Freitag, 19. Juli 2019

Ambivalenz

...und die Konnotation


Klären wir zunächst einmal die Begriffe
Ambivalenz kommt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus den Worten ambo "beide" und valere "gelten". Auf der einen Seite beschreibt Ambivalenz angeblich einen Zustand innerer Zerrissenheit, weil - so die Definition - eben nicht beides gilt, sondern sich die beiden Punkte widersprechen. 


Aha!

Angeblich wäre das Adjektiv ambivalent in der gehobenen Umgangssprache etwas geläufiger, dieses stünde für mehrdeutig, vielfältig, doppelwertig, aber auch zwiespältig.

Ambivalenz wäre nach Eugen Bleuer eines der Hauptsymptome der Schizophrenie. Oder nach Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?


Was will man sehen?

Es kommt mal wieder auf die Konnotation an, die man diesem Wort verleiht. Sieht man die erklärenden Worte "beide gelten" und "vielfältig", sowie "doppelwertig", dann kann man sehr wohl und guten Gewissens sowie bei voller geistiger Gesundheit ambivalente Lebensbereiche haben.


Warum heute so philosophisch?

Es ging in einem Interview, welches ich kürzlich geben durfte und von welchem ihr mit Sicherheit hören und lesen werdet, wenn es veröffentlich ist, darum, wie ich mit der Ambivalenz aus Unternehmensberaterin und Poletänzerin zurecht käme.


Doppelwertigkeit

Zum einen sehe ich hier keine Ambivalenz, es sei denn, Denken und Sport schließen sich aus. Zum anderen möchte ich die Konnotation "doppelwertig" und "vielfältig" in diese beiden Bereiche legen.
Ich liebe es ganzheitlich zu arbeiten. Es ist unheimlich wertvoll, die Erkenntnisse aus der Psychologie, Soziologie und Pädagogik in die Sportkurse einfließen lassen zu können. Umgekehrt nutzt das Wissen um das Überwinden körperlicher Grenzen auch für das Überwinden geistig gesetzter Grenzen.


Zerrissen?

Ganz im Gegenteil. Würde mir ein Bereich genommen, ich würde mich nicht mehr komplett fühlen.

Samstag, 6. Juli 2019

Setz' dich ordentlich hin!

Sitz gerade, nicht gautschen, gib' doch mal Ruhe. Was bist Du denn für ein Zappelphilipp?


Tja, Stühle konnten schon ziemlich langweilig sein. Sitzen auch. Und dann diese ständigen Ermahnungen, dass man ruhig sitzen bleiben sollte: Nicht schaukeln, nicht um den Stuhl herumrennen, den Stuhl nicht umwerfen.....

LANGWEILIG. So langweilig.


Wie gut, dass wir heute ins Studio gehen können, uns ein paar Klappstühle schnappen (da tun es sogar wirklich die eines schwedischen Einrichtungsanbieters) und nach Herzenslust mit dem Stuhl machen können, was wir wollen: Schaukeln, Gautschen, Runterrutschen, Hin- und Herwackeln, Aufstehen, auf den Boden rutschen, den Stuhl umdrehen, uns umdrehen....

Keiner schimpft und keiner meckert


Gemeckert wird heute höchstens, wenn wir einfach nur sitzenbleiben. So ändern sich die Zeiten. Erwachsenwerden kann also auch seine guten Seiten haben.

Ein bisschen mehr Ernst bitte


Okay. Schluss mit lustig. Chairdance ist ein tolles Workout, was wirklich Spaß machen kann. Gerne werden auch Junggesellinnenabschiede mit einer Chairdance-Choreographie versüßt. Die Truppen junger Frauen sind dabei jedes Mal überrascht, wie schön man sich um und mit einem Stuhl bewegen kann, wenn es (endlich) erlaubt ist.
Tänzerisch und ein bisschen sinnlich sieht das ganze dabei auch noch aus. Die Klamotten sind Nebensache: Stretchjeans gehen ebenso gut wie Leggings, es ist ganz unkompliziert und macht enorm Spaß!

Probiert es doch auch mal aus!

Donnerstag, 27. Juni 2019

Kommentieren oder Erklären?

Trainingspartnerschaften mit Frust


Vor Jahren habe ich mit einer damals bei mir tätigen Trainerin ab und an trainiert. Es war der Versuch miteinander zu trainieren und voneinander zu lernen. Meine Trainingspartnerin hatte beeindruckende Fähigkeiten und meisterte einige Figuren, die ich auch gerne hätten können wollen, mit scheinbarer Leichtigkeit. Ich habe ihr bewundernd zugesehen und sie dann gefragt, wie sie die Figur/ den Trick den "mache"? Ihre Antwort war immer gleich: "Na so halt" - gefolgt von einer nochmaligen Vorführung des Tricks. 

Anfangs versuchte ich noch, einfach nur besser hinzusehen, vielleicht würden mir meine Augen dann einen neuen Blickwinkel ermöglichen. Nach der stoischen Wiederholung des Procederes auf beiden Seiten bemerkte ich, wie sich die Emotion der aufkeimenden Enttäuschung langsam den Weg aus den tiefen meiner Magengrube hoch in mein Bewusstsein erbat.

So wurde das nichts. Umgekehrt schon. Mag abgehoben und arrogant klingen, aber was meinen persönlichen egozentrischen Frust noch steigerte, war die Tatsache, dass ich ihr sehr wohl Tricks erklären konnte, die ich selbst nicht in der Lage war zu meistern, wohl aber verstanden hatte, was theoretisch (und praktisch, wenn man es denn konnte) zu tun war, um in diese Figur zu gelangen.
Und es funktionierte. 


Lerntypen


Jeder, der in irgendeiner Weise als Trainer/in tätig ist, kennt (eigentlich) die unterschiedlichen Lerntypen und die Notwendigkeit auf diese  - sofern möglich - spezifisch einzugehen. Der eine möchte es noch einmal sehen, der nächste muss sich selbst kommentieren und wieder eine andere Person benötigt Metaphern. Wichtig ist auf jeden Fall die Kommunikation. Reines Abschauen funktioniert nur bedingt.

