Donnerstag, 28. Januar 2021

Zweierlei Maß

 

Die Dinge so zu betrachten, wie sie am günstigsten sind, ist ein normales Vorgehen. Eine Sachlage so darzustellen, dass man selbst dabei am besten wegkommt, ist per se auch nicht verwerflich. Schwieriger wird es dann schon, wenn man anderen das abspricht, was man für sich in Anspruch nimmt. Einen seltsamen Beigeschmack bekommen diese Situationen aber vor allem dann, wenn ein und dasselbe Argument zuerst für einen selbst und dann gegen jemand anderen spricht.

 

Die Gesamtsituation betrachten

Wichtig bleibt, nicht nur einen Mosaikstein, sondern möglichst das Gesamtbild im Auge zu behalten. Das ist nicht immer ganz einfach und allein schafft man das auch selten, weswegen sich gute Berater*innen und Teamarbeit doch meist bewährt haben.

Konkret wundere ich mich im Moment über die Argumentationslinie hinsichtlich der Impfungen gegen COVID 19.
Als es zunächst hieß, dass das Virus vor allem für ältere Personen mit Vorerkrankungen gefährlich wäre und man deswegen auch keine „Panik“ schieben müsste, da die Wahrscheinlichkeit dieser Personengruppe zu sterben sowieso höher läge, da war der Aufschrei der Moralisten groß. Natürlich ist jedes Leben gleich viel wert und es steht uns nicht zu, zu messen, zu bemessen und zu richten.

Als dann die ersten (zu erwartenden) Nebenwirkungen der Impfung bei just exakt genau dieser Personengruppe eintraten, die zum Teil zum Tode führten, da wurde genau die gleiche Argumentation herangezogen.

 

Aus dem deutschenÄrtzeblatt

 

Die norwegische Gesundheitsbehörde hat ihre Anweisungen zur Impfung älterer, gebrechlicher Menschen gegen COVID-19 geändert. Bei dieser Bevölkerungsgruppe könnten die üblichen Nebenwirkungen der Impfung zu schweren Verläufen führen, wie die Auswertung von Todesfällen kurz nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gezeigt habe.

In Norwegen sind bis dato 23 Menschen kurz nach der ersten COVID-19-Impfdosis verstorben. Dabei handelte es sich vorwiegend um ältere Menschen mit schweren Grunderkrankungen. (…) Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass übliche Nebenwirkungen der Impfung zu schwerwiegenden Reaktionen bei den meist schwer kranken, älteren Personen geführt haben könnten. (…) Sie (die üblichen Nebenwirkungen) könnten zu dem tödlichen Verlauf bei einigen gebrechlichen Patienten beigetragen haben, heißt es in der Mitteilung.

In die Zulassungsstudien zu Comirnaty von Biontech und Pfizer waren keine Patienten mit instabiler oder akuter Erkrankung eingeschlossen worden – und nur wenige Teilnehmer über 85 Jahren.

Bei einer Impfung von Alten und Pflegebedürftigen mit schweren Grunderkrankungen seien aber Todesfälle kurz nach der Impfung zu erwarten (…).“


 

Hätte man auch nur einen Teil dieser Argumente noch vor ein paar Wochen auf die Positivliste der Gründe gesetzt, die eine Veränderung der getroffenen Maßnahmen rechtfertigen, man wäre mindestens verbal gesteinigt worden.

 

Schlecht reden oder objektiv sein

Eine Person, die ich sehr schätze, reagierte auf meine Konfrontation mit diesen Zahlen mit der Aussage, dass sie sehr froh wäre, dass es jetzt endlich eine Impfung gäbe und sie bestimmt beim „Schlechtreden“ dieser nicht mitmachen würde.

 

Auch das ist an sich eine gute Einstellung. Man kann an allen Dingen Gutes und Schlechtes sehen und finden. Meist lebt man glücklicher, wenn man das Positive fokussiert.

 

Objektiv muss man allerdings sehen, dass der Kreis der Personen, die als besonders vulnerable Gruppe gilt, am wenigsten von der Impfung hat bzw. hier die größten Risiken eingeht.

Zudem stimmt es mich nachdenklich, dass dieser Personenkreis allem Anschein nach bei den Vorabtestungen nicht berücksichtigt wurde.

 

Du musst aber dann schon

Dieses Verhalten findet sich an vielen Stellen. Konsequenz scheint für viele entweder zu anstrengend oder Auslegungssache zu sein.

Zwei Tage war ich in einem Netzwerk, welches sich auf die Fahne geschrieben hatte, gemeinsam mehr bewirken zu wollen. Ein Netzwerk von Unternehmern, die alle mehr oder weniger gleich stark betroffen sind von der jetzigen Situation. Sich zu verbünden, um gemeinsam etwas (mehr) bewirken zu können, das ist eine gute Sache.

Gemeinhin ist hier allerdings auch die souveräne Öffentlichkeitswirksamkeit notwendig.

Nun, die Gruppe war privat, also von der Öffentlichkeit gar nicht zu sehen.

Auch noch verständlich, wenn man sich bereits im Vorfeld in sozialen Medien von Personen mit rechter Gesinnung oder anderen Personen, die nicht so ganz in die Gruppe passen könnten, absondern möchte.

Nach dem Beitritt zur Gruppe stellte ich allerdings fest, dass hier „nichts los“ ist. Alle dort zu findenden Informationen kannte ich schon, Austausch Fehlanzeige.

Am zweiten Tag wurde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass ich bitte der Telegram-Gruppe beitreten müsse, wenn ich alle Informationen bekommen wolle.

Das möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht und äußerte das auch so. Die Antwort war, dass ich dann halt auch nicht alle Informationen bekommen könnte, wenn ich nicht zu Telegram kommen wolle.

