Freitag, 20. September 2019

Ein gutes Kind


Ein Mensch erzählt: 

„Wissen Sie, ich habe ein wirklich gutes Kind. Es macht immer, was man ihm sagt. Es hat keine eigene Meinung, also ich gehe davon aus, dass es keine eigene Meinung hat, denn ich habe es noch nie danach gefragt und es begehrt auch nie auf. Es funktioniert prima, äußert nie eigene Bedürfnisse, braucht nichts und ist mit dem zufrieden, was für es abfällt. Man kann alles von ihm verlangen, es ist wirklich brav. Nie hat es Widerworte. Es ist so toll, so ein Kind zu haben, um dass man sich überhaupt nicht kümmern muss. Und wenn es sich mal meldet, dann muss man nur sagen, dass man das nicht möchte und sofort ist wieder Ruhe. Toll, genauso habe ich mir das immer vorgestellt. Und wenn ich das Gefühl habe, dass das Kind tatsächlich mal mehr Aufmerksamkeit braucht, dann gehe ich einfach in ein großes Möbelgeschäft und gebe es dort in der Kinderbetreuung ab, oder aber ich setze es vor den Fernseher oder melde es eben bei irgendeinem Ferienprogramm an.“

Ein Mensch erzählt: 

„Wir haben nur perfekte Mitarbeiter. Egal, was man ihnen aufbürdet, sie erledigen es. Sie sind nie krank, sie verlangen nicht nach Aufmerksamkeit, oder gar, dass man ihnen zuhört. Überstunden sind ganz normal, sie arbeiten, wenn es sein muss auch mal 24 Stunden am Stück durch, ohne dass sie am nächsten Tag krank sind, oder auch nur über Müdigkeit jammern. Was die Vorgesetzten-Ebene verlangt, wird erledigt, dafür sind die Mitarbeiter ja auch da, oder? Für eigene Meinungen, Kritik und Gegenrede ist in unserem Unternehmen auch kein Platz. Dafür gibt es bei uns mehr Urlaubsgeld.“

Das darf doch wohl nicht wahr sein?

Kopfschütteln, Unmut? Ein aufkeimendes Gefühl des Unwohlseins? So kann man doch nicht mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen umgehen, schon gar nicht mit Kindern? Man begegnet sich doch schließlich mit Respekt und Wohlwollen. Wertschätzung sei ganz wichtig, entgegnen Sie? Unterschiedliche Meinungen sind wichtig und können aufzeigen, wo etwas nicht ganz rund läuft. Nur durch das Vorhandensein unterschiedlicher Meinungen, das Äußern von eigenen Sichtweisen und Empfindungen kann Entwicklung vonstatten gehen, meinen Sie?

Stimmt . Und jetzt ersetzen Sie das Kind im ersten Beispiel und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im zweiten durch das Wort „Körper“.

Ersetzen Sie Kind/Mitarbeiter und verwenden das Wort Körper

Tatsächlich gehen viele Personen so mit ihrem Betriebskapital um. Ein Körper hat zu funktionieren. Wenn er sich meldet, in welcher Form auch immer, dann ist etwas verkehrt. Wenn er schon meint, nicht funktionieren zu müssen, dann bitte wenigstens in der Form, dass man sich krankschreiben lassen kann und nicht zur Arbeit muss.

Missempfindung oder Schmerz

Viele Menschen können heute nicht mehr zwischen Missempfinden und Schmerz unterscheiden. Sobald sich der Körper meldet, muss etwas verkehrt sein. Man setzt sich nicht so gerne mit dem Körper auseinander, reicht ja schon, wenn man ihn 24 Stunden am Tag mit sich herumschleppen muss. Und wenn er dann wirklich einmal meint, eine eigene Meinung, die dem Kopfbesitzer nicht passt, äußern zu müssen, dann geht man eben zum Arzt und lässt sich eine Spritze geben. Zur Not investiert man auch mal in Wellness oder eine Massage. Muss reichen.

Respekt und Wertschätzung

Ein Körper darf sich melden. Er darf am nächsten Tag seine Meinung über die körperliche Betätigung des Vortags äußern. Er darf anderer Meinung sein als sein Kopfbesitzer und wir sollten zuhören. Schmerzen sind Warnsignale, aber nicht jede Körperäußerung ist Schmerz.
Wir sind dann zufrieden mit unseren Körpern, wenn wir sie nicht spüren. Mit Kindern und Mitarbeitern gehen wir wertschätzender um.

Freitag, 13. September 2019

Wie wir Gleichberechtigung verstehen


 

Gleiche Voraussetzungen für alle


Bei CrazySports Augsburg haben wir keine Kinderkurse. Wir haben keine Kurse für Männer und keine Kurse speziell für Frauen. Wir unterteilen nicht in Altersklassen.

Kleingruppenvorteil

Unser Hauptaugenmerk liegt bei den teilnehmenden Personen, dabei ist es unerheblich, ob diese 7 oder 70, männlich, weiblich oder divers sind.
Wir führen unsere Kurse in Kleingruppen durch und fragen vor jeder Einheit nach besonderen Befindlichkeiten, Themen, Wehwehchen, um dann speziell auf diese eingehen zu können.

Jeder Mensch ist einzigartig und so kann es durchaus sein, dass man einer Person, die 7 Jahre alt ist die Herausforderung anders nahebringen muss als einer Person, die – zumindest was die Zahl der Jahre betrifft – erwachsen ist. Aber das ist immer unsere Aufgabe und diese erfüllen wir gerne.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Was alle Personen verbindet, die zu uns kommen, sie möchten den Sport ausüben. Punkt. Und hier setzen wir an.

Größtes gemeinsames Vielfaches

Jeder Mensch hat bis zu einem gewissen Grad die gleichen Voraussetzungen und dennoch sind die Themen, die wir und unsere Körper mitbringen vielfältig. Mehr oder weniger Muskelmasse, mehr oder weniger Flexibilität, mehr oder weniger Vorerfahrung. Eventuell noch kleinere Baustellen und verheilte Blessuren, die berücksichtigt werden wollen.

