Donnerstag, 15. Oktober 2020

Let's talk about sex...


Wow, endlich mal ein spannender Blogbeitrag? Leider muss ich die geschätzten lesenden Personen (mal wieder) enttäuschen. Um gleich ein paar Dinge vorab zu klären: Ich bin gerne eine Frau (mit allen Vor- und Nachteilen, die nicht näher erläutert werden müssen). Ich bin der Meinung, dass es gut ist, dass heute jeder Mensch sich in Kleidung seiner Wahl präsentieren darf und dass dies KEINE Einladung für übergriffiges Verhalten ist. Ich bin auch der Meinung, dass Gleichberechtigung unheimlich wichtig ist und ich bin KEINE Feministin.

 

Sex sells?

Aufmerksamkeit geht mit dem Sexthema einher. Ein Produkt verkauft sich besser in Verbindung mit einem schönen Dekolleté, ein bisschen Anzüglichkeit muss schon sein, wenn man Aufmerksamkeit haben will (wird man ja an den Lese- und Zugriffszahlen dieses Blogbeitrags sehen). Wer da nicht mitmacht ist von gestern, prüde, verklemmt oder alles zusammen. Wahlweise kann man dann eine gescheiterte Verbindung eines Produkts mit Brüsten dann immer noch „frauenverachtend“ betiteln. Wie es halt gerade passt.

 

Nicht immer zum Thema machen

Es ist gut, dass man offen über das wichtige und schöne Thema Sex reden kann und alles, was damit zu tun hat, nicht mehr verstecken muss, als müsse man sich dafür schämen. Man muss es nicht verstecken, aber man muss es auch nicht immer und ständig wie eine Monstranz vor sich hertragen.

 

Die Befreiung der Frau

Auch auf die Gefahr hin, mir jetzt ziemlich viele Geschlechtsgenossinnen sofort zu Feindinnen zu machen: Ich bin keine Feministin. Dieses ewige Herumreiten auf der Notwendigkeit die Frau, ihre Sexualität und ihre Spinnereien (die jede Frau hat), zu befreien, zuzulassen, zu hofieren und zu kultivieren, nervt mich.

Ich bin der Meinung, wer souverän mit sich umgeht, der kann alles zum Thema machen und tut es auch, muss es aber eben nicht immer tun und geht „gechillt“ mit sich um. Ganz gleich ob Mann, Frau, Divers oder sonst irgendein Lebewesen. Gleiches Recht für alle.

 

Apropos Gleichberechtigung: Wie würde man es denn empfinden, wenn Männer beständig über Sexualität, ihre Wünsche, ihre sexuelle Selbstverwirklichung und vieles mehr reden würden und dies als männlichen Befreiungsschlag in einer Zeit der (neuen) weiblichen Unterdrückung betiteln würden (womit sie nicht ganz Unrecht hätten)? Eben.

 

Tanz, Sinnlichkeit und billiges Verhalten

Männer, die beständig ihre Brusthaare oder ihren nackten Oberkörper ohne Haare präsentieren würden, um dann der Vollständigkeit halber den unteren Teil auch noch demonstrativ in den Mittelpunkt zu rücken, würde man als eher unkultiviert und anstandslos betiteln, während es bei Frauen eine notwendige Verhaltensweise zum Erhalt der Freiheit zu werden scheint.

 

Sich sinnlich zu bewegen, den Körper zu nutzen, um Emotionen auszudrücken, sich als schön zu empfinden, als erotisch, als attraktiv – all das ist gut. All das darf sein/muss vielleicht auch manchmal sein. Die Gratwanderung zwischen sinnlich und billig liegt manchmal in wenigen Zentimetern. Eine langgezogene Bewegung des Arms von oben nach unten neben dem Körper wirkt tänzerisch, ein sanftes Entlangfahren der Fingerspitzen an der Seitenlinie des Körpers sinnlich und ein Betatschen der Brust, um dann mit der flachen Hand zwischen den Beinen zu landen eben (meine Meinung) billig.

 

Was meiner persönlichen Meinung nach nicht sein muss

Was ich damit meine? Ganz konkret: Nein, es muss nicht immer der sehr knapp behoste Schambereich sein, der bei (Poledance) Bildern in den Mittelpunkt gerückt wird. Ja, es gibt Figuren, bei denen man die Technik, wie man diese Figur/diesen Trick ausführt, in einer Fotopose, die dann eben genau den Fokus auf den gerade noch bedeckten Schambereich lenkt, am besten sieht, aber diese Fotos müssen doch nicht überall immer und ohne auch nur einen zweiten Blick darauf zu werfen, veröffentlicht werden.

 

Wenn wir für die Anerkennung dieser Sportart als Sport kämpfen (tun wir das überhaupt noch oder ist Pole ohne Anzüglichkeit mittlerweile so „langweilig“ geworden, dass wir uns schon wieder gezwungen sehen zu provozieren?), dann kann man auf Beine-Spreiz-Bilder mit Hauptfokus Schambereich bitte verzichten.
Wer dies als Akt sexueller Befreiung sieht, dem sei es vergönnt – ich brauche es nicht.


Donnerstag, 8. Oktober 2020

Tanztherapie - Die Kunst, Raum einzunehmen

 

„Traue keiner inneren Stimme, die nicht liebevoll mit Dir spricht.“ (Rolf Merkle) – entnommen als Zitat aus dem Buch „Seelengift“ von Lea Lasatone.

Diese inneren Stimmen scheinen oftmals genau dann laut zu werden, wenn man sich Raum schaffen möchte. Da „Tanzen“ viel mit bedeutungsvollen Bewegungen, der Beanspruchung von Raum und dem Wahrnehmen der eigenen Schönheit und Größe zu tun hat, heißt es zu Beginn oftmals nicht „Takt halten und Rhythmus zählen“, sondern viel eher „die inneren Zweifler mundtot machen.“ 

 

Tanz und Gefühle

Tanz und tänzerischer Ausdruck lebt (meiner bescheidenen Meinung nach) von echten Gefühlen. Man merkt es, ob jemand eine Schrittfolge abarbeitet oder sich seiner selbst bewusst ist und seiner Seele und seinen Gefühlen mittels tänzerischen Bewegungen Ausdruck verleiht und den Bannbruch nach außen erlaubt.

Tanz zeigt somit auch immer ein bisschen von der Stärke, aber auch der Verletzlichkeit, zeigt Gegensätze, erlaubt diese und zieht uns deswegen vielleicht auch in den Bann - als aktiver "Täter" oder nur als beobachtende Person.

 

Tanz und Schönheit

Jeder Mensch ist schön. Jeder Mensch hat ein Strahlen. Manche zeigen es, manche verstecken es. Tanz gibt der Schönheit und Individualität Raum und lässt sie zu. Wer sich allerdings nicht glaubt, dass er/sie schön ist, wer nicht erkennt, wie einzigartig er/sie ist und dass es erlaubt ist, diese Einzigartigkeit auch zu zeigen, der tut sich schwer damit, diese attraktiven Persönlichkeitsmerkmale nach außen zu tragen.

„Ganz okay“ ist eben nicht unbeschreiblich schön. Die meisten Menschen gestehen sich ein „Ich bin schon ganz okay.“ noch zu, alles was darüber hinausgeht, ist anmaßend und findet im Alltag keinen Platz.

Wir schaffen Freiräume. Nicht nur aus technisch notwendigen Gründen haben bei uns alle Personen „Platz“.

 

Tanz und Fehler

Und was passiert, wenn es nicht klappt? Dann melden sich die bösen koboldsgleichen inneren Stimmen und erinnern uns fragend, ob sie es nicht gleich gesagt hätten, dass man das nicht kann. Sie hätten es einem vorher gesagt, dass man es lassen solle, weil es nur fehlerbehaftet wäre, lächerlich, stümperhaft und ungelenk wirken würde.

Na und? Kinder, die laufen lernen, fallen auch um, wirken mit ihren kurzen Stumpenfüßen auf denen sie noch nicht mal ordentlich stehen können, selten grazil, stolpern durch die Gegend und sind ungelenk. Und sind sie dabei nicht mit das Schönste, was die Welt zu bieten hat? Eben.

Wenn wir uns aufmachen, zu tanzen, dann sind wir Kinder, die laufen lernen. Wir stehen nicht auf einer Bühne, wir schaffen uns Freiraum in einer geschützten Atmosphäre.

Jeder Mensch macht „Fehler“ und so lautet ein sehr weiser Spruch: „If you stumble, make it part of the dance.“ – Wenn Du stolperst, lasse es in deine Choreographie einfließen, lass‘ es so aussehen, als ob es dazu gehört.

Niemandem wird es auffallen, außer wir weisen (körpersprachlich) darauf hin.

 

Tanz und Raum

Maße Dir nicht zu viel an. Sei bescheiden. Mach‘ dich klein. Breite dich mal hier nicht so aus. Das steht dir nicht zu. Sei unauffällig. Provoziere nicht. Lenke nicht zu viel Aufmerksamkeit auf dich.

Im Alltag können derartige Hinweise sinnvoll sein oder sogar einen Akt des sozialen Miteinanders, Respekts und der Höflichkeit darstellen. Beim Tanz haben sie nichts verloren.

Nimm Raum ein. Mach‘ dich groß. Erkenne deine Stärke. Lass‘ dir Zeit. Lenke die Blicke auf dich. Sei Diva.