Ich bin aus der Gruppe wieder ausgetreten. Für mich persönlich war auch das ein Messen mit zweierlei Maß. Öffentlichkeitswirksamkeit ohne Öffentlichkeit? Etwas bewegen mit geringer Aktivität? Zugang zu relevanten Informationen nur, wenn man bereit ist, sich weiteren/anderen Gruppen in anderen Kanälen anzuschließen. Gefällt mir einfach nicht.

 

Zweierlei Maß auch bei Kontakten

Sicherlich gibt es Menschen, denen die geltenden Regeln immer noch an einer bestimmten Körperstelle vorbeigehen. Ich glaube allerdings, dass es nicht die Mehrheit ist. Reiner Glauben, belegen kann ich es nicht.

Doch selbst hier, wird die Argumentation so gedreht und gewendet, wie es einem zu passen scheint. Aussage 1: Der Rückgang der Grippeerkrankungen im Jahr 2020 sei darauf zurückzuführen, dass man AHA-Regeln hätte, die weitgehendst befolgt würden. Aussage 2: Der Anstieg der Corona-positiv-Getesteten sei darauf zurückzuführen, dass sich zu wenige an die AHA-Regeln halten würden.

Äh?

Forderung an die Bevölkerung: Home-Office wo immer es möglich ist, zur Not auch als Pflicht. Kontakte einschränken, soweit möglich, zur Not aus als Pflicht.

Vorleben der Vorbilder: Präsenzsitzungen und gemeinsame Mittag-Essen.

 

Vertrauensverlust als logische Konsequenz

Es ist doch nun wirklich nicht verwunderlich, dass man dann den Glauben und das Vertrauen verliert, oder?

 

Wer daran glaubt, dass die Regeln notwendig sind, dass die Maßnahmen eingehalten werden müssen und dass wir das alle nur gemeinsam schaffen können, der sollte sich auch als Teil der Gemeinschaft verstehen und verhalten. Auf allen Seiten.

Der Bevölkerung wird vorgeworfen, immer nach „Schlupflöchern“ zu suchen und dieses Verhalten dient als Grundlage für immer noch weiter gehende Maßnahmen. Die Schlupflöcher, die von anderen im Verhalten und in der Argumentation missbraucht werden, dürfen aber auch betrachtet werden, oder?

Donnerstag, 14. Januar 2021

Wir waren nicht dabei - wir werden nicht dabei sein!

 


 

Am 11. Januar wollten viele Gastronomen und Einzelhändler ungeachtet der Regeln und Gesetze ihre Türen aufsperren. Ich war mir unsicher, wie ich das finden sollte.

Auf der einen Seite habe ich absoluten Respekt und gucke ein wenig neidisch auf deren Mut und Kampfgeist. Auf der anderen Seite halte ich es für eine (notwendige?) Trotzreaktion. Und man weiß, wie man trotzige Kleinkinder empfindet: Anstrengend. Es ist selten so, dass man die Trotzreaktion eines Kleinkinds als souverän und anerkennenswert erachtet. Viele trotzige Kleinkinder auf einem Haufen machen es da auch nicht besser.

Dann kam der Montag und man hörte nichts. Als ich am Abend ein wenig recherchierte, fand ich die Information, dass die Aktion um eine Woche verschoben worden wäre (also für kommenden Montag, den 18.01.2021 geplant ist). Man müsse ein paar rechtliche Dinge klären und wolle noch mehr "Kunden" mit Aushängen mobilisieren.

Dabei ist die rechtliche Lage klar

"Gewerbetreibenden drohen bei Verstößen gegen die geltenden Regeln Bußgelder von bis zu 5000 Euro. Schlimmstenfalls könnten Gewerbeämter auch eine vollständige Gewerbeuntersagung aussprechen. Die Verbände von Handel und Gastronomie lehnen die Aktion vehement ab und appellieren an die Unternehmen, sich an geltendes Recht zu halten."

Und so fühle ich mich ein klein wenig bestätigt, was meine Gedanken betrifft, die ich VOR dem Start der Aktion (11.01.2021) geschrieben habe. 

 

Und, was stattdessen?

Genau das ist ein weiteres Problem. Kritik zu üben, ohne einen konstruktiven Gegenvorschlag bringen zu können, ist destruktiv, heuchlerisch, negativ und wenig zielführend. Und etwas anderes habe ich im Moment nicht zu bieten.

 

Feigling. Angsthase

Ja, ich mache aus mehreren Gründen nicht auf. Der eine ist tatsächlich die Angst. Nicht die Angst vor Ansteckung, denn unser Hygienekonzept ist so gut, dass wir auch im letzten Jahr, damals, als wir unter strengen Auflagen noch Menschen in unserem Studio begrüßen durften und mit ihnen trainieren und lachen durften, keinen einzigen Fall hatten.

Es ist die Angst vor Repressalien, die Angst vor der Strafe, die Angst, wenn die Polizei oder das Ordnungsamt vorfährt und ich mich mit den Menschen auseinandersetzen muss.

Es ist die Angst vor der Geldstrafe, die Angst vor der Auseinandersetzung mit den Behörden, die Angst, eventuell das bisschen, was bleibt selbst zu zerstören.

 

Die lieben Menschen

Unser Studio war für die Personen, die es mögen, immer schon eine Art Oase. Ein Ort der Ruhe, des Friedens, der Freundlichkeit. Ein Ort, wo man Sorgen und Nöte, Ängste und Lasten für eine begrenzte Zeit vor der Tür lassen durfte. Ein Ort, wo die eigene Person wichtig war.
Irgendwie habe ich das Gefühl, das alles würde ich mutwillig zerstören.