Vielfalt der Einzigartigkeiten

Gerade diese Vielfalt kann aber auch dazu führen, dass man für sich als teilnehmende Person feststellt, dass jede Person mit Herausforderungen zu kämpfen hat, dass das, was mir leicht fällt für meine „Trainings-Buddy“ schwer ist und umgekehrt.

Keine Etiketten

Wir sehen mehr Vorteile im Miteinander als in der Stückelung unseres Kursangebots für „spezielle Gruppen“. Hier stellt sich auch die Frage, wo man anfangen sollte und wo aufhören?
Kinderkurse für 4-10Jährige. Teenagerkurse. Kurse für Jungs. Kurse für Mädchen. Kurse für weibliche Best-Ager, Kurse für männliche Bestager. Kurse für Personen mit Vorerkrankungen, Kurse für „festere“ Personen, Kurse für Menschen mit geringem Selbstvertrauen.
Allein diese Unterteilung kann unter Umständen schon als Stigmatisierung, als Etikett gesehen werden. Etiketten sind etwas für Klamotten, wir arbeiten mit Menschen.

Freitag, 6. September 2019

Und was tun Sie, um meinen inneren Schweinehund zu überwinden?





.so lautete eine Frage eines Herren, der sich bei einem Unternehmertreff nach meinem beruflichen Background erkundigt hatte. Nach der Vorstellung beider Unternehmensbereiche und der Erklärung, wie wir es in unserem Studio mit Verträgen handhaben(keine Vertragsbindung, Freiwilligkeit, der Teilnehmer/ die Teilnehmerin entscheidet, ob er/sie zum Sport kommen möchte oder nicht.), war der Herr sehr erstaunt und stellte eben oben genannte Frage.

Was sagt man darauf?


Tatsächlich war von meiner Seite erst einmal eine gewisse Art sprachlosen Erstaunens vorhanden. Für einen Moment (gefühlt quälend langer Ewigkeit) war ich doch wirklich ohne Worte. Dann entgegnete ich, dass es genau darum gehen würde.
 

Meine Aufgaben - Eure Aufgaben


Es wäre nicht meine Aufgabe sämtliche Schweinehunde anderer Menschen zu überwinden, damit es diesen besser gehen würde. Meine Aufgabe wäre es, für die Menschen im Rahmen der Möglichkeiten da zu sein, der beste Trainer zu sein, der ich sein kann und mich wertschätzend um die teilnehmenden Personen zu kümmern. Teilnehmende Personen zu fördern und zu fordern, auf sie einzugehen, mich im Rahmen meiner Kompetenzen um ihre Themen und Baustellen zu kümmern. Immer und immer wieder.

Dumm?


Aber das wäre doch dumm, warum dann die Personen überhaupt in unser Studio kommen sollten? Daraufhin meinte ich, weil der Erfolg ihnen und uns Recht gibt, weil sie sich danach besser fühlen würden, weil aus einer vielleicht anfänglichen extrinsischen Motivation (ich will abnehmen, ich muss jetzt was für mich tun, hat der Arzt gesagt..) eine intrinsische Motivation werden würde (ich möchte zum Sport, es tut mir gut. Ich freue mich drauf, ich genieße es währenddessen und danach fühle ich mich auch noch gut oder sogar besser.)
 

Das schönste am Sport kommt für mich nicht erst danach


Der Herr runzelte die Stirn und meinte, dass er das nicht verstehen könne. Er selbst würde auch regelmäßig Joggen gehen, aber das Schönste daran wäre die Dusche danach. Auf diese würde er sich schon vom ersten Schritt an freuen, deswegen würde er Joggen

Freitag, 23. August 2019

Bewegung im Betrieb - Aha-Effekte garantiert


Gesundheitsmanagement im Büro
Heute verbinden wir in unserem Blog-Beitrag wieder beide Unternehmensbereiche. Ja, es geht um Sport - genauer gesagt um Bewegung, noch genauer um Wahrnehmung. Nein, hier muss keiner Angst haben, dass er sich kaputt macht.

Körperwahrnehmung und Rückengesundheit


Viele Unternehmen sind sich der Tatsache bewusst, dass nur gesunde Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen langfristig die beste Leistung erbringen. Viele Unternehmen wissen auch, dass es sich bei Leistungen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement um wertvolle Investitionen in die wichtigsten Personen, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, nicht um Incentives handelt.
Dabei ist es manchmal gar nicht einfach BGM in das betriebliche Umfeld zu integrieren. Unter Umständen sprechen die Angebote die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht an, oder aber diese fühlen sich in gewisser Weise gezwungen oder genötigt, etwas zu tun, worauf sie vielleicht gar keine Lust haben, auch wenn die Intention des Unternehmens fernab dieser Interpretationsmöglichkeit liegt.

Erfahrungsbericht


Wir haben mit unseren Bewegungsworkshops hier sehr interessante und gute Erfahrungen gemacht. In einem Kurzworkshop, der ganz unkompliziert während der Arbeitszeit erfolgen kann, erfahren die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mehr über sich, die Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper und den Ursprung der alltäglichen Beschwerden und Wehwehchen.

Identische Baustellen


Weniger erschrecken als beruhigen soll hierbei die Tatsache, dass die meisten Personen die gleichen Baustellen haben: Halswirbelsäule, unterer Rücken, Fehlhaltungen und die daraus resultierenden Beschwerden, die den (Arbeits-) Alltag durchaus beeinträchtigen können. Dabei spielt das Lebensalter eine geringere Rolle, als man zunächst vermuten würde.