 

Tanz und Beobachtung

Betrachte dich und gestehe Dir zu, dass Du gut findest, was Du siehst. Zumindest ein paar Punkte – vielleicht werden es ja in Zukunft mehr.
Sehe in den Spiegel.

Was am Anfang rein der Überprüfung der korrekten Technik dient, kann mehr als das sein.

Sich selbst beobachten und nicht nur nach den Fehlern suchen ist ein wichtiger Anfang.

 

Tanz und Freiheit

Es gibt kaum jemanden, der in unser Studio kommt und Poledance oder Aerial Hoop rein gymnastisch und sportlich lernen will. Immer wieder kommt bereits zu Beginn die Frage, ob man das Erlernte auch tänzerisch verbinden würde. Ja, auf alle Fälle, den so sieht unsere Philosophie aus.

Am Anfang ist es harte Arbeit, denn als Trainerin kenne ich meine Kobolde, meine eigenen, die auch heute noch da sind und mich stets begleiten. Die Kobolde, die auch mir sagen, dass ich es lassen könne, weil ich nicht schön und nicht grazil, weder elegant noch tänzerisch wäre, aber denen ich nicht mehr zuhören will.

Und gerade weil ich meine eigenen Kobolde kenne, weiß ich, wie sich oftmals die Kobolde anderer anhören können und am Anfang offeriere ich, meinen teilnehmenden Personen beim Kampf gegen die Kobolde zu helfen.

Ich sage meinen teilnehmenden Personen oft, dass auch bei mir die Kobolde beständig meckern würden, ich ihnen nur nicht mehr zuhören möchte bzw. sie nicht mehr ernst nehmen würde, das wäre der einzige Unterschied. 

Und dann darf man miterleben, wie Menschen ihrem ursprünglichen Wunsch, sich tänzerisch auszudrücken, Raum geben und wie sich tiefe und unverwechselbare Schönheit zeigt. Und manchmal möchte man dann als Trainer auch einfach nur noch zusehen und genießen, denn es gibt nichts Schöneres als souveräne und von innen kommende Schönheit, die sich im Tanz offenbart.

Donnerstag, 20. August 2020

Sonderveranstaltungen und Alltag

 

 

Als Trainer kommt man des Öfteren in den Genuss, in andere Studios eingeladen zu werden, um einen bzw. mehrere Workshops zu leiten. Auch bei Tagesseminaren und Abendvorträgen muss man sich darüber im Klaren sein, dass man die teilnehmenden Personen in ganz besonderen Stimmungen erreicht. Der Transfer in den Alltag (der Arbeit bzw. der täglichen Trainingsroutine) ist ein extrem wichtiger Bestandteil, der zum einen nicht vergessen werden darf und zum anderen aber auch das eigene Standing zerstören kann. Will man gehyped werden oder will man den Personen etwas mitgeben, was Ihnen auch morgen noch hilft? Diese Frage muss man sich dabei permanent stellen.

 

Erwartungshaltung

Besondere Anlässe sind nicht mit dem Alltag vergleichbar. Soweit so gut. Als Trainer, der die heimischen Gefilde verlässt, um eine Schulung, einen Workshop oder einen Vortrag zu geben/zu halten, erreicht man die teilnehmenden Personen immer in einer besonderen Stimmung. Diese kann von positiven Gefühlen und Vorfreude bestimmt sein (Auftritte, Sportworkshops in anderen Studios) oder auch von einer weniger guten Grundstimmung (Fortbildungen und Seminare). Wie die Stimmung ist, erfährt man, wenn man vor Ort ist.

Bei Sportworkshops zu denen man eingeladen wird, hat man meist das Glück, dass alle anwesenden Personen in Vorfreude vereint sind. Sie haben sich selbst entschlossen, teilzunehmen und sie sind motiviert. In Fortbildungen und Seminaren kann das unter Umständen anders sein, wenn die teilnehmenden Personen von der Ebene der Vorgesetzten geschickt werden, wenig Lust haben und den Sinn der Veranstaltung nicht verstehen.

 

Nähe und Abstand in perfekter Melange

Fakt ist, als Trainer habe ich diese besondere Gruppe von Menschen für eine sehr begrenzte Zeit um mich. In dieser sehr begrenzten Zeit muss ich es schaffen, ihre Erwartungen zu erfüllen, Vorurteile auszuräumen, für die Personen da zu sein und alles zu geben.

Kein leichter Job.
Abendvorträge mit Rahmenprogramm, Showauftritte und sportliche Workshops gehören meist zu den Anlässen, die bei allen Beteiligten ein gewisses Hochgefühl aufkommen lassen. Gegenseitige Wertschätzung durchzieht den Raum, die Personen zeigen Interesse, sie genießen die Veranstaltung, kommen mit einer guten Stimmung.

Schnell begegnet man sich mit aufgeschlossener Freundlichkeit und Humor. Man lacht miteinander und die teilnehmenden Personen projizieren die guten Gefühle auf den Trainer.

Das macht Spaß und pusht das Ego und die Stimmung und es gehört zum Job, diese Rolle zu bedienen.

Auch in Seminaren und Fortbildungen erlebt man schnell, sobald die ersten Blockaden fallen, dass die teilnehmenden Personen in vollem Vertrauen um Rat bitten, Dinge aus dem beruflichen Alltag erzählen, sich öffnen und ihren tiefen Empfindungen Raum geben.

Das geht, weil alle Beteiligten wissen, dass diese „von 0 auf 100 Nähe“ auf eine gewisse Zeit begrenzt ist, dass man selbst wieder geht, aber auch, dass der Trainer wieder gehen wird.

 

Sonderrolle

Ein Trainer, der somit nur eine gewisse Zeit im Unternehmen verbringt wird immer eine Sonderrolle haben. Diese Sonderrolle kann man genießen und das Beste für sich selbst herausholen, oder aber es gelingt einem, den teilnehmenden Personen viel mitzugeben, was sie auch morgen und übermorgen noch nutzen können, was sie wirklich weiterbringt.

Im Idealfall bedient man beide Teile der Erwartungsmedaille. Motivationstrainer im Reinklischee habe ich für mich persönlich schon immer abgelehnt. Meist hatte ich das Gefühl, sie feiern sich eigentlich nur selbst. Morgen steht man als Teilnehmer aber immer noch mit den gleichen Problemen da und ein „Tschaka, ich schaffe das!“ bringt einen irgendwie auch nicht weiter.

 

Transfer in den Arbeitsalltag

In Seminaren, Vorträgen etc. wird somit auch oft im Feedbackbogen gefragt, ob man als teilnehmende Person meint, die Dinge in den Arbeitsalltag umsetzen zu können. Diese Frage ist gut, aber verfrüht gestellt. In der Sonderstimmung, in der man sich am Ende einer Veranstaltung befindet, kann man das noch gar nicht sagen.

Ob der Trainer wirklich was „drauf hatte“, wird sich erst später herausstellen, wenn er schon wieder weg ist.

 

Alltag und die Mixtur der Stimmungen

Und hier können die Stimmungen aufeinandertreffen und ebenso gleichermaßen auseinanderdriften. Wir alle haben schon einmal erlebt, wie es ist, wenn man aufgekratzt nach Hause kommt und der Partner oder die Partnerin schon im „Snooze-Modus“ war. Irgendwie prallen dann die Stimmungen aufeinander und der ruhige Part fühlt sich leicht gestresst von der Aufgekratztheit des anderen, umgekehrt hat man das Gefühl, die gute Stimmung würde gelöscht wie ein Feuer.

 

Zielsetzung

Ziel eines guten Trainers muss es sein, etwas mitzugeben, was auch morgen noch weiterhilft, womit der (zahlende) Teilnehmer auch morgen noch etwas anfangen kann. Das kann manchmal bedeuten, dass die Teilnehmer im Seminar/in der Veranstaltung vielleicht sogar nicht alles bekommen, was sie erwarten. Das kann manchmal bedeuten, dass die Erwartungen nicht komplett erfüllt werden.

Nein, man stimmt eben nicht in das Lästern über den Vorgesetzten mit ein, sondern schiebg hier einen Riegel vors. Es kann auch bedeuten, dass man nicht die wildeste Flexi-Figur zeigt, weil man weiß, dass sich die teilnehmenden Personen dann morgen nicht mehr rühren können, oder sich Verletzungen zuziehen, die sich eventuell erst am nächsten Tag zeigen.

Es könnte einem egal sein, denn für die gute Stimmung der Momentaufnahme wäre es besser, sich so zu verhalten, dass die Erwartungen alle erfüllt werden. Es ist aber auch eine Frage der Loyalität, des Anstands und der Verantwortung, an morgen zu denken, auch wenn man die Menschen morgen vielleicht gar nicht mehr sieht.

 

Donnerstag, 13. August 2020

An mir lag es nicht!

Im Training offeriere ich gerne folgende Ausreden: Wenn etwas nicht klappen sollte, dann ist daran natürlich wahlweise die Stange/das Trainingsgerät an sich, das Wetter, das zu anstrengende Warm-Up vorher oder generell der Trainer Schuld. Wir quittieren diese bereits zu Beginn ausgebreitete Auswahl an Ausflüchten gerne mit einem gemeinsamen Schmunzeln. Es ist zum einen wirklich sinnvoll, sich nicht dauernd selbst niederzumachen, wenn etwas nicht klappt, zum anderen übertreiben wir damit das, was Menschen im Allgemeinen gerne tun: Den Grund für eine Situation nicht bei sich zu suchen.

