Donnerstag, 22. Juli 2021

Unsichtbarer Schmerz

 

Unsichtbarer Schmerz

Wir glauben gerne, was wir sehen. Schmerzen kann man nicht sehen. Das Schmerzempfinden ist von Person zu Person unterschiedlich. Eine Person empfindet einen abgebrochenen Fingernagel als schlimm, eine andere Person spricht davon, dass es ihr gutgehen würde, obwohl sie fast buchstäblich mit dem Kopf unterm Arm erscheint.

Abgesehen von diesen Selbstverständlichkeiten stellt sich dann auch immer die Frage, was eine Person mit der Beschreibung ihrer Beschwerden erreichen will. Möchte sie das Umfeld in Kenntnis setzen oder soll „mehr“ damit bewirkt werden. Das weiß allein die Person selbst und die Interpretation des Umfelds kann hier vollkommen falsch sein.

 

Zur Kenntnisnahme

Jede Kursstunde beginnt mit der Frage des Trainers/der Trainerin, ob er/sie etwas wissen muss, was den Gesundheitsstatus der teilnehmenden Personen betrifft und unter Umständen beachtet werden muss oder soll. Die Antworten haben eine Bandbreite von „Ich bin geimpft.“ bis „mein Zehennagel ist eingewachsen“.

Fakt ist, wenn eine Person zum Training erscheint, geht sie und auch der Trainer/die Trainerin davon aus, dass das Training absolviert werden kann. Manches verbessert sich auch während des Trainings, anderes kann das Training negativ beeinflussen. Wie der Sachverhalt ist, wird man gemeinsam während des Trainings feststellen.

Zudem zeigt sich hier bereits die oben beschriebene Subjektivität der Empfindungen, die im Grunde nicht bewertet werden sollte. Manches ist für den Trainer einfach wichtig zu wissen. Wer gerade Kreislaufprobleme hat oder mit Kopfschmerzen kämpft, ist unter Umständen nicht ganz so leistungsfähig wie im Normalfall.

Kopfschmerzen sieht man nicht. Kreislaufprobleme auch nicht – zumindest nicht, wenn die Person nicht zusammenbricht. Dennoch ist es wichtig es zu erwähnen.

Wenn die Person diese Dinge erwähnt, so scheint es für sie wichtig zu sein und dann hat es der Trainer/die Trainerin auch zu respektieren.

 

Unsichtbares Vertrauen

Und wenn eine Person sagt, es würde ihr wirklich nicht gutgehen und dabei aussieht wie das blühende Leben? Wir können immer nur an Menschen hinsehen, nie in sie hineinsehen. Es kommt immer darauf an, ob das Empfinden, die Schmerzen, der Allgemeinzustand in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte. Wer nach jeder Bewegung jammert, wer sich darüber beschwert, dass man beim Sport schwitzt, wer sich darüber beschwert, dass die Muskeln arbeiten müssen und man diese spürt, wer an dem Anstrengungsempfinden so gar nichts Gutes lassen kann, der ist sicherlich nicht richtig aufgehoben. Er oder sie tut sich dann ja auch keinen Gefallen. Aber es gibt Personen, die sagen einmal, dass es ihnen nicht gutgehen würde, und lassen sich dann nichts mehr anmerken. Sie kämpfen einen stillen Kampf. Vielleicht sieht man zufällig hin, wenn sie gerade das Gesicht verziehen. Auf die Frage, was denn los wäre, kommt dann ruhig, fast nonchalant, dass sie doch gesagt hätten, es würde ihnen nicht gutgehen.

Es sprühen keine Funken, es spritzt kein Blut, kein Fuß ist eingegipst und der Mensch sieht auch nicht aus wie der wandelnde Tod. All das muss nicht heißen, dass dieser Mensch nicht gerade kämpft.

Meist sind es diejenigen, die kaum etwas erwähnen, die sich mit ihren Beschwerden zurückhalten, die man kaum bemerkt, die wirklich leiden.

Für diese Menschen bedeutet es eine große Überwindung, überhaupt zuzugeben, dass sie nicht „ganz so fit sind“.

 

Sichtbare Pflaster

Vor Jahren hatte ich schlimme Rückenschmerzen. Es war der akute Bandscheibenvorfall in der HWS, der sich da bemerkbar machte. Über Wochen. Ich habe es verlauten lassen. Punkt. Sonst hat man mir nichts angemerkt. Aber jede Stunde war ein Kampf. Nachdem es nicht besser wurde, hat mich mein Weg dann doch zum Arzt geführt und ich bekam 12 Quaddelspritzen (Wasserspritzen) in den Rücken, um den Druck zu nehmen. Am Abend stand ich im Studio mit 12 Pflastern.

Ein großes Hallo, bestürzte Blicke, Fragen, was ich denn gemacht hätte. Antwort: „Das Gleiche wie die letzten 3 Wochen auch. Da habe ich es eben nur kurz erwähnt.“

Die Pflaster waren der sichtbare Beweis dafür, dass es wohl doch nicht nur „leeres Gerede“ gewesen ist.

Muss ich mir jetzt immer Pflaster irgendwo hin kleben?

 

(P.S.: Nein, Pause machen ist leider keine Option. War es noch nie, weil ich es mir nicht leisten kann. Punkt. Lassen wir das Thema einfach, okay?)

 

Die härtesten Kämpfe sind oftmals still

Migräne, Magen- und Darmprobleme, Nervenentzündungen, Bandscheibenvorfälle, MS, psychische Belastungen, Trauer, Resignation, Depression und vieles mehr sind nur eine Handvoll an Belastungen und Gegner, gegen die so viele Menschen kämpfen müssen, ohne dass man immer etwas von ihren Kämpfen mitbekommt. Die Kämpfe, die Belastung, die Schmerzen kleinzureden, nur weil man sie von außen nicht sehen kann, ist nicht schön.

 

Es gibt Menschen, die kämpfen jeden Tag. Sie kämpfen einen stillen Kampf. Sie tragen weder einen Gips noch haben sie Pflaster. Sie laufen ohne Krücken und sehen aus wie das blühende Leben.

Nur weil man nichts sieht, diesen Menschen den inneren immerwährenden Kampf abzusprechen ist eine Form von Respektlosigkeit.

 

 

 

 

 

Donnerstag, 24. Juni 2021

Klangschalen müssen nicht sein

Klangschalen müssen nicht sein - Blog, Nadine Rebel

Ein gutes Workout trainiert Körper und Geist. Ohne Willen, ohne Einstellung, ohne Kommunikation zwischen Kopf und Körper bleiben die Erfolge klein oder aus. Sinnlich wahrnehmen. Zulassen. Hineinspüren. Atmen. All diese Punkte, die in jedem Fall ein gutes Training komplettieren können, sind essenzielle Bestandteile des Yoga. Wie weit man sich in die Gedankenwelt und in die Esoterik begibt oder entführen lassen möchte, das bleibt jeder Person selbst überlassen. Fakt ist: Wenn sich eine Trainingsgestaltung nicht passend anfühlt, dann ist sie nicht richtig. Und für den einen fängt das eben schon bei zu vielen esoterischen Elementen an. Dennoch bedeutet das nicht, dass Yoga nichts für die Person wäre.

 

Yoga-Workshops

In jeder Sportart werden Workshops angeboten. Spezielle Themen, bekannte Trainer, neue Orte. Was es auch immer ist, was eine Person zur Teilnahme bewegt, Workshops sind immer ein Zugewinn – manchmal auch nur an Erfahrung. Wie im Pole-Sport und beim Aerial Hoop habe ich in der Vergangenheit schon an so manchen Workshops teilgenommen. Tatsächlich praktiziere ich Yoga länger als Pole Dance oder Aerial Hoop.

Die Bandbreite der Erfahrungen kenne ich.

 

Wie wunderbar

Es gibt einige Workshops, an die erinnere ich mich heute noch. Weil sie so gut waren, oder leider das Gegenteil. Es gab Workshops, die haben mir einfach „gepasst“. Es ist immer Geschmackssache, was einer Person liegt und was nicht. Es ist demnach nie ein Urteil, wenn man für sich feststellt, dass einem diese Art der Lehre nicht taugt. So wie man sich ja auch keine Gedanken darüber machen würde, wenn man Schuhe in der falschen Größe vor sich stehen hat. Passen halt nicht. Punkt. Da muss man kein Fass aufmachen.

 

Und es gab Workshops, von denen ich heute noch profitiere. Es waren meist die Workshops, in welchen es der Trainer/die Trainerin geschafft hat, mich ganzheitlich anzusprechen. Es war die gelungene Mischung aus Stimmung, sportlichem Training, Respekt und Gedankenimpulsen.

