten. Stabil darf hier allerdings nicht mit steif verwechselt werden. Es macht also Sinn, sich um die Zunahme der Beweglichkeit im Becken zu kümmern. Ein bewegliches Becken kann dazu beitragen, muskulären Dysbalancen und Fehlhaltungen entgegenzuwirken.

 

Die Beckenkippung


Die Beckenkippung dient hier der bewussten Bewegungssteuerung und hält uns mittig flexibel und kräftig zugleich. Wer hier Bewegungen gezielt steuern kann, trägt dazu bei den unteren Rücken zu entlasten. Eine beeindruckende Beherrschung der Körpermitte sieht man beispielsweise bei Personen, die Bauchtanz machen. Aber nicht nur für Bauchtänzer*innen, sondern für alle Menschen macht es Sinn, sich ein wenig mit dem Training des Beckens auseinanderzusetzen. Im Buch „Aerial Passion Trainerguide. Das Handbuch für Poledance- und Aerial Hoop Trainer“ (Nadine Rebel) wird ebenfalls auf die Rolle der Bewegungssteuerung des Beckens eingegangen und in der kommenden Ausgabe des Pole Art Magazines (Dezember 2019) kann man einen Artikel zur Bedeutung des Beckens für die Rückengesundheit, aber auch für die psychischen Wahrnehmungen lesen.
Es macht also durchaus Sinn, sich um seine Mitte zu kümmern.

Freitag, 20. September 2019

Ein gutes Kind


Ein Mensch erzählt: 

„Wissen Sie, ich habe ein wirklich gutes Kind. Es macht immer, was man ihm sagt. Es hat keine eigene Meinung, also ich gehe davon aus, dass es keine eigene Meinung hat, denn ich habe es noch nie danach gefragt und es begehrt auch nie auf. Es funktioniert prima, äußert nie eigene Bedürfnisse, braucht nichts und ist mit dem zufrieden, was für es abfällt. Man kann alles von ihm verlangen, es ist wirklich brav. Nie hat es Widerworte. Es ist so toll, so ein Kind zu haben, um dass man sich überhaupt nicht kümmern muss. Und wenn es sich mal meldet, dann muss man nur sagen, dass man das nicht möchte und sofort ist wieder Ruhe. Toll, genauso habe ich mir das immer vorgestellt. Und wenn ich das Gefühl habe, dass das Kind tatsächlich mal mehr Aufmerksamkeit braucht, dann gehe ich einfach in ein großes Möbelgeschäft und gebe es dort in der Kinderbetreuung ab, oder aber ich setze es vor den Fernseher oder melde es eben bei irgendeinem Ferienprogramm an.“

Ein Mensch erzählt: 

„Wir haben nur perfekte Mitarbeiter. Egal, was man ihnen aufbürdet, sie erledigen es. Sie sind nie krank, sie verlangen nicht nach Aufmerksamkeit, oder gar, dass man ihnen zuhört. Überstunden sind ganz normal, sie arbeiten, wenn es sein muss auch mal 24 Stunden am Stück durch, ohne dass sie am nächsten Tag krank sind, oder auch nur über Müdigkeit jammern. Was die Vorgesetzten-Ebene verlangt, wird erledigt, dafür sind die Mitarbeiter ja auch da, oder? Für eigene Meinungen, Kritik und Gegenrede ist in unserem Unternehmen auch kein Platz. Dafür gibt es bei uns mehr Urlaubsgeld.“

Das darf doch wohl nicht wahr sein?

Kopfschütteln, Unmut? Ein aufkeimendes Gefühl des Unwohlseins? So kann man doch nicht mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen umgehen, schon gar nicht mit Kindern? Man begegnet sich doch schließlich mit Respekt und Wohlwollen. Wertschätzung sei ganz wichtig, entgegnen Sie? Unterschiedliche Meinungen sind wichtig und können aufzeigen, wo etwas nicht ganz rund läuft. Nur durch das Vorhandensein unterschiedlicher Meinungen, das Äußern von eigenen Sichtweisen und Empfindungen kann Entwicklung vonstatten gehen, meinen Sie?