Und ja, ich kann durchaus verstehen, wenn man jetzt beim Lesen die Augenbrauen hochzieht und denkt, was denn das jetzt für ein „esoterischem Gewäsch“ sein solle.

Es ist nur ein Gefühl, aber auch mein Bauchgefühl verdient Beachtung und Respekt.

 

Sichtbare Zeichen

Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, welches nicht nur von (gierigen) Medien aufgegriffen wird, sondern am Gewissen der Verantwortlichen rüttelt, braucht es Menschen, die kommen.

Wenn ich denn öffnen würde, dann müssten die Menschen, denen ich bisher eine Oase versucht habe zu offerieren, kommen. Sie müssten also mit mulmigem Gefühl sich der Gefahr aussetzen, wie ein Straftäter behandelt zu werden und hätten mit hohen Bußgeldern zu rechnen. Das will ich nicht.

 

Unsichtbar

Wir waren für die Behörden bisher unsichtbar. Unsichtbar dahingehend, dass die Sportstudios keine Lobby haben. Unsichtbar dahingehend, dass man missachtet, was wir für die Gesundheit der Bevölkerung leisten. Unsichtbar dahingehend, dass niemand bemerkt hat, dass wir ein Teil der Lösung sind, nicht des Problems.

 

Mit dieser Aktion würden wir definitiv sichtbar werden. Teuer erkauft und wahrscheinlich sinnlos. 15 minutes of fame?

 

Und klein beigeben ist dann die Lösung?

Sicherlich nicht. Tatsächlich habe ich nur noch begrenzte Ressourcen. In allen Belangen. Und diese Ressourcen sind wie Wasser für einen Verdurstenden. Ich kann es wegschütten oder ich kann hoffen, mit der letzten Ration so weit zu kommen, bis ich an eine lichte Quelle gelange, an eine Oase in der Wüste. Aber vielleicht bin ich einfach auch zu schwach, zu wenig kämpferisch, zu klein


Donnerstag, 7. Januar 2021

Anstand und Seelenpflege

 

 

Anstand gilt als ein selbstverständlicher Maßstab an die eigene Ethik, Moral und das Verhalten. Da jeder Mensch anders ist, können natürlich auch die Maßstäbe sehr unterschiedlich sein. Neben Umgangsformen, die man meist als Kind gelehrt bekommt, ist er das Fundament des Umgangs mit anderen Personen. So lange die anderen Personen keine Herausforderung sind, man wenig bis gar nichts mit ihnen zu tun hat und diese auch keine Anforderungen an den eigenen Anstandsmaßstab stellen, merkt man unter Umständen gar nicht, wie unterschiedlich der Anstandsstandard sein kann. Im Netz merkt man es (zur Zeit) sehr schnell.

 

Als die Seife ausverkauft war

Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es zu Versorgungsengpässen mit Seife und Klopapier kommen könnte. Aber das haben wir erlebt. Letztes Jahr. Dabei habe ich nicht verstanden, warum man auf einmal „mehr“ davon brauchte. Händewaschen etc. gehörten schon immer zum guten Ton. Man behielt also bei, was man gewohnt war, es war kein gesteigerter Bedarf an Hygieneartikeln da.

Natürlich kann das immer zwei Gründe haben. Entweder war man vorher schon ein kleines Schweinchen und behielt das einfach bei, oder aber Körperpflege und Hygiene waren Standard.

 

Grundsätzlich oder nur, wenn es nötig ist?

Dann kam der Lockdown und die Masken. Die Kosmetikindustrie vermerkte einen Absatzeinbruch bei Lippenstiften, dafür aber eine Umsatzsteigerung bei Utensilien, die man für das Augen Make-Up brauchte.

Bezeichnend! Es ist also nicht unbedingt die Pflege und das gepflegte Gefühl der Antreiber für den Kauf dieser Dinge, sondern, ob es jemand anderes sieht, bemerkt, reagiert.

So ähnlich ist das auch mit dem Anstand und der Höflichkeit. Macht man es, weil es untrennbar mit dem Charakter verbunden ist, oder weil es eben so verlangt wird? Bitte. Danke. Augenkontakt. Glückwünsche. Beleidsbekundungen. Sich sauber anziehen. Täglich Duschen. Zähne putzen. Unterwäsche wechseln. Das eine hat mit dem anderen doch gar nichts zu tun. Für mich schon. Ich mache das, weil ich es persönlich für wichtig empfinde.

 

Contenance und Konsequenz

Selbstbeherrschung. Nicht aus der Rolle fallen. Die Fassung wahren. Sich zurückhalten.

Macht nicht immer Spaß, kann durchaus auch mit einer gewissen Art von Reserviertheit und Arroganz übersetzt werden oder den Mangel an Temperament vermuten lassen. Dabei verhindert Contenance in vielen Situationen einfach auch eine Eskalation derselben. Eine Eskalation wird meist dann vermieden, wenn man selbst und in direkter Weise die Konsequenzen spüren würde. Man feuert eine Meinungsverschiedenheit einfach nicht so leicht an, wenn man fürchten muss, dass der andere „gewalttätig“ werden könnte. Man gießt vielleicht nur dann Öl ins Feuer einer Diskussion, wenn man weiß, dass man im Zweifel schnell abhauen kann.
Oder aber man provoziert eben gar nicht, weil man es nicht für nötig erachtet und weil es nicht zum guten Ton gehört. Punkt.
Im Einzelfall kann man nicht sagen, welche Beweggründe hinter dem Verhalten einer einzelnen Person stehen.

 

Vorurteile und Urteile

Zwei Sätze voller unverhohlen dargestellter Vorurteile, die mit einem ungnädigen und erbarmungslosen Urteil von der Gegenpartei quittiert werden. Part 1 der sich austauschenden Personen reagiert prompt mit einer Beleidigung, die von Part 2 erwidert wird. Das zieht sich im Übrigen durch alle Gesellschaftskreise (gefühlt).