Kommentieren oder Erklären


In den Trainerausbildungen sieht man es oft: Die Notwendigkeit der Kommunikation wird mit der einfachen Lösung des Kommentierens verwechselt. Zu beschreiben, was man gerade tut ist ein guter Anfang, denn es fängt den auditiven Lerntyp ein, aber es ist eben nur ein Anfang.
"Ich gehe in den Helicopter" - "Ich ziehe mich im Klimmzug hoch" - "Ich achte auf meine Rumpfstabilität." - das alles sind Sätze, die richtig sind, die aber nur kommentieren, nicht erklären.
Eine Aufforderung den "Helicopter" einzunehmen, setzt voraus, dass die Person am anderen Ende der Leitung weiß, was damit gemeint ist. Das kann gut möglich sein, wenn man weiß, dass dies im Kompetenzportfolio der anderen Person liegt oder man es gemeinsam gelernt  und gelehrt hat. Aber es ist nur ein Kommentieren. Irgendwann sollte beim Unterrichten bei speziellen Dingen, die vorausgesetzt werden können, das Kommentieren reichen ("Nehmt die Grundhaltung ein." - "Basic Grip" - "Strong Hold Grip"), vorher muss es ein Trainer aber erklären (können).

Was passiert genau? Welche Muskelgruppen müssen in welcher Art und Weise und Reihenfolge angesprochen werden? Was passiert, wenn das nicht der Fall ist? Wie kann man lernen, die richtige Körperpartie anzusprechen? Für all diese Fragen sollte ein Trainer Antworten bereithalten.


Jede Kleinigkeit beachten


Je instinktiver man etwas tut, umso schwerer wird es, sich (wieder) bewusst zu machen, was man eigentlich tut. Häufig ist dann auch zu beobachten, dass Personen sehr wohl in der Lage sind etwas besonders gut und sauber auszuführen, ihnen aber selbst nicht bewusst ist, was sie eigentlich tun.
Ist auch keine einfache Aufgabe: Versucht doch mal zu beschreiben, was in Eurem Körper passiert, wenn ihr geht, oder Euch von einem Stuhl erhebt. Nein. Ein "Ich stehe auf"  ist das oben erwähnte Kommentieren, hier sind Erklärungen gefragt!


Nicht alles kann gesehen werden


Wenn ein Trainer 150% zeigt, kann er oder sie davon ausgehen, dass vielleicht 50-80% gesehen werden. Das ist normal und hat noch nichts mit mangelnder Aufmerksamtkeit der teilnehmenden Personen zu tun. Oftmals kommt dazu, dass das, was wir sehen, uns trügt. Machen wir es am Beispiel des Stangenkletterns fest. Eine Disziplin bei welcher ich zu Schulzeiten kläglich versagte. Immer und immer wieder. "Klettert rauf" - "Festhalten und die Fußsohlen gegen die Stange drücken, dann hochziehen." - Das war die ganze Erklärung, die man bekam.
Wenn man hinguckt, sieht man, dass sich die Arme verändern, dass man an die Stange greift und dass die Füße an der Stange sind (beim schulischen Stangenklettern). Also geht man davon aus, dass die Kraft aus den Armen und den Füßen kommen soll. Sind dort nicht genug Reserven vorhanden, scheitert man kläglich. Hände, Arme und Füße sind Beiwerk. Die Kraft kommt aus dem Rücken, aus dem Bauch und aus den Schultern. Erst wenn man erklärt bekommt, wie man dort die Muskulatur ansprechen und benutzen kann, funktioniert es.

Warum und wie sind also die besseren Ausgangspunkte für gute Erklärungen als so halt.

Montag, 17. Juni 2019

Persönlichkeit beginnt, wo der Vergleich aufhört

Keine Frage,


diese Robbe ist Zucker! So wie jeder Mensch etwas Unwiderstehliches hat, kann man auch dieser Robbe ihre Anziehungskraft nicht absprechen. Als Werbewesen für Yoga, Pilates oder Stretching käme sie allerdings etwas "komisch" rüber, oder?

Was soll das?


Nun, wir werden immer wieder damit konfrontiert, dass man sich ja nicht in unsere Kurse trauen würde, weil man sich nicht mit dem Trainer/ der Trainerin vergleichen könne, sondern ganz anders aussehen würde und auch bei Weitem nicht so stark/ gelenkig wäre.

Tja - Pech auch, oder?


Verantwortungsverschiebung par excellence! Ganz ehrlich: Es nervt! Ich möchte mal Interessenten oder Interessentinnen sehen, denen man jemanden zeigt, der sich Trainer schimpft und das, was er oder sie unterrichten meint zu können auch nicht besser kann als ein mit der Sportart beginnender Teilnehmer oder eine Teilnehmerin.

Ergebnisse des Trainings


Gleichermaßen nervt die Erwartung, alles in der ersten Kurseinheit nach einmaligem Ausprobieren sofort auf Anhieb genauso gut hinzubekommen wie der Trainer oder die Trainerin. Training heißt Lernen, Lernen bedeutet, dass man sich etwas Neues Schritt für Schritt aneignet, was man noch nicht kann und auf diesem Weg einen Coach an der Seite hat, der einen begleitet, einem hilft.

Wettbewerb der Robben?


Wer meint, aus einer Yoga-Stunde einen Wettbewerb machen zu müssen, der hat den Sinn dieses Übungen, die vielmehr einer Lebenseinstellung gleichen können, sowieso nicht verstanden. Sich verbessern ist ein Prozess und meist hat auch der Trainer mal am Anfang angefangen und sich seine Körperbeherrschung erarbeitet.

Schuld des Trainers


Es ist nicht das Thema des Trainers, noch seine Schuld oder seine Verantwortung, sich mit dem unbegründeten Frust als Ergebnis illusorischer Vorstellungen auseinandersetzen zu müssen.
Doch, ist es in dem Moment, wenn die Aussage kommt (die Ausrede?), dass man ja nur deswegen nicht in den Kurs gehen würde, den man ja so gerne mal ausprobieren würde, weil der Trainer/ die Trainerin zu gut trainiert wäre.

Habe fertig!