 

Ich muss hier raus

Und es gab Workshops, bei denen ich nach 20 Minuten verzweifelt nach einem Ausweg gesucht habe. Natürlich steht es mir frei, einfach aufzustehen, in ruhiger Art und Weise zu sagen, dass ich hier verkehrt bin, weil ich mich nicht wohlfühle und zu gehen. Irgendwie bin ich dafür zu zögerlich und zaghaft und möchte auch niemanden vor den Kopf stoßen.

 

Es waren meist die Workshops, in welchen ein Aspekt gegenüber den anderen die Oberhand gewann. Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich mit einem stärkeren Fokus auf den sportlichen Aspekt besser zurechtkomme als mit einem Hauptfokus, der auf der Esoterik liegt.

 

„Schön, dass ihr alle hier seid. Ich sende Euch Liebe und möchte Euch bitten, euch zur Begrüßung alle in den Arm zu nehmen.“

 

NEIN! Liebe ist ja schön und eine gute Stimmung auch, aber ich WILL jetzt (noch) niemanden in den Arm nehmen und ich bin doch gerade erst angekommen.

 

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Mir ist erneut wichtig zu betonen, dass es sich hier um Fragen des Geschmacks handelt. Diese Art der Gestaltung ist nicht falsch. Im Yoga schon gleich 3 mal nicht, da hier alles erlaubt ist und man frei und ohne Bewertung an die Dinge herangehen sollte, was ich sehr begrüße.

 

Die von Räucherstäbchen geschwängerte Luft, in der man nur noch Patchouli wahrnimmt, die Meditationsklänge, die immer gleich klingen, die übersanften Stimmen der Personen, die alles mit Liebe tränken, gefragt oder ungefragt, die „Touch“-Stimmung, alles mit Körperberührungen untermalen zu müssen, die gelben Meditationskerzen und der verbal mahnende Zeigefinger, man müsse das alles zulassen, um dann womöglich noch Sanskrit-Gesänge anzustimmen.

 

Mein Geschmack ist das nicht und ich muss dann raus.

Das ist okay und Geschmackssache. So wie es hunderte, ja tausende unterschiedlicher Blumen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Yoga-Stile und jeder ist richtig.

 

3x A – begleitet mich bis heute

Und es gibt Workshops, die entsprechen eben genau meinem persönlichen Geschmack. Ich erinnere mich an einen 4stündigen Yoga-Workshop ziemlich zu Beginn meiner Yogi-Reise.

4 Stunden sind ja schon lang. Na, wir werden bestimmt Pausen machen. Da gibt es dann bestimmt eine Mittagspause. Man muss ja auch mal was essen

 

Muss man nicht. Wenn man sich komplett auf die Körper- und Geisteserfahrung einlässt und die Mischung passt, vergehen auch 4 Stunden wie im Flug. Der Körper und der Geist sind vollkommen gefangen, vollkommen im Hier und Jetzt, vollkommen konzentriert.

Wow. Das geht tatsächlich.

 

Und dabei kam der „westliche“ Aspekt nicht mal zu kurz. Die Sprache war unkompliziert und normal, wir haben gelacht und gescherzt, ja sogar mal geflucht, wenn etwas nicht sofort klappen wollte.

So nebenbei gab der Trainer uns noch 3 As mit. Passend für fast jeden Bereich in unserem Leben in welchem wir weiterkommen möchten und somit bestimmt nicht ursprünglich von dem Yogi des Workshops, aber das hat er auch nicht behauptet.

 

Attitude – Alignment - Action

Einen Weg gehen, ein Ziel erreichen, sich verändern und vorankommen geht nur mit der richtigen Einstellung (attitude), der richtigen Anleitung (alignment) und der Tat (action).

Fehlt nur eines, werden wir viele unserer Ressourcen aufbrauchen, ohne voranzukommen.

 

Einstellung und Anleitung ohne Aktion – ist ja klar, dass dabei nichts rauskommt.

Das war auch so gut, das war einer der Punkte, die mich komplett abgeholt haben. Eben weil es nicht darum ging, sich einfach nur im Lotus-Sitz auf dem Boden einzufinden und darauf zu hoffen, dass das Universum schon alles für mich bereithalten würde.

 

Einstellung und Aktion ohne jemanden, der mir sagt, wie es richtig geht? Diese Erfahrungen haben schon alle Personen gemacht, die gemeint haben, sie könnten ohne Trainer trainieren.

 

Anleitung und Tun, ohne dass ich wirklich Lust darauf habe: Auch das ist zum Scheitern verurteilt.

 

Diese Verbindung zeigt deutlich, dass Körper und Geist ein Team sind. Manchmal arbeiten sie perfekt zusammen, manchmal sind ein paar Teambuilding-Maßnahmen notwendig.

 

Jetzt bekomme ich langsam ein Gefühl, was Yoga sein kann

Und so habe ich den Yoga-Stil gefunden, den ich als Trainerin praktiziere. Dieser gefällt auch nicht jeder Person. Das ist okay.

Umso mehr freue ich mich natürlich, wenn Personen länger dabeibleiben, sich auf die Reise einlassen und die Erfahrungen zulassen.

Und ganz toll ist es dann, wenn man ein Feedback bekommt, welches zeigt, dass man es geschafft hat, eine Stimmung, eine Atmosphäre, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die ganzheitliche Erfahrungen zulassen. Eine Teilnehmerin sagte mir nach einer der letzten Yoga-Stunden: „Jetzt bekomme ich eine Ahnung, was Yoga alles noch sein kann – neben dem sportlichen Training. Heute hatte ich das Gefühl, dass mein Geist und mein Körper gemeinsam gearbeitet haben und auch das mit der Atmung hat geklappt und mir geholfen“

 

Ruhe? Fehlanzeige – ich werde eher aggressiv

Diese Ruhe, diese Forderung sich auf sich selbst, seinen Geist, seine Gedanken, seinen Atem und die Erfahrungen, die damit verbunden sind, einzulassen, das ist nicht für jede Person etwas.

Es gibt Personen, die werden von Yoga eher aggressiv. Der Körper schmerzt, die Bewegung, die der Trainer vormacht, scheint unmenschlich, der Geist kämpft und ist überhaupt nicht „amused“ darüber, was sein Besitzer vom Körper verlangt. Die Stimmen fragen den Körper, ob er jetzt komplett durchdreht und währenddessen soll man ruhig atmen, den Atem dorthin schicken, wo es „weh“ tut, das Ganze zulassen und es achtsam wahrnehmen.

 

Nein Danke, wenn ich mich ärgern möchte, kann ich auch mein Auto im absoluten Halteverbot parken und zulassen, was passiert.

 

Auch das ist okay und auch irgendwie verständlich und lustig, oder?

Nicht alles ist für jeden etwas. Punkt. Auch das muss man „zulassen“, selbst wenn man Yoga so gerne weitertragen würde.

 

Selbstbewusst eigene Entscheidungen treffen

Insofern kann tatsächlich sogar eine wie oben beschriebene Erfahrung dazu beitragen, ein Stück weit Persönlichkeitsentwicklung zu betreiben. Es ist auch wichtig zu wissen, was man nicht will.

Donnerstag, 17. Juni 2021

Die Gedankenreise – oder Bauchmuskelkater durch Lachkrampf

 

Humor ist wichtig

Lachen ist gut. Lachen stärkt das Immunsystem. Lachen verbindet.

Insofern sehe ich es auch als meine Aufgabe an, die teilnehmenden Personen in meinen Kursen immer mal wieder zum Lachen zu bringen. Manchmal gelingt mir das auch ungewollt, dann mache ich mir so meine Gedanken
Manchmal versuche ich es krampfhaft und ernte unter Umständen nur ein mitleidiges Lächeln. Na ja, ist ja mal ein Anfang. Und manchmal, da helfen mir die teilnehmenden Personen und dann wird es richtig lustig.