Im Netz!

Netiquette ist ein schönes Wort, doch so wie Körperpflege im Lockdown zur Nebensächlichkeit zu verkommen schien, so scheint sie auch im virtuellen Raum eine immer kleinere Rolle zu spielen.

Da wird massiv beleidigt und gegenbeleidigt, wenn es um Kunstgeschmack geht. Ich dachte, über Geschmack kann man nicht streiten. „Katz‘ mag Mäus, I mogs ned.“
Da wird einem unterstellt, man würde sich überhöhen und als moralisch besser sehen, wenn man eine Frage stellt. Es ging um Gottesdienstbesuche. Grob zusammengefasst: Gottesdienste sind, allerdings natürlich nur bei Freikirchen, die sich ja generell nicht an die Regeln halten würden, Infektionstreiber. Gottesdienste sind unnötig. Das ist aber eine Lebenseinstellung, die von Person zu Person unterschiedlich ist. Hier habe ich (auch mir, denn wir besuchen die angebotenen Gottesdienste unter AHA-Regeln) die Frage gestellt, ob es nicht vielleicht eher ein Akt christlicher Nächstenliebe wäre, wenn man – obwohl man es dürfe – aus Solidarität darauf verzichtet? Von einer Pfarrerin kam der Vorwurf, dass ich mich implizit moralisch selbst erhöhen und als besserer Mensch darstellen würde. Ich bat sie, diese Schuhe für sich zu behalten, ich würde sie mir nicht anziehen.
Gewundert habe ich mich dennoch.

 

Leben und leben lassen

Ist es nicht auch eine Frage des Anstands, den Kunstgeschmack einer anderen Person einfach stehenlassen zu können, ohne diese Person sofort als dumm zu betiteln? Ist es nicht eine Frage von Contenance, sich über etwas zu wundern, ohne es sofort aussprechen zu müssen? Sollte sich meine Lebenseinstellung (Christlichkeit) nicht auch dadurch zeigen, dass ich nicht über andere Personen richte?
Warum denn. Im Netz muss ich doch keine direkten Konsequenzen fürchten. Im Netz geht alles. Das finde ich nicht schön.
Und ja, dass ich hier nicht schreibe, wie ich es wirklich finde, was ich darüber denke, auch das hat etwas mit Contenance zu tun (und nicht nur damit, dass Google sonst den Eintrag wieder sperrt, wenn ich mich mal wieder ungehobelt ausdrücke).

 

Wäre man im „real life“ auch so?

Ich hoffe, dass wir alle unser gepflegtes Auftreten wieder hervorkramen, wenn wir uns wieder mehr begegnen können. Außerhalb des Netzes. Von Angesicht zu Angesicht. Hoffentlich putzen wir uns dann wieder die Zähne, waschen uns weiterhin die Hände und haben nicht alle Höflichkeitsregeln vergessen.

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Fit for job: Wenn einem im Home-Office die Decke auf den Kopf fällt

 

 


So eine Decke hat ein ordentliches Gewicht. Ganz klar: Diese sollte einem nicht auf den Kopf fallen, da würde dann auch die gesündeste Haltung nicht mehr helfen.

Verspannungen, Verkrampfungen, Belastungen und unter Umständen Schmerzen setzen allerdings schon sehr viel früher ein.

Der Bewegungsradius im Home Office ist eingeschränkt, vielleicht hat man zu Hause nicht einmal einen richtigen Schreibtisch, geschweige denn einen ergonomischen Bürostuhl. Es fehlt der Gang von Büro 1 in Büro 2, die Ganggespräche, der Flurfunk. Was vernachlässigbar klingt, wirkt sich auf uns aus.

 

Mentale Aufmerksamkeitsspanne und körperlicher Bewegungsdrang

Gemeinhin spricht man von ca. 7 Minuten. So lange können wir konzentriert einer Sache folgen. Danach schweifen unsere Gedanken ab. Der Körper verspürt schon früher einen Bewegungsdrang. Sollten sich gerade Zweifel regen, weil man doch viel länger als 7 Minuten auf einem Stuhl sitzt, so hilft ein Experiment: 5 Minuten eine Position halten. Diese Position und nur die Position. Keine Veränderung. Kein Wackeln auf dem Stuhl, dein Wechsel der übereinandergeschlagenen Beine. Ruhe. Absolut. Still halten.

Man wird vorher aufgeben. Der wichtigste Grundsatz lautet demnach: Die Positionen öfter verändern. Wann immer möglich, Bewegung einbauen.

 

Küchentisch, Bett und Couch

Keines der genannten Möbelstücke ist für das Arbeiten ausgelegt. Die Personen, die sich gerade (wohl oder übel) im Home Office befinden, wie auch die Arbeitgeber können es aber auch nicht ändern. Weder hat der Arbeitnehmer Lust, seine ganze Wohnung umzustellen, noch der Arbeitgeber Zuschüsse zur Anschaffung ergonomischer Büromöbel zu geben.

Folgen

Die Folgen müssen nach einigen Wochen und Monaten der Home Office Tätigkeit nicht näher beschrieben werden, denn nahezu jeder kennt sie: Verspannungen, Schmerzen im Hals-Nacken-Bereich, Verkrampfungen, der untere Rücken schmerzt und der Ausgleich durch Sport am Abend fällt (zumindest im Winter) auch meist weg.

Ein Teufelskreis beginnt, der frühzeitig durchbrochen werden sollte.