Samstag, 8. Juni 2019

Trainerausbildung nur mit Grundwissen

Um bei CrazySports Augsburg eine Trainerausbildung machen zu können, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig, die wir vor der Zulassung prüfen.

Bei uns kann man also nicht einfach Trainer werden, ohne jemals vorher am Sportgerät gewesen zu sein.

"Binnen 2 Tagen zum Trainer. Keine Grundvoraussetzungen notwendig!"
Das klingt nicht einmal gut, das ist schlicht verantwortungslos.

Wer sich (online oder vor Ort) bei CrazySports Augsburg zum Poledance oder Aerial Hoop Trainer/ zur Trainerin ausbilden lassen möchte, sollte ein Grundwissen um die Technik des jeweiligen Sports mitbringen.

Didaktik, Stundenaufbau, Umgang mit Kunden/Kundinnen/ Teilnehmern/ Teilnehmerinnen, Gestaltung von Warm-Up und Cool-Down, Anatomiewissen und vieles mehr, bekommt ihr während der Ausbildung vermittelt.

Die Grundvoraussetzungen prüfen wir mittels eines Bewerbungsvideos. Je nach Level sind bestimmte Inhalte Pflicht, die allerdings mehr als machbar sind. Wir legen Wert auf die Gestaltungsfreiheit der Kurseinheiten durch den angehenden Trainer/ die angehende Trainerin, so lange dies im Rahmen der sinnvollen Didaktik bleibt.
Die Vorbildfunktion eines Trainers/ einer Trainerin darf nicht unterschätzt werden. Gerade bei den akrobatischen Sportarten Poledance und Aerial Hoop sollte diese auch immer sichtbar sein.


Weitere Informationen findet ihr unter www.crazy-sports-augsburg.com/trainerausbildung
facebook: facebook.com/crazysportsaugsburgtrainer

Samstag, 25. Mai 2019

Warm-Up und Cool-Down





Das muss reichen – Ökonomie bei Warm-up und Cool-Down

Warm-up und Cool-Down sind essentielle Trainingsbestandteile. Ein gutes Warm-up Programm bereitet den Körper auf die spätere Leistung vor und erhöht das Leistungslevel. Ein gutes Cool-Down kann den Muskelkater minimieren und stellt einen psychologischen Endpunkt des Trainings dar.
Von vielen ungeliebt, sind diese beiden Bestandteile einer guten Trainingseinheit dennoch wichtig, obwohl man meist am liebsten sofort mit dem eigentlichen Training loslegen wollen würde.

Bedeutung eines guten Warm-up Programms
Wie es der Name schon sagt, dient das Aufwärm-Programm der Erhöhung der Körpertemperatur und somit der besseren Durchblutung des gesamten Körpers.
Vor allem für Peripherie-Gebiete und von Natur aus schlechter durchblutete Bereiche ist dies nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, wenn man das Verletzungsrisiko minimieren möchte.
„Kalte“ Sehnen und Bänder sind weniger elastisch und reißen schneller, da sie spröde sind – einfach ausgedrückt. Die Gelenke zu kreisen (Schulter, Fußgelenke, Handgelenke etc.) ist sinnvoll, nur erhöht dies kaum die Körpertemperatur und sollte somit nur ergänzend zu Warm-up Programm hinzugenommen werden, nicht das Warm-up Programm darstellen.
Statisch stehend auf der Stelle den Kopf nach rechts und links oder auf die Brust neigen, gehört ebenfalls in die weiter oben beschriebene Kategorie.
Im Idealfall sollten die Sehnen und Bänder durch die Erhöhung der Körpertemperatur geschmeidiger werden, der Körper sich auf die kommende Belastung einstellen und der Fokus auf die später im Training benötigten Muskelpartien gelegt werden.
Um dies alles zu gewährleisten sind demnach mehr als nur 10 Jumping Jacks notwendig und ein gutes Warm-up Programm kann auch nicht binnen 3 Minuten abgeschlossen sein.

Ein auf das Training abgestimmtes Warm-up
Im Idealfall weiß man, was man später im „Hauptteil“ trainieren will, so dass man die beanspruchten Gelenke, Sehnen und Bänder stärker in den Fokus rücken kann.
Man sollte sich im Warm-up nicht komplett auspowern, aber man sollte auch nicht in der Form mit den Kräften haushalten, dass man nur eine körperliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme absolviert, in der Meinung, der anstrengende Teil käme ja später.

Körperspannung ist im Warm-up ein ähnliches Zauberwort wie im funktionalen Training an sich. Rumpfstabilität ist im Grunde immer vonnöten. Verschiedene Übungen, die diese beiden Bereiche umfassen, bereiten den Körper ideal vor.
Liegestütze, Lady-Liegestütze und ein paar Bauchübungen können das Programm abrunden. Um die oben erwähnte Körperspannung und Rumpfstabilität zu verbessern, können diese Übungen auch ab und zu mal für 30 Sekunden oder gar mal 1 Minute statisch gehalten werden. Klingt einfach, ist aber wahnsinnig anstrengend und es wird einem recht schnell warm.
Ansonsten gilt für das Warm-Up-Programm eher: Dynamisch und temporeich.
Übrigens: Statisches Dehnen hat in einem Warm-up Programm nichts verloren.

Zusammengefasst:
·      ein gutes Warm-up Programm sollte ca. 10 Minuten dauern
·      die Körpertemperatur sollte um 1-2°C erhöht werden
·      statisches Dehnen und Kopfkreisen (360°) bitte vermeiden
·      im Idealfall schon wissen, was später besonders beansprucht werden wird und diese Körperteile im Besonderen aufwärmen.
·      Rumpfstabilisierende Übungen (Liegestütze, Bauchübungen) einbauen.
·      Die Witterungsverhältnisse im Auge behalten
·      Im Winter das Warm-up in langen Hosen, Stulpen und einem langärmligen Oberteil ausführen.
·      Darauf achten, dass die Gelenke, Sehnen und Bänder angesprochen werden, um diese geschmeidiger zu machen.
·      Sich dabei aber nicht vollkommen auspowern.