 

Wahrscheinlichkeitsrechnungen

Ein einfacher emotionsloser Vergleich zu Beginn. Ein – zugegeben etwas seltsamer – Test offeriert 140 Antwortmöglichkeiten. Alle Antworten sind richtig. Man muss 20 wählen, um die volle Punktzahl zu erreichen. Man selbst beschließt, nur 17 zu wählen und besteht den Test nicht.

„Selbst schuld!“, würde jeder Mensch hier sagen. So sind wir aber nun mal nicht gestrickt.

Es ist mühsam und kratzt am Ego, den Grund für ein suboptimales Ergebnis bei sich selbst zu suchen. Immerhin müsste man dann auch mit den Konsequenzen zurechtkommen. Entweder müsste man für das nächste Mal etwas ändern (bäh, anstrengend!) oder aber damit leben, dass man es selbst „versemmelt“ hat (bäh, doof!).

Es ist viel einfacher, Gründe überall zu suchen, nur nicht bei sich. So sind wir nun mal, es ist hilfreich, das anzuerkennen.

 

Der Tritt in den Allerwertesten

Für das eigene Ego und den Wohlfühlfaktor in der gleichnamigen Zone ist es gut, Dinge zu tun, die das eigene Ego streicheln oder zumindest nicht in Frage stellen. Auch das ist normal. So lange man damit zufrieden ist und es keinerlei Beschwerden gibt, reicht das aus und ist auch vollkommen in Ordnung. Stellen sich Beschwerden ein, muss man etwas ändern. Menschen ändern sich aber nicht so gerne. Andere vielleicht schon, Umstände auch, aber nicht sich selbst (siehe oben genannten Anstrengung).

Beschwerden können dabei durchaus doppeldeutig verstanden werden: Unzufriedenheit im Job, Langweile in der Freizeit, Frustration in der Beziehung oder körperliche Beschwerden aufgrund zu geringer sportlicher Betätigung. Wie sich der Umstand, dass „etwas“ nicht mehr passt, äußert, ist dabei zweitrangig.

 

Trainer kennen das: Es gibt Übungen die liegen einem und es gibt Übungen, die liegen einem weniger. Es gibt die „eine“ Seite und es gibt die „andere“ Seite. Somit ist die Versuchung groß, nur das zu zeigen, was man bestens beherrscht und die anderen Dinge einfach „zu lassen“. Zur Untermauerung der eigenen Rolle (kompetent, sportlich, stark, kräftig, perfekt) scheint dieses Vorgehen nicht nur legitim, sondern auch erfolgsversprechend und nachvollziehbar zu sein.

 

Dinge zu tun, in denen man NICHT perfekt ist, miteinander zu trainieren und anzuleiten, selbst wenn man dabei nicht immer in die Meisterrolle schlüpfen kann und auch immer wieder die „andere“ Seite zu zeigen, erfordert einen gedanklichen Tritt in den Allerwertesten. Immer und immer wieder.

 

Training der Fairness

Das ist Training. Übst du noch, oder trainierst Du schon?

Und nein, das macht nicht immer Spaß und ja, es ist immer anstrengend, aber hinterher belohnt einen das Gefühl, wieder einmal eine (kleine) Grenze überschritten und somit den eigenen Horizont erweitert zu haben.

 

Dieses Vorgehen ist fair. Hart, aber fair. Sich selbst gegenüber, aber auch den Mitmenschen gegenüber, denn ein Bild zu skizzieren, durch welches man sich selbst überhöht, während man die Mitmenschen als defizitär dastehen lässt, entspricht einfach nicht der Wahrheit.

 

„Wer nur das tut, was er schon kann, wird immer bleiben, was er schon ist.“ (Henry Ford)
Kein Problem, so lange sich – siehe oben – keine Beschwerden einstellen.

 

Alles Negative zurücklassen

Am Ende sollte das gute Gefühl bleiben. Kein Training, keine Fortbildung, keine Verhandlung und kein Meeting verlaufen immer zu 100% toll. Es gibt immer etwas, was man kritisieren und bemängeln kann. Die Dosis macht das Gift und der Fokus den Sonnenschein.

Wer das Hauptaugenmerk auf das legt, was nicht gut gelaufen ist und sich ausschließlich auf diese Punkte fokussiert, der wird nie zufrieden werden. Wer zusammenfasst, was gut und was weniger gut gelaufen ist, wer ein Ziel vor Augen hat und wer bereit ist, an den richtigen Stellen die Änderungsmöglichkeiten bei sich selbst zu suchen, der wird gestärkt werden. Und auch das gilt für jede Art von Training, ob nun Personalentwicklung oder Sport.

 

Ein liebgewonnenes Ritual am Ende

Und so nehmen wir zum Abschluss jeder Kursstunde gedanklich das Positive mit, schieben das Negative von uns und schütteln das ab, was noch an uns klebt, uns aber nicht weiterbringt.


Donnerstag, 16. Juli 2020

Baden und Duschen – eine etwas andere Betrachtung des Zeitmanagements


 

Duschen und Baden haben beide den gleichen Zweck: Reinigung und Körperpflege. Duschen ist ressourcenschonender (geringerer Wasser- und Zeitverbrauch). Im Zuge von „Geiz ist geil“ und „schneller ist besser“ liegt der Rückschluss nahe, dass Duschen besser als Baden ist.

Punkt. Alle Liebhaber eines genüsslichen Bads werden darüber semierfreut sein, weil ein Genussmoment genommen wird. Verschwenderisch mit Zeit und Ressourcen im Allgemeinen umzugehen, kann sich heutzutage kaum mehr eine Person leisten, manchmal ist es aber wichtig, zu wissen, wann Baden nicht nur genuss- sondern sogar sinnvoll sein kann, überträgt man diese metaphorische Sichtweise auf andere Bereiche unseres Lebens.

 

Leistung

Heutzutage wollen wir große Ziele oftmals schnell erreichen. Wer wenig Zeit braucht, ist automatisch gut. Wenig Fahrstunden, Lehrzeitverkürzung, das Überspringen von Schulklassen, eine kurze Studiendauer. Leistung.

Sagt doch schon die Formel: Leistung ist Arbeit durch Zeit! Da sich diese Formel auf die mechanische Leistung bezieht, wir aber doch auch menschlich und nicht immer mechanisch handeln sollten, kann man diese Formel eben auch nur bedingt auf das menschliche Miteinander, auf das sportliche Training, auf die Teamarbeit und auf künstlerische Aktivitäten wie Tanz übertragen.

 

Schnell und effektiv – aber nicht immer effizient und ressourcenschonend

Das menschliche Miteinander und Genussmomente für jede beteiligte Person bleiben bei einer rein mechanischen Betrachtung auf der Strecke. Und Zeit ist nicht immer die einzige Ressource, die geschont werden sollte. Betrachten wir uns ein paar Beispiele aus dem Akrobatiktraining an der Pole und im Hoop. Vielen teilnehmenden Personen ist es wichtig, möglichst schnell die Welt auf den Kopf stellen zu können, sprich zu Invertieren, um kopfüber am Trainingsgerät zu hängen. Das soll schnell erreicht werden und die Bewegung an sich wird dann meist auch schnell ausgeführt: Es wird gerissen, gesprungen und mit viel (unkontrolliertem) Schwung gearbeitet. Der Erfolg scheint einem Recht zu geben. Man ist ja oben. Gemäß der oben erwähnten Formel hat man auch alles richtig gemacht. Langfristig schadet man aber bei zu hoher Geschwindigkeit und falscher Technik dem Körper und schädigt seine Ressourcen.

 

Manche Augenblicke verlangen Dramaturgie

Ein Essen bei Freunden, ein gutes Buch, ein Theaterstück, ein romantischer Abend. Kunst an sich. Zeit spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle. Man kommt nicht zur Essenseinladung, setzt sich sofort an den Tisch und geht wieder, sobald man den letzten Bissen verschlungen hat. Man möchte bei einem Krimi nicht auf Seite zwei wissen, wer der Täter/die Täterin war, einen Theaterabend will man ebenso auskosten wie einen Museumsbesuch und über Romantik unter Zeitdruck brauchen wir gar nicht zu reden.

 

Im Training

Gute Haltung und korrekte Ausführung der Übungen sind im Training wichtig. Beim Yoga, im Pilates, im Pole – und Hooptraining, beim Stretching, im Tanztraining. Die Korrektur und das Überprüfen der Grundhaltung benötigt Zeit. Zeit, die vor allem auch die Schönheit des Moments, der Ausführung positiv beeinflusst. Jede Teilbewegung sollte geschätzt und zelebriert, nicht als nur notwendiges Übel angesehen werden. Nimmt man sich die Zeit, führt die Bewegungen kontrolliert und konzentriert aus und genießt dabei jeden Augenblick (oder lässt es zumindest so aussehen), so kann man auch besser überprüfen, ob man an alles gedacht hat. Stürzt man sich stattdessen mit der hektischen Fokussierung der Endfigur in die Ausführung derselben, so sieht es meist so aus, als ob man auf der Flucht wäre und man vergisst wichtige Aspekte.