Küche, Büro, Spiegel

In der Küche findet sich vielleicht eine Art Tresen. Dort im Stehen arbeiten. Das Telefon mitnehmen und sich in der Wohnung bewegen. Natürlich nicht so sehr, dass man außer Atem kommt, aber einfach bewegen. Sich telefonierend vor den Spiegel stellen und sich selbst beobachten. Mimik, Gestik.

Alles ein wenig seltsam, um es diplomatisch zu formulieren. Aber ein erster Schritt zur Veränderung. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Und wenn das alles nicht hilft?

Wir bieten zweierlei Lösungen an. Zum einen helfen wir mit unseren „Bewegungsworkshops“, zum anderen bieten wir Online-Kurse in unserem Studio an.

Bewegungsworkshops

Schon vor dem Lockdown waren die Bewegungsworkshops in unterschiedlichen Branchen beliebt. Ob Pflegekräfte oder Bankpersonal: In 1 bis 2 stündigen Workshops wurden die Themen der häufigsten Beschwerden, aber auch, wie man diese gefahrlos selbst „behandeln“ kann bearbeitet. Natürlich handelte es sich hier um einen Aktiv-Workshop: Selbst machen war also angesagt.
Diese Bewegungsworkshops lassen sich ganz einfach digitalisieren. Wir helfen dem Team, dem Arbeitnehmer/ der Arbeitnehmerin auch zu Hause. Digital, ungefährlich und unter Einhaltung aller Regeln. Wir sind nur virtuell bei den Personen, dafür aber um keinen Deut weniger intensiv. Die Bewegungsworkshops können von Einzelpersonen, aber auch von Teamleitern und Teamleiterinnen gebucht werden.

CrazySports Augsburg – Online-Classes

Im ersten Lockdown fingen wir an, alle unsere Kurse online anzubieten und behielten dies auch nach der Wiederöffnung bei. Die Kurse liefen hybrid. Im zweiten Lockdown fanden immer mehr Personen den Zugang zum digitalisierten Job. Ob Yoga oder Pilates, Stretching oder Bodyforming, BBP oder funktionales Training, sogar Akrobatik und Flexibilitätstraining – alles kann man bei uns trainieren, lernen, verbessern. Dabei ist man vollkommen ungebunden, da wir schon immer ohne Vertragsbindung arbeiten.

Stillstand ist Rückschritt

Noch nie hat man die Bedeutung dieses Satzes so gespürt, wie in diesen Zeiten. Tun Sie etwas dagegen. Sie schlafen bessern, arbeiten konzentrierter und die leidigen Beschwerden nehmen ab.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Bewegungsworkshops finden auf der Homepage der Unternehmensberatung Rebel-Management-Training unter „Online-Angebot

Das Online-Angebot des Sportstudios CrazySports Augsburg finden Sie auf der Homepage crazy-sports-augsburg.com unter „Online-Classes

Donnerstag, 24. Dezember 2020

Konzentration – geballte Gedankenenergie

 

 

Je mehr Energie wir zur Verfügung haben, umso lebendiger fühlen wir uns. Je mehr Energie wir auf eine Sache verwenden können, umso genauer, exakter und konzentrierter arbeiten wir. Es gibt Tätigkeiten, die verlangen gemeinhin nicht unsere gesamte Aufmerksamkeit (Zähneputzen). Wenn hier die Gedanken kreisen, die Sorgen und Nöte sich nicht abstellen lassen, so ist das zwar nicht schön, wirkt sich aber meist nicht negativ auf das gewünschte Ergebnis aus. Und es gibt Tätigkeiten bei denen ein Mangel an Konzentration schnell gefährlich werden kann (Autofahren, Akrobatik, Steuererklärung).

 

Wenn der Kopf nicht zur Ruhe kommt

Die Gedanken kreisen, die Probleme lassen sich nicht lösen. Egal wie man es auch dreht und wendet, es scheinen mehr Fragen aufzutauchen als sich beantworten zu lassen. Kaum hat man einen Gedanken zur Seite gestellt, taucht ein neuer auf, der sich um das gleiche Thema dreht. Wir sind angespannt. Wir kommen nicht zur Ruhe. Wir können uns nicht erholen. Unser Kopf raucht und brennt.

 

Angst als Schwelbrand

Je negativer die Gedanken sind, die uns so gefangen halten, umso gefährlicher. Wie ein Schwelbrand fressen sie sich weiter, zerstören unsere positive Energie, fressen die letzten Ressourcen auf. Man weiß gar nicht, wo man ansetzen kann, um den Brand zu löschen, weil man ihn oftmals gar nicht als solchen identifiziert.

 

Stress

Negativer Stress entsteht dann, wenn wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Ressourcen keine Lösung herbeiführen können. Die Auswirkungen kennt jeder: Schlafmangel, ein geschwächtes Immunsystem, Schlafstörungen, aber auch die Zunahme von Allergien und krankhaften Hauterscheinungen. Hier hat der Brand gewütet, ohne dass wir die Hitze bemerkten. Unsere Batterien entladen sich und wir merken es erst, wenn wir auf die dort eigentlich gespeicherte Energie zurückgreifen wollen. Wir öffnen die Tür zur Energiespeicher und stellen geschockt fest, dass dieser leer ist.

 

Fremdbestimmt

Im Moment kämpfen nahezu alle Personen mit diesen Erscheinungen. Sicherheit, Planbarkeit und Perspektiven schwinden. Obwohl wir keine direkte Angst um Leib und Leben verspüren müssen, ein Heim haben, Kleidung und Nahrung, fordern diese Daueranspannungen im Kopf ihren Tribut. Es ist wichtig, sich dies einzugestehen.