Bedeutung des Cool-Downs
Am Ende eines kräftezehrenden Trainings hat der Teil des Cool-Downs hauptsächlich die Bedeutung, das Training abzurunden und den Körper wieder abzukühlen. Wie zum Warm-up auch ist es sinnvoll, sich wieder ein wenig mehr Anzuziehen, um das Abkühlen langsam von statten gehen zu lassen.
Im Cool-Down zu erwarten, dass man noch erhebliche Verbesserungen der Beweglichkeit erzielen kann, ist überzogen. Stretching, um den beispielsweise den Spagat zu erlernen oder zu verbessern oder die Rücken- und Schulterflexibilität zu erhöhen sollte eine eigene Trainingseinheit bekommen.

Stretching und Dehnen benötigt Kraft. Klingt zunächst komisch, ist aber so.
Nach einer anstrengenden Trainingseinheit an der Stange ist diese allerdings meist nur noch in Bruchteilen vorhanden.
Trotzdem die Bedeutung des Cool-Downs somit auf den ersten Blick gering zu sein scheint, sollte man es auf gar keinen Fall vernachlässigen. Auch sollte dem Cool-Down eine ähnliche Zeitspanne eingeräumt werden, wie es für das Warm-up getan wurde.

Verzichtet man gänzlich auf das Cool-Down, so rächt sich der Körper! Subjektiv konnte die Erfahrung gemacht werden, dass der Muskelkater und das Gefühl des „eingerostet-seins“ am nächsten Tag umso stärker sind.

Im Idealfall konzentriert man sich beim Cool-Down auf die Muskelgruppen und Gelenke, Sehnen und Bändern, die im Training besonders beansprucht worden sind.
Konkret soll das heißen, dass beispielsweise eine stehende oder sitzende Vorwärtsbeuge eine schöne Abschlussübung darstellt, wenn im Training vorher allerdings vor allem die Unterarme belastet worden sind, so sollte man Übungen wählen, die diese Muskelpartien und Körperbereiche umfassen.

Zusammengefasst:
·      Das Cool-Down rundet das Training ab.
·      Dem Körper wird signalisiert, dass die Belastung nun ein Ende hat.
·      Ein sauberes Cool-Down vermeidet Verspannungen und beugt bösem Muskelkater vor.
·      Besonderes Augenmerk auf die besonders beanspruchten Körperbereiche legen und vor allem für diese auch Übungen einbauen.
·      Auch dem Kopf soll mittels des Cool-Downs wieder Entspannung nach der Phase der intensiven Konzentration gegönnt werden.
·      Man schließt das Training ab und bereitet sich auf das Kommende vor.
·      Man kann das Training nochmals Revue passieren lassen.
·      Kleine Rituale machen das Cool-Down zu einem wichtigen Aspekt für die Ruhe!

Freitag, 17. Mai 2019

Seitenadministration = Repräsentation


Wer ein kleines oder mittelständisches Unternehmen/ Sportstudio betreibt, der verfügt mit Sicherheit auch über eine Geschäftsseite des Unternehmens beim großen blauen sozialen Netzwerk mit den 2 Buchstaben.

Je stärker das Unternehmen von einer Person repräsentiert wird, umso schwerer fällt es interessierten Personen eine Trennung zwischen einem „Privat“-Profil und einer Unternehmensseite vorzunehmen. Viele wissen zudem nicht, dass man auch Unternehmensseiten per Messenger kontaktieren kann. Die Person, die das Unternehmen leitet, IST das Unternehmen. Man kontaktiert sie also gerne direkt, statt mit der Unternehmensseite „Kontakt“ aufzunehmen.

Heute soll allerdings der Fokus gar nicht auf den Personen liegen, die wir mittels unserer Präsenz mit einer Unternehmensseite ansprechen wollen, sondern auf unseren Aufgaben als Seitenbetreiber/ Seitenbetreiberin. Was wir posten, repräsentiert unsere Tätigkeiten, zeigt unser Portfolio, soll den Kunden und Kundinnen, den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zeigen, wie toll wir sind.

Wenn wir die Erlaubnis haben, so posten wir hier natürlich auch Fotos der Teilnehmer und Teilnehmerinnen und zeigen, was man mit unserem Training erreichen, bei unseren Veranstaltungen erleben kann.
Wir werben für unser Unternehmen und das ist gut so.

Manchmal allerdings geht der Schuss nach hinten los. Dann nämlich, wenn man so stolz auf die Ergebnisse des letzten Trainings ist, dass einem als Trainer oder Trainerin gar nicht auffällt, dass die Posen für eine öffentliche Darstellung, die jedem zugänglich ist - gelinde gesagt - ungeschickt sind (selbst wenn man die Technik des Tricks dann gut erkennen kann).

Oder aber man lässt sich öffentlich sichtbar auf unsinnige Diskussionen ein. Auch das passiert allzu schnell, irritiert aber viele Seitenbesucher nur. Es kommt immer mal wieder vor, dass eine Person meint, sich einen Scherz erlauben zu können, etwas unpassend kommentiert oder sich in sonstiger Weise nicht geschäftsfördernd verhält. Hier sollten wir als Seitenbetreiber schnell handeln: Kommentar löschen und eventuell den Urheber/ die Urheberin direkt kontaktieren und ihm/ihr erklären, warum man den Kommentar gelöscht hat. Alles Weitere hat auf einer Business-Seite nichts verloren.

Als Seitenbetreiber repräsentiert man das Unternehmen. Selbst wenn der Firmenname vor dem Post steht, weiß meist jeder, wer hier antwortet. Eine Trennung zwischen privat und geschäftlich ist – wie bereits oben beschrieben – kaum möglich. Insofern sollten wir uns unserer Außenwirkung auch bei den Personen, die uns eventuell noch gar nicht so gut kennen, bewusst sein und dementsprechend als Seitenbetreiber auch handeln.

Samstag, 11. Mai 2019

Wenn die Motivation fehlt, muss die Disziplin aushelfen

Es gibt 1000 Gründe dafür, "heute" keinen Sport zu machen, diese reichen manchmal sogar für ein ganzes Jahr!