 

Ich bin doch schon groß

Eine Teilnehmerin, klein aber oho, musste für ein Fotoshooting die Einverständniserklärung zur Verwendung der Fotos unterschreiben. Kein Problem, meinte sie, ich bin ja schon groß. Und dann fügte sie hinzu: „Na ja, groß nicht, aber erwachsen.“

 

Ich habe meinen A nicht im Griff

Bei manchen Figuren im Pole Training kommt es darauf an, das Gewicht an die richtige Stelle zu verlagern. Der Schwerpunkt muss physikalisch gesehen an der richtigen Position sein, sonst gewinnt die Schwerkraft. Manchmal geht es dabei um den Po.
Erklärungen, Vorzeigen, Hilfestellung. Es klappt nicht. Auch das ist normal, vor allem bei etwas komplizierteren Figuren, die noch dazu viel Kraft benötigen. Etwas entnervt meinte eine Teilnehmerin nach dem gefühlt hundertsten Versuch: „Merkst Du was? Ich habe meinen A. nicht im Griff.“

 

Das Kinn auf der Brust ablegen

Nackenkreisen über die Brust. Dehnen am Ende der Stunde. Oder auch nur eine Pilatesübung. Der Trainer leitet an. Das Kinn auf der Brust ablegen. Ein Teilnehmer verlässt seinen Platz und geht zu seiner Partnerin (Gott sei Dank hat er sich keine andere Person rausgesucht) und platziert seinen Kopf auf deren Brust. Verwunderte Blicke werden quittiert mit: „Du hast doch gesagt, Kinn auf der Brust ablegen.“
Seitdem ist die Erklärung ergänzt worden. Das Kinn auf der eigenen Brust ablegen.

 

Das Top ist aber etwas knapp geschnitten

Die meisten Pole und Aerial Hoop Outfits, aber auch Yoga und Stretching-Outfits nähe ich selbst. Manchmal nähe ich auch Wunschsets für Teilnehmerinnen. Eine Teilnehmerin hatte sich ein Carmen-Top gewünscht, also ein Top mit nur einem Träger. Das Rückenteil ist knapp geschnitten, vorne hat das Kleidungsstück etwas mehr Stoff. Beim Anprobieren hört man das Zweifeln förmlich aus der Umkleide. Ich frage, was denn los wäre. Die Teilnehmerin meinte, ich hätte das Top doch etwas sehr knapp geschnitten und zeigte sich mir. Ich antwortete, dass der Teil mir mehr Stoff nach vorne gehöre, nicht umgekehrt.

 

Erst wieder auf dem Boden ankommen, dann anziehen

Überhaupt ist gutsitzende Bekleidung beim Pole essentiell. Wenn man sich Sorgen machen muss, dass nicht alles an seinem Platz bleibt, so verhindert das die volle Konzentration. Wenn sich Körperteile selbständig machen – vor allem wenn man kopfüber geht, dann ist das nervig. Meist ist einem das auch peinlich, was es nicht sein muss, wir sind ja unter uns. Gefährlich wird es erst dann, wenn man sich wieder anziehen möchte, während man kopfüber hängt und dafür ganz selbstverständlich die Hände von der Pole löst, um alles wieder zu verstauen. Blöd, wenn die Hände das Einzige waren, was einen an der Pole gehalten hat. Ich bin ja oft langsam, hier war ich als Trainerin blitzschnell und fing die fallende Teilnehmerin auf. Wir haben uns danach auf eine neue Regel geeinigt: Erst auf den Boden zurückkommen, dann wieder anziehen.

 

Handspring und Handfall

Wir üben und trainieren den Handspring. Ich weise an: Weniger springen, mehr Schwung, nicht stampfen, die Hüfte mehr drehen.
Eine Teilnehmerin mahnt an, es würde aber doch HandSPRING heißen. Ich gebe zu bedenken, dass „spring“ ja im Englischen Frühling heißt und grinse. Sie grinst zurück und meint, ob es dann auch den Handfall geben würde. Ja, sage ich, dass ist die Figur, wenn man sich oben nicht halten kann und fällt.

 

Die Bahnhofstoilette

Kniebeugen müssen sauber ausgeführt werden. Die Knie bleiben hinter den Fußspitzen. Das Gewicht wird auf die Fersen verlagert, die Zehen werden nach oben gezogen. Der Po kommt tief, der Rücken bleibt angespannt, die Schultern weg von der Brust, die Scheitelkrone wird nach oben gezogen. Und so weiter und so weiter.
Dennoch kann man manchmal beobachten, dass all diese Erklärungen nicht wirklich gut sind. Aber eines geht immer: Stellt euch vor, ihr würdet eine eklige Bahnhofstoilette benützen müssen. So wie es hier der Grundsatz ist: „Treffen, aber ja nicht berühren“, so geht ihr auch in der Kniebeuge tief. Funktioniert immer. Außer man bekommt die Rückmeldung: „Nö, dann verkneife ich es mir.“

 

Batzenhofen

In einer der letzten Stretchingstunden haben wir ungeplant eine Weltreise unternommen. Der nach oben gestreckte Arm im Stand war die Freiheitsstatue (New York), das Boot aus dem Yoga fuhr in Venedig, die Seitneigung war der schiefe Turm von Pisa, der große Berg war der Mount Everest. Am Ende kamen wir zur entspannenden Klopfmassage. Man liegt auf dem Rücken, hebt das Becken leicht und lässt es wieder fallen. Man klopft so mit dem Becken und dem unteren Rücken auf den Boden. Hier erinnerte ich an den Film „Die Wüste lebt“ und an den Klopfkäfer, der mit klopfenden Bewegungen auf dem Wüstenboden seine Frau zu sich ruft. Eine Teilnehmerin meinte, bei ihr wäre die Klopfmassage aber eher Batzenhofen als Wüste (Batzenhofen ist ein kleiner Ort hier in den Stauden).

 

Leider

habe ich viele der lustigen Situationen nicht sofort notiert, sonst könne man hier mehr zum Besten geben. Was auf jeden Fall schön ist, wenn wir miteinander Spaß haben und jeder seinen Teil dazu beiträgt. Das funktioniert live, aber sogar online und es macht das miteinander Sporteln so unheimlich wertvoll. Danke.

Donnerstag, 13. Mai 2021

Körpergefühl und Selbstvertrauen – systematisch zerstört

 

Körpergefühl und Selbstvertrauen

 

In meiner Tätigkeit als Trainerin (Seminare und Sport) versuche ich den teilnehmenden Personen auch immer stärkende Elemente für das eigene Körpergefühl und das Selbstvertrauen mitzugeben. Jeder Mensch ist sich seiner selbst bewusst, an Selbstbewusstsein mangelt es selten. Das allein sagt aber nichts aus, wie man mit sich umgeht. Vertraut man den eigenen Empfindungen? Glaubt man an sich und an die Signale des eigenen Körpers? Hält man Rücksprache mit sich? Oder zerstört man sabotierend jedes Fünkchen Glauben an das eigene Tun und die eigene Wertigkeit? Letzteres ist fatal. Umso fataler ist es, was momentan passiert.

 

Körpergefühl

Kopfweh bahnt sich an. Irgendwie fühlt man sich matschig. Prämenstruelles Syndrom. Ein Kater. Jetlag. Übermüdung. Eine sich anbahnende Erkältung. Muskelkater. Dehnungsschmerz beim Stretching. Hunger. Durst.
Wir kennen so viele Signale, die unser Körper uns sendet. Manchmal weiß man nicht sofort, wie man diese deuten oder interpretieren soll, aber das kann man lernen. Mit der Zeit wird die Konversation mit dem eigenen Körper immer klarer und deutlicher. Das eigene Körpergefühl stärkt, mahnt, ist ein guter Ratgeber. Je deutlicher wir die Signale des Körpers wahrnehmen und verstehen können, umso eher gehen wir liebevoll mit unserem Körper um. Ein gutes Körpergefühl beugt Verletzungen vor und mahnt uns zu einem verantwortungsvollen Umgang. Das ist im Alltag ebenso wichtig wie im Sport. Wiederum trägt Sport massiv dazu bei, das eigene Körpergefühl zu stärken und eine Freundschaft mit dem eigenen Körper aufzubauen.

 

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen ist die Fähigkeit, objektiv zu sehen, welche Fähigkeiten und Gaben einem gegeben wurden, dass diese wertvoll sind, dass man eine Bedeutung hat, dass man in irgendeiner Weise wichtig ist, dass man etwas kann, dass man gut ist, so wie man ist.
Selbstvertrauen stärkt uns den Rücken. Selbstvertrauen hilft uns dabei, uns neuen Aufgaben zu stellen. Selbstvertrauen trägt dazu bei, im Reinen mit sich zu sein. Selbstvertrauen kennt die eigenen Mankos und Schwächen und hackt nicht auf diesen herum. Echtes Selbstvertrauen ist ehrlich und beugt der Selbstzerstörung und der Eigensabotage vor. Auch diese Fähigkeit kann man trainieren, man kann lernen ein gutes und gesundes Selbstvertrauen aufzubauen.