 

Verletzungsrisiken steigen

Die leeren Energiespeicher, der erhöhte Stresslevel, die Sorgen und nicht abstellbaren Gedanken führen dazu, dass wir nicht mehr ganz bei der Sache sind. Auch bei Tätigkeiten, die dies zwingend erfordern. Hier steigt mit nahezu sofortiger Wirkung damit auch das Verletzungsrisiko. Und hat man dies bemerkt, so versucht man natürlich die Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, zu vermeiden.

 

Den Teufelskreis durchbrechen

Eine Negativspirale. Findet man in Phasen, in denen der Kopf nicht zur Ruhe kommen kann, keinen Ausgleich, drehen sich die Gedanken noch mehr um die Dinge, die uns erst in die Situation gebracht haben. Auch wenn es schwerfällt, ist es gerade jetzt ganz wichtig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Zu negieren, dass man etwas konzentrationsschwach ist, wäre allerdings der falsche Weg. Sich weiterhin fordern, sich zwingen, etwas anderes zu tun und zu denken, das ist wichtig. Dennoch ist es gerade in diesen Situationen ganz wichtig, umsichtig mit den verbliebenen Resten der Konzentration und Energie umzugehen. Dann kann sich durch das Düngen der Reste positiver Energie der Speicher wieder füllen, die Gedanken beruhigen und die Lebensqualität wieder steigen. Trotz aller Widrigkeiten, mit denen wir umgehen müssen.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

 

 

– oder: Warum ich immer wieder feststelle, dass ich naiv bin. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass man Menschen Glauben schenken sollte, dass man Menschen zuhören sollte, dass man Menschen ernst nehmen sollte. Einige Ansichtsweisen sind allerdings so verquer, dass es selbst mir leichtfällt, diese als puren Blödsinn zu entlarven. Bei anderen Sicht- und Verhaltensweisen, tue ich mir da schon etwas härter. Hinterher bin ich dann umso enttäuschter, auch von mir selbst! Enttäuschung trifft es hier, denn es war (wieder mal) eine Täuschung, die hinweggenommen wurde.

 

Harte Zeiten

Ob wir im Moment wirklich harte Zeiten durchmachen, das ist eine fast schon philosophische Frage. Ich würde die Zeiten eher „anders“ betiteln. Anders als gewohnt, anders als jemals erlebt und mit vielen Herausforderungen gespickt. Da wir aber nicht unbedingt direkte und mittelbare Sorgen um unser tägliches Brot, unseren Schlafplatz und unser Heim haben müssen, möchte ich diese Zeiten nicht unbedingt als „hart“ betiteln.

 

Persönliche Lebensumstände

Spaß macht die Situation im Moment keiner Person. Es gibt Personenkreise, die sind etwas härter getroffen als andere. Es gibt Bevölkerungsgruppen an denen die Pandemie, bis auf ein paar kleinere Neuerungen, fast spurlos vorübergeht: Man kann in die Arbeit gehen, man kann einkaufen gehen, im Sportverein war man sowieso nicht, joggen kann man nach wie vor und die sozialen Kontakte waren schon immer mehr virtuell als real. Diese Personen erleben bis auf die notwendigen und nachvollziehbaren Regeln (Maske, Abstand, Hygiene, Lüften) kaum einschneidende Veränderungen.
Hier fällt es manchmal schwer, begreiflich zu machen, was es bedeutet, nicht mehr arbeiten zu dürfen, was es bedeutet, die Perspektiven zu verlieren, was es bedeutet, die Resultate harter Arbeit wie trockenen Sand durch geöffnete Finger dahinschwinden zu sehen.

 

Ich spiel da nicht mehr mit

Auflagen, Pflichten, Verantwortung, Disziplin. All diese Dinge machen selten Spaß. Aber das Leben in einer sozialen Gemeinschaft besteht nicht nur aus Spaß und dient nicht nur der persönlichen Selbstverwirklichung. Und das Leben ist weder ein Spiel noch ein Ponyhof. Also nicht jammern, sondern machen!

 

Alle im selben Boot?

Aber irgendwoher muss man doch den persönlichen kleinen Kick bekommen, oder? Und wenn alle irgendwie in Booten sitzen, so ist es eben nicht immer das gleiche Boot. Die einen gleiten im Luxusdampfer durch stürmische Gewässer, die anderen versuchen mit bloßen Händen das zerbrechende Floß zusammenzuhalten.

 

Etwas Besonderes sein wollen

Und man sucht Antworten. Antworten auf Fragen, die vielleicht nie gestellt wurden. Das eint viele in dieser Zeit. Und die, die Antworten offerieren, denen hört man gerne zu, weil sie einen Einblick in die tiefgründigen Zusammenhänge zu haben scheinen, weil sie erklären können, was man selbst nicht versteht.

So bekommen diejenigen, die Zusammenhangloses erklären können und das große Ganze dahinter sehen, fast schon Guru-Charakter. Und was passiert einem Guru? Man hört ihm zu, man vertraut ihm, man himmelt ihn an, man glaubt ihm, man schenkt ihm Zeit und Aufmerksamkeit. Das tut jeder Person gut. Ein bisschen Guru sein, ein bisschen Wahrheiten offerieren, ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen, das ist doch nicht zu viel verlangt, oder? Und so scheint der Zweck manchmal die Mittel zu heiligen. NEIN, das tut er nicht.

 

Die Wahrheit scheint langweilig

So versuche ich zu analysieren, was mir von ein paar Wochen passiert ist. Da erfuhr ich von einer Unternehmerkollegin, dass der Wirtschaftsminister selbst im Sommer einen Brief verfasst haben sollte in welchem bereits von der Novemberhilfe die Rede war. Alles gut dargelegt und nachvollziehbar geschildert. Sofort war bei mir Feuer unterm Dach! Ein Schriftstück, welches „belegen“ könnte, dass der zweite Lockdown vielleicht doch „geplant“ gewesen ist? Das darf doch nicht wahr sein, dem muss doch nachgegangen werden.