Verfügbare Zeit für Sport im Jahresplan:
  • Januar = Grippe/ ich muss mir erstmal klar werden, was ich dieses Jahr an Sport machen will
  • Februar = Fasching, danach krank
  • März, April = Ostern, Urlaub - danach krank
  • Mai = Pfingsturlaub/ das Wetter ist schon zu schön, ich will nach draußen (vielleicht)
  • Juni, Juli, August = im Sommer mache ich bestimmt was draußen/ Keine Zeit, treffe mich mit Freunden im Biergarten
  • September = Oktoberfest, danach krank; Quartalsabschluss in der Arbeit, viel zu viel zu tun, das neue Schuljahr hat gerade begonnen, ich muss erstmal gucken, wie der Stundenplan der Kinder aussieht.
  • Oktober - Grippe/ beginnender Jahresendstress in der Arbeit, Prüfungszeit in der Schule, ich muss mit den Kindern lernen
  • November = Herbstferien, danach krank, einsetzender Weihnachtsvorstress, leichte Erkältungen, zu kalt
  • Dezember = Weihnachtsstress, krank, Urlaub.....
Training macht mit Motivation Spaß, doch manchmal fehlt diese. Das ist normal und nicht zu verurteilen. Doch wenn die Motivation fehlt, dann muss eben die Disziplin (kurzfristig) aushelfen.

Eines muss jedem klar sein, der ernsthaft vorankommen möchte: Training bringt nur was, wenn man hingeht!

Wochen nichts zu tun, um dann von den nicht eintretenden Fortschritten frustriert zu sein, ist nicht nur schlecht für's Gemüt, sondern auch für den Körper.

Wer sich allerdings mit dem Jahresplan oben zufriedengibt, der kann auch aus voller Überzeugung behaupten: Wenn ich den Sport machen würde, dann wäre ich bestimmt besser als jeder andere!

Freitag, 19. April 2019

Verbrannter Kuchen


Egal wie viel Mühe es im Vorfeld gemacht hat, wenn das Ergebnis ein verbrannter Kuchen ist, so würde man diesen wohl nicht servieren.

Der Gast/ Konsument sieht nur das Ergebnis - als Melange

Was bekommt der Gast? Den Kuchen. Wie fühlt er sich, wenn wir ihm einen verbrannten Kuchen vorsetzen? Wohl kaum gewertschätzt.
Vergeht ihm der Appetit oder wird der Konsument sagen: Aber der Boden war gar nicht so schlecht? Nein, er wird das Gesamtbild sehen. Wenn das Gesamtbild nicht passt, so kann man den Kuchen nicht servieren.

Hat uns das Kuchenbacken keine Mühe gemacht? Natürlich!
Haben wir den Kuchen mit dem Vorsatz gebacken, ihn verbrennen zu lassen? Sicher nicht.

Was möchte uns der Autor damit sagen?

Natürlich. Ich stelle auch keine misslungenen Versuche von mir ein.
Ich kann keine Selfies (jedenfalls keine, auf denen ich nicht bescheuert aussehe).
Viele meiner Bilder sind nicht perfekt, aber natürlich so, dass ich meine sie zeigen zu können.

Und wenn ein Gemeinschaftsprojekt entsteht - im Studio, für die Bühne, als Film, für die Öffentlichkeit, dann müssen sich alle damit wohlfühlen.
Im Studio enstehen viele Bilder beim Training. Als kleine Stolzeswährung für die Mühen, als Akt der Selbstdarstellung, als Hochachtung vor den teilnehmenden Personen, die sich darüber freuen.

Zoom mir auf den Hintern

Es wird keine "Guck mir in den Schritt" Bilder geben, selbst wenn man auf diesen manchmal die Technik der Figur am besten erkennen könnte. Aber das ist ein Anstands-Stil-No-Go!
Wenn eine teilnehmende Person, ein Kunde oder eine Kundin jemals im "wahren" Leben mit diesen Ergebnissen des Training von einer realen Person konfrontiert werden würde, so soll kein Schamgefühl entstehen. So soll der Stolz lebendig bleiben. Ehrlicher Stolz, ehrliches Selbstvertrauen, basierend auf ehrlicher Arbeit.

Deswegen werden auch viele Fotos vernichtet. Viele Versuche nicht veröffentlicht.
Niemals steht hier der Anspruch der Perfektion im Vordergrund, denn wir sind Menschen und somit im Grunde eben nie perfekt.

Die Arbeit war nie umsonst. Kein Training ist verloren!

Wenn man sich aber mit dem Ergebnis nicht wohlfühlt, weil man nur eine verbrannten Kuchen zum Servieren hätte, so war das Training nicht umsonst, selbst wenn  den Kuchen nun niemand essen kann.
Und selbst wenn die Trainerin der Meinung wäre, das Foto einer Kundin wäre toll, aber die Kundin eben nicht möchte, dass es veröffentlicht wird, dann stellt sich keine Frage und dann sollte sich auch nie eine Diskussion ergeben.
Wenn die Kundin das Ergebnis als verbrannten Kuchen empfindet, den sie nicht essen möchte, dann kann die andere Person nicht darauf herumhacken, dass es doch so viel Arbeit im Vorfeld gewesen wäre.


Freitag, 12. April 2019

Innerlich verwundet….

Oberflächlich betrachtet ist es ganz einfach: Wenn man sich eine Verwundung zuzieht, dann handelt man. Ganz gleich, ob man sich schneidet, sich aufschürft oder sich einen Reißnagel in die Ferse tritt. Der Körper mahnt uns mit einem akuten Schmerzempfinden und jeder normale Mensch reagiert darauf. Zunächst wird die Ursache gesucht und wenn möglich entfernt (Reißnagel aus der Ferse ziehen, Hand von der Herdplatte nehmen, nicht sofort wieder mit dem Ellenbogen an der Rauhputzmauer vorbeischrammen). Kein Mensch würde freiwillig mit einem Reißnagel in der Ferse einen begonnenen Marathon weiterlaufen....

Sofortmaßnahmen

Dann sehen wir uns an, was mit uns passiert ist und entscheiden über weitere Maßnahmen (Selbstmedikation, professionelle Hilfe, beides).