Kein erhobener Zeigefinger


Manchmal liegt uns der Alltag buchstäblich schwer auf den Schultern. Das lässt uns der Körper spüren. Grundsätzlich wüsste man, was man ändern sollte, aber dazu fehlt die Zeit oder auch die Motivation.
Es geht also in keiner Weise darum, mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger Ernährungs- und Bewegungstipps von sich zu geben, die jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin bereits kennt. Vielmehr setzen wir in unseren Workshops Ankerpunkte des Denkens und der Achtsamkeit, die sich fast spielerisch in den Alltag integrieren lassen.

Das Zusammenspiel von Kopf und Körper


Die Themen umfassen die Rückengesundheit, die Haltung, die Körperwahrnehmung, das Zusammenspiel von Geist und Körper und führen regelmäßig zu vielen „Aha-Effekten“.
Nicht nur am Tag danach spüren die teilnehmenden Personen tatsächlich schon Veränderungen, was uns immer wieder sehr freut.
Dabei wird außer einer Decke oder einer Yoga-Matte nichts benötigt. Auch können die teilnehmenden Personen direkt danach ihrer Arbeit wieder nachgehen, da die Übungen bewusst so ausgelegt sind, dass keine Person Angst haben muss, für den Rest des Arbeitstages nicht mehr präsentabel zu sein.
In 2 Stunden Aha-Effekte generieren, wieder Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen und für den Alltag besser gewappnet sein, das schaffen unsere Bewegungsworkshops. 


Und vielleicht entsteht dann sogar die Lust, mehr als einmal etwas für sich zu tun.

Freitag, 16. August 2019

Yoga und Pilates – zwei Seiten einer Medaille?


Betrachtet man Fotos aus Yoga- und Pilates-Kursen so stellt man sich häufig die Frage, wo denn überhaupt der Unterschied bestehen würde, denn dieser ist rein fototechnisch oft nicht oder nur marginal erkennbar?
Die Übungen ähneln sich, die Posen wirken identisch. Sowohl im Yoga, wie auch in Pilatesstunden soll der Körper mit dem Geist gesteuert werden (ist das nicht eigentlich im Alltag auch so?). Gut.
Entspannung. Atmung. Muskelkräftigung und Rumpfstabilität – auch dafür stehen beide Sportarten.

Ausführung

Oftmals kann man lesen, dass Yoga eher der Entspannung dienen solle und Pilates ein Workout wäre. Meiner bescheidenen Meinung nach ist dies falsch. Wer meint, Yoga würde kein Krafttraining sein, der hat es wohl noch nicht praktiziert. Die Entspannung im Yoga (trotz körperlicher Anstrengung) ist das hohe Ziel, welches man wieder fast ein wenig spirituell betrachten kann (aber nicht muss!).
Sowohl Yoga wie auch Pilates trainieren die Rumpfstabilität, die Körperwahrnehmung, das Zusammenspiel von Atmung und Körperarbeit und verbessern somit die Leistungsfähigkeit wie auch die Körperhaltung und tragen zu einem gesteigerten Wohlbefinden bei.

Herkunft Pilates

Joseph Hubertus Pilates lebte von 1883-1967. Seine Lebensgeschichte ist mehr als interessant, sein Konzept zum ganzheitlichen Körpertraining entwickelte er während er zur Zeit des 1. Weltkriegs in Großbritannien interniert war. Er suchte eine Möglichkeit, sich fit zu halten, auch unter den widrigsten Umständen. Seine Mithäftlinge trainierten mit ihm. 1926 wanderte Pilates in die USA aus und eröffnete in einem Gebäude, in welchem sich auch eine Ballettschule befand, sein Studio. So bemerkten auch Tänzer und Tänzerinnen, dass diese Methode des Trainings positive Auswirkungen hat. (Nebenbei bemerkt, kann man sich so auch erklären, warum man beim Pilates die Wahl hat, alles mit gestreckten oder angezogenen Zehen zu machen, während man beim Yoga eher mit einem geflexten Fuß arbeitet).

Herkunft Yoga

Yoga kommt bekanntlich aus Indien und beschreibt im Grunde viel mehr als nur spezielle Körperübungen. Man sagt, die Übungen (Asanas) wurden entwickelt, um für die Anforderungen einer langen Meditation besser gewappnet zu sein, seien also im Grunde nur ein Nebenprodukt des eigentlichen Ziels. Yoga ganzheitlich und manchmal (für westliche Begriffe) auch zu übertrieben ausgeübt, umfasst die Lebenseinstellung im Allgemeinen und stellt eine spirituelle Lehre dar.

Atemtechnik

Ein wesentlicher Unterschied ist beispielsweise bereits in den anzuwendenden Atemtechniken zu sehen, die für beide Kursarten eine wesentliche Rolle spielen. Im Yoga atmet man durch die Nase ein und durch die Nase aus, beim Pilates versucht man durch die Nase ein und durch den Mund wieder auszuatmen, wobei vor allem bei der Ausatmung der Anspannung der Bauchmuskulatur eine gesonderte Rolle zugeschrieben wird.
Zentraler Begriff der Pilates-Atmung ist das „Powerhouse“ – die Körpermitte: Man versucht bei der Einatmung Brustkorb, Flanken und Bauch zu aktivieren und die Ausatmung mit einer zusätzlichen Anspannung des Bauches zu verstärken. Im Yoga gibt die Atmung mehr den Rhythmus anzustrebender Meditationsruhe an.

Die Matten

Ein Unterschied kann unter Umständen die Matte darstellen, auf welcher man die Übungen ausübt. Während man im Pilates eher mit dickeren Gymnastikmatten arbeitet, die weicher sind und mehr nachgeben, begnügt man sich im Yoga mit sehr dünnen Matten, die die Härte des Bodens kaum dämpfen. Auch hier gehen wir pragmatische Wege, denn bei uns wird auch Pilates auf den dünnen Yoga-Matten ausgeübt. Optional bieten wir Schaumstoffpads an, falls man am Anfang ein wenig Probleme hat, mit den Knien auf dem Boden zu sein.

Die Wiederholungszahl

Der – meiner Meinung nach – größte Unterschied der beiden Sportarten ist in der Bewegungsabfolge zu sehen. Während Yoga darauf hintrainiert, Positionen trotz Gemecker des Körpers („das tut weh“ – „das geht nicht“ – „aua“) zu halten und trotz des schreienden Kleinkinds Psyche Ruhe zu bewahren und tiefer zu gehen, arbeitet Pilates eher mit Wiederholungszahlen. Eine Übung wird 8-10 mal je Seite ausgeführt. Der erste Teil der Übung wird mit der Einatmung absolviert, der zweite Teil der Übung mit der Ausatmung. Der Atemrhythmus gibt An- und Entspannung, Bewegung und Gegenbewegung vor.
Im Yoga verharrt man ziemlich häufig in der jeweiligen Position und hält diese für mehrere Atemzüge.

Fazit

Die Erfahrung hat uns bisher gezeigt, dass sehr wenige Personen beide Sportarten mögen. Die Ruhe und Meditation, die geistige Entspannung und das Verharren in den Positionen ist für viele Menschen im Yoga genau das, was sie brauchen. Pilatesliebhaber hingegen ist genau dies ein Graus. Statt innerlich ruhiger zu werden, ist das Aushalten und Verweilen in einer Position ihnen so zuwider, dass während einer Yoga-Stunde auch die Stimmung bis hin zur latenten Aggressivität zu kippen droht.
Eine Sportart sollte immer freiwillig und im Idealfall mit Liebe und Hingabe ausgeübt werden. Insofern ist das für Euch besser, womit Ihr euch eher identifizieren könnt, ob Yoga oder Pilates ist dabei zweitrangig, denn zur Steigerung des eigenen Wohlbefindens eignen sich beide Sportarten.

Samstag, 10. August 2019

Sinnlichkeit und Vorstellungskraft

Attraktivität


Attraktivität (lat. attrahere, an sich ziehen, anziehen‘) ist die Anziehungskraft. Dabei kann man sich von vielen Dingen angezogen fühlen: Humor, Äußerlichkeiten, Güte, Schönheit, Geld, Macht, sozialer Einfluss und vielem mehr. Attraktivität ist zum einem vom persönlichen Geschmack abhängig, zum anderen dem sozialen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen. 

Hase und Igel


Versucht man also den gängigen Standards vorgeschriebener Attraktivität nachzukommen, so kann man Glück haben oder aber auch wie in der Fabel von "Hase und Igel" immer etwas zu spät dran sein. Letzteres wird vor allem dann der Fall sein, wenn man sich den angesagten Schönheitsidealen unterwirft. 

Neugier


Attraktivität hat auch immer ewas mit Neugier zu tun. Eine andere Person, eine Gruppe, Menschen oder Lebewesen im Allgemeinen finden es spannend, sich mit der anderen Person, Gruppe, anderen Menschen, Lebewesen im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Man muss sich Zeit nehmen und aufgeschlossen sein, den eigenen Gedanken Raum zugestehen und überhaupt auch eigene Gedanken haben. 

Attraktiviät ist, was der Kopf daraus macht


Man hat es also nur bedingt in der Hand, was dem Gegenüber gefällt und was nicht. Das ist gut so.
Es gibt zwar ein paar Punkte, auf die kann man sich halbwegs verlassen, heute gemeinhin zusammengefasst unter dem Aspekt "sex sells", aber sicher kann man sich selbst da nicht sein. Erst die Gedanken, die Phantasie und das Denken des Gegenübers werden zu dem Schluss kommen, dass etwas als "anziehend" empfunden wird, oder nicht. Somit ist klar, dass Attraktivität Zeit benötigt. Wenigstens den kurzen Augenblick, den das Gegenüber benötigt, um für sich entscheiden zu können, ob er oder sie oder es mehr von der anderen Person sehen, hören und wissen möchte, oder nicht.

Fast Food Attraktivität


Zeit ist allerdings im heutigen Miteinander oft Mangelware und so verkommt Attraktivität häufig zum Fast Food Angebot: Schnell und billig und leider häufig auch nicht unbedingt von guter Qualität, man ist schnell übersättigt, ein Völlegefühl bis hin zur Übekeit, konsumiert man zu viel davon, setzt ein und die Nachhaltigkeit des Konsumierten ist sehr gering. 

Bilder und Bilder im Kopf


Persönlich finde ich das Bild der Dame oben sehr attraktiv. Sofort frage ich mich, wie wohl ihr Lächeln ist, ob sie wohl Sommersprossen hat, wie wohl ihre Stimme klingen würde? Ich fühle mich nicht erschlagen von dem Anblick gepushter Oberweite, die die Frage aufkommen lässt, wie wohl der Arsch an den Brustkorb gekommen ist. Der Blick zwischen die Beine wird mir verwehrt, der Po ist bedeckt und dennoch würde ich von dieser schönen Frau gerne mehr wissen. Deswegen habe ich dieses Bild für den heutigen Beitrag gewählt.



Freitag, 2. August 2019

In den Schatten verbannt...

...weil man es nicht sehen will?


In den letzten Wochen stellten immer mehr Anhänger der akrobatischen SPORTART Poledance fest, dass sie in den Schatten verbannt wurden. Nur die eigenen Follower konnten die Inhalte sehen, wenn diese mit bestimmten hashtags versehen waren. Dabei waren beispielsweise hashtags wie #poleexotic erlaubt, #poleartist aber "verboten". Ja genau! Nein, ich habe das NICHT verwechselt.


Mobbing


Wir könnten nun die leider schon ewig währende Diskussion über Sport und die Notwendigkeit kurzer Kleidung wieder aufflammen lassen, wir könnten zum 1000. mal die Vergleiche zu Beachvolleyball heranziehen, erneut um Anerkennung kämpfen. Das tun wir alle nach wie vor und das ist auch richtig so (imho).

Meine Gedanken dazu gehen noch ein wenig darüber hinaus. Was mich daran stört ist vor allem die Sachlage des Mobbings, die hier zutrifft. Ohne wirklich Gründe zu haben oder auf Nachfragen zu antworten, werden Personen von der Teilnahme an der sozialen Interaktion ausgeschlossen. Begründung? Fehlanzeige.

Eigene Betroffenheit


Direkt sind wir nicht betroffen, das ist aber entweder eine Frage der Zeit oder Zufall, weil wir keinen der verbotenen Hashtags verwenden.
(Update 02.08.2019: Der Shadowban ist zum großen Teil wieder aufgehoben, die meisten hashtags funktionieren schon wieder)

Eigenverantwortlichkeit


Welche Gründe kann ein "shadowban" haben? Willkür - was aktuell auf "Poledance" zuzutreffen scheint. Aber vielleicht auch die übertriebene Suche nach Aufmerksamkeit? Follow-unfollow, ständiges Kommentieren, Bots, zu viele Hashtags und immer die gleichen Inhalte können auch zu "shadowban" führen.
Aha! 

Noch vor einigen Monaten hieß es, man solle viele Hashtags verwenden, sich aktiv zeigen, Hashtags der Ästhetik halber in Kommentare verpacken und vieles mehr. Accounts mit vielen Followern würden attraktiver wirken. Okay, dann müssen Follower her - wie auch immer. Kaufen? 

Authentizität


Auch wenn nur wenige Personen sich gekaufte Follower leisten können oder wollen, aus Finanzgründen oder Gründen echter Überzeugung, so merkt man deutlich: Was heute als Empfehlung gilt, ist morgen ein Übel. 
Dabei sind es häufig dieselben Institutionen, die heute eine Empfehlung aussprechen, die sie morgen selbst als "Übel" titulieren und den User, der den gestrigen Empfehlungen folgt, abstrafen.

Ehre und Gewissen


Manchmal frage ich mich schon, warum wir auf der einen Seite darum kämpfen, Anerkennung für unseren Sport zu bekommen und auf der anderen Seite einen Post nach dem anderen verfassen, der mit "filthy", "dirty", "bitchy" oder "Sundday bumday" betitelt wird? Wir dürfen uns selbst als schmutzig und nuttig bezeichnen, andere nicht? Ein bisschen Geradlinigkeit würde in manchen Bereichen nicht schaden. 
Allerdings ist auch dies nur eine sehr mangelhafte Erklärung, den der "shadowban" trifft eben auch accounts, die mit Fug und Recht von sich sagen können, dass keiner der oben genannten Punkte auf sie zutrifft.

Mangelnde Offenheit


Was mich persönlich dabei stört ist nicht einmal die eingeschränkte Sichtbarkeit (macht bei einem Account mit nicht einmal 500 Followern sowieso nicht viel aus - instagram.com/crazysportsaugsburg), sondern die Willkür und die mangelnde Argumentationslinie. 
Update 02.08.2019: Selbst nach dem aufgehobenen shadowban versteht man nicht, warum wir Polesportler aufs Korn genommen wurden. In diesem Blogpost wird alles genau erklärt, die Argumentationslinie des SM (Soziales Medium, nicht was ihr schon wieder denkt ;-) ) bleibt nebulös: https://bloggeronpole.com/2019/07/instagram-apologises-to-pole-dancers-about-the-shadowban/?fbclid=IwAR1lf-kNXgTFrhpMaiQfDiLAaqzmf2IxVHGbGq8a1M3S9a1gXhEba17c5a8

Abschließen möchte ich dennoch mit ein paar Fragen, die wir uns alle stellen:

  • Warum ist Unterwäsche okay, aber Polebekleidung nicht?
  • Warum ist "nude" bei Make-up und Abendkleidung ein neuer Trend, bei Poledance (bezogen auf die Farbe der KLEIDUNG) aber verwerflich?
  • Wieso darf man Beachvolleyballerinnen vorschreiben, dass ihr Höschen möglichst kurz sein muss, obwohl man auch in einer Radlerhose diesen Sport ausüben könnte, bei Poledance aber sei es billig und anstößig? 
  • Wieso ist ein Spagat im Ballett oder in der Gymnastik eine Leistung, beim Poledance aber schmutzig?

Poledance goes Olympia? Das scheint noch ein langer Weg zu sein.
21. Jahrhundert. Rein rechnerisch ja, im Kopf sind viele vormittelalterlich.


Ergänzende Gedanken


Ich habe diesen Beitrag verfasst, da war der shadowban wohl schon wieder aufgehoben. Oh no! Shame on me, wie schlecht recherchiert.....
Ich habe einen persönlich gefärbten Blogbeitrag geschrieben, keinen Zeitungsartikel. Ich war als denkende und tippende Person unterwegs, nicht als Journalistin.

Vom Shadowban, der unheimlichen Ungerechtigkeit und der gefühlten Benachteiligung habe ich in den letzten Wochen hunderte Male lesen können, das war weder zu übersehen noch zu überhören, die Aufschreie waren laut und deutlich.
Vom aufgehobenen Shadowban habe ich dank eines Community-Mitglieds erfahren, die mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht hat. Auch geschrien werden sollte auf beiden Seiten in nahezu der gleichen Lautstärke.

Und so möchte ich mit Dank schließen.


Ich freue mich in einer Zeit leben zu können, in der wir Poledance doch ohne große Probleme und Ressentiments ausüben können. 

Was sind noch ein paar blockierte Hashtags (Achtung Zynismus: Ich hatte - aufgrund der geringen Followerzahl sowieso gar nichts davon mitbekommen, ich war nie betroffen...)?

Ja, es gibt Personen, denen muss man erst erklären, warum man beim Pole so wenig anhaben muss. Ja, es gibt Personen, denen muss man erst die Vergleiche zum Synchronschwimmen (Damen strecken ihre Beine in die Luft und grätschen diese, so dass die Zuschauer nur NACKTE BEINE und Schrittbereich sehen können - aber da ist es okay!) darlegen, bevor sie anfangen nachzudenken und ja, viele denken halt, Poledance hätte nur eine sehr kurze Geschichte und wäre immer noch von Animierdamen ausgeübt worden. Ist halt falsch gedacht. 

Aber sind wir doch mal ehrlich: Wussten WIR denn, dass Poledance so alt ist wie die Menschheit, bei Idiandern, Indern und Chinesen ausgeübt wurde und in einigen Kulturen sogar nur den Männern vorbehalten war, wenn wir nicht nach Argumenten gesucht hätten, um es anderen Personen besser verständlich machen zu können?

Eben.



Samstag, 27. Juli 2019

Entspannen ist so anstrengend...


Das Ziel liegt meist am Ende des Weges


Heute sind wir häufig geprägt von der Suche nach Bequemlichkeit. Wir wollen schnelle Ergebnisse, gute Ergebnisse und diese auf einfachem und bequemem Weg.
Die Schnelllebigkeit der Zeit beeinflusst unsere Erwartungshaltung in vielen Bereichen.
Entspannen? Klar. Schnell. Am besten mit einer App. 20 Sekunden am Tag für dauerhafte innere Ruhe.

Die Unterschiedlichkeit der Ziele

Manche Ziele sind so nah, dass wir sie sehen und fast schon greifen können. Dennoch müssen wir auf diese Ziele zugehen. Selten bewegen sie sich auf uns zu.
Manche Ziele sind weit weg, so dass wir sie uns nur vorstellen können und auch das fällt manchmal schwer.

Die Hilfe der Etappen

Zum Einen kann es dann hilfreich sein, sich Etappenziele zu setzen und diese zu feiern, zu honorieren und auf sich stolz zu sein.

Die Hilfe des Wegbegleiters

Zum Anderen trägt es zur inneren Ruhe bei, wenn man auf diesem Weg einen Begleiter hat, der das Ziel beschreiben kann und der den Weg mitgeht. Dabei geht der Begleiter, der das Ziel schon kennt, manchmal voraus und manchmal bleibt er hinter den Personen, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht haben, um diese zu schieben, zu stützen oder deren Fall auffangen zu können.

Wann sind wir denn endlich da? Ich muss mal!

So erwachsen, wie wir alle gerne tun, sind wir gar nicht. Haben wir als Kind unsere Wegbegleiter, die das Ziel schon kannten, unaufhörlich genervt, weil wir nicht einsehen wollten, dass eine Zielerreichung mit einer Zeitinvestition verbunden ist, so können wir uns heute in vielen Bereichen wiedererkennen.

Beispiel Yoga

Positionen zu halten, ruhig und gleichmäßig zu atmen, dem Körper zugestehen, dass er meckert und mit der aktuellen Lage meint, nicht einverstanden zu sein, dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren und mit Gleichmut und Ruhe darauf zuzugehen – das alles wird auch im Yoga verlangt. Und für viele gleicht die „Anfangsentspannung“ eher einer Tortur. Ruhig und mit geradem Rücken sitzen, den Alltag ausblenden und ankommen. Mehr ist nicht verlangt. Aber unser inneres Kind schreit oftmals auch hier: „Wann sind wir denn endlich da? Ich muss mal!“ – und vieles mehr.

Es wird besser, wenn man dabeibleibt.



Freitag, 19. Juli 2019

Ambivalenz

...und die Konnotation


Klären wir zunächst einmal die Begriffe
Ambivalenz kommt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus den Worten ambo "beide" und valere "gelten". Auf der einen Seite beschreibt Ambivalenz angeblich einen Zustand innerer Zerrissenheit, weil - so die Definition - eben nicht beides gilt, sondern sich die beiden Punkte widersprechen. 


Aha!

Angeblich wäre das Adjektiv ambivalent in der gehobenen Umgangssprache etwas geläufiger, dieses stünde für mehrdeutig, vielfältig, doppelwertig, aber auch zwiespältig.

Ambivalenz wäre nach Eugen Bleuer eines der Hauptsymptome der Schizophrenie. Oder nach Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?


Was will man sehen?

Es kommt mal wieder auf die Konnotation an, die man diesem Wort verleiht. Sieht man die erklärenden Worte "beide gelten" und "vielfältig", sowie "doppelwertig", dann kann man sehr wohl und guten Gewissens sowie bei voller geistiger Gesundheit ambivalente Lebensbereiche haben.


Warum heute so philosophisch?

Es ging in einem Interview, welches ich kürzlich geben durfte und von welchem ihr mit Sicherheit hören und lesen werdet, wenn es veröffentlich ist, darum, wie ich mit der Ambivalenz aus Unternehmensberaterin und Poletänzerin zurecht käme.


Doppelwertigkeit

Zum einen sehe ich hier keine Ambivalenz, es sei denn, Denken und Sport schließen sich aus. Zum anderen möchte ich die Konnotation "doppelwertig" und "vielfältig" in diese beiden Bereiche legen.
Ich liebe es ganzheitlich zu arbeiten. Es ist unheimlich wertvoll, die Erkenntnisse aus der Psychologie, Soziologie und Pädagogik in die Sportkurse einfließen lassen zu können. Umgekehrt nutzt das Wissen um das Überwinden körperlicher Grenzen auch für das Überwinden geistig gesetzter Grenzen.


Zerrissen?

Ganz im Gegenteil. Würde mir ein Bereich genommen, ich würde mich nicht mehr komplett fühlen.

Samstag, 6. Juli 2019

Setz' dich ordentlich hin!

Sitz gerade, nicht gautschen, gib' doch mal Ruhe. Was bist Du denn für ein Zappelphilipp?


Tja, Stühle konnten schon ziemlich langweilig sein. Sitzen auch. Und dann diese ständigen Ermahnungen, dass man ruhig sitzen bleiben sollte: Nicht schaukeln, nicht um den Stuhl herumrennen, den Stuhl nicht umwerfen.....

LANGWEILIG. So langweilig.


Wie gut, dass wir heute ins Studio gehen können, uns ein paar Klappstühle schnappen (da tun es sogar wirklich die eines schwedischen Einrichtungsanbieters) und nach Herzenslust mit dem Stuhl machen können, was wir wollen: Schaukeln, Gautschen, Runterrutschen, Hin- und Herwackeln, Aufstehen, auf den Boden rutschen, den Stuhl umdrehen, uns umdrehen....

Keiner schimpft und keiner meckert


Gemeckert wird heute höchstens, wenn wir einfach nur sitzenbleiben. So ändern sich die Zeiten. Erwachsenwerden kann also auch seine guten Seiten haben.

Ein bisschen mehr Ernst bitte


Okay. Schluss mit lustig. Chairdance ist ein tolles Workout, was wirklich Spaß machen kann. Gerne werden auch Junggesellinnenabschiede mit einer Chairdance-Choreographie versüßt. Die Truppen junger Frauen sind dabei jedes Mal überrascht, wie schön man sich um und mit einem Stuhl bewegen kann, wenn es (endlich) erlaubt ist.
Tänzerisch und ein bisschen sinnlich sieht das ganze dabei auch noch aus. Die Klamotten sind Nebensache: Stretchjeans gehen ebenso gut wie Leggings, es ist ganz unkompliziert und macht enorm Spaß!

Probiert es doch auch mal aus!

Donnerstag, 27. Juni 2019

Kommentieren oder Erklären?

Trainingspartnerschaften mit Frust


Vor Jahren habe ich mit einer damals bei mir tätigen Trainerin ab und an trainiert. Es war der Versuch miteinander zu trainieren und voneinander zu lernen. Meine Trainingspartnerin hatte beeindruckende Fähigkeiten und meisterte einige Figuren, die ich auch gerne hätten können wollen, mit scheinbarer Leichtigkeit. Ich habe ihr bewundernd zugesehen und sie dann gefragt, wie sie die Figur/ den Trick den "mache"? Ihre Antwort war immer gleich: "Na so halt" - gefolgt von einer nochmaligen Vorführung des Tricks. 

Anfangs versuchte ich noch, einfach nur besser hinzusehen, vielleicht würden mir meine Augen dann einen neuen Blickwinkel ermöglichen. Nach der stoischen Wiederholung des Procederes auf beiden Seiten bemerkte ich, wie sich die Emotion der aufkeimenden Enttäuschung langsam den Weg aus den tiefen meiner Magengrube hoch in mein Bewusstsein erbat.

So wurde das nichts. Umgekehrt schon. Mag abgehoben und arrogant klingen, aber was meinen persönlichen egozentrischen Frust noch steigerte, war die Tatsache, dass ich ihr sehr wohl Tricks erklären konnte, die ich selbst nicht in der Lage war zu meistern, wohl aber verstanden hatte, was theoretisch (und praktisch, wenn man es denn konnte) zu tun war, um in diese Figur zu gelangen.
Und es funktionierte. 


Lerntypen


Jeder, der in irgendeiner Weise als Trainer/in tätig ist, kennt (eigentlich) die unterschiedlichen Lerntypen und die Notwendigkeit auf diese  - sofern möglich - spezifisch einzugehen. Der eine möchte es noch einmal sehen, der nächste muss sich selbst kommentieren und wieder eine andere Person benötigt Metaphern. Wichtig ist auf jeden Fall die Kommunikation. Reines Abschauen funktioniert nur bedingt.

Kommentieren oder Erklären


In den Trainerausbildungen sieht man es oft: Die Notwendigkeit der Kommunikation wird mit der einfachen Lösung des Kommentierens verwechselt. Zu beschreiben, was man gerade tut ist ein guter Anfang, denn es fängt den auditiven Lerntyp ein, aber es ist eben nur ein Anfang.
"Ich gehe in den Helicopter" - "Ich ziehe mich im Klimmzug hoch" - "Ich achte auf meine Rumpfstabilität." - das alles sind Sätze, die richtig sind, die aber nur kommentieren, nicht erklären.
Eine Aufforderung den "Helicopter" einzunehmen, setzt voraus, dass die Person am anderen Ende der Leitung weiß, was damit gemeint ist. Das kann gut möglich sein, wenn man weiß, dass dies im Kompetenzportfolio der anderen Person liegt oder man es gemeinsam gelernt  und gelehrt hat. Aber es ist nur ein Kommentieren. Irgendwann sollte beim Unterrichten bei speziellen Dingen, die vorausgesetzt werden können, das Kommentieren reichen ("Nehmt die Grundhaltung ein." - "Basic Grip" - "Strong Hold Grip"), vorher muss es ein Trainer aber erklären (können).

Was passiert genau? Welche Muskelgruppen müssen in welcher Art und Weise und Reihenfolge angesprochen werden? Was passiert, wenn das nicht der Fall ist? Wie kann man lernen, die richtige Körperpartie anzusprechen? Für all diese Fragen sollte ein Trainer Antworten bereithalten.


Jede Kleinigkeit beachten


Je instinktiver man etwas tut, umso schwerer wird es, sich (wieder) bewusst zu machen, was man eigentlich tut. Häufig ist dann auch zu beobachten, dass Personen sehr wohl in der Lage sind etwas besonders gut und sauber auszuführen, ihnen aber selbst nicht bewusst ist, was sie eigentlich tun.
Ist auch keine einfache Aufgabe: Versucht doch mal zu beschreiben, was in Eurem Körper passiert, wenn ihr geht, oder Euch von einem Stuhl erhebt. Nein. Ein "Ich stehe auf"  ist das oben erwähnte Kommentieren, hier sind Erklärungen gefragt!


Nicht alles kann gesehen werden


Wenn ein Trainer 150% zeigt, kann er oder sie davon ausgehen, dass vielleicht 50-80% gesehen werden. Das ist normal und hat noch nichts mit mangelnder Aufmerksamtkeit der teilnehmenden Personen zu tun. Oftmals kommt dazu, dass das, was wir sehen, uns trügt. Machen wir es am Beispiel des Stangenkletterns fest. Eine Disziplin bei welcher ich zu Schulzeiten kläglich versagte. Immer und immer wieder. "Klettert rauf" - "Festhalten und die Fußsohlen gegen die Stange drücken, dann hochziehen." - Das war die ganze Erklärung, die man bekam.
Wenn man hinguckt, sieht man, dass sich die Arme verändern, dass man an die Stange greift und dass die Füße an der Stange sind (beim schulischen Stangenklettern). Also geht man davon aus, dass die Kraft aus den Armen und den Füßen kommen soll. Sind dort nicht genug Reserven vorhanden, scheitert man kläglich. Hände, Arme und Füße sind Beiwerk. Die Kraft kommt aus dem Rücken, aus dem Bauch und aus den Schultern. Erst wenn man erklärt bekommt, wie man dort die Muskulatur ansprechen und benutzen kann, funktioniert es.

Warum und wie sind also die besseren Ausgangspunkte für gute Erklärungen als so halt.

Montag, 17. Juni 2019

Persönlichkeit beginnt, wo der Vergleich aufhört

Keine Frage,


diese Robbe ist Zucker! So wie jeder Mensch etwas Unwiderstehliches hat, kann man auch dieser Robbe ihre Anziehungskraft nicht absprechen. Als Werbewesen für Yoga, Pilates oder Stretching käme sie allerdings etwas "komisch" rüber, oder?

Was soll das?


Nun, wir werden immer wieder damit konfrontiert, dass man sich ja nicht in unsere Kurse trauen würde, weil man sich nicht mit dem Trainer/ der Trainerin vergleichen könne, sondern ganz anders aussehen würde und auch bei Weitem nicht so stark/ gelenkig wäre.

Tja - Pech auch, oder?


Verantwortungsverschiebung par excellence! Ganz ehrlich: Es nervt! Ich möchte mal Interessenten oder Interessentinnen sehen, denen man jemanden zeigt, der sich Trainer schimpft und das, was er oder sie unterrichten meint zu können auch nicht besser kann als ein mit der Sportart beginnender Teilnehmer oder eine Teilnehmerin.

Ergebnisse des Trainings


Gleichermaßen nervt die Erwartung, alles in der ersten Kurseinheit nach einmaligem Ausprobieren sofort auf Anhieb genauso gut hinzubekommen wie der Trainer oder die Trainerin. Training heißt Lernen, Lernen bedeutet, dass man sich etwas Neues Schritt für Schritt aneignet, was man noch nicht kann und auf diesem Weg einen Coach an der Seite hat, der einen begleitet, einem hilft.

Wettbewerb der Robben?


Wer meint, aus einer Yoga-Stunde einen Wettbewerb machen zu müssen, der hat den Sinn dieses Übungen, die vielmehr einer Lebenseinstellung gleichen können, sowieso nicht verstanden. Sich verbessern ist ein Prozess und meist hat auch der Trainer mal am Anfang angefangen und sich seine Körperbeherrschung erarbeitet.

Schuld des Trainers


Es ist nicht das Thema des Trainers, noch seine Schuld oder seine Verantwortung, sich mit dem unbegründeten Frust als Ergebnis illusorischer Vorstellungen auseinandersetzen zu müssen.
Doch, ist es in dem Moment, wenn die Aussage kommt (die Ausrede?), dass man ja nur deswegen nicht in den Kurs gehen würde, den man ja so gerne mal ausprobieren würde, weil der Trainer/ die Trainerin zu gut trainiert wäre.

Habe fertig!

Samstag, 8. Juni 2019

Trainerausbildung nur mit Grundwissen

Um bei CrazySports Augsburg eine Trainerausbildung machen zu können, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig, die wir vor der Zulassung prüfen.

Bei uns kann man also nicht einfach Trainer werden, ohne jemals vorher am Sportgerät gewesen zu sein.

"Binnen 2 Tagen zum Trainer. Keine Grundvoraussetzungen notwendig!"
Das klingt nicht einmal gut, das ist schlicht verantwortungslos.

Wer sich (online oder vor Ort) bei CrazySports Augsburg zum Poledance oder Aerial Hoop Trainer/ zur Trainerin ausbilden lassen möchte, sollte ein Grundwissen um die Technik des jeweiligen Sports mitbringen.

Didaktik, Stundenaufbau, Umgang mit Kunden/Kundinnen/ Teilnehmern/ Teilnehmerinnen, Gestaltung von Warm-Up und Cool-Down, Anatomiewissen und vieles mehr, bekommt ihr während der Ausbildung vermittelt.

Die Grundvoraussetzungen prüfen wir mittels eines Bewerbungsvideos. Je nach Level sind bestimmte Inhalte Pflicht, die allerdings mehr als machbar sind. Wir legen Wert auf die Gestaltungsfreiheit der Kurseinheiten durch den angehenden Trainer/ die angehende Trainerin, so lange dies im Rahmen der sinnvollen Didaktik bleibt.
Die Vorbildfunktion eines Trainers/ einer Trainerin darf nicht unterschätzt werden. Gerade bei den akrobatischen Sportarten Poledance und Aerial Hoop sollte diese auch immer sichtbar sein.


Weitere Informationen findet ihr unter www.crazy-sports-augsburg.com/trainerausbildung
facebook: facebook.com/crazysportsaugsburgtrainer