Wie kann das sein? Sofort konfrontierte ich auch (im puren Glauben und Vertrauen auf die Glaubwürdigkeit dieser Person und die Existenz dieses Schriftstücks) verantwortliche Personen und fragte schon einmal „vorbereitend“ nach.

 

Nun, machen wir es kurz. So eindrucksvoll von besagtem Schreiben gesprochen wurde, so unauffindbar war es Minuten später. Nee, man habe den Brief „weggeräumt“, es wäre doch nur das übliche „Bla-Bla“ dringestanden, oder vielleicht war auch nur von der Überbrückungshilfe die Rede gewesen, man wisse es nicht mehr.

 

Die Moral von der Geschichte

Ich habe vertraut und geglaubt. So unglaublich die Geschichte schien, so sehr dachte ich mir, wenn es ein Schriftstück geben würde, dann könne man das ja im wahrsten Sinne des Wortes nachlesen. Und niemand würde sich so etwas ausdenken, das wäre doch nicht fein und das hätte man doch in dieser Zeit gar nicht nötig. In einer Zeit, in der die Wahrheit hart genug ist.

 

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Warum muss die Wahrheit immer ein wenig „ausgeschmückt“ werden? Warum reicht nicht das, was gerade passiert? Warum muss man sich in irgendeiner Weise aufspielen? Und warum bin ich immer wieder so doof und glaube den Menschen?

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Online auf der Strecke geblieben

 

 

Vor vielen Jahren, als liebe Teilnehmerinnen von uns umzogen, wurden wir gebeten, unsere Kurse online anzubieten. Nein! Das geht gar nicht. Man kann das nicht online machen. Bla, bla, bla. So lauteten damals unsere Aussagen und damit war das Thema für viele Jahre gegessen. So lange, bis einem das Schicksal in den Hintern tritt. Das ist ganz normal. Der Mensch macht selten etwas freiwillig, was für ihn neu ist, wenig attraktiv erscheint und mit gewissen Berührungsängsten verbunden ist. Wenn einem allerdings keine anderen Möglichkeiten mehr bleiben und man sich dennoch dagegen wehrt, so ist dies ein Zeichen von Ignoranz.

 

Inzidenzwerte und Onlineunterricht

Im ersten Lockdown, als auch die Schulen geschlossen haben mussten, stellte die Sprachenschule, die mein Sohn damals besuchte sofort auf Online-Unterricht um. Für alle ein gewisses Neuland. Routine und Souveränität waren im Umgang mit dieser neuen Lernmethode zu Anfang sicherlich bei keinem der beteiligten Akteure vorhanden. Wie auch?

Aber man lernte gemeinsam, man stellte sich den neuen Herausforderungen.

 

Seit September besucht mein Sohn eine Sprachakademie in München. Zu Beginn des „Schuljahres“ wurde angekündigt, dass bei einem Inzidenzwert über 50 der Unterricht auf online umgestellt werden würde. Der Unterricht findet immer noch als Präsenzveranstaltung statt.

 

Gezwungen werden

Während die Institute, die sich auf die Fahne schreiben, für Bildung, Weiterbildung, Ausbildung, Lernen und Entwicklung zuständig zu sein, in digitaler Hinsicht ein wenig „langsam“ zu sein scheinen, waren andere Branchen gezwungen, schnell zu handeln.

Entweder online oder gar nicht, das war die Wahl, die viele Sportstudios, Yogastudios, Tanzschulen, Fitnessstudios, aber auch Ladengeschäfte (zumindest im ersten Lockdown) hatten.

Und man tat, was getan werden musste und was von einem erwartet wurde. Alles!

Aussitzen können

Es war zu Beginn nicht leicht, das Schwungrad in Gang zu bringen. Teilweise mussten schlicht die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, teilweise hatten nicht alle Personen Lust darauf, online teilzunehmen, teilweise dachte man, man könne die „paar Wochen“ aussitzen.

Spätestens im zweiten Lockdown, als wieder die Bereiche/Gewerke/Einrichtungen schließen mussten, die mehreren Studien zufolge mit das geringste Ansteckungsrisiko aufweisen, war klar: Online ist nicht nur eine Notlösung zur kurzen Überbrückung, es wird ein wesentlicher Bestandteil bleiben.

 

Der blanke Hohn

Während tausende Schüler und Schülerinnen weiterführender Schulen täglich in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln den Ort des Präsenzunterrichts zu erreichen versuchen (was nicht immer klappt, vor allem, wenn die Öffis streiken), wird uns erzählt, dass hier kein Infektionsrisiko herrscht, dass der Präsenzunterricht so lange wie möglich aufrecht erhalten werden muss, dass es für die „Kinder“ wichtig wäre.

 

Kinder und andere Leute

Natürlich kann man einen Grundschüler nicht alleine zu Hause lassen und vor dem Tablet parken. Natürlich muss die Betreuungsfrage geklärt sein. Um derartige Selbstverständlichkeiten geht es aber nicht. Es geht darum, dass weder Schüler und Schülerinnen, noch Lehrer und Lehrerinnen geschützt werden. Sie stellen sich täglich dem, was von ihnen verlangt wird, weil keine anderen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Während andere Dienstleister sich alleine weiterbilden, um für die Kunden und Kundinnen da zu sein, werden „Schutzbefohlene“ einfach alleine gelassen.

 

Weiterbildung für Schulen

Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, der Regierung, den Schulen und allen beteiligten Personen „Nachhilfe“ in Sachen Online-Unterricht zu geben? Mir fallen hier spontan mehr als ein Dutzend Yoga-Studios, Tanzschulen, Sportstudios und Fitnesscenter ein, die der Branche, die eigentlich für Bildung zuständig wäre, gerne digital ein wenig unter die Arme greifen würde.