Danach helfen wir der Stelle, dass sie heilen kann: Wir versorgen die Wunde und achten darauf, dass sie vor weiterer Beschädigung geschützt wird und dass sie sich nicht entzünden kann. Wir halten die Wunde sauber und vermeiden es, Dreck in die Wunde zu bringen.

Sichtbar und unsichtbar

Das ist der Vorteil oberflächlicher Verwundungen: Man sieht sie.
Dies gilt für die verwundete Person selbst, aber auch für die Umwelt. Trägt man ein Pflaster oder einen Verband, so ist einem die Aufmerksamkeit und die Mithilfe anderer fast sicher.

Innerlich tragen wir keine Verbände. Dies gilt für Verletzungen der Seele ebenso wie bei Verletzungen der Organe oder der Nerven.
Auch hier mahnt uns der Körper ziemlich frühzeitig mit einem akutem Schmerzempfinden, leider ignoriert man es nur allzu oft. „Wird schon wieder!“ – „Zähne zusammenbeißen“ – „Das darf man nicht so ernst nehmen.“

Weder suchen wir die Ursache, noch entfernen wir den Reißnagel umgehend, noch verbinden wir die Wunde und vor Dreck bewahren wir sie auch nicht.
Dennoch erwarten wir, dass die Verletzung heilt. Von selbst. Ohne Zutun. Schließlich sieht man ja nichts.

ZZ - Zelber Zuld

Bei diesem Vorgehen ist es nicht verwunderlich, dass die Heilung nicht voranschreiten kann. Wenn zusätzlich Dreck (der überall vorhanden ist) in die Wunde gelangt, so ist es fast logisch, dass sich die Wunde entzündet.

Kann man nun den Dreck dafür verantwortlich machen, dass er da ist? Nein!
Es ist unser Umgang, der dem Dreck ermöglichte, sich in der Wunde breit zu machen und diese zu infizieren.

Was kann man also mitnehmen? Auch innerliche Schmerzen (ganz gleich ob organisch, den Halteapparat betreffend oder seelisch) ernst nehmen. Die Wunde säubern und ihr beim Heilen helfen und nicht zuletzt darauf achten, Umweltdreck zu vermeiden.

Samstag, 23. März 2019

Realistische Motivation


Keep on moving - Egal auf welchem Level man gerade ist! 

 „Aber die anderen!“ – Die anderen sind besser, die anderen sind beweglicher, die anderen sind schöner und ich bin schlecht. Wir alle benötigen Anreize und Ziele, es kommt aber immer darauf an, wo man seine Ziele sieht und wie man sich die Ziele setzt. Ziele werden heute auch durch soziale Netzwerke und Fotos und Videos, die in diesen veröffentlicht werden, gesetzt. Sind das dann noch die eigenen Ziele? Und vor allem: Sind es realistische Ziele? 

Blickrichtungen 
Wir können nicht in die Zukunft sehen und das ist auch ganz gut so. 
In Ermangelung des Wissens um das, was da noch kommt, legen wir häufig den Blick auf die Vergangenheit. Auch das kann gut sein, es kann uns aber auch ziemlich frustrieren. Die oben stehende Grafik verdeutlicht, wie sich Training häufig gestaltet. Wir beginnen (meist am Anfang!) und lernen neue Dinge. Es geht mit der Zeit vorwärts und wir freuen uns über unsere Fortschritte und versehen diese in unserem Kopf mit einem grünen Haken. Leider folgt auf ein Hoch (hier mit „Fortschritt“, oder „Glücksgefühl“, oder „Freude“, oder „nail the move“ bezeichnet) naturgemäß meist auch ein Tief („Rückschlag“, „Frust“, „eine Verletzung“, „Zeitmangel“). 

In diesem Tiefs geht nicht nur scheinbar nichts mehr vorwärts, nein, oftmals haben wir sogar das Gefühl schlechter zu sein als noch ein paar Wochen/Tage vorher und uns zurück zu entwickeln. Wehmütig gucken wir zurück zum letzten „Hoch“ (Blickrichtung blau!) und fühlen uns auch noch bestätigt! „Ich war schon mal besser!“ – „Es geht nicht vorwärts, sondern rückwärts!“ – „Das hat ja wohl alles keinen Sinn!“. Wenn wir dieses Tief überwinden, dann geht es auch (fast ebenso naturgemäß) wieder aufwärts. Leider wiederholt sich das oben beschriebene Szenario nach (kurzer) Zeit erneut. Jetzt stellt sich die Frage, wie frustrationstolerant wir sind? Wen machen wir für unsere (kurzfristige) Stagnation verantwortlich? 

Natürliche Entwicklung oder geringe Frustrationstoleranz?
Sehen wir es als Bestandteil einer natürlichen Entwicklung oder werden wir die Flinte ins Korn, suchen die Schuld beim Trainer und dem Rest der Trainingsgruppe (die ja immer ALLE besser sind)? Wahres Training ist wie eine Ehe: In guten wie in schlechten Zeiten, mit dem Glauben daran, dass es auch wieder besser wird.

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Schönheit des Moments


„Der Weg ist das Ziel.“ – 
„Wenn Du es eilig hast, lass’ Dir Zeit.“ – „Arbeite konzentriert.“
Alle diese Aussagen haben ihre Berechtigung und doch vernachlässigen sie einen wichtigen Aspekt des Weges und der Zeit:
Respekt, Ästhetik und das Auskosten dessen, was gerade ist.

Kraftreservenökonomie

Was sehr kryptisch klingt, ist das Ergebnis von Beobachtungen beim Erlernen neuer Moves (an der Pole, im Hoop, beim Yoga, im Tanz). Vor dem geistigen Auge steht das Ziel des Endergebnisses. Ziel ist die Figur, der Move, der am Ende klappen soll. Auf dem Weg dorthin werden somit manchmal wichtige Punkte vernachlässigt oder vergessen. Das ist ganz selten böse Absicht, sondern vielmehr das Resultat des Zusammenspiels von Kraftreservenökonomie, Aufregung und mentaler Anspannung.