 

Im sozialen Miteinander

Small-Talk. Der Inbegriff des Zeitstehlens, gehen wir nach der obigen Formel durchs soziale Miteinander. Streichen wir jeden Small-Talk so merken wir, was übrigbleibt: Kälte. Natürlich sind die Grenzen zwischen Geschwätz und Small-Talk schwimmend und werden von Person zu Person unterschiedlich gesetzt, aber auch diese Zeit des Redens, in der keine wesentlichen Informationen ausgetauscht werden, hat ihre Berechtigung.

 

Im Team

Ebenso sieht es bei Zielvereinbarungsgesprächen und Teammeetings aus. Es ist nicht schön, wenn der/die Vorgesetzte ewig um den heißen Brei herumredet und die Spannung ins Unendliche steigt, weil Spannung hier nervenzerreißend werden kann und es mitunter höflicher wäre, die Eingangsfloskeln kurz zu halten, um dann zügig zum Kernthema voranzuschreiten. Doch lässt man alles weg, was nicht direkt dem Informationsaustausch dient, so fehlt auch hier ein Faktor, der uns das Arbeiten im Team angenehm macht.

 

Beides hat seine Berechtigung

Ein Kuchen ohne Glasur, ein Tanz durch den man durchhetzt, ein Museumsbesuch im Schnelldurchlauf. Keine schöne Vorstellung. Mit künstlich in die Länge gezogenen Augenblicken hat das nichts zu tun. Beide Herangehensweisen haben ihre Berechtigung und manchmal ist es sogar Geschmackssache, was besser ist, denkt man nur an das Entfernen eines Pflasters. Schnell oder sanft?

 

 

Manchmal ist es eine Kunst, sich in der heutigen Zeit, Zeit zu nehmen.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Werden oder sein – Beispiel Disziplin

Diszipliniert sein oder diszipliniert werden? – Das ist hier die Frage. Ersteres gilt fast schon als Tugend, als Aushängeschild für einen Plan, den man verfolgt, als Hinweis auf Biss und Durchsetzungsvermögen. Letzteres verbinden wir mit Strafen und Sanktionierungen, mit Erziehungsmaßnahmen und sehen es als Aberkennung unserer Freiheit. Kann man die beiden Sichtweisen einfach so trennen, nur weil ein Verb anders ist?


Disziplin und Spontaneität
Diese beiden Charaktereigenschaften scheinen nicht so gut miteinander zu harmonieren. Disziplin verfolgt einen Plan, sieht einen Ablauf vor, geht nach einem Schema vor, lebt zum Teil von der Wiederholung. Spontaneität setzt auf Freiheit, auf unbeschwerte Verhaltensweisen, skizziert ein Bild der Leichtigkeit des Seins, bricht aus der Routine aus.


Berufs- und Privatleben
Auf den ersten Blick wünschen wir uns im beruflichen Umfeld disziplinierte Menschen, egal ob wir dies aus der Sicht einer Führungskraft tun, die diese Eigenschaft bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehen möchte oder aus der Sicht eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin, die sich auch auf die Führungskraft verlassen können möchte.

Im Privatleben denken wir bei disziplinierten Menschen häufig an spaßreduzierte Personen. Das muss aber nicht sein. Disziplin hat nichts mit Humorlosigkeit zu tun, ganz im Ernst ;-)


Und dann war da noch die Fremdbestimmtheit
Es kommt auch immer darauf an, von wem die Disziplin ausgeht. Legen wir uns selbst die Regeln auf, die wir befolgen wollen, haben wir einen Plan und weichen von diesem nicht ab, auch wenn es manchmal schwer wird, dann gilt dies als anerkennenswert.

Werden wir diszipliniert, so bäumen wir uns häufig auf.

Gegen rote Ampeln, gegen Masken, gegen Korrekturen, gegen Kritik, gegen Maßnahmen, gegen Steuern, gegen Obrigkeiten, gegen.to be continued.


Disziplin und Souveränität
Es kann allerdings auch ein Zeichen von Souveränität sein, Dinge diszipliniert zu verfolgen, die wir uns selbst nicht ausgesucht haben. Zähneputzen beispielsweise.

Kein Kind sucht sich Zähneputzen freiwillig aus. Bis ein Kind hier diszipliniert ist, muss es häufig ermahnt, zu Disziplin angehalten werden. Irgendwann wird aus der auferlegten Disziplin Routine und dann sind 2x3 Minuten am Tag auch keinen Kampf mehr wert, weil es andere Dinge gibt, auf die man die Energie viel besser verwenden kann.


Training, Coaching, Gesellschaft
Im sportlichen Training schreibt uns der Trainer zunächst vor, was wir tun sollen. Je exakter wir es ausführen und je länger wir dabeibleiben, umso eher werden wir mit Erfolgen belohnt. Auch im Coaching legt ein Trainer/Coach den Finger in die Wunde und zeigt uns neue, ungewohnte Wege auf, die uns anfangs belasten, stressen, viel von uns abverlangen. Bleiben wir auch hier dabei, so werden wir (auch hier die Qualität des Trainers vorausgesetzt), Veränderungen bemerken, es wird besser werden.

Allein in der Gesellschaft scheint das so eine Sache zu sein mit der Disziplin.

Man muss als Mitglied einer Gemeinschaft nicht alles gut finden, was man zu Wohle der Gemeinschaft tun sollte/ tun muss, aber man sollte sich auch überlegen, ob der Zahnputzkrieg der Kleinkind-Trotzphase hier wirklich weitergeführt werden muss.


Konkrete Beispiele zum Abschluss
Die neuen Hygieneauflagen haben für uns alle Veränderungen mit sich gebracht. Die Maske nicht vergessen, die Hände desinfizieren.

In den meisten Fällen läuft es gut, aber in vielen Fällen eben auch nicht.

In unserem Sportstudio machen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen so toll mit, dass es schon zur Routine geworden ist. Matten werden desinfiziert, Masken werden getragen und dürfen am Trainingsplatz abgesetzt werden. Jeder macht mit und ich habe das Gefühl, es macht (trotzdem) Spaß.

Gut, manchmal muss man auch hier erwachsene Menschen „disziplinieren“, die die Regeln „vergessen“. Als Studioinhaberin bin ich aber dafür verantwortlich, dass diese Regeln eingehalten werden und daran hängt auch die (weitere) Möglichkeit unter Einhaltung der Hygieneregeln geöffnet haben zu dürfen. Weil mir das wichtig ist, muss ich erwachsene Menschen auf diese Regeln manchmal hinweisen: „Eintritt bitte nur mit Maske!“ – „Bitte die Hände desinfizieren“.


Disziplin muss nicht immer Spaß machen
Das macht keinen Spaß, es erfordert halt nur Disziplin – auf beiden Seiten.

Ich glaube nicht, dass es auch nur einer Person wirklich Spaß macht, eine Maske zu tragen. Ich beneide auch die Personen nicht, die jeden Tag mehrere Stunden damit durchhalten müssen, das möchte ich an dieser Stelle betonen.

Wenn ich allerdings sehe, wie ein Speiselokal mit großer Terrasse von Gästen überrannt wird, die zu 80% KEINE Maske dabeihaben (obwohl sie diese doch nur zum Eintreten aufsetzen sollten), dann fühle ich mich an den Zahnputzkrieg erinnert.

Es ist kein Aushängeschild von sinnvoller Revolution, sich an diese kleinen Disziplinarmaßnahmen nicht zu halten, sondern eine Respektlosigkeit. Ich mag die Masken auch nicht, ich bin froh, wenn ich keine tragen muss und ob sie wirklich in irgendeiner Weise hilfreich sind, wer weiß? Aber es könnte doch sein, also dann halte ich mich eben dran.

Bin ich jetzt diszipliniert oder werde ich diszipliniert? Das ist hier die Frage.

Donnerstag, 18. Juni 2020

Spotting oder kein Spotting – das ist hier die Frage?



Man kann nicht immer machen, was man will. Das Leben ist kein Ponyhof und man kann nicht überall seinen Willen durchsetzen. Schon klar. In vielen Dingen nur vernünftig. Wenn man sich allerdings zu lange entgegen der eigenen Überzeugungen verhält, so macht einen das krank – mich zumindest. Warum ich mich nach ein paar Kursen im Polebereich/Hoop-Bereich unter gegebenen Auflagen entschlossen habe, wieder Hilfestellung zu geben – Corona-Regeln hin oder her, das will ich gerne erklären.

 

Gefahren vermeiden

Als verantwortungsvolle Person hat man in einer Gesellschaft keine Gefahr für andere darzustellen. Für sich selbst sollte man auch keine Gefahr darstellen, aber das erledigt der Eigenschutzmechanismus des Kopfes/Körpers meist von alleine.

 

Gefahr durch Nähe

Seit ein paar Monaten nun wird uns eingebläut, dass wir durch unsere Existenz und die Nähe zu Anderen bereits eine Gefahr darstellen können, die sich potenziert und vergrößert, je länger wir dem Anderen auf die Pelle rücken. Also vermeiden wir Nähe. Wir vermeiden Berührungen. Wir vermeiden Begrüßungen und Verabschiedungen mit Körperkontakt, wir betrachten uns als permanente Virenschleudern, auch wenn wir gar nicht krank sind.

 

Neue Umgangsformen

Im beruflichen Umfeld bedeutet das, dass wir Kunden und Klienten nicht mehr formvollendet begrüßen und Höflichkeitsregeln zugunsten der Gefahrenvermeidung ad acta gelegt werden. Es bedeutet aber auch, die Pflichten des eigenen Berufsbildes zu vernachlässigen, zum Wohle aller und zur Vermeidung einer unsichtbaren Gefahr. Das ist für uns alle etwas befremdlich, denn man entfernt und entfremdet sich.

 

Seltsame Auswirkungen

Als Trainerin habe ich einen Beruf gewählt, der mit der Übernahme von Verantwortung einhergeht. Personen kommen in unser Studio, weil sie sich wohl und sicher fühlen wollen, weil sie darauf vertrauen, dass der Trainer ein sicheres Umfeld aufbaut und dafür geradesteht. Darauf haben sie einen Anspruch.

Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass diese Erwartungen erfüllt werden können. Das tue ich gerne, das tue ich immer, dafür arbeite und lebe ich.

 

Verschobene Prioritäten

Wenn allerdings Sicherheit bedeutet, dass der Verbrauch von Desinfektionsmittel ins Unermessliche steigt, einem permanent der klinische Geruch in der Nase liegt und der Grad an Sicherheit mit der Frequenz des Abwischens von Lichtschaltern und Türgriffen einhergeht, mir allerdings gleichzeitig untersagt wird, meine Teilnehmer in schwierigen akrobatischen Figuren zu sichern, dann läuft irgend etwas schief.

 

Geraderücken

Und deswegen ist es an der Zeit, sich über Regeln hinwegzusetzen. Mit sofortiger Wirkung werde ich in den Kursen wieder Hilfestellung geben und sichern. Bei geplanten „Korrekturrunden“ werde ich eine Maske trage, sollte ich allerdings sehen, dass sich ein Teilnehmer in Gefahr bringt, so werde ich auch ohne Maske sofort zu Hilfe eilen, um erkennbare Schäden abzuwenden.

 

Gegen die eigene Einstellung

In den vergangenen Wochen habe ich gegen meine innere Einstellung gearbeitet. Ich habe als Trainer auf sichernde Nähe verzichtet, nur um Teilnehmer nicht in Gefahr zu bringen und sie genau damit vielleicht in Gefahr gebracht. Das Sichern, die Hilfestellung, die Präsenz eines Trainers sind wichtig. Es kann nicht sein, dass ich als Trainer – übertrieben gesprochen – sehe, wie sich ein Teilnehmer in akute Gefahr begibt (weil er droht den Halt zu verlieren, weil er eine Technik nicht richtig ausführt) und ich dies sehenden Auges wahrnehme ohne einzuschreiten, aus Angst, meine Nähe könnte den Teilnehmer krank machen.

Donnerstag, 11. Juni 2020

Der Move ist der Mühe nicht wert



Dieses Zitat stammt von einer Teilnehmerin, die sich im Training immer genau das zu erwartende Ergebnis ansah, sich also ein Bild vom fertigen Trick/der fertigen Figur machte, um dann den Aufwand, den dieser Trick erfordern könnte, mit den Mühen dorthin zu gelangen, zu vergleichen. War die Figur nicht schön/eindrucksvoll genug, quittierte sie dies mit oben genanntem Satz. Bei der Senkung der MwSt. geht es mir im Moment ähnlich, nur dass ich hier nicht selbst entscheiden darf, ob ich mitgehe oder nicht.

 

Mehr Gewinn

Für ein halbes Jahr wird die MwSt. um 3 bzw. um 2 Prozentpunkte gesenkt. Hey, 2-3% mehr Gewinn! Das hilft den gebeutelten Unternehmen unheimlich auf die Sprünge. Damit ist das Jahr gerettet. Ein tolles Signal und ein absolutes Entgegenkommen. Vielen herzlichen Dank.

So oder ähnlich sollten die Unternehmer wahrscheinlich reagieren, doch die Realität sieht anders aus.

Weil Unternehmer grundsätzlich unzufrieden sind? Weil Unternehmer grundsätzlich ungern Steuern zahlen?

Nein, weil hier etwas angestoßen wird, dem man sich nicht entziehen kann, dessen Rattenschwanz man aber versuchen muss, einzufangen.

 

Erwartungen der Kunden

Kaum, dass die Senkung der MwSt. beschlossen war, hört und liest man in den Medien, dass sich dies auf die Preise auswirken solle, dass Endverbraucher nun mit niedrigeren Preisen rechnen können. Alles wird billiger. Konsum frei! So geht’s der Wirtschaft (wieder) gut.

Durch diese Berichterstattungen werden berechtigte Wünsche und Erwartungen in Kunden und Endverbrauchern geschürt, die ein Dienstleister/Unternehmer erfüllen soll.

Dankeschön!

 

Realität

Was die Senkung der MwSt. im betrieblichen Alltag eines kleinen Unternehmens bedeutet, möchte ich hier an einigen Beispielen konkret darstellen.

Wir bieten in unserem Sportstudio unter anderem 6wöchige Kurse an, aber auch Punktekarten. Wir arbeiten ohne Vertragsbindung, was sich im Moment erneut als Vorteil herausstellt, da wir keine bestehenden Abos verändern müssen.

Eine 20 Punkte-Karte kostet inkl. MwSt. 150,00. Ein Kurs im Durchschnitt 125,00 (für 6 Wochen).

Das bedeutet, dass wir pro Kunde umgerechnet auf 6 Wochen bzw. maximal ein halbes Jahr (so lange gilt eine 20-Punkte-Karte) ca. 0,70mehr GEWINN haben. Macht also ca. 0,47pro Monat pro Kunde mehr.

 

Rechtfertigungsposition

Der Kunde erwartet, dass die Preise gesenkt werden. Würde ich die Preise um 50 Cent senken, würde sich der Kunde ein wenig „vergackeiert“ vorkommen. Senke ich die Preise nicht, so stehe ich als Unternehmer als raffgierig da.

Wie ich es also als Unternehmer anfange, ich werde es falsch machen.

 

Der Rattenschwanz

Was auf alle Fälle zu tun ist: Rechnungsvorlagen ändern, mit Kunden in klärende Gespräche gehen, Preise anpassen oder eben nicht anpassen, die Webseite bearbeiten etc. etc. etc.

Wir arbeiten so altmodisch, dass wir unsere Rechnungsvorlagen noch selbst bearbeiten können. Andere Unternehmen dürfen/müssen darauf hoffen, dass ihr Programm die Änderungen rechtzeitig zur Verfügung stellt und dass die Kosten für ein Update so gering sind, dass sie den unheimlich großen Gewinnzuwachs nicht an sich sofort wieder zunichte machen.

Jeder Schritt an sich klein und zu vernachlässigen, aber getan werden muss er, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und jeder Schritt kostet Zeit. Zeit, die ich nicht doppelt habe und die ich nicht für das einsetzen kann, was vielleicht für beide beteiligten Seiten (Kunde und Unternehmer) sinnvoller und attraktiver wäre.

Und wenn ich alles vollzogen habe, dann habe ich für exakt ein ganzes halbes Jahr meine Ruhe, bevor ich Anfang 2021 wieder von vorne anfangen kann.

Leistungen, die sowohl im Zeitraum VOR der Änderung als auch im Zeitraum WÄHREND der Änderung in Anspruch genommen werden, unterliegen dann zwei Steuersätzen. Grundsätzlich müsste ich also jede Rechnung neu schreiben.

Nochmals: Vielen Dank. Ich wüsste wirklich nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll, wenn nicht derartige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen generiert würden. Mir wäre als Unternehmerin schlicht langweilig und ich darf mich wirklich nicht beschweren, denn ich verdiene ja Unmengen an Geld mehr und meine Gewinne steigen ins Unermessliche.

Von diesen Summen kann ich nicht mal das Desinfektionsmittel bezahlen, welches seit der Umsetzung der Auflagen in rauen Mengen verbraucht wird und jeden Bereich mit einem angenehm klinischen Geruch versieht.

Abgesehen davon, generiert der Staat damit eine tolle "double bind Situation", denn ich kann es als Unternehmer wieder nur falsch machen: Habe ich die Preise im Juli 2020 vielleicht wirklich gesenkt, wird eine erneute Erhöhung nicht auf viel Gegenliebe stoßen. Habe ich den riesigen Gewinn als Unternehmer einfach so in meine Tasche gesteckt, dann muss ich jetzt damit leben, wieder viel viel viel weniger Gewinn zu machen ( ;-))

 

Ohrfeigentrinkgeld

Als Jugendliche arbeitete ich nebenher als Bedienung. Das Trinkgeld war eine willkommene, wenn auch schwer zu berechnende „Gehaltserhöhung“.

Manchmal kam es vor, dass man große Gruppen zu bedienen hatte, die relativ lange saßen. Gezahlt wurde manchmal von einer Person. Ich kann mich noch an einige Male erinnern, als ich das Trinkgeld am liebsten gar nicht angenommen hätte, weil ich es als Affront verstand.

Bei Rechnungssummen von 139,80 wurde mit gönnerhafter Manier vom Kunden 140,00 auf den Tisch gelegt mit der Aussage: „Stimmt so!“

So ähnlich fühlt sich die Senkung der MwSt. an.
Was "die da oben" damit zeigen: Sie haben keine Ahnung vom unternehmerischen Alltag, es geht ihnen nicht darum, dass es einem Unternehmer besser geht, sie wollen gut dastehen und tun dies auf Kosten derer, die ihre Suppe auslöffeln dürfen. Ja, ich bin sauer!

 

Entschleunigung – Fehlanzeige!

Corona hat Einiges durcheinandergebracht. Aber es hat uns allen auch die Möglichkeit gegeben, den Blick auf das Wesentliche zu schärfen. Respekt und Anerkennung, Wertschätzung und Geduld walten zu lassen. Personen im Allgemeinen mit anderen Augen sehen zu können. Leitsätze geprägt durch „höher, schneller, weiter, billiger, mehr“ etwas in Frage zu stellen. Das fand ich gut.

Jetzt sind wir wieder genau da, wo wir vorher waren.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Ressourcenmanagement – auf den Boden (der Tatsachen) zurückkehren



Ein Training wird meist dann als gut bewertet, wenn möglichst sofort mess- und sichtbare Erfolge und Fortschritte festzustellen sind. Ein wesentlicher Faktor ist und bleibt aber auch die Sicherheit. Jedes Training, welches den Trainierenden nicht vollkommen „zerstört“, sondern noch ein paar Reserven übrig lässt, ist gut. Dieser Gedanke hilft uns auch beim Umgang mit den mentalen Ressourcen, im Umgang mit Stress.

 

Stress kommt hinterher

Wir kennen alle den Umstand, dass sich die negativen Auswirkungen von Stress und Belastung gerade dann zu erkennen geben, wenn wir sie so gar nicht gebrauchen können. Sicher, negative Auswirkungen kann wünscht sie niemand zu irgendeinem Zeitpunkt, aber warum wird man häufig dann krank, wenn man „frei“ hat, oder verzieht sich den Rücken, wenn man doch im Urlaub entspannen könnte?

 

Der Körper leistet, der Kopf auch. Im Dauermodus arbeiten beide daran, den Anforderungen gerecht zu werden, bis endlich Ruhe einkehrt. Dann fordern Kopf und Körper ihren Tribut.

 

Obwohl wir das alle kennen, ist es unheimlich schwer, während einer Belastungszeit, in der Ausführung einer Übung an „später“ zu denken. (Ich kann es im Sport teilweise, im Umgang mit geistigen Ressourcen nur sehr bedingt).

 

Verbesserung kommt hinterher

So, wie beim Sport sinnvolle Regenerationsphasen einberechnet werden sollten, weil man weiß, dass die Verbesserung der Leistungsfähigkeit streng genommen nach dem Training hergestellt wird, nicht während des Trainings, so sollte man sich auch ab und zu Gedanken darüber machen, wo man im Alltag Regenerationsphasen einbauen kann, statt diese auf die lange Bank des Jahresurlaubs zu schieben.

 

Kraft berechnen

Im Training der Akrobatik gehen wir hier ziemlich pragmatisch vor. Wir berechnen nicht nur die Kraft, die wir benötigen, um eine bestimmte Figur ausführen zu können, diese aufzubauen und zu halten, sondern wir rechnen auch immer die Kraft für den „Rückweg“ ein.

Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Viele Personen sind gerade in der Anfangseuphorie so hochmotiviert, dass sie alles geben. Das ist per se sehr schön, aber manchmal auch hochgefährlich. Nicht selten kann es vorkommen, dass die Person nach einer erfolgreich gemeisterten Figur/ einem neuen Trick in luftigen Höhen feststellt, dass sie nun nicht mehr weiß, wie sie sicher auf den Boden zurückkehren soll, bzw. schlichtweg die Kraft fehlt.

 

Dann kann der Rückweg gefährlich werden. Beim Workout ist der Trainer als Hilfestellung vor Ort, er/sie ist darauf vorbereitet und begleitet den Teilnehmer sicher auf den Boden zurück.

Bei mentalen Herausforderungen fehlt uns manchmal die Kraftberechnung für den Rückweg, das Zurückhalten notwendiger Reserven und ein Coach.

 

Mentale Kraft berechnen

Der Kopf und der Körper können viel erreichen und aushalten. Sie gehen beide nicht so schnell kaputt, wie wir manchmal glauben, aber ein wenig Glutreserve sollte auch hier zurückgehalten werden, denn aus Asche kann man kein neues Feuer entfachen und Phönix sind wir selten.

Freitag, 29. Mai 2020

Flexibilität trainieren, Grenzen akzeptieren – Agree to disagree




Im Sport sagt man dem Training der Flexibilität nach, dass es eine gute Methode sei, den Bewegungsapparat gesund zu erhalten, Stress zu vermindern und Verspannungen zu lösen.

Durch Dehnungsübungen „zieht“ man den Muskel in die Länge. Ansatz und Ursprung des Muskels sollen sich weiter voneinander entfernen – vereinfacht und sinnbildlich gesprochen.

Dieses „Langziehen“ kann eine bessere Aufnahme von Nährstoffen und Sauerstoff verursachen und ist somit (richtig ausgeführt) gesund. Am Anfang verursacht Dehnen Schmerzen. Auch das ist normal und als gesundes Warnsignal des Körpers zu verstehen. Kommunikation mit dem Körper, Atmung, Geduld und Ruhe sind hier wichtige Faktoren, die vor Verletzungen schützen.

 

Übertragen wir dieses Wissen um die Auswirkungen von Dehnungsübungen auf unseren Kopf, lassen sich metaphorische Gemeinsamkeiten erkennen.

 

Sturheit ist die Unflexibilität des Geistes

Das Training der Flexibilität stärkt auf Dauer Sehnen und Bänder, die Haltestrukturen unseres Körpers, die Unterstützer unserer knöchernen Strukturen.

Ähnlich kann das auch mit dem Zulassen anderer Sichtweisen und Meinungen sein.

 

Am Anfang verursacht es bei manchen Menschen scheinbar körperliche Schmerzen, auch nur zu registrieren, dass Dinge unterschiedlich betrachtet werden können. In Anlehnung an die oben genannten Dehnungsschmerzen, schützt sich der Kopf vor Verletzungen. Es überfordert die geistige Reichweite und muss deswegen vermieden werden.

 

Doch ebenso in Anlehnung an Dehnungsübungen für den Körper, kann es sogar gesund sein, sich auf die mögliche Erweiterung des eigenen geistigen Horizonts einzulassen.

So wie Dehnen im körperlichen Bereich einen Ausgleich muskulärer Dysbalancen schaffen kann, so könnte das theoretisch auch im Geiste passieren.

 

Mit Gewalt geht gar nichts und schnell auch nicht

Dehnen, Stretching, das Training der Flexibilität setzt voraus, dass man sich darauf einlässt. Man braucht Zeit, sich mit dem Körper auseinanderzusetzen. Man muss mit dem eigenen Körper kommunizieren. Bei jeder neuen Dehnungsübung reagiert auch unser Körper erst einmal stur: „Nö! Kenne ich nicht. Will ich nicht. Habe ich noch nie gemacht. Geht nicht. Tut weh. Lassen. Aufhören.“

 

Nun können wir der Forderungen und dem Willen unseres Körpers nachgeben und es bleiben lassen. Oder wir gehen in Mini-Schritten vorwärts, geben dem Körper Zeit, respektieren seinen Schmerz, hören auf ihn, wiederholen, trainieren und geben nicht auf.

 

Natürlich können wir auch versuchen, den Körper zu zwingen, weil wir es ja schließlich besser wissen. Im Sport wissen wir alle, wie ein solcher Versuch endet.

 

Geistig ist es ähnlich

Die Erweiterung geistiger Horizonte setzt voraus, dass man sich dafür Zeit nimmt, dass man Gegenargumente nicht sofort vom Tisch wischt, dass man Meinungen anhört und die Schmerzen der anderen Partei, wenn diese sich auf neue Meinungen einlassen soll, ernst nimmt. Auch hier führt Zwang zu gar nichts.

 

Wertschätzende Kommunikation

Das Schlagwort schlechthin der letzten Jahre und Monate, wenn es um innerbetriebliche Schulungsmaßnahmen im Bereich Führung und Teams ging. Das war vor Corona.

In den letzten Monaten scheint diese wertvolle Grundlage gemeinsamen Miteinander-Redens wieder unbedeutender geworden zu sein. Schade eigentlich.

 

Agree to disagree

Wir sind uns darüber einig, dass wir uns nicht einig sind.

Klingt ein wenig wie Sokrates berühmte Aussage: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ (Korrekt übersetzt müsste es angeblich heißen: Ich weiß, dass ich nicht weiß.)

 

Sokrates ist sich des Umstands bewusst, dass ihm das Wissen, welches über jeden Zweifel erhaben ist, fehlt. Kluger Mann.

 

Wissen ist nie allumfassend. Das wäre auch schlimm und schade, denn dann könnte man die Forschung und Entwicklung auch aufgeben. Zwischen Schwarz und Weiß existieren viele Grautöne, manchmal sogar Farben.

Ein (wissenschaftlicher) Diskurs setzt voraus, dass sich alle Parteien der Wahrscheinlichkeit bewusst sind, dass sie falsch liegen könnten. Trotzdem oder gerade deswegen interessieren sie sich für die Betrachtungen anderer.

 

Und am Ende eines Tages kann man dem anderen mit Respekt begegnen, obwohl man festgestellt hat, dass sich der andere nicht von der eigenen Sichtweise hat überzeugen lassen.

Agree to disagree – ein hohes Ziel!