 

Ein Prozess

Selbstvertrauen und ein gutes Körpergefühl aufzubauen ist ein Prozess. Oftmals verlernen wir recht früh, unserem Körper zu vertrauen. Schlechte Erfahrungen, Verletzungen, Regenerationsphasen und ein verzerrtes Selbstbild können ihr Übriges dazu beitragen, das eigene Körpergefühl zu zerstören. Ähnlich sieht es mit dem Selbstvertrauen aus. Jeder Mensch hat eine Berechtigung hier zu sein. Einfach nur, weil es ihn gibt. Punkt. Man muss nicht ständig besser, fleißiger, aktiver oder Ähnliches sein, um vom Recht des Selbstvertrauens Gebrauch machen zu dürfen.

Die Prozesse, die in unserem Inneren vonstatten gehen, sind für unser Körpergefühl und das Selbstvertrauen nicht immer zielführend, kommen dann noch zerstörerische Elemente von außen dazu, kann das die eigene Persönlichkeit massiv schädigen.

 

Zerstörung von außen

Was ich im Moment mit Sorgen und Argwohn betrachte, ist die systematische Zerstörung von Selbstvertrauen und einem gesunden Körpergefühl. Systematisch von außen gesteuert. Sport und die eigene zielgerichtete Betätigung, Training und Muskelaufbau sind auf einmal nicht mehr wichtig.

Lachen, sich austauschen, singen und Freude empfinden gilt mittlerweile als gefährlich.

Gesunde Menschen gibt es nicht mehr. Wie, du fühlst dich gut? Du weißt doch gar nicht, ob Du nicht krank bist. Asymptomatisch nennt man das.
Du bist eine Gefahr für andere, du könntest potenziell großen Schaden anrichten, nur weil es dich gibt.

 

Selbstvertrauen als Irrglaube

Ich bin scheu geworden. Kommt es tatsächlich dazu, dass ich auf Menschen treffe, dann schäme ich mich für meine Existenz. Wer weiß, vielleicht gefährde ich die Menschen gerade, ohne es zu wissen? Ich fühle mich egoistisch, weil ich gerne wieder in meinem Studio Menschen um mich herum hätte. Keimt dieser Gedanke auf, fühle ich mich schlecht, da ich ja dann den Aerosolen freien Lauf lassen würde. Alles, was ich möchte und tue, scheint falsch zu sein und dass ich mich körperlich gut und gesund fühle, ist bestimmt auch nur ein Trugschluss, schließlich habe ich mich nicht testen lassen.

Kann ich mir und meinem Körper überhaupt noch vertrauen? Darf ich mir noch wünschen zu lachen, zu herzen, zu umarmen, Nähe entstehen lassen zu können? Oder wäre es nicht besser, sich selbst gar nichts mehr zu glauben und sich schon gar nicht selbst zu vertrauen?

Donnerstag, 1. April 2021

Stellenwert Sport: Kleine Anfrage und bodenlose Frechheiten - so sieht es die Regierung

 


Bis vor einem Jahr galt Sport und sportliche Betätigung als „gut“, nunmehr als verzichtbares Luxusgut. Betreiber von Sportstudios werden nicht nur im Regen stehen gelassen, sie werden mit Füßen getreten. Diese Behauptung lässt sich mit den Antworten der Bundesregierung untermauern.

Kleine Anfrage des Abgeordneten Pascal Koberu. a. und der Fraktion der FDP Sport während der Corona-Pandemie BT-Drucksache 19/27168

Kaum jemand hat die Zeit oder kann sich die Zeit nehmen, 22 Seiten durchzulesen. Deswegen hier eine sehr knappe Zusammenfassung. Unter oben genanntem Link ist alles nachzulesen.

Sport ist ganz nett, aber Gartenarbeit tut es auch

So kann man es in der Antwort auf Frage 1 lesen.

Natürlich beugt Sport physischen wie psychischen Erkrankungen vor, das würden aber Gartenarbeit und Spaziergänge in gleichem Maße erfüllen.

Sport und Rehasport

Menschen mit Behinderungen können Rehasport betreiben, die übrigen müssen eben warten, bis sie behindert sind. So die Zusammenfassung zu Frage 2.
Rehasport ist insofern wichtig, als er dazu dient, Menschen arbeitsfähig zu erhalten, damit diese auch Steuern zahlen können.

Rehasport wird von eingetragenen Vereinen angeboten, Fitness „nur“ von Privatunternehmern.

Die Frage nach dem Unterschied

Wo liegen denn nun die Unterschiede zwischen Fitnessstudios und Gesundheitsstudios? Antwort: Hier liegen keine Erkenntnisse vor. (Hier nehme ich mir im weiteren Verlauf die Freiheit heraus, das ganze unter "keine Ahnung/kein Interesse" zusammenzufassen).

Fazit: Man kennt den Unterschied nicht, aber man kann ihn machen. Der eine Zweig ist gut, der andere Zweig kann weg.

Wenn die Krankenkasse zahlen muss

…dann ist Sport notwendig. Wer sich im Vorfeld selbst darum kümmert, der KK nicht auf der Tasche zu liegen, muss bescheuert sein (Ausführungen zu Frage 9).

Gibt es Perspektiven?

Vielleicht ja, vielleicht nein, das entscheiden die Länder (Ausführungen zu Frage 10).

Wie entwickelt sich die Sportlage in Deutschland seit Beginn der Pandemie?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 11).

Was sagt die Bundesregierung zur Initiative vieler Studios, digitale Angebote zu schaffen?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 12).

Stärkt sportliche Betätigung das Immunsystem?

Antwort: Körperliche Betätigung stärkt das Immunsystem (Ausführungen zu Frage 13).

Was passiert, wenn Studios und Vereine nicht mehr da sind?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 14).

Ist die Stärkung des Immunsystems nicht gerade in Corona-Zeiten wichtig?

Antwort: Ja. (Ausführungen zu Frage 15).

Wenn die Sportangebote reduziert werden/reduziert sind, muss dann nicht auch ein Anstieg von Folgeerkrankungen befürchtet werden?

Antwort: Nein. Man kann ja Spazierengehen (Ausführungen zu Frage 16).

Kann Sport das Krebsrisiko senken?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 17).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Nein, weil es ja nur ein Faktor bei der möglichen Bekämpfung ist (Ausführungen zu Frage 18).

Kann Sport das Risiko der Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 19).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Nein, weil es ja nur ein Faktor bei der möglichen Bekämpfung ist (Ausführungen zu Frage 20). 

Kann Sport die individuelle Leistungsfähigkeit steigern?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 21). 

Kann es dann sein, dass die individuelle Leistungsfähigkeit sinkt, wenn die Sportangebote nicht mehr da sind?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 22).

Kann Sport das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden senken?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 23).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 24).

Hilft Sport gegen Bluthochdruck?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 25).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Nein, weil es ja nur ein Faktor bei der möglichen Bekämpfung ist (Ausführungen zu Frage 26).

Hilft Sport diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen (metabolisches Syndrom) einzudämmen?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 27).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse. Außerdem ist es ja nur ein Risikofaktor (Ausführungen zu Frage 28).

Hilft Sport dabei das Diabetes Mellitus Risiko zu senken?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 29).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Keine Ahnung. Außerdem ist es ja nur ein Risikofaktor (Ausführungen zu Frage 30).

Hilft Sport dabei das Risiko an Osteoporose zu erkranken, zu senken?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 31).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Keine Ahnung. Außerdem ist es ja nur ein Risikofaktor (Ausführungen zu Frage 32).

Hilft Sport gegen Depressionen?

Antwort: Ja (Ausführungen zu Frage 33).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Keine Ahnung. Außerdem ist es ja nur ein Risikofaktor (Ausführungen zu Frage 34).

Dient Sport auch dem Balance-Training zur Sturzprophylaxe (im Alter)?

Antwort: Ja, aber das hat die Pflege zu leisten (Ausführungen zu Frage 35).

Ist dann nicht die Schließung von Sportanlagen kontraproduktiv?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 36).

Kann man die Folgen der Schließung von Sportstudios und die damit verbundene Abnahme der körperlichen Aktivität abschätzen?

Antwort: Corona-Schutz geht vor, außerdem gibt es keinen signifikanten Rückgang der körperlichen Aktivitäten (Ausführungen zu Frage 37).

Welche Sportarten sind kontaktarm?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 38).

Was sagt die Bundesregierung zu den Hygienekonzepten von Sport- und Fitnessstudios?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse. Aber die Regeln müssen eingehalten werden (Ausführungen zu Frage 39).

Gab es Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz und die Hygieneregeln?

Antwort: Keine Ahnung/kein Interesse (Ausführungen zu Frage 40).

Sind Sportstudios Infektionstreiber?

Antwort: Vielleicht, vielleicht auch nicht. Könnte wahrscheinlich sein (Ausführungen zu Frage 41).