Anfangs muss man sich die Kraft einteilen. Und da der Großteil der Kraft für die neue Bewegung zur Verfügung stehen soll, muss man eben schnell durch die Teilschritte hetzen.

Unsicherheit attackiert Souveränität

Dazu kommt die Anspannung, die Aufregung: Wird es klappen? Tut diese neue Figur weh? Brauche ich dafür Fähigkeiten, die ich jetzt noch nicht abschätzen kann: Abwesenheit von Angst, Flexibilität, Kraft in bestimmten Bereichen des Körpers? Diese Fragen verursachen Unsicherheit. Unsicherheit führt zum Verlust von Souveränität.

Dieses Phänomen kann aber auch dazu führen, dass Tricks und Figuren, die Voraussetzungen für andere Figuren darstellen, auf einmal besser klappen, weil sie gar nicht mehr so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, sondern mitunter als „notwendiges Übel“ auf dem Weg zum eigentlichen Ziel gesehen werden.

Wenn Teilschritte zur Selbstverständlichkeit werden

Will man an der Pole beispielsweise eine Figur üben, deren Voraussetzung der Inside oder Outside Leg Hang, oder gar der Superman ist, so kann man beobachten, dass auf einmal die schmerzhaften Druckpunkte und die brennende Haut mental ausklammert. Ähnlich sieht es im Hoop aus: Lifts und Mounts, kraftraubende und manchmal verhasste Übel, werden auf dem Weg zur nächsthöheren Figur – im wahrsten Sinne des Wortes – einfach gemacht.
Manchmal stellt man sogar fest, dass diese Figuren wie von Zauberhand besser funktionieren und wieder und wieder trainiert und ausgeführt werden, weil sie auf dem Weg zur Endfigur einfach sein müssen und eine Prämisse darstellen, an der man nicht vorbei kommt.

Zwei Seiten

Allerdings gibt es wie bei fast allen Dingen auch hier zwei Seiten. Die Wertschätzung dessen, was man so „nebenbei“ macht, kommt zu kurz. Der Respekt für den körperlichen Aufwand sinkt, was gestern noch als ein hochgestecktes Ziel galt, ist heute einfach nur ein Muss auf dem Weg zu einem neuen Ziel.

Man entwickelt sich weiter, Ziele werden höher gesteckt, das Können und die Fertigkeiten nehmen zu.
Und doch ist es den wichtigen Teilschritten gegenüber unfair. Jeder Schritt auf dem Weg zum Erfolg hat Respekt und Wertschätzung verdient.

Der Fokus und das Selbstwertgefühl

War man gestern noch stolz darauf, Figur A (endlich) geschafft zu haben, so scheint sie heute kaum mehr beachtet zu werden. Sie wurde auf dem Weg zum nächsten Ziel zur Selbstverständlichkeit.
Nicht nur das, was in Zukunft vielleicht einmal sein kann ist wichtig, sondern auch das, was man schon erreicht hat, was man sich erarbeitet hat.
Legt man den Fokus nur auf noch zu erreichende Ziele, so wird man immer mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit zurückgelassen. Und da es zu Beginn des Trainings neuer Figuren normal ist, dass diese selten auf Anhieb klappen, kann man sich selbst so wunderbar in eine Spirale der Frustration manövrieren.

Zelebrieren der Teilbewegungen

Tanz entsteht dann, wenn Bewegungen im gleichmäßigen Fluss spielend ineinander übergehen. Tanz ist an den Tag gelegtes Rhythmusgefühl des Körpers. Würde sich in einem Musikstück der Takt und die Schlagzahl, das Tempo und die Geschwindigkeit alle 3 Sekunden ändern, so würden wir das Zusammenspiel der Töne und Instrumente nicht unbedingt als gefällig empfinden (außer man steht auf Jazz!).
Ähnlich ist es beim Ablauf von Bewegungen im Sport.

Every second counts

Raum einnehmen, sich seiner Größe bewusst sein – das hat nicht nur etwas mit der räumlichen Komponente zu tun, sondern auch mit der zeitlichen. Je mehr man auch die notwendigen Teilbewegungen zu schätzen lernt, umso ästhetischer, sauberer und genauer wird man sie ausführen. Und dann ist es auf einmal auch nicht mehr schlimm, wenn man das Endergebnis nicht (immer) erreicht.

Das Einnehmen der Grundhaltung, die tänzerisch notwendige Größe und Anspannung, die Vorbereitung des Körpers auf das, was da als nächstes kommt, ist schön! Je sauberer die Teilschritte ausgeführt werden, umso wahrscheinlicher ist es, dass man auch das Ziel erreichen wird.

Ein Foto für jede Sekunde

Im Unterricht sage ich oft, man möge sich im Spiegel betrachten. Dann, wenn man das Gefühl hat, ein außenstehender Beobachter könnte zu jeder Zeit ein Foto machen und das Ergebnis wäre nicht schlecht, sondern würde die Passion, die Leidenschaft, die Sauberkeit, die Ästhetik zeigen die der Sport und die Person in sich trägt, dann hat man den notwendigen Respekt für die Teilschritte walten lassen.

If you stumble, make it part of the dance


Und wenn man dies zum Grundsatz hat werden lassen, so kann man auch in scheinbar „missglückten“ Versuchen etwas Schönes sehen. Dann fällt niemandem auf, dass man eigentlich ein anderes Ziel vor Augen hatte, als man die Teilschritte auf dem Weg zum antizipierten Endergebnis ausgeführt hat. Denn dann ist jede Bewegung für sich so schön, so klar und so souverän, dass es fast schon egal ist, was man „eigentlich“ erreichen wollte.

Samstag, 9. Juni 2018

Platz für das eigene kleine Königreich


Foto: pixabay
Personen, die sich in den Vordergrund drängen, sich mit fremden Federn schmücken, übertreiben, sich zu viel Raum nehmen, arrogant sind....
Zugegeben, das mag niemand gerne.

Im Auge des Betrachters

Dabei liegt aber alles im Auge des Betrachters. Manche Personen sind schon der Meinung, Selbstdarstellung wäre absolut gleichbedeutend mit den oben beschriebenen Verhaltensweisen. Das Wort „Selbstdarstellung“ ist so negativ behaftet, dass es schon wie eine Beleidigung und ein Schimpfwort verwendet wird. In einigen Kreisen ist es sogar ein institutionalisierter Begriff.

Selbstdarstellung

Die oben beschriebenen Verhaltensweisen haben aber im Grunde nichts mit einer Selbstdarstellung zu tun. Was ist ein Lebenslauf? Ja, eine Selbstdarstellung. Was ist die Wahl des bevorzugten Kleidungsstückes. Ja, eine Selbstdarstellung. Was ist das Erzählen dessen, was einen zu der Person gemacht hat, die man heute ist? Ja, eine Selbstdarstellung.

Und wer könnte das besser als die Person, die eben ihr Leben lebt? Wenn alles faktisch belegbar ist, wenn alles zueinander passt, wenn sich die Mosaiksteine fügen und ein authentisches Gesamtbild ergeben, dann ist gegen Selbstdarstellung nichts einzuwenden.
Wer kein klares Bild von sich zeichnen und entwerfen kann, darf nicht erwarten, dass die Umwelt sich eines machen kann.

Nicht Fisch, nicht Fleisch!

Nicht Fisch, nicht Fleisch! Gut, ist heutzutage auch kein Problem mehr, wo es doch sowieso immer mehr Veganer und Vegetarier gibt.
Bitte keine schillernden Persönlichkeiten, man tappt dann doch lieber im Dunkeln. Ein Grottenolm kann eben mit einem Pfau wenig anfangen. Muss er auch nicht. Beide haben ihre Berechtigung. Aber der Grottenolm sollte dem Pfau nicht die Federn ausreißen wollen...

Selbstdarstellung ist allerdings etwas ganz Natürliches und Notwendiges, was einem manche Menschen absprechen wollen. Sie beschränken die eigene Identität bzw. die Darstellung derer.
Erzähle mir, wer Du bist, aber erzähle nicht zu viel, auch wenn es stimmt!

Selbstdarstellung bedeutet, dass man eine klare Vorstellung von sich als Person hat und auch weiß, wie man gerne wahrgenommen werden wollen würde. Ob das dann immer so klappt, ist fraglich und kommt auf die Interaktionspartner an. Grundsätzlich ist gegen diesen Wunsch nichts einzuwenden.

Eigentlich.

Sprache, Mimik, Gestik, Kleidungsstil, Humor, Stil und Vorlieben, all dass gehört zu einer Person und zeichnet ein Bild von ihr. Je farbiger, desto besser. Aber manche Menschen bevorzugen grau, vor allem bei anderen Personen. (Nicht falsch verstehen, ich liebe die Farbe Grau!)

Selbstdarstellung ist notwendig

Ohne Selbstdarstellung geht es nicht. Ein Bäcker, der nicht auf die besondere Qualität seiner Backwaren hinweist, betreibt schlechtes Marketing, ein Autoverkäufer, der potentielle Kunden das Auto vorführt indem er sagt: „Ja mei, es ist ein Auto. Es kostet Geld. Es fährt. Was soll ich sonst dazu sagen?“ – wäre wohl nicht mehr lange beim Arbeitgeber? Das alles scheint uns verständlich.

Dieses Verständnis hört auf, sobald es um die eigene Person geht.
Erving Goffmann beschreibt in seinem Buch „Wir alle spielen Theater“ unter anderem auch die tägliche Inszenierung. Dabei erkennt und beschreibt er einen wesentlichen Unterschied. Ein Zuschauer erwartet und weiß, dass ihm oder ihr auf der Bühne Dinge vorgespielt und vorgetäuscht werden und wäre (mit Recht) bitter enttäuscht, wenn die Protagonisten ihren Job schlecht oder gar nicht machen würden.
Im Leben versuchen wir Dinge darzustellen, die echt sind. Dann sind wir Selbstdarsteller (noch keine Angeber, noch keine Aufschneider, noch keine Hochstapler).

Zugeschriebene Rollenkompetenz

In den soziologischen Rollentheorien (ich bin im Moment zu faul den entsprechenden Wissenschaftler rauszusuchen – war es Talcott Parson?) sagt man, zugeschriebene Rollenkompetenz wirke identitätsstiftend.
Bedeutet so viel wie: Wenn mir jemand glaubt, dass ich das, was ich tue auch kann, dann bestärkt mich das.

Umgekehrt wird leider auch ein (häufig sehr beleidigender und drückender) Schuh daraus: Nimmt sich eine Person oder eine Institution oder eine Gruppe von Personen heraus, einer Person das, was sie kann und was sie tut, abzusprechen, es als irrelevant und nichtig hinzustellen, so wird somit auch die eigene Identität in Frage gestellt. Gerade wenn es nicht Staubkörner im Selbstbild, sondern Meilensteine im Leben sind, kann man diese der anderen Personen nicht absprechen oder als nichtig abtun.

Raum einnehmen (dürfen)

Zweifel dürfen aufkommen, gesundes Misstrauen ist gut. Wie sagt man schon so schön: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ – Lässt sich die bezweifelte Person dann allerdings mit sämtlichen Wassern aller Kontrollmechanismen waschen und löst sich dabei nicht wie ein Stück Würfelzucker auf, dann sollte man der Person ihre Identität auch zugestehen.

Alles andere wäre arrogant und anmaßend. Und zwar nicht von der Person, die sich selbst darstellt....
In meiner Tätigkeit als Trainerin spreche ich oft vom „Raum einnehmen“ – dabei gilt dies sowohl in Vorbereitungen für freie Reden, als auch beim Tanzen und bei der Körpersprache. Jeder Mensch sollte Raum einnehmen können. So lange er diesen Raum mit Leben füllt und dabei niemand anderen ein- oder beschränkt, hat jede Person Anrecht auf ihr eigenes kleines Königreich.

Verweigert man dies, kann man keine Einschätzungsobjektivität für sich beanspruchen, Neutralität und Offenheit schon gleich dreimal nicht. Erzähle mir, wie Du den Kuchen backst, aber erzähle mir nichts von den Zutaten!