Stimmt . Und jetzt ersetzen Sie das Kind im ersten Beispiel und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im zweiten durch das Wort „Körper“.

Ersetzen Sie Kind/Mitarbeiter und verwenden das Wort Körper

Tatsächlich gehen viele Personen so mit ihrem Betriebskapital um. Ein Körper hat zu funktionieren. Wenn er sich meldet, in welcher Form auch immer, dann ist etwas verkehrt. Wenn er schon meint, nicht funktionieren zu müssen, dann bitte wenigstens in der Form, dass man sich krankschreiben lassen kann und nicht zur Arbeit muss.

Missempfindung oder Schmerz

Viele Menschen können heute nicht mehr zwischen Missempfinden und Schmerz unterscheiden. Sobald sich der Körper meldet, muss etwas verkehrt sein. Man setzt sich nicht so gerne mit dem Körper auseinander, reicht ja schon, wenn man ihn 24 Stunden am Tag mit sich herumschleppen muss. Und wenn er dann wirklich einmal meint, eine eigene Meinung, die dem Kopfbesitzer nicht passt, äußern zu müssen, dann geht man eben zum Arzt und lässt sich eine Spritze geben. Zur Not investiert man auch mal in Wellness oder eine Massage. Muss reichen.

Respekt und Wertschätzung

Ein Körper darf sich melden. Er darf am nächsten Tag seine Meinung über die körperliche Betätigung des Vortags äußern. Er darf anderer Meinung sein als sein Kopfbesitzer und wir sollten zuhören. Schmerzen sind Warnsignale, aber nicht jede Körperäußerung ist Schmerz.
Wir sind dann zufrieden mit unseren Körpern, wenn wir sie nicht spüren. Mit Kindern und Mitarbeitern gehen wir wertschätzender um.

Freitag, 13. September 2019

Wie wir Gleichberechtigung verstehen


 

Gleiche Voraussetzungen für alle


Bei CrazySports Augsburg haben wir keine Kinderkurse. Wir haben keine Kurse für Männer und keine Kurse speziell für Frauen. Wir unterteilen nicht in Altersklassen.

Kleingruppenvorteil

Unser Hauptaugenmerk liegt bei den teilnehmenden Personen, dabei ist es unerheblich, ob diese 7 oder 70, männlich, weiblich oder divers sind.
Wir führen unsere Kurse in Kleingruppen durch und fragen vor jeder Einheit nach besonderen Befindlichkeiten, Themen, Wehwehchen, um dann speziell auf diese eingehen zu können.

Jeder Mensch ist einzigartig und so kann es durchaus sein, dass man einer Person, die 7 Jahre alt ist die Herausforderung anders nahebringen muss als einer Person, die – zumindest was die Zahl der Jahre betrifft – erwachsen ist. Aber das ist immer unsere Aufgabe und diese erfüllen wir gerne.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Was alle Personen verbindet, die zu uns kommen, sie möchten den Sport ausüben. Punkt. Und hier setzen wir an.

Größtes gemeinsames Vielfaches

Jeder Mensch hat bis zu einem gewissen Grad die gleichen Voraussetzungen und dennoch sind die Themen, die wir und unsere Körper mitbringen vielfältig. Mehr oder weniger Muskelmasse, mehr oder weniger Flexibilität, mehr oder weniger Vorerfahrung. Eventuell noch kleinere Baustellen und verheilte Blessuren, die berücksichtigt werden wollen.

Vielfalt der Einzigartigkeiten

Gerade diese Vielfalt kann aber auch dazu führen, dass man für sich als teilnehmende Person feststellt, dass jede Person mit Herausforderungen zu kämpfen hat, dass das, was mir leicht fällt für meine „Trainings-Buddy“ schwer ist und umgekehrt.

Keine Etiketten

Wir sehen mehr Vorteile im Miteinander als in der Stückelung unseres Kursangebots für „spezielle Gruppen“. Hier stellt sich auch die Frage, wo man anfangen sollte und wo aufhören?
Kinderkurse für 4-10Jährige. Teenagerkurse. Kurse für Jungs. Kurse für Mädchen. Kurse für weibliche Best-Ager, Kurse für männliche Bestager. Kurse für Personen mit Vorerkrankungen, Kurse für „festere“ Personen, Kurse für Menschen mit geringem Selbstvertrauen.
Allein diese Unterteilung kann unter Umständen schon als Stigmatisierung, als Etikett gesehen werden. Etiketten sind etwas für Klamotten, wir arbeiten mit Menschen.

Freitag, 6. September 2019

Und was tun Sie, um meinen inneren Schweinehund zu überwinden?





.so lautete eine Frage eines Herren, der sich bei einem Unternehmertreff nach meinem beruflichen Background erkundigt hatte. Nach der Vorstellung beider Unternehmensbereiche und der Erklärung, wie wir es in unserem Studio mit Verträgen handhaben(keine Vertragsbindung, Freiwilligkeit, der Teilnehmer/ die Teilnehmerin entscheidet, ob er/sie zum Sport kommen möchte oder nicht.), war der Herr sehr erstaunt und stellte eben oben genannte Frage.

Was sagt man darauf?


Tatsächlich war von meiner Seite erst einmal eine gewisse Art sprachlosen Erstaunens vorhanden. Für einen Moment (gefühlt quälend langer Ewigkeit) war ich doch wirklich ohne Worte. Dann entgegnete ich, dass es genau darum gehen würde.
 

Meine Aufgaben - Eure Aufgaben


Es wäre nicht meine Aufgabe sämtliche Schweinehunde anderer Menschen zu überwinden, damit es diesen besser gehen würde. Meine Aufgabe wäre es, für die Menschen im Rahmen der Möglichkeiten da zu sein, der beste Trainer zu sein, der ich sein kann und mich wertschätzend um die teilnehmenden Personen zu kümmern. Teilnehmende Personen zu fördern und zu fordern, auf sie einzugehen, mich im Rahmen meiner Kompetenzen um ihre Themen und Baustellen zu kümmern. Immer und immer wieder.

Dumm?


Aber das wäre doch dumm, warum dann die Personen überhaupt in unser Studio kommen sollten? Daraufhin meinte ich, weil der Erfolg ihnen und uns Recht gibt, weil sie sich danach besser fühlen würden, weil aus einer vielleicht anfänglichen extrinsischen Motivation (ich will abnehmen, ich muss jetzt was für mich tun, hat der Arzt gesagt..) eine intrinsische Motivation werden würde (ich möchte zum Sport, es tut mir gut. Ich freue mich drauf, ich genieße es währenddessen und danach fühle ich mich auch noch gut oder sogar besser.)
 

Das schönste am Sport kommt für mich nicht erst danach


Der Herr runzelte die Stirn und meinte, dass er das nicht verstehen könne. Er selbst würde auch regelmäßig Joggen gehen, aber das Schönste daran wäre die Dusche danach. Auf diese würde er sich schon vom ersten Schritt an freuen, deswegen würde er Joggen

Freitag, 23. August 2019

Bewegung im Betrieb - Aha-Effekte garantiert


Gesundheitsmanagement im Büro
Heute verbinden wir in unserem Blog-Beitrag wieder beide Unternehmensbereiche. Ja, es geht um Sport - genauer gesagt um Bewegung, noch genauer um Wahrnehmung. Nein, hier muss keiner Angst haben, dass er sich kaputt macht.

Körperwahrnehmung und Rückengesundheit


Viele Unternehmen sind sich der Tatsache bewusst, dass nur gesunde Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen langfristig die beste Leistung erbringen. Viele Unternehmen wissen auch, dass es sich bei Leistungen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement um wertvolle Investitionen in die wichtigsten Personen, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, nicht um Incentives handelt.
Dabei ist es manchmal gar nicht einfach BGM in das betriebliche Umfeld zu integrieren. Unter Umständen sprechen die Angebote die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht an, oder aber diese fühlen sich in gewisser Weise gezwungen oder genötigt, etwas zu tun, worauf sie vielleicht gar keine Lust haben, auch wenn die Intention des Unternehmens fernab dieser Interpretationsmöglichkeit liegt.

Erfahrungsbericht


Wir haben mit unseren Bewegungsworkshops hier sehr interessante und gute Erfahrungen gemacht. In einem Kurzworkshop, der ganz unkompliziert während der Arbeitszeit erfolgen kann, erfahren die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mehr über sich, die Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper und den Ursprung der alltäglichen Beschwerden und Wehwehchen.

Identische Baustellen


Weniger erschrecken als beruhigen soll hierbei die Tatsache, dass die meisten Personen die gleichen Baustellen haben: Halswirbelsäule, unterer Rücken, Fehlhaltungen und die daraus resultierenden Beschwerden, die den (Arbeits-) Alltag durchaus beeinträchtigen können. Dabei spielt das Lebensalter eine geringere Rolle, als man zunächst vermuten würde.

Kein erhobener Zeigefinger


Manchmal liegt uns der Alltag buchstäblich schwer auf den Schultern. Das lässt uns der Körper spüren. Grundsätzlich wüsste man, was man ändern sollte, aber dazu fehlt die Zeit oder auch die Motivation.
Es geht also in keiner Weise darum, mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger Ernährungs- und Bewegungstipps von sich zu geben, die jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin bereits kennt. Vielmehr setzen wir in unseren Workshops Ankerpunkte des Denkens und der Achtsamkeit, die sich fast spielerisch in den Alltag integrieren lassen.

Das Zusammenspiel von Kopf und Körper


Die Themen umfassen die Rückengesundheit, die Haltung, die Körperwahrnehmung, das Zusammenspiel von Geist und Körper und führen regelmäßig zu vielen „Aha-Effekten“.
Nicht nur am Tag danach spüren die teilnehmenden Personen tatsächlich schon Veränderungen, was uns immer wieder sehr freut.
Dabei wird außer einer Decke oder einer Yoga-Matte nichts benötigt. Auch können die teilnehmenden Personen direkt danach ihrer Arbeit wieder nachgehen, da die Übungen bewusst so ausgelegt sind, dass keine Person Angst haben muss, für den Rest des Arbeitstages nicht mehr präsentabel zu sein.
In 2 Stunden Aha-Effekte generieren, wieder Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen und für den Alltag besser gewappnet sein, das schaffen unsere Bewegungsworkshops. 


Und vielleicht entsteht dann sogar die Lust, mehr als einmal etwas für sich zu tun.

Freitag, 16. August 2019

Yoga und Pilates – zwei Seiten einer Medaille?


Betrachtet man Fotos aus Yoga- und Pilates-Kursen so stellt man sich häufig die Frage, wo denn überhaupt der Unterschied bestehen würde, denn dieser ist rein fototechnisch oft nicht oder nur marginal erkennbar?
Die Übungen ähneln sich, die Posen wirken identisch. Sowohl im Yoga, wie auch in Pilatesstunden soll der Körper mit dem Geist gesteuert werden (ist das nicht eigentlich im Alltag auch so?). Gut.
Entspannung. Atmung. Muskelkräftigung und Rumpfstabilität – auch dafür stehen beide Sportarten.

Ausführung

Oftmals kann man lesen, dass Yoga eher der Entspannung dienen solle und Pilates ein Workout wäre. Meiner bescheidenen Meinung nach ist dies falsch. Wer meint, Yoga würde kein Krafttraining sein, der hat es wohl noch nicht praktiziert. Die Entspannung im Yoga (trotz körperlicher Anstrengung) ist das hohe Ziel, welches man wieder fast ein wenig spirituell betrachten kann (aber nicht muss!).
Sowohl Yoga wie auch Pilates trainieren die Rumpfstabilität, die Körperwahrnehmung, das Zusammenspiel von Atmung und Körperarbeit und verbessern somit die Leistungsfähigkeit wie auch die Körperhaltung und tragen zu einem gesteigerten Wohlbefinden bei.