Donnerstag, 14. Mai 2020

Was man oft vergisst


Jeder ist sich selbst der Nächste. Prinzipiell ist das nicht verwerflich, aber es stimmt so auch nicht immer ganz. Gerade in schweren Zeiten ist es wichtig, sich nicht in Selbstmitleid zu panieren. Stattdessen muss man sich öfter mal selbst in den Allerwertesten treten und die Perspektive für die öffnen, die aus ganz anderen Gründen an der Situation verzweifeln.

 

Das können die doch nicht machen

Auch hinter diesem „die“ stecken Menschen. Menschen, die Entscheidungen nicht leichtfertig treffen. Menschen, die sich Gedanken machen. Menschen, die Verordnungen nicht nur erstellen, sondern auch durchsetzen müssen. „Die“ ist keine gesichtslose Masse.
Wenn uns etwas nicht passt, wenn wir traurig, wütend oder sauer sind, so können wir nur schlecht auf eine Sache sauer sein. Das bedeutet, dass wir der Sache ein (oder mehrere) Gesichter geben (müssen). Sachlagen werden personalisiert und es kann sich ein richtiger Hass auf die Personen entwickeln, die eigentlich auch nur ihren Job machen.

 

Ich tu mir leid – ich tu mir so schön leid

Ich glaube, es handelt sich dabei um ein Fragment eines Songtextes von Eisbrecher. Manchmal muss man sich in (Selbstmit)Leid panieren, um den Schmerz und die Tiefe dessen, was es in uns auslöst auch ganz verstehen und begreifen zu können. Das ist notwendig und gehört meines Erachtens zur Bewältigungsarbeit dazu. Aber dann muss auch wieder Schluss sein.

Fast wie beim Fahrradfahren. Berg runter einfach laufen lassen, oder sogar noch selbst in die Pedale treten, aber nur, damit man auf der anderen Seite die Steigung wieder leichter schafft.

Man muss sich also selbst eine Deadline setzten, wann dann auch mal mit dem Gejammer Schluss ist.

 

Der Tritt in den Allerwertesten

Wir kennen das vom Training. Eine Zwangspause ist hart und am Anfang fehlt es uns wirklich und wir sehnen uns danach. Dann tut es nicht mehr ganz so weh und schließlich gewöhnt man sich daran und wird faul. Fallen, wie in den jetzigen Zeiten, die verbindlichen Termine weg, ist es noch schwerer, sich aufzuraffen. Großes Lob an alle Personen, die die sportliche Betätigung nicht vergessen oder vernachlässigen. Online-Kurse sind nicht jedermanns Sache, das soll hier auch gar nicht das Thema sein. Körperliche Betätigung hilft uns. Sie schützt uns. Sie hilft dabei Stresshormone abzubauen und unser Herz gesund zu halten. Stress haben wir alle im Moment mehr als genug (Achtung: Stress muss nicht immer gleichbedeutend sein mit einem Berg an Arbeit, er kann auch „nur“ im Kopf entstehen). Sorgen fressen sich in unser Herz und machen es schwer. Gerade in solchen Zeiten in denen es darum geht, Gesundheitsgefahren für viele zu bannen, schleichen sich andere Gefahren ein, die man zunächst so gar nicht erkennen würde.

 

Der Tritt in den Hintern bedeutet aber nicht nur, dass man sportlich und körperlich (wieder) aktiv wird/bleibt, sondern auch, dass es wichtig ist, die Perspektiven zu wechseln und echte Empathie dort walten zu lassen, wo es uns schwerfällt. Und so kommen wir wieder zu „denen“ vom Anfang zurück.

 

Ignoranz

Die sind schuld an
Das machen die absichtlich

Die Situation macht uns allen keinen Spaß. Niemand hat sich das ausgesucht und vieles ist nicht mehr nachvollziehbar und verständlich. Ohnmacht, Wut und Aggression steigen und irgendwo müssen diese Empfindungen hin. Das kann überlegt passieren oder in hilfloser Ohnmacht auch entarten.

 

Ich habe in den letzten Wochen viel Ignoranz erlebt. Ignoranz in der Form, dass ich einfach ignoriert wurde. Das ist überhaupt kein schönes Gefühl, wenn man sich dann eventuell auch noch im oben beschriebenen Selbstmitleid paniert.

Aber – und das ist viel wichtiger – ich habe auch viel Zuspruch erfahren, dort, wo ich ihn vielleicht nicht erwartet hätte. Ich habe sehr nette Antworten bekommen und habe erlebt, dass es durchaus Politiker und Politikerinnen, Verbandsvorsitzende und Mitarbeiter von Behörden gibt, die sich einsetzen, die sich kümmern, die einem mit Wertschätzung begegnen.

Dafür gebührt all diesen Personen Dank!

 

Hiob hat viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Viel häufiger ist es allerdings so, dass wir „die“ ja gar nicht erreichen, sondern viel eher die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Behörden, von denen wir auch vorurteilsbehaftet denken, es würde sie nicht interessieren, sie wären langsam und hätten keine Ahnung von der „Welt da draußen“. Diese Personen bekommen dann unseren Unmut, unsere Ungeduld und unsere Sorgen, Ängste und Nöte ab, müssen unseren Frust erdulden.

Dabei machen sie nur ihren Job und haben dabei das Pech, dass sie eben greifbarer sind als andere.

 

Behörden halt

Auch diese Personen haben es sich nicht ausgesucht, jetzt mit Anträgen, Mehrarbeit, Fragen auf die niemand eine Antwort hat, bombardiert zu werden. Auch diese Personen sind nur begrenzt belastungsfähig. Auch diese Personen haben Mitgefühl und so gehen auch diesen Personen die Schicksale nach, auch wenn man daran zunächst gar nicht denken mag.

 

Natürlich denken wir an die vielen Menschen, die an „vorderster Front“ (ich mag den Begriff nicht, er klingt nach Krieg) ihre Arbeit verrichten, aber wir sollten auch die nicht vergessen, deren Tätigkeiten ebenso wichtig sind und die generell in unseren Augen im Moment sowieso mehr falsch als richtig machen. Das ist nicht fair. In vielen Situationen sind sie nur der Überbringer von Nachrichten und Anordnungen, die uns nicht gefallen!

Aber hey: „Don’t shoot the messenger”

 

In diesem Sinn auch Danke an diese Personen!

 

Freitag, 8. Mai 2020

Brot und Spiele – UND Baumärkte


Wir haben alle eine Verantwortung in einer Gesellschaft, die wir zu übernehmen bereit sein sollten. Dazu gehört es auch, sich an Regeln zu halten. Je verständlicher die Regeln sind, je fairer diese auf- und umgesetzt werden, umso mehr bleibt das Gefühl, wir alle würden im selben Boot sitzen. Fernab aller Verschwörungstheorien fällt dies zunehmend schwer, je genauer man sich die Regeln betrachtet.

 

Föderalistisches System

Nachdem ich politisch ziemlich ungebildet bin, will ich hier gar nicht näher auf den Sinn oder Unsinn des föderalistischen Systems eingehen. Nur so viel: Kennt ein Virus sich damit auch so gut oder schlecht aus wie ich? Also hält es sich dann in den unterschiedlichen Bundesländern auch an die unterschiedlichen Regeln? Warum ist die Ansteckungsgefahr beispielsweise in Fitnessstudios in NRW geringer als in Bayern? Wie gesagt, ich verstehe es nicht.

 

Zeitungen

Während der ganzen Zeit des Lock-Downs hatten Tabak- und Zeitschriftenläden geöffnet. Mehr oder weniger nachvollziehbar. In Ordnung.

Wenn ich mir im Laden Zeitschriften ansehen und kaufen kann, warum müssen Zeitschriften dann beim Friseur weggeräumt werden?

 

Umkleiden

In den Bundesländern, die ihre Sportstätten wieder öffnen, ist es streng untersagt, die Umkleiden zu benutzen. Die Geschäfte, die Oberbekleidung anbieten, sind (ich lasse mich hier gerne eines Besseren belehren, wenn meine dürftige Recherche dazu ausschließlich zu den falschen Ergebnissen geführt haben sollte) die Anproben geöffnet. Es wird der Hinweis gegeben, dass das Anprobieren der Kleidungsstücke „über den Kopf“ unterlassen werden sollte (https://www.bghw.de/die-bghw/faq/faqs-rund-um-corona/spezielle-fragen-fuer-beschaeftigte-im-handel-und-in-der-warenlogistik/was-ist-im-einzelhandel-bei-der-ausgabe-von-waren-zur-anprobe-und-bei-deren-ruecknahme-sowie-bei-der-annahme-von-reparaturen-und-retouren-zu-beachten), aber auch gleichzeitig der beruhigende Hinweis gegeben, dass das Ansteckungsrisiko mittels eines Kleidungsstückes, was eine fremde andere Person vorher anprobiert hat, extrem gering wäre (https://www.rtl.de/cms/in-geschaeften-shoppen-waehrend-corona-kann-ich-mich-beim-kleidung-anprobieren-anstecken-4525596.html).

Aha!

 

Fahrradfahren

Ein Austausch mit meinem Neffen, der in Frankreich lebt (ja, jetzt gehen wir sogar über die Landesgrenzen hinaus) brachte eine weitere seltsame Regel zutage: Sport im Freien ist erlaubt, man darf joggen. Fahrradfahren ist allerdings untersagt. Den Grund dahinter versteht allem Anschein nach nicht mal die französische Gendarmerie, die nach Aussage meines Neffen, zwar Fahrradfahrer auf das Verbot hinweisen, aber nicht zu Anzeigen oder dem Verhängen von Bußgeldern greifen würde.