 

 Selbstherrlich und grausam, dabei dumm und ignorant

·      Wer Gartenarbeit mit einem professionell angeleiteten Rückenfit-Kurs vergleicht, zeigt nur, dass er/sie keine Ahnung hat.

·      Wer Spazierengehen mit dem sozialen Austausch in einer Sportgruppe vergleicht, zeigt nur, dass er/sie keine Ahnung hat.

·      Wer Vereine und Profisport als gut, aber private Unternehmer und Unternehmerinnen in der Sportbranche als unwert erachtet, zeigt nur, dass er/sie keinen Anstand hat.

·      Wer sich den Studienergebnissen zur Wirkungsweise von Sport nicht öffnet, ja diese sogar negiert, zeigt nur dass er/sie ignorant ist.

·      Wer Hilfen verspricht und diese zurückfordert, zeigt nur, dass Aussagen wie "kein Unternehmen wird sterben müssen", gelogen sind.

·      Wer sich in keiner Weise darum kümmert und dafür interessiert, was Unternehmer und Unternehmerinnen der Sportbranche mit Online-Angeboten auf die Beine stellen, der zeigt nur, dass ihm/ihr eine ganze Branche und alle Kunden und Kundinnen dieser Branche, vollkommen egal sind.

Danke für das Gefühl, offen mit Füßen getreten zu werden.

#sportisimportantdoesntmatterwhattheysay

 

Donnerstag, 18. Februar 2021

Berührungsempfindlich

 

Ich liebe dicke gestrickte Pullover. Am liebsten in Norwegermustern. Und Angora-Pullis und Mohair. Ich kann sie nicht tragen. Selbst wenn ich ein Langarmshirt drunter trage, so kratzt es und spätestens nach 15 Minuten werde ich so nervös und erlebe einen solchen Juckreiz, dass der schönste Pullover zum Folterinstrument wird. Ich vertrage einfach keine Schurwolle, kein Mohair, keine Angora-Fasern. Und dass, obwohl es natürliche Fasern sind.
So wie zufällige und ungezwungene Berührungen unter Menschen etwas ganz Natürliches sind, oder vielmehr waren.

 

Sehr angenehm

Abstand beim Einkaufen. Niemand, der einem den Einkaufswagen in die Hacken rammt. Menschen, die von Deo noch nie etwas gehört haben und mir nun vom Leib bleiben. Wundervoll. Kein heißer, feuchter Atem der Person, die hinter mir steht in meinem Nacken. Nicht das Schlechteste. Es gibt ein paar Veränderungen, bei denen ich nicht traurig wäre, wenn man sie „hinterher“ – wann auch immer das sein wird – beibehalten würde.

 

Wenn sich die Frage nach Nähe nicht stellt

Hinterher. Ein Wort voller Ungewissheit, Sehnen und Hoffnung. Ich ertappe mich oft dabei, dass ich von der Zeit spreche, wenn alles wieder normal ist. Nur um dann mit resigniertem Erstaunen festzustellen, dass es nicht mehr „wie früher“ werden wird und auch, dass die „neue“ Normalität schon längst Einzug gehalten hat. Die Frage nach Nähe stellt sich im Moment nicht. Man darf ja gar nicht. Und ich gebe zu, dass ich in den vergangenen 10 Monaten tatsächlich 2- oder 3-mal etwas Verbotenes getan habe. Vielleicht bin ich dabei sogar straffällig geworden. Habe ich Regeln missachtet? Ja. Ich habe 2- oder 3-mal einen Menschen, der nicht zu meiner Familie gehört, in den Arm genommen. In den meisten Fällen musste ich aber nicht entscheiden oder mich mit schlechtem Gewissen über bestehende Regeln hinwegsetzen, da sich die Frage nach Nähe überhaupt nicht stellt. Ich sehe außer meiner Familie, bis auf ganz wenige Ausnahmen, niemanden mehr.

 

Von Kindern gezwungen

Eine dieser Ausnahmen war eine Adventseinladung bei Freunden. Die Familie hat ein kleines Kind. Selbst hier waren ein anfängliches Zögern und Zaudern seitens des Kindes festzustellen. Aber nach einer halben Stunde, war das Eis gebrochen. Da wurde einfach nur Nähe gesucht. Mein Kopf in den Händen dieses Kindes, welches mich unverwandt ansah. Der bevorzugte Sitzplatz dieses Kindes, welches seit Wochen auch niemanden mehr sieht außer der eigenen Familie, auf meinem Schoß. So voller Energie, Neugier und Freude. Mir war mulmig. Nein, nicht weil ich Angst vor den Menschen habe, sondern weil ich mich als beständig tickende Zeitbombe, als potentielle Gefahr und Bedrohung für andere Menschen sehe. Was, wenn ich anderen Menschen mit meiner Nähe schade? Was, wenn ich als womöglich symptomloser Überträger, diesen Menschen krank mache? Ich brachte es aber bei diesem Kind einfach nicht übers Herz, es abzuweisen, es hätte mich innerlich zerbrochen. (Weder ich noch das Kind sind hinterher krank geworden oder tot umgefallen).

 

Verweigerungshaltung gegenüber anderen Menschen

Wenn die Menschen ihre Bedürfnisse nicht ganz so unverblümt ausdrücken können und nicht mehr ganz so klein sind wie Kinder, dann kann ich mich sehr gut verweigern. Und wenn ich mich verweigere, dann kann ich dem schlechten Gefühl, jemandem eventuell mit meiner Berührung und meiner Nähe zu schaden, sehr gut entgehen. Wohlfühlen sieht allerdings anders aus. Eine Freundin der Familie, die wir seit 17 Jahren kennen und die mit meiner Tochter aufgewachsen ist, besuchte meine Tochter anlässlich ihres Geburtstags. Eine Freundin.

Die Mädchen kochten zusammen. Bei der Begrüßung strahlten wir. Auf Abstand. Die ganze Körperhaltung, die Gestik und Mimik unseres Besuchs zeigten, dass gegen eine herzliche Umarmung - so wie früher eben – auch nichts einzuwenden wäre. Meine Vernunft berechnete die Wahrscheinlichkeit und kam zu dem Schluss, dass hier wohl kaum eine Gefahr bestehen würde. Aber ich konnte nicht. Ich konnte keine Umarmung zulassen. Innerlich war ich absolut zerrissen. Ich war nicht „happy“ mit meinem Verhalten, aber ich wäre auch nicht „happy“ gewesen, wenn ich die Umarmung zugelassen hätte.

 

Touch-Junkie oder Berührungs-Einsiedler

Ich werde einen „normalen“ Umgang mit Menschen „hinterher“ – wann auch immer das sein wird – erst wieder lernen müssen.

Entweder werde ich zu einer dieser „Touchies“ (Personen, die einen immer irgendwo wie zufällig anfassen müssen, auch wenn es gar nicht notwendig wäre und die kein Gespräch ohne Körperkontakt führen können. Ich kann so etwas eigentlich nicht leiden), oder ich kann keine körperliche Nähe zu Menschen mehr ertragen. 

 

Verseuchtes Selbstbild

Dabei sind es nicht die „Anderen“, die mir Angst einjagen, sondern die Möglichkeit, dass ich mit meiner Nähe diesen Menschen eventuell schaden könnte. Meine Existenz ist vielleicht eine potentielle Bedrohung für andere, auch wenn ich das gar nicht möchte.


Niemand sehenden Auges abstürzen lassen
Und wenn ich wieder Personen in meinem Studio empfangen werde dürfen – wann auch immer das sein wird – werde ich, mit Einverständnis der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, diese sichern, wenn wir gefährliche Akrobatik-Figuren üben. Ich werde niemanden sehenden Auges abstürzen lassen.

Donnerstag, 11. Februar 2021

Mit Füßen getreten

 


Zurzeit wird nicht nur der Fußball mit hochoffizieller Erlaubnis mit Füßen getreten. Mit Füßen getreten werden kleine und mittelständische Unternehmer und Unternehmerinnen, die Veranstaltungsbranche, die Kultur, die Gastronomie, der Sport und nicht zuletzt unsere Kinder und Senioren.

Die Würde eines Menschen bemisst sich an seiner akkurat geschnittenen Frisur, der Rest kann weg.

 

Pane et circenses

Gebt den Menschen Netflix, Chips und Fußball. Baumärkte für die Herren und für die Damen den Friseurbesuch. So halten wir die dumme Bevölkerung auch weiterhin still.

Aber die Baumärkte haben doch noch gar nicht offen. Stimmt. Wenn man betrachtet, wie die Öffnungsszenarien im ersten Lockdown gestaltet wurden, kommt das aber bald.