Herkunft Pilates

Joseph Hubertus Pilates lebte von 1883-1967. Seine Lebensgeschichte ist mehr als interessant, sein Konzept zum ganzheitlichen Körpertraining entwickelte er während er zur Zeit des 1. Weltkriegs in Großbritannien interniert war. Er suchte eine Möglichkeit, sich fit zu halten, auch unter den widrigsten Umständen. Seine Mithäftlinge trainierten mit ihm. 1926 wanderte Pilates in die USA aus und eröffnete in einem Gebäude, in welchem sich auch eine Ballettschule befand, sein Studio. So bemerkten auch Tänzer und Tänzerinnen, dass diese Methode des Trainings positive Auswirkungen hat. (Nebenbei bemerkt, kann man sich so auch erklären, warum man beim Pilates die Wahl hat, alles mit gestreckten oder angezogenen Zehen zu machen, während man beim Yoga eher mit einem geflexten Fuß arbeitet).

Herkunft Yoga

Yoga kommt bekanntlich aus Indien und beschreibt im Grunde viel mehr als nur spezielle Körperübungen. Man sagt, die Übungen (Asanas) wurden entwickelt, um für die Anforderungen einer langen Meditation besser gewappnet zu sein, seien also im Grunde nur ein Nebenprodukt des eigentlichen Ziels. Yoga ganzheitlich und manchmal (für westliche Begriffe) auch zu übertrieben ausgeübt, umfasst die Lebenseinstellung im Allgemeinen und stellt eine spirituelle Lehre dar.

Atemtechnik

Ein wesentlicher Unterschied ist beispielsweise bereits in den anzuwendenden Atemtechniken zu sehen, die für beide Kursarten eine wesentliche Rolle spielen. Im Yoga atmet man durch die Nase ein und durch die Nase aus, beim Pilates versucht man durch die Nase ein und durch den Mund wieder auszuatmen, wobei vor allem bei der Ausatmung der Anspannung der Bauchmuskulatur eine gesonderte Rolle zugeschrieben wird.
Zentraler Begriff der Pilates-Atmung ist das „Powerhouse“ – die Körpermitte: Man versucht bei der Einatmung Brustkorb, Flanken und Bauch zu aktivieren und die Ausatmung mit einer zusätzlichen Anspannung des Bauches zu verstärken. Im Yoga gibt die Atmung mehr den Rhythmus anzustrebender Meditationsruhe an.

Die Matten

Ein Unterschied kann unter Umständen die Matte darstellen, auf welcher man die Übungen ausübt. Während man im Pilates eher mit dickeren Gymnastikmatten arbeitet, die weicher sind und mehr nachgeben, begnügt man sich im Yoga mit sehr dünnen Matten, die die Härte des Bodens kaum dämpfen. Auch hier gehen wir pragmatische Wege, denn bei uns wird auch Pilates auf den dünnen Yoga-Matten ausgeübt. Optional bieten wir Schaumstoffpads an, falls man am Anfang ein wenig Probleme hat, mit den Knien auf dem Boden zu sein.

Die Wiederholungszahl

Der – meiner Meinung nach – größte Unterschied der beiden Sportarten ist in der Bewegungsabfolge zu sehen. Während Yoga darauf hintrainiert, Positionen trotz Gemecker des Körpers („das tut weh“ – „das geht nicht“ – „aua“) zu halten und trotz des schreienden Kleinkinds Psyche Ruhe zu bewahren und tiefer zu gehen, arbeitet Pilates eher mit Wiederholungszahlen. Eine Übung wird 8-10 mal je Seite ausgeführt. Der erste Teil der Übung wird mit der Einatmung absolviert, der zweite Teil der Übung mit der Ausatmung. Der Atemrhythmus gibt An- und Entspannung, Bewegung und Gegenbewegung vor.
Im Yoga verharrt man ziemlich häufig in der jeweiligen Position und hält diese für mehrere Atemzüge.

Fazit

Die Erfahrung hat uns bisher gezeigt, dass sehr wenige Personen beide Sportarten mögen. Die Ruhe und Meditation, die geistige Entspannung und das Verharren in den Positionen ist für viele Menschen im Yoga genau das, was sie brauchen. Pilatesliebhaber hingegen ist genau dies ein Graus. Statt innerlich ruhiger zu werden, ist das Aushalten und Verweilen in einer Position ihnen so zuwider, dass während einer Yoga-Stunde auch die Stimmung bis hin zur latenten Aggressivität zu kippen droht.
Eine Sportart sollte immer freiwillig und im Idealfall mit Liebe und Hingabe ausgeübt werden. Insofern ist das für Euch besser, womit Ihr euch eher identifizieren könnt, ob Yoga oder Pilates ist dabei zweitrangig, denn zur Steigerung des eigenen Wohlbefindens eignen sich beide Sportarten.

Samstag, 10. August 2019

Sinnlichkeit und Vorstellungskraft

Attraktivität


Attraktivität (lat. attrahere, an sich ziehen, anziehen‘) ist die Anziehungskraft. Dabei kann man sich von vielen Dingen angezogen fühlen: Humor, Äußerlichkeiten, Güte, Schönheit, Geld, Macht, sozialer Einfluss und vielem mehr. Attraktivität ist zum einem vom persönlichen Geschmack abhängig, zum anderen dem sozialen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen. 

Hase und Igel


Versucht man also den gängigen Standards vorgeschriebener Attraktivität nachzukommen, so kann man Glück haben oder aber auch wie in der Fabel von "Hase und Igel" immer etwas zu spät dran sein. Letzteres wird vor allem dann der Fall sein, wenn man sich den angesagten Schönheitsidealen unterwirft. 

Neugier


Attraktivität hat auch immer ewas mit Neugier zu tun. Eine andere Person, eine Gruppe, Menschen oder Lebewesen im Allgemeinen finden es spannend, sich mit der anderen Person, Gruppe, anderen Menschen, Lebewesen im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Man muss sich Zeit nehmen und aufgeschlossen sein, den eigenen Gedanken Raum zugestehen und überhaupt auch eigene Gedanken haben. 

Attraktiviät ist, was der Kopf daraus macht


Man hat es also nur bedingt in der Hand, was dem Gegenüber gefällt und was nicht. Das ist gut so.
Es gibt zwar ein paar Punkte, auf die kann man sich halbwegs verlassen, heute gemeinhin zusammengefasst unter dem Aspekt "sex sells", aber sicher kann man sich selbst da nicht sein. Erst die Gedanken, die Phantasie und das Denken des Gegenübers werden zu dem Schluss kommen, dass etwas als "anziehend" empfunden wird, oder nicht. Somit ist klar, dass Attraktivität Zeit benötigt. Wenigstens den kurzen Augenblick, den das Gegenüber benötigt, um für sich entscheiden zu können, ob er oder sie oder es mehr von der anderen Person sehen, hören und wissen möchte, oder nicht.

Fast Food Attraktivität


Zeit ist allerdings im heutigen Miteinander oft Mangelware und so verkommt Attraktivität häufig zum Fast Food Angebot: Schnell und billig und leider häufig auch nicht unbedingt von guter Qualität, man ist schnell übersättigt, ein Völlegefühl bis hin zur Übekeit, konsumiert man zu viel davon, setzt ein und die Nachhaltigkeit des Konsumierten ist sehr gering. 

Bilder und Bilder im Kopf


Persönlich finde ich das Bild der Dame oben sehr attraktiv. Sofort frage ich mich, wie wohl ihr Lächeln ist, ob sie wohl Sommersprossen hat, wie wohl ihre Stimme klingen würde? Ich fühle mich nicht erschlagen von dem Anblick gepushter Oberweite, die die Frage aufkommen lässt, wie wohl der Arsch an den Brustkorb gekommen ist. Der Blick zwischen die Beine wird mir verwehrt, der Po ist bedeckt und dennoch würde ich von dieser schönen Frau gerne mehr wissen. Deswegen habe ich dieses Bild für den heutigen Beitrag gewählt.



Freitag, 2. August 2019

In den Schatten verbannt...

...weil man es nicht sehen will?


In den letzten Wochen stellten immer mehr Anhänger der akrobatischen SPORTART Poledance fest, dass sie in den Schatten verbannt wurden. Nur die eigenen Follower konnten die Inhalte sehen, wenn diese mit bestimmten hashtags versehen waren. Dabei waren beispielsweise hashtags wie #poleexotic erlaubt, #poleartist aber "verboten". Ja genau! Nein, ich habe das NICHT verwechselt.


Mobbing


Wir könnten nun die leider schon ewig währende Diskussion über Sport und die Notwendigkeit kurzer Kleidung wieder aufflammen lassen, wir könnten zum 1000. mal die Vergleiche zu Beachvolleyball heranziehen, erneut um Anerkennung kämpfen. Das tun wir alle nach wie vor und das ist auch richtig so (imho).

Meine Gedanken dazu gehen noch ein wenig darüber hinaus. Was mich daran stört ist vor allem die Sachlage des Mobbings, die hier zutrifft. Ohne wirklich Gründe zu haben oder auf Nachfragen zu antworten, werden Personen von der Teilnahme an der sozialen Interaktion ausgeschlossen. Begründung? Fehlanzeige.

Eigene Betroffenheit


Direkt sind wir nicht betroffen, das ist aber entweder eine Frage der Zeit oder Zufall, weil wir keinen der verbotenen Hashtags verwenden.
(Update 02.08.2019: Der Shadowban ist zum großen Teil wieder aufgehoben, die meisten hashtags funktionieren schon wieder)

Eigenverantwortlichkeit


Welche Gründe kann ein "shadowban" haben? Willkür - was aktuell auf "Poledance" zuzutreffen scheint. Aber vielleicht auch die übertriebene Suche nach Aufmerksamkeit? Follow-unfollow, ständiges Kommentieren, Bots, zu viele Hashtags und immer die gleichen Inhalte können auch zu "shadowban" führen.
Aha! 

Noch vor einigen Monaten hieß es, man solle viele Hashtags verwenden, sich aktiv zeigen, Hashtags der Ästhetik halber in Kommentare verpacken und vieles mehr. Accounts mit vielen Followern würden attraktiver wirken. Okay, dann müssen Follower her - wie auch immer. Kaufen? 

Authentizität


Auch wenn nur wenige Personen sich gekaufte Follower leisten können oder wollen, aus Finanzgründen oder Gründen echter Überzeugung, so merkt man deutlich: Was heute als Empfehlung gilt, ist morgen ein Übel. 
Dabei sind es häufig dieselben Institutionen, die heute eine Empfehlung aussprechen, die sie morgen selbst als "Übel" titulieren und den User, der den gestrigen Empfehlungen folgt, abstrafen.

Ehre und Gewissen


Manchmal frage ich mich schon, warum wir auf der einen Seite darum kämpfen, Anerkennung für unseren Sport zu bekommen und auf der anderen Seite einen Post nach dem anderen verfassen, der mit "filthy", "dirty", "bitchy" oder "Sundday bumday" betitelt wird? Wir dürfen uns selbst als schmutzig und nuttig bezeichnen, andere nicht? Ein bisschen Geradlinigkeit würde in manchen Bereichen nicht schaden. 
Allerdings ist auch dies nur eine sehr mangelhafte Erklärung, den der "shadowban" trifft eben auch accounts, die mit Fug und Recht von sich sagen können, dass keiner der oben genannten Punkte auf sie zutrifft.

Mangelnde Offenheit


Was mich persönlich dabei stört ist nicht einmal die eingeschränkte Sichtbarkeit (macht bei einem Account mit nicht einmal 500 Followern sowieso nicht viel aus - instagram.com/crazysportsaugsburg), sondern die Willkür und die mangelnde Argumentationslinie. 
Update 02.08.2019: Selbst nach dem aufgehobenen shadowban versteht man nicht, warum wir Polesportler aufs Korn genommen wurden. In diesem Blogpost wird alles genau erklärt, die Argumentationslinie des SM (Soziales Medium, nicht was ihr schon wieder denkt ;-) ) bleibt nebulös: https://bloggeronpole.com/2019/07/instagram-apologises-to-pole-dancers-about-the-shadowban/?fbclid=IwAR1lf-kNXgTFrhpMaiQfDiLAaqzmf2IxVHGbGq8a1M3S9a1gXhEba17c5a8

Abschließen möchte ich dennoch mit ein paar Fragen, die wir uns alle stellen:

  • Warum ist Unterwäsche okay, aber Polebekleidung nicht?
  • Warum ist "nude" bei Make-up und Abendkleidung ein neuer Trend, bei Poledance (bezogen auf die Farbe der KLEIDUNG) aber verwerflich?
  • Wieso darf man Beachvolleyballerinnen vorschreiben, dass ihr Höschen möglichst kurz sein muss, obwohl man auch in einer Radlerhose diesen Sport ausüben könnte, bei Poledance aber sei es billig und anstößig? 
  • Wieso ist ein Spagat im Ballett oder in der Gymnastik eine Leistung, beim Poledance aber schmutzig?

Poledance goes Olympia? Das scheint noch ein langer Weg zu sein.
21. Jahrhundert. Rein rechnerisch ja, im Kopf sind viele vormittelalterlich.


Ergänzende Gedanken


Ich habe diesen Beitrag verfasst, da war der shadowban wohl schon wieder aufgehoben. Oh no! Shame on me, wie schlecht recherchiert.....
Ich habe einen persönlich gefärbten Blogbeitrag geschrieben, keinen Zeitungsartikel. Ich war als denkende und tippende Person unterwegs, nicht als Journalistin.

Vom Shadowban, der unheimlichen Ungerechtigkeit und der gefühlten Benachteiligung habe ich in den letzten Wochen hunderte Male lesen können, das war weder zu übersehen noch zu überhören, die Aufschreie waren laut und deutlich.
Vom aufgehobenen Shadowban habe ich dank eines Community-Mitglieds erfahren, die mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht hat. Auch geschrien werden sollte auf beiden Seiten in nahezu der gleichen Lautstärke.

Und so möchte ich mit Dank schließen.


Ich freue mich in einer Zeit leben zu können, in der wir Poledance doch ohne große Probleme und Ressentiments ausüben können. 

Was sind noch ein paar blockierte Hashtags (Achtung Zynismus: Ich hatte - aufgrund der geringen Followerzahl sowieso gar nichts davon mitbekommen, ich war nie betroffen...)?

Ja, es gibt Personen, denen muss man erst erklären, warum man beim Pole so wenig anhaben muss. Ja, es gibt Personen, denen muss man erst die Vergleiche zum Synchronschwimmen (Damen strecken ihre Beine in die Luft und grätschen diese, so dass die Zuschauer nur NACKTE BEINE und Schrittbereich sehen können - aber da ist es okay!) darlegen, bevor sie anfangen nachzudenken und ja, viele denken halt, Poledance hätte nur eine sehr kurze Geschichte und wäre immer noch von Animierdamen ausgeübt worden. Ist halt falsch gedacht. 

Aber sind wir doch mal ehrlich: Wussten WIR denn, dass Poledance so alt ist wie die Menschheit, bei Idiandern, Indern und Chinesen ausgeübt wurde und in einigen Kulturen sogar nur den Männern vorbehalten war, wenn wir nicht nach Argumenten gesucht hätten, um es anderen Personen besser verständlich machen zu können?

Eben.