 

Brot und Spiele

Wie im alten Rom scheint es manchmal, dass es wichtig ist, im Zuge immer mehr aufkeimender Fragen, das Volk ruhigzustellen. Gebt dem Volk Essen und Genussmittel und Fußball.

Abstandsregeln sind hier dann nicht mehr so wichtig? Sport ist nur dann wichtig, wenn er wirtschaftlich interessant ist UND gleichermaßen das Volk ruhigstellen kann? Und Buhmann ist der, der aufdeckt, dass sich eben viele nicht an die Regeln des Mindestabstands und der Kontaktsperre halten?

Ich habe mich dazu lang ausgelassen, habe mit der Bitte um sportlichen Zusammenhalt einen Brief an den DFB und alle Vereine der 1. Und 2. Bundesliga geschrieben (hier: https://www.rtl.de/cms/in-geschaeften-shoppen-waehrend-corona-kann-ich-mich-beim-kleidung-anprobieren-anstecken-4525596.html).

 

Baumärkte

Und Baumärkte! Baumärkte sind auch ganz wichtig. So ein bisschen fragt man sich schon, warum das so ist? Kann es sein, dass man so die (ACHTUNG KLISCHEE) Ehefrauen ruhigstellen kann, die sich endlich ein verschönertes Wohnzimmer wünschen und die Ehemänner gleich auch, weil sie tagsüber dann was zu tun haben und abends Fußball gucken können?

 

Und jetzt?

Keine Ahnung! Sinnlose Revolte, das ungenierte Teilen irgendwelcher abstruser Verschwörungstheorien oder das trotzige Verhalten, sich über bestehende Regeln hinwegzusetzen kann nicht das Mittel der Wahl sein.

 

Blick in die Zukunft

Was ich mich ernsthaft frage ist, wie ich bei folgendem Fall vorgehen sollte?: Nehmen wir mal an, auch wir in Bayern dürfen irgendwann mal wieder unsere Sportstudios (groß, klein, mittel, mikro, mini) öffnen.
Sicherlich wird dann eine Maximalzahl an Personen festgesetzt werden, die sich in den Räumlichkeiten aufhalten darf. Was passiert, wenn die Polizei oder das Ordnungsamt kommt und die Einhaltung der Regeln und des Hygienekonzepts überprüfen möchte?
Muss ich den Personen Einlass gewähren? Und wenn ja und wenn dadurch die zulässige Personenanzahl überschritten würde, muss ich dann erst Kunden aus dem Studio rauschmeißen? Alle Kunden sind mir beispielsweise bekannt (namentlich) und mögliche Infektionsketten wären gut nachvollziehbar. Dieser Umstand wird durch das Betreten fremder Personen, die unter Umständen dazu führen, dass die zulässige Höchstzahl überschritten würde, zunichte gemacht.

Wie soll ich mich denn nun richtig und gut verhalten?

 

Fragen wir einfach das RKI

Wenn man Berichten glauben darf (https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus207808983/Corona-Krise-Wie-kann-das-RKI-ausgerechnet-jetzt-seine-Briefings-einstellen.html?cid=socialmedia.facebook.shared.web), werden die Informationen allerdings bis auf Weiteres eingestellt. Ich fühle mich etwas verloren, dabei würde ich doch so gerne meiner Verantwortung nachkommen und alles richtig machen.


Update auf Nachfrage:
Der Polizei und den Ordnungsbehörden muss man immer Einlass gewähren, egal wie viele Personen sich dann im Raum befinden....

Donnerstag, 23. April 2020

Zuviel Zug macht den Körper bockig


Die Frage, ob Stretching überhaupt etwas „bringt“ ,wird nach wie vor diskutiert. Auch stellt sich die Frage, was man unter Stretching versteht: Ist es das Lockern nach einer Trainingseinheit oder soll mittels eines gezielten Trainings eine Zunahme/Erhöhung der Flexibilität erreicht werden? Beide Ziele können mittels „Stretching“ erreicht werden, allerdings wird das Training je nach gewünschtem Ziel sehr unterschiedlich zu gestalten sein.
Neueste Forschungsergebnisse legen den Rückschluss nahe, dass ein gezieltes Training der Beweglichkeit eine gute Vorbeugung gegen verfrühte Alterserscheinungen darstellen kann und somit in jedem Falle Sinn macht. Doch es gibt auch einige Personen, die am Tag nach einem Flexi-Workout das Gefühl haben, es würde sich verschlechtern statt verbessern. Kann das sein?

Stretching als Abschluss

Man kennt das oftmals nicht sehr beliebte Stretching am Ende eines Work-Outs (nach Step-Aerobic, nach einem Poletraining, als Abschluss eines funktionalen Trainings etc.). Hier streiten sich, wie oben bereits erwähnt, die Geister, ob es überhaupt Sinn macht? Persönlich empfinde ich es als sinnvoll, denn ich merke, wenn es zu kurz gekommen ist oder ich es vergessen habe. Am nächsten Tag fühle ich mich dann „wie vom Bus überrollt“. Dieses Gefühl kann ich durch ein paar Stretching-Übungen am Ende minimieren.
Dieses Stunden-Abschluss-Dehnen hat nicht das Ziel der Zunahme der Flexibilität zum Ziel und kann dies auch nur marginal erreichen. Es dient der Lockerung, der Entspannung und tut (dem einen mehr, dem anderen weniger) gut.

Stretching als eigene Trainingseinheit

Möchte man mittels Stretchings die Beweglichkeit verbessern und bestimmte Ziele erreichen (Spagat, Brücke, etc.), so sind gesonderte, einzelne, eigene Trainingseinheiten notwendig, in welchem ausschließlich die Flexibilität trainiert wird. Grundvoraussetzung ist hier allerdings auch, dass der Körper gut erwärmt in das eigentliche Training startet, denn nur warme Sehnen und Bänder sind flexibel. Das darf man gerne mit einem Gummiband vergleichen. Lege ich es im Winter nach draußen und versuche dann, es in die Länge zu ziehen, reißt es entweder ganz oder es wird porös. Lege ich es in die Sonne, dann ist es weich und flexibel.

Entspannung versus harte Arbeit

Dienen die Dehnungsübungen am Ende eines Work-Outs der Entspannung und Lockerung, dem ruhigen Kursabschluss, so stellt ein gezieltes Training der Beweglichkeit harte Arbeit dar. Dieses Workout ist mindestens so anstrengend wie Krafttraining. Man schnauft manchmal wie eine Dampflok, man kommt mitunter sogar ganz schön ins Schwitzen und man merkt, dass eine Zunahme der Beweglichkeit immer auch vom Zusammenspiel von Kraftanstrengung und Dehnen abhängt.
Am Ende eines solchen Trainings ist man genauso müde und erschöpft wie nach jedem anderen Training auch.

Je mehr, desto besser?

Eben nicht. Was sich aus dem letzten Satz des oberen Abschnitts erschließt ist die Notwendigkeit, dem Körper Regenerationszeit zu bieten. Mittels eines gezielten Flexi-Workouts reizt man den Körper, man verbraucht seine Ressourcen, man triezt und triggert ihn. Danach sollte er sich erhohlen dürfen. So wie in jedem anderen Training auch, findet eine Leistungszunahme streng genommen nicht IM sondern NACH dem Training statt, wenn der Körper zur Ruhe kommen darf und sich – bildlich gesprochen – darüber Gedanken machen kann, was er da gerade durchgemacht hat und wie er das nächste Mal besser damit klarkommt.
Gönne ich dem Körper diese Ruhe nicht, wird er bockig und will gar nicht mehr. Dann riskiere ich Verletzungen, Übertraining oder sogar Rückschritte.

Mit Maß und Ziel

Wer dennoch wirklich jeden Tag stretchen möchte, dem sei ein sinnvoller Trainingsplan angeraten. Ein Tag Rücken und Schultern, am zweiten Tag Becken und Hüfte und am dritten Tag die Beine. Dann von mir aus wieder alles von vorne oder wirklich mal einen Tag Pause machen. Alles andere ist – meiner eigenen bescheidenen Meinung und meiner eigenen Erfahrung nach – unsinnig.


Kollateralschäden

Eine Zerrung ist übel. Eine Zerrung wirft einen um Wochen zurück. Sie ist schmerzhaft und wenn es passiert ist, dann wünscht man sich, die Zeit bitte nur um 10 Sekunden zurückdrehen zu dürfen. Um derartige Kollateralschäden zu vermeiden, ist es wichtig, umsichtig, konzentriert, ausgeruht, tief atmend und überlegt an die ganze Sache heranzugehen.
Kann man einen schlimmen Muskelkater im wahrsten Sinne des Wortes verschmerzen, wächst ein abgebrochener Fingernagel ziemlich schnell nach und heilen auch blaue Flecken binnen ein paar Tagen ab, so hat man von einer Zerrung über Monate was.


Persönliche Empfehlung

Für die Zunahme der Beweglichkeit ist es wichtig, gesonderte Trainingseinheiten durchzuführen. Auch hier benötigt der Körper Regenerationsphasen. Je mehr desto besser ist im Training selten gut und zahlt sich auch beim Flexi-Workout nicht aus. Wenn der Körper müde ist, muss er sich ausruhen können. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.