(Es ist GUT, dass die Friseurgeschäfte ab 01. März wieder öffnen dürfen. Bitte nicht auf diesem Berufszeig herumhacken, sie haben (wie alle anderen auch) das Recht, ihren Beruf ausüben zu dürfen). Bildung, Sozialkontakte und Sport braucht keiner. Hauptsache, es wird nicht gehustet.

 

Psychologie, Kardiologie, Soziologie und vieles mehr

Auswirkungen des Lockdowns auf die Psyche? Geschenkt. Auswirkungen der verordneten Bewegungsarmut auf unser Herz-Kreislauf-System? Uninteressant. Auswirkungen der Undurchsichtigkeit der Regeln, die zudem ständig verändert werden auf die Gesellschaft? Wen interessiert das? Zahlen, die das geringe Ansteckungsrisiko in verschiedenen Branchen darlegen? Zu vernachlässigen.

Kunst und Kultur, gepflegter Genuss in der Gemeinschaft von Freunden? Fresst Sche, Millionen Fliegen können sich nicht irren.

 

Folter

Die Daumenschrauben anziehen. Die Maßnahmen verschärfen. Den Bürger und die Bürgerin bestrafen. Regeln aufstellen, Konzepte einfordern. Tantalus-Qualen. Damit arbeitet die Regierung. Tantalus wurde von den Göttern bestraft. Wir sind Tantalus und die Regierung unsere Gottheit. Tantalus hat die Götter betrogen und deshalb deren Zorn auf sich gezogen. Heute sieht es etwas anders aus. Unternehmer und Unternehmerinnen werden hingehalten, belogen und betrogen und dafür bestraft, dass sie sich an die aufgestellten Regeln halten.

Tantalus‘ Strafe war es, dürstend in einem Teich zu stehen und hungernd über sich die schönsten Früchte zu sehen. Griff er nach den Früchten, wichen die Äste zurück. Bückte er sich zum Wasser, verschwand es.

So agiert die Regierung. Ob die Hygienekonzepte das Wasser sind oder die versprochenen Inzidenzwerte die Früchte, das mag jeder selbst entscheiden.

 

Egoismus, Egozentrik und Selbstgefälligkeit

Welche Grundrechte werden denn eingeschränkt?

So die selbstgefälligen Fragen vieler, auch einiger Medienvertreter (ZDF, ARD). Wer diese Fragen stellt, dessen Selbstgefälligkeit ist nicht zu toppen. Menschen dürfen sich nicht frei bewegen. Menschen dürfen ihre Berufe nicht ausüben. Menschen dürfen sich nicht sehen. Menschen dürfen ihrer Religion nicht nachgehen. Menschen werden in „wichtig“ (systemrelevant) und weniger wichtig eingeteilt. Die Regierung entscheidet, wie sich ein Mensch verhalten muss und darf, er darf nicht mehr selbst entscheiden. Was wirklich zur eigenen Lebensgestaltung gehört und weiterhin gehören darf, das entscheidet der Staat. Eine gutsitzende Frisur gehört dazu, Fußball auch. Der Besuch eines Kosmetikstudios, die Reise, das neue Tattoo, ein gepflegtes Essen mit Freunden, Konzerte und Veranstaltungen gehören nicht dazu.

Nicht die Würde des Menschen ist unantastbar, sondern die Virologen.

 

Kein Unternehmen wird sterben müssen

Diese Worte fielen zu Beginn des ersten Lockdowns. Ein Hohn für die Würde all derjenigen, die bereits aufgegeben haben, weil sie aufgeben MUSSTEN.

 

Aber das Virus. Aber die Mutationen.

Da äußert sich doch tatsächlich ein Virologe darüber, dass das Virus im Verlauf der Pandemiebekämpfung einfach die Spielregeln geändert und sich verändert hat. Liebe Virologen, liebe Regierungsvertreter: Das hat es sich bei Euch abgeguckt.

 

Schuldverschiebung

Die Seite, die so gerne petzt, veröffentlichte ein Meme. Auf der linken Seite eine sichtlich ermattete Krankenschwester, die sich an Leichensäcke lehnt, während sie mit ihrer Familie nur noch über das Handy via Videocall Kontakt hat. Auf der rechten Seite übergewichtige Kinder und ungepflegte Erwachsene, die sich über die Maßnahmen aufregen, die glatzköpfig nach der Öffnung der Friseurgeschäfte schreien und sich gegen das Tragen von Masken aufbäumen. Darunter Kommentare die das Gejammer der betroffenen Personen als Luxusproblematik abtun und Menschen, die meinen, es wäre für Viele offensichtlich schlimm, wenn das Bordell, die Kneipe und der Friseur zuhätte, schließlich würde daraus ja deren Lebensinhalt bestehen.

An Niedertracht ist dieses Verhalten kaum zu überbieten. Warum sitzt denn die unterbezahlte Krankenschwester ermattet vor Leichensäcken? Weil sich weder die dummen Menschen noch das Virus an die Regeln halten oder weil das Gesundheitssystem gewinnorientiert und systematisch kaputtgemacht wurde? Und von wem? Vom Bordellbesucher? Vom Sportler? Vom Konzertbesucher?

Nein, es ist nicht die Regierung schuld, es ist die dumme Bevölkerung.

Aber auch Beleidigungen sind ja mittlerweile salonfähig geworden.

 

Disclaimer

Und zum Ende dieser unvollständigen, von Emotionen geleiteten, unwissenschaftlichen und unvernünftigen Ausführungen darf natürlich der üblich gewordene Disclaimer nicht fehlen.
Ich halte mich an die Regeln, habe ein Hygienekonzept, trage meine Maske, desinfiziere wie eine Wilde, sehe keinen Menschen mehr, halte mein Studio geschlossen, übe mich in Geduld und leugne weder die Pandemie noch bin ich ein Verschwörungstheoretiker.

Donnerstag, 28. Januar 2021

Zweierlei Maß

 

Die Dinge so zu betrachten, wie sie am günstigsten sind, ist ein normales Vorgehen. Eine Sachlage so darzustellen, dass man selbst dabei am besten wegkommt, ist per se auch nicht verwerflich. Schwieriger wird es dann schon, wenn man anderen das abspricht, was man für sich in Anspruch nimmt. Einen seltsamen Beigeschmack bekommen diese Situationen aber vor allem dann, wenn ein und dasselbe Argument zuerst für einen selbst und dann gegen jemand anderen spricht.

 

Die Gesamtsituation betrachten

Wichtig bleibt, nicht nur einen Mosaikstein, sondern möglichst das Gesamtbild im Auge zu behalten. Das ist nicht immer ganz einfach und allein schafft man das auch selten, weswegen sich gute Berater*innen und Teamarbeit doch meist bewährt haben.

Konkret wundere ich mich im Moment über die Argumentationslinie hinsichtlich der Impfungen gegen COVID 19.
Als es zunächst hieß, dass das Virus vor allem für ältere Personen mit Vorerkrankungen gefährlich wäre und man deswegen auch keine „Panik“ schieben müsste, da die Wahrscheinlichkeit dieser Personengruppe zu sterben sowieso höher läge, da war der Aufschrei der Moralisten groß. Natürlich ist jedes Leben gleich viel wert und es steht uns nicht zu, zu messen, zu bemessen und zu richten.

Als dann die ersten (zu erwartenden) Nebenwirkungen der Impfung bei just exakt genau dieser Personengruppe eintraten, die zum Teil zum Tode führten, da wurde genau die gleiche Argumentation herangezogen.

 

Aus dem deutschenÄrtzeblatt

 

Die norwegische Gesundheitsbehörde hat ihre Anweisungen zur Impfung älterer, gebrechlicher Menschen gegen COVID-19 geändert. Bei dieser Bevölkerungsgruppe könnten die üblichen Nebenwirkungen der Impfung zu schweren Verläufen führen, wie die Auswertung von Todesfällen kurz nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gezeigt habe.

In Norwegen sind bis dato 23 Menschen kurz nach der ersten COVID-19-Impfdosis verstorben. Dabei handelte es sich vorwiegend um ältere Menschen mit schweren Grunderkrankungen. (…) Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass übliche Nebenwirkungen der Impfung zu schwerwiegenden Reaktionen bei den meist schwer kranken, älteren Personen geführt haben könnten. (…) Sie (die üblichen Nebenwirkungen) könnten zu dem tödlichen Verlauf bei einigen gebrechlichen Patienten beigetragen haben, heißt es in der Mitteilung.