 

Keine Anklage, keine Arroganz

Zum Abschluss möchte ich klarstellen, dass ich es absolut nachvollziehen kann, dass die Aussicht, den ganzen Tag in einen Bildschirm zu blicken, wenig verlockend erscheint. Auch sehe ich, wie Lehrer und Lehrerinnen jeden Tag gefordert werden, ohne gefördert zu werden.

Ebenso geht es den Schülern und Schülerinnen.

Fragen bleiben

Geht es wirklich um einen sinnvollen Infektionsschutz oder ist das Thema Digitalisierung so fern, dass wir uns alle mehr als ein Armutszeugnis ausstellen müssen? Wer erinnert sich nicht an die Worte, dass das Internet für uns alle Neuland wäre?

 

Der Wille macht den Anfang

„Hat man vor einer neuen Aufgabe keine Angst, ist sie zu klein.“ (Herkunft unbekannt).
Und wenn jemand Angst hat, dann muss man ihm Mut machen, ihn unterstützen, da sein, Lösungen offerieren und sich dem Neuen stellen, statt stur immer weiter zu verfolgen, was nicht mehr zeitgemäß erscheint und heute sogar Risiken birgt.

Donnerstag, 26. November 2020

Gedankliche Dysbalancen

 

Für das sportliche Training gilt: Immer beide Seiten trainieren! Nur so vermeidet man auf Dauer muskuläre Dysbalancen. Diese Unwuchtigkeiten in der Muskelverteilung müssen dabei noch nicht einmal sichtbar oder auffällig sein und können dennoch zu weitreichenden Folgeschäden führen: Rückenschmerzen, negative Auswirkungen für die knöcherne Haltestruktur, Kraftverlust, Schieflage – im wahrsten Sinne des Wortes. Sind wir muskulär erst einmal aus dem Gleichgewicht geraten, so dauert es lang und ist mit harter Arbeit und durchaus auch mit Schmerzen verbunden, das notwendige Gleichgewicht wiederherzustellen.

Das Dumme: Das Training beider Seiten kostet nicht nur doppelt so viel Zeit und Kraft, es macht – vor allem wenn es um die „andere“ Seite geht, meist keinen Spaß. Und weil wir die Folgeschäden nicht sehen wollen, uns im Moment ja noch nichts weh tut und man generell lieber das macht, was einem mehr „liegt“, vernachlässigen wir die „andere Seite“.

Wie im Körper, so im Geist – es lässt sich auch auf das Training der Offenheit übertragen.

 

Dysbalance und Unwucht

Die „andere“ Seite zu trainieren, macht – um ehrlich zu sein – keinen Spaß. Zumindest nicht am Anfang. Zumindest nicht die ersten 100 Male. Es ist anstrengender, es fühlt sich komisch an, man fühlt sich wesentlich unsicherer, man hat das Gefühl, Dinge, die man auf der einen Seite wirklich beherrscht, komplett neu lernen zu müssen und selten ist das Ergebnis mit der Wunschvorstellung identisch. Also warum sollte man das tun? Eine Seite reicht doch vollkommen aus.

 

Das Wissen und die Verantwortung für die teilnehmenden Personen und auch für den eigenen Körper macht es möglich, sich immer wieder vor diese ungeliebte Herausforderung zu stellen. Weil man weiß, was passiert, wenn man es nicht macht.

 

Dieses Wissen kann man theoretisch oder praktisch erwerben. Der praktische Erwerb ist dabei bitterer, der theoretische Erwerb setzt das Vertrauen in die Person voraus, die mir da was von muskulären Dysbalancen erzählt.

 

Und so ist der erste wichtige Punkt die andere Seite eben nur „die andere“ zu nennen und nicht „die Schlechte“. Es ist neu, es ist ungewohnt, es fühlt sich komisch an, es kostet Zeit und Kraft, aber allein diese Punkte machen die zweite Seite nicht automatisch zu „schlechteren“. Und so ist es ein Akt der Sprachhygiene einfach nur von der anderen Seite zu sprechen.

 

Unsichtbar bahnen sich die Folgeschäden ihren Weg

Und ja, ich spreche aus Erfahrung. Die ersten 1,5 bis 2 Jahre habe ich die meisten Dinge nur einseitig trainiert, weil man es so gelernt hatte. Dann kam ich im Rahmen eines Workshops mit einer Trainerin in Berührung, die die gesamte Gruppe immer wieder unerbittlich zum Training der zweiten Seite „zwang“. Dafür hat sie keine Anerkennung bekommen, vielmehr fühlte man sich fast ein wenig persönlich beleidigt.

Und dennoch, obwohl mir ihre Erklärungen nicht schmeckten, war ich bereit dem Ganzen eine Chance zu geben. Mit Erfolg.

 

Kombinationsmöglichkeiten

Die Chance gab ich dem Wissen dieser Trainerin auch deswegen, weil ich mittlerweile eine Schiefstellung des Schultergürtels im Spiegel erkennen konnte und darauf hin weiter recherchierte, mich mit Fachleuten austauschte. Dieser Austausch zu einem Thema, welches mir bis dahin zum einen nicht wichtig schien und zum anderen bedeutete, dass ich aus meiner Komfortzone raus musste, war der Verantwortung geschuldet, nicht der vollkommenen Freiwilligkeit oder einem Lustfaktor, der damit verbunden gewesen wäre.

Nein, die Folgeschäden, die sich einstellen können, die wollte ich nicht haben.

Zudem – mit wachsender Erfahrung und Routine kamen ein paar Erkenntnisse dazu, die mir zeigten, dass ein Training der anderen Seite durchaus Sinn macht.

Ich merkte, