Ein gutes Workout trainiert Körper und Geist. Ohne
Willen, ohne Einstellung, ohne Kommunikation zwischen Kopf und Körper bleiben
die Erfolge klein oder aus. Sinnlich wahrnehmen. Zulassen. Hineinspüren. Atmen.
All diese Punkte, die in jedem Fall ein gutes Training komplettieren können,
sind essenzielle Bestandteile des Yoga. Wie weit man sich in die Gedankenwelt
und in die Esoterik begibt oder entführen lassen möchte, das bleibt jeder
Person selbst überlassen. Fakt ist: Wenn sich eine Trainingsgestaltung nicht
passend anfühlt, dann ist sie nicht richtig. Und für den einen fängt das eben
schon bei zu vielen esoterischen Elementen an. Dennoch bedeutet das nicht, dass
Yoga nichts für die Person wäre.
Yoga-Workshops
In jeder Sportart werden Workshops angeboten. Spezielle Themen,
bekannte Trainer, neue Orte. Was es auch immer ist, was eine Person zur Teilnahme
bewegt, Workshops sind immer ein Zugewinn – manchmal auch nur an Erfahrung. Wie
im Pole-Sport und beim Aerial Hoop habe ich in der Vergangenheit schon an so
manchen Workshops teilgenommen. Tatsächlich praktiziere ich Yoga länger als
Pole Dance oder Aerial Hoop.
Die Bandbreite der Erfahrungen kenne ich.
Wie wunderbar
Es gibt einige Workshops, an die erinnere ich mich heute
noch. Weil sie so gut waren, oder leider das Gegenteil. Es gab Workshops, die
haben mir einfach „gepasst“. Es ist immer Geschmackssache, was einer Person
liegt und was nicht. Es ist demnach nie ein Urteil, wenn man für sich feststellt,
dass einem diese Art der Lehre nicht taugt. So wie man sich ja auch keine
Gedanken darüber machen würde, wenn man Schuhe in der falschen Größe vor sich stehen
hat. Passen halt nicht. Punkt. Da muss man kein Fass aufmachen.
Und es gab Workshops, von denen ich heute noch profitiere.
Es waren meist die Workshops, in welchen es der Trainer/die Trainerin geschafft
hat, mich ganzheitlich anzusprechen. Es war die gelungene Mischung aus
Stimmung, sportlichem Training, Respekt und Gedankenimpulsen.
Ich muss hier raus
Und es gab Workshops, bei denen ich nach 20 Minuten
verzweifelt nach einem Ausweg gesucht habe. Natürlich steht es mir frei,
einfach aufzustehen, in ruhiger Art und Weise zu sagen, dass ich hier verkehrt
bin, weil ich mich nicht wohlfühle und zu gehen. Irgendwie bin ich dafür zu zögerlich
und zaghaft und möchte auch niemanden vor den Kopf stoßen.
Es waren meist die Workshops, in welchen ein Aspekt
gegenüber den anderen die Oberhand gewann. Tatsächlich muss ich gestehen, dass
ich mit einem stärkeren Fokus auf den sportlichen Aspekt besser zurechtkomme
als mit einem Hauptfokus, der auf der Esoterik liegt.
„Schön, dass ihr alle hier seid. Ich sende Euch Liebe und möchte
Euch bitten, euch zur Begrüßung alle in den Arm zu nehmen.“
NEIN! Liebe ist ja schön und eine gute Stimmung auch, aber
ich WILL jetzt (noch) niemanden in den Arm nehmen und ich bin doch gerade erst
angekommen.
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Mir ist erneut
wichtig zu betonen, dass es sich hier um Fragen des Geschmacks handelt. Diese
Art der Gestaltung ist nicht falsch. Im Yoga schon gleich 3 mal nicht, da hier
alles erlaubt ist und man frei und ohne Bewertung an die Dinge herangehen
sollte, was ich sehr begrüße.
Die von Räucherstäbchen geschwängerte Luft, in der man nur
noch Patchouli wahrnimmt, die Meditationsklänge, die immer gleich klingen, die übersanften
Stimmen der Personen, die alles mit Liebe tränken, gefragt oder ungefragt, die „Touch“-Stimmung,
alles mit Körperberührungen untermalen zu müssen, die gelben Meditationskerzen
und der verbal mahnende Zeigefinger, man müsse das alles zulassen, um dann
womöglich noch Sanskrit-Gesänge anzustimmen.
Mein Geschmack ist das nicht und ich muss dann raus.
Das ist okay und Geschmackssache. So wie es hunderte, ja
tausende unterschiedlicher Blumen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Yoga-Stile
und jeder ist richtig.
3x A – begleitet mich bis heute
Und es gibt Workshops, die entsprechen eben genau meinem
persönlichen Geschmack. Ich erinnere mich an einen 4stündigen Yoga-Workshop
ziemlich zu Beginn meiner Yogi-Reise.
4 Stunden sind ja schon lang. Na, wir werden bestimmt Pausen
machen. Da gibt es dann bestimmt eine Mittagspause. Man muss ja auch mal was
essen…
Muss man nicht. Wenn man sich komplett auf die Körper- und
Geisteserfahrung einlässt und die Mischung passt, vergehen auch 4 Stunden wie
im Flug. Der Körper und der Geist sind vollkommen gefangen, vollkommen im Hier
und Jetzt, vollkommen konzentriert.
Wow. Das geht tatsächlich.
Und dabei kam der „westliche“ Aspekt nicht mal zu kurz. Die
Sprache war unkompliziert und normal, wir haben gelacht und gescherzt, ja sogar
mal geflucht, wenn etwas nicht sofort klappen wollte.
So nebenbei gab der Trainer uns noch 3 As mit. Passend für
fast jeden Bereich in unserem Leben in welchem wir weiterkommen möchten und
somit bestimmt nicht ursprünglich von dem Yogi des Workshops, aber das hat er
auch nicht behauptet.
Attitude – Alignment - Action
Einen Weg gehen, ein Ziel erreichen, sich verändern und vorankommen
geht nur mit der richtigen Einstellung (attitude), der richtigen Anleitung
(alignment) und der Tat (action).
Fehlt nur eines, werden wir viele unserer Ressourcen
aufbrauchen, ohne voranzukommen.
Einstellung und Anleitung ohne Aktion – ist ja klar, dass
dabei nichts rauskommt.
Das war auch so gut, das war einer der Punkte, die mich
komplett abgeholt haben. Eben weil es nicht darum ging, sich einfach nur im Lotus-Sitz
auf dem Boden einzufinden und darauf zu hoffen, dass das Universum schon alles
für mich bereithalten würde.
Einstellung und Aktion ohne jemanden, der mir sagt, wie es
richtig geht? Diese Erfahrungen haben schon alle Personen gemacht, die gemeint
haben, sie könnten ohne Trainer trainieren.
Anleitung und Tun, ohne dass ich wirklich Lust darauf habe:
Auch das ist zum Scheitern verurteilt.
Diese Verbindung zeigt deutlich, dass Körper und Geist ein
Team sind. Manchmal arbeiten sie perfekt zusammen, manchmal sind ein paar Teambuilding-Maßnahmen
notwendig.
Jetzt bekomme ich langsam ein Gefühl, was Yoga sein kann
Und so habe ich den Yoga-Stil gefunden, den ich als
Trainerin praktiziere. Dieser gefällt auch nicht jeder Person. Das ist okay.
Umso mehr freue ich mich natürlich, wenn Personen länger
dabeibleiben, sich auf die Reise einlassen und die Erfahrungen zulassen.
Und ganz toll ist es dann, wenn man ein Feedback bekommt,
welches zeigt, dass man es geschafft hat, eine Stimmung, eine Atmosphäre, die
Rahmenbedingungen zu schaffen, die ganzheitliche Erfahrungen zulassen. Eine
Teilnehmerin sagte mir nach einer der letzten Yoga-Stunden: „Jetzt bekomme ich
eine Ahnung, was Yoga alles noch sein kann – neben dem sportlichen Training.
Heute hatte ich das Gefühl, dass mein Geist und mein Körper gemeinsam
gearbeitet haben und auch das mit der Atmung hat geklappt und mir geholfen“
Ruhe? Fehlanzeige – ich werde eher aggressiv
Diese Ruhe, diese Forderung sich auf sich selbst, seinen
Geist, seine Gedanken, seinen Atem und die Erfahrungen, die damit verbunden
sind, einzulassen, das ist nicht für jede Person etwas.
Es gibt Personen, die werden von Yoga eher aggressiv. Der
Körper schmerzt, die Bewegung, die der Trainer vormacht, scheint unmenschlich,
der Geist kämpft und ist überhaupt nicht „amused“ darüber, was sein Besitzer
vom Körper verlangt. Die Stimmen fragen den Körper, ob er jetzt komplett
durchdreht und währenddessen soll man ruhig atmen, den Atem dorthin schicken,
wo es „weh“ tut, das Ganze zulassen und es achtsam wahrnehmen.
Nein Danke, wenn ich mich ärgern möchte, kann ich auch mein
Auto im absoluten Halteverbot parken und zulassen, was passiert.
Auch das ist okay und auch irgendwie verständlich und
lustig, oder?
Nicht alles ist für jeden etwas. Punkt. Auch das muss man „zulassen“,
selbst wenn man Yoga so gerne weitertragen würde.
Selbstbewusst eigene Entscheidungen treffen
Insofern kann tatsächlich
sogar eine wie oben beschriebene Erfahrung dazu beitragen, ein Stück weit
Persönlichkeitsentwicklung zu betreiben. Es ist auch wichtig zu wissen, was man
nicht will.