In die Zulassungsstudien zu Comirnaty von Biontech und Pfizer waren keine Patienten mit instabiler oder akuter Erkrankung eingeschlossen worden – und nur wenige Teilnehmer über 85 Jahren.

Bei einer Impfung von Alten und Pflegebedürftigen mit schweren Grunderkrankungen seien aber Todesfälle kurz nach der Impfung zu erwarten (…).“


 

Hätte man auch nur einen Teil dieser Argumente noch vor ein paar Wochen auf die Positivliste der Gründe gesetzt, die eine Veränderung der getroffenen Maßnahmen rechtfertigen, man wäre mindestens verbal gesteinigt worden.

 

Schlecht reden oder objektiv sein

Eine Person, die ich sehr schätze, reagierte auf meine Konfrontation mit diesen Zahlen mit der Aussage, dass sie sehr froh wäre, dass es jetzt endlich eine Impfung gäbe und sie bestimmt beim „Schlechtreden“ dieser nicht mitmachen würde.

 

Auch das ist an sich eine gute Einstellung. Man kann an allen Dingen Gutes und Schlechtes sehen und finden. Meist lebt man glücklicher, wenn man das Positive fokussiert.

 

Objektiv muss man allerdings sehen, dass der Kreis der Personen, die als besonders vulnerable Gruppe gilt, am wenigsten von der Impfung hat bzw. hier die größten Risiken eingeht.

Zudem stimmt es mich nachdenklich, dass dieser Personenkreis allem Anschein nach bei den Vorabtestungen nicht berücksichtigt wurde.

 

Du musst aber dann schon

Dieses Verhalten findet sich an vielen Stellen. Konsequenz scheint für viele entweder zu anstrengend oder Auslegungssache zu sein.

Zwei Tage war ich in einem Netzwerk, welches sich auf die Fahne geschrieben hatte, gemeinsam mehr bewirken zu wollen. Ein Netzwerk von Unternehmern, die alle mehr oder weniger gleich stark betroffen sind von der jetzigen Situation. Sich zu verbünden, um gemeinsam etwas (mehr) bewirken zu können, das ist eine gute Sache.

Gemeinhin ist hier allerdings auch die souveräne Öffentlichkeitswirksamkeit notwendig.

Nun, die Gruppe war privat, also von der Öffentlichkeit gar nicht zu sehen.

Auch noch verständlich, wenn man sich bereits im Vorfeld in sozialen Medien von Personen mit rechter Gesinnung oder anderen Personen, die nicht so ganz in die Gruppe passen könnten, absondern möchte.

Nach dem Beitritt zur Gruppe stellte ich allerdings fest, dass hier „nichts los“ ist. Alle dort zu findenden Informationen kannte ich schon, Austausch Fehlanzeige.

Am zweiten Tag wurde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass ich bitte der Telegram-Gruppe beitreten müsse, wenn ich alle Informationen bekommen wolle.

Das möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht und äußerte das auch so. Die Antwort war, dass ich dann halt auch nicht alle Informationen bekommen könnte, wenn ich nicht zu Telegram kommen wolle.

Ich bin aus der Gruppe wieder ausgetreten. Für mich persönlich war auch das ein Messen mit zweierlei Maß. Öffentlichkeitswirksamkeit ohne Öffentlichkeit? Etwas bewegen mit geringer Aktivität? Zugang zu relevanten Informationen nur, wenn man bereit ist, sich weiteren/anderen Gruppen in anderen Kanälen anzuschließen. Gefällt mir einfach nicht.

 

Zweierlei Maß auch bei Kontakten

Sicherlich gibt es Menschen, denen die geltenden Regeln immer noch an einer bestimmten Körperstelle vorbeigehen. Ich glaube allerdings, dass es nicht die Mehrheit ist. Reiner Glauben, belegen kann ich es nicht.

Doch selbst hier, wird die Argumentation so gedreht und gewendet, wie es einem zu passen scheint. Aussage 1: Der Rückgang der Grippeerkrankungen im Jahr 2020 sei darauf zurückzuführen, dass man AHA-Regeln hätte, die weitgehendst befolgt würden. Aussage 2: Der Anstieg der Corona-positiv-Getesteten sei darauf zurückzuführen, dass sich zu wenige an die AHA-Regeln halten würden.

Äh?

Forderung an die Bevölkerung: Home-Office wo immer es möglich ist, zur Not auch als Pflicht. Kontakte einschränken, soweit möglich, zur Not aus als Pflicht.

Vorleben der Vorbilder: Präsenzsitzungen und gemeinsame Mittag-Essen.

 

Vertrauensverlust als logische Konsequenz

Es ist doch nun wirklich nicht verwunderlich, dass man dann den Glauben und das Vertrauen verliert, oder?

 

Wer daran glaubt, dass die Regeln notwendig sind, dass die Maßnahmen eingehalten werden müssen und dass wir das alle nur gemeinsam schaffen können, der sollte sich auch als Teil der Gemeinschaft verstehen und verhalten. Auf allen Seiten.

Der Bevölkerung wird vorgeworfen, immer nach „Schlupflöchern“ zu suchen und dieses Verhalten dient als Grundlage für immer noch weiter gehende Maßnahmen. Die Schlupflöcher, die von anderen im Verhalten und in der Argumentation missbraucht werden, dürfen aber auch betrachtet werden, oder?

Donnerstag, 14. Januar 2021

Wir waren nicht dabei - wir werden nicht dabei sein!

 


 

Am 11. Januar wollten viele Gastronomen und Einzelhändler ungeachtet der Regeln und Gesetze ihre Türen aufsperren. Ich war mir unsicher, wie ich das finden sollte.

Auf der einen Seite habe ich absoluten Respekt und gucke ein wenig neidisch auf deren Mut und Kampfgeist. Auf der anderen Seite halte ich es für eine (notwendige?) Trotzreaktion. Und man weiß, wie man trotzige Kleinkinder empfindet: Anstrengend. Es ist selten so, dass man die Trotzreaktion eines Kleinkinds als souverän und anerkennenswert erachtet. Viele trotzige Kleinkinder auf einem Haufen machen es da auch nicht besser.

Dann kam der Montag und man hörte nichts. Als ich am Abend ein wenig recherchierte, fand ich die Information, dass die Aktion um eine Woche verschoben worden wäre (also für kommenden Montag, den 18.01.2021 geplant ist). Man müsse ein paar rechtliche Dinge klären und wolle noch mehr "Kunden" mit Aushängen mobilisieren.

Dabei ist die rechtliche Lage klar

"Gewerbetreibenden drohen bei Verstößen gegen die geltenden Regeln Bußgelder von bis zu 5000 Euro. Schlimmstenfalls könnten Gewerbeämter auch eine vollständige Gewerbeuntersagung aussprechen. Die Verbände von Handel und Gastronomie lehnen die Aktion vehement ab und appellieren an die Unternehmen, sich an geltendes Recht zu halten."

Und so fühle ich mich ein klein wenig bestätigt, was meine Gedanken betrifft, die ich VOR dem Start der Aktion (11.01.2021) geschrieben habe. 

 

Und, was stattdessen?

Genau das ist ein weiteres Problem. Kritik zu üben, ohne einen konstruktiven Gegenvorschlag bringen zu können, ist destruktiv, heuchlerisch, negativ und wenig zielführend. Und etwas anderes habe ich im Moment nicht zu bieten.

 

Feigling. Angsthase

Ja, ich mache aus mehreren Gründen nicht auf. Der eine ist tatsächlich die Angst. Nicht die Angst vor Ansteckung, denn unser Hygienekonzept ist so gut, dass wir auch im letzten Jahr, damals, als wir unter strengen Auflagen noch Menschen in unserem Studio begrüßen durften und mit ihnen trainieren und lachen durften, keinen einzigen Fall hatten.

Es ist die Angst vor Repressalien, die Angst vor der Strafe, die Angst, wenn die Polizei oder das Ordnungsamt vorfährt und ich mich mit den Menschen auseinandersetzen muss.

Es ist die Angst vor der Geldstrafe, die Angst vor der Auseinandersetzung mit den Behörden, die Angst, eventuell das bisschen, was bleibt selbst zu zerstören.

 

Die lieben Menschen

Unser Studio war für die Personen, die es mögen, immer schon eine Art Oase. Ein Ort der Ruhe, des Friedens, der Freundlichkeit. Ein Ort, wo man Sorgen und Nöte, Ängste und Lasten für eine begrenzte Zeit vor der Tür lassen durfte. Ein Ort, wo die eigene Person wichtig war.
Irgendwie habe ich das Gefühl, das alles würde ich mutwillig zerstören.

Und ja, ich kann durchaus verstehen, wenn man jetzt beim Lesen die Augenbrauen hochzieht und denkt, was denn das jetzt für ein „esoterischem Gewäsch“ sein solle.

Es ist nur ein Gefühl, aber auch mein Bauchgefühl verdient Beachtung und Respekt.

 

Sichtbare Zeichen

Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, welches nicht nur von (gierigen) Medien aufgegriffen wird, sondern am Gewissen der Verantwortlichen rüttelt, braucht es Menschen, die kommen.

Wenn ich denn öffnen würde, dann müssten die Menschen, denen ich bisher eine Oase versucht habe zu offerieren, kommen. Sie müssten also mit mulmigem Gefühl sich der Gefahr aussetzen, wie ein Straftäter behandelt zu werden und hätten mit hohen Bußgeldern zu rechnen. Das will ich nicht.

 

Unsichtbar

Wir waren für die Behörden bisher unsichtbar. Unsichtbar dahingehend, dass die Sportstudios keine Lobby haben. Unsichtbar dahingehend, dass man missachtet, was wir für die Gesundheit der Bevölkerung leisten. Unsichtbar dahingehend, dass niemand bemerkt hat, dass wir ein Teil der Lösung sind, nicht des Problems.

 

Mit dieser Aktion würden wir definitiv sichtbar werden. Teuer erkauft und wahrscheinlich sinnlos. 15 minutes of fame?

 

Und klein beigeben ist dann die Lösung?

Sicherlich nicht. Tatsächlich habe ich nur noch begrenzte Ressourcen. In allen Belangen. Und diese Ressourcen sind wie Wasser für einen Verdurstenden. Ich kann es wegschütten oder ich kann hoffen, mit der letzten Ration so weit zu kommen, bis ich an eine lichte Quelle gelange, an eine Oase in der Wüste. Aber vielleicht bin ich einfach auch zu schwach, zu wenig kämpferisch, zu klein


Donnerstag, 7. Januar 2021

Anstand und Seelenpflege

 

 

Anstand gilt als ein selbstverständlicher Maßstab an die eigene Ethik, Moral und das Verhalten. Da jeder Mensch anders ist, können natürlich auch die Maßstäbe sehr unterschiedlich sein. Neben Umgangsformen, die man meist als Kind gelehrt bekommt, ist er das Fundament des Umgangs mit anderen Personen. So lange die anderen Personen keine Herausforderung sind, man wenig bis gar nichts mit ihnen zu tun hat und diese auch keine Anforderungen an den eigenen Anstandsmaßstab stellen, merkt man unter Umständen gar nicht, wie unterschiedlich der Anstandsstandard sein kann. Im Netz merkt man es (zur Zeit) sehr schnell.

 

Als die Seife ausverkauft war

Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es zu Versorgungsengpässen mit Seife und Klopapier kommen könnte. Aber das haben wir erlebt. Letztes Jahr. Dabei habe ich nicht verstanden, warum man auf einmal „mehr“ davon brauchte. Händewaschen etc. gehörten schon immer zum guten Ton. Man behielt also bei, was man gewohnt war, es war kein gesteigerter Bedarf an Hygieneartikeln da.

Natürlich kann das immer zwei Gründe haben. Entweder war man vorher schon ein kleines Schweinchen und behielt das einfach bei, oder aber Körperpflege und Hygiene waren Standard.

 

Grundsätzlich oder nur, wenn es nötig ist?

Dann kam der Lockdown und die Masken. Die Kosmetikindustrie vermerkte einen Absatzeinbruch bei Lippenstiften, dafür aber eine Umsatzsteigerung bei Utensilien, die man für das Augen Make-Up brauchte.

Bezeichnend! Es ist also nicht unbedingt die Pflege und das gepflegte Gefühl der Antreiber für den Kauf dieser Dinge, sondern, ob es jemand anderes sieht, bemerkt, reagiert.

So ähnlich ist das auch mit dem Anstand und der Höflichkeit. Macht man es, weil es untrennbar mit dem Charakter verbunden ist, oder weil es eben so verlangt wird? Bitte. Danke. Augenkontakt. Glückwünsche. Beleidsbekundungen. Sich sauber anziehen. Täglich Duschen. Zähne putzen. Unterwäsche wechseln. Das eine hat mit dem anderen doch gar nichts zu tun. Für mich schon. Ich mache das, weil ich es persönlich für wichtig empfinde.

 

Contenance und Konsequenz

Selbstbeherrschung. Nicht aus der Rolle fallen. Die Fassung wahren. Sich zurückhalten.

Macht nicht immer Spaß, kann durchaus auch mit einer gewissen Art von Reserviertheit und Arroganz übersetzt werden oder den Mangel an Temperament vermuten lassen. Dabei verhindert Contenance in vielen Situationen einfach auch eine Eskalation derselben. Eine Eskalation wird meist dann vermieden, wenn man selbst und in direkter Weise die Konsequenzen spüren würde. Man feuert eine Meinungsverschiedenheit einfach nicht so leicht an, wenn man fürchten muss, dass der andere „gewalttätig“ werden könnte. Man gießt vielleicht nur dann Öl ins Feuer einer Diskussion, wenn man weiß, dass man im Zweifel schnell abhauen kann.
Oder aber man provoziert eben gar nicht, weil man es nicht für nötig erachtet und weil es nicht zum guten Ton gehört. Punkt.
Im Einzelfall kann man nicht sagen, welche Beweggründe hinter dem Verhalten einer einzelnen Person stehen.

 

Vorurteile und Urteile

Zwei Sätze voller unverhohlen dargestellter Vorurteile, die mit einem ungnädigen und erbarmungslosen Urteil von der Gegenpartei quittiert werden. Part 1 der sich austauschenden Personen reagiert prompt mit einer Beleidigung, die von Part 2 erwidert wird. Das zieht sich im Übrigen durch alle Gesellschaftskreise (gefühlt).

Im Netz!

Netiquette ist ein schönes Wort, doch so wie Körperpflege im Lockdown zur Nebensächlichkeit zu verkommen schien, so scheint sie auch im virtuellen Raum eine immer kleinere Rolle zu spielen.

Da wird massiv beleidigt und gegenbeleidigt, wenn es um Kunstgeschmack geht. Ich dachte, über Geschmack kann man nicht streiten. „Katz‘ mag Mäus, I mogs ned.“
Da wird einem unterstellt, man würde sich überhöhen und als moralisch besser sehen, wenn man eine Frage stellt. Es ging um Gottesdienstbesuche. Grob zusammengefasst: Gottesdienste sind, allerdings natürlich nur bei Freikirchen, die sich ja generell nicht an die Regeln halten würden, Infektionstreiber. Gottesdienste sind unnötig. Das ist aber eine Lebenseinstellung, die von Person zu Person unterschiedlich ist. Hier habe ich (auch mir, denn wir besuchen die angebotenen Gottesdienste unter AHA-Regeln) die Frage gestellt, ob es nicht vielleicht eher ein Akt christlicher Nächstenliebe wäre, wenn man – obwohl man es dürfe – aus Solidarität darauf verzichtet? Von einer Pfarrerin kam der Vorwurf, dass ich mich implizit moralisch selbst erhöhen und als besserer Mensch darstellen würde. Ich bat sie, diese Schuhe für sich zu behalten, ich würde sie mir nicht anziehen.
Gewundert habe ich mich dennoch.

 

Leben und leben lassen

Ist es nicht auch eine Frage des Anstands, den Kunstgeschmack einer anderen Person einfach stehenlassen zu können, ohne diese Person sofort als dumm zu betiteln? Ist es nicht eine Frage von Contenance, sich über etwas zu wundern, ohne es sofort aussprechen zu müssen? Sollte sich meine Lebenseinstellung (Christlichkeit) nicht auch dadurch zeigen, dass ich nicht über andere Personen richte?
Warum denn. Im Netz muss ich doch keine direkten Konsequenzen fürchten. Im Netz geht alles. Das finde ich nicht schön.
Und ja, dass ich hier nicht schreibe, wie ich es wirklich finde, was ich darüber denke, auch das hat etwas mit Contenance zu tun (und nicht nur damit, dass Google sonst den Eintrag wieder sperrt, wenn ich mich mal wieder ungehobelt ausdrücke).

 

Wäre man im „real life“ auch so?

Ich hoffe, dass wir alle unser gepflegtes Auftreten wieder hervorkramen, wenn wir uns wieder mehr begegnen können. Außerhalb des Netzes. Von Angesicht zu Angesicht. Hoffentlich putzen wir uns dann wieder die Zähne, waschen uns weiterhin die Hände und haben nicht alle Höflichkeitsregeln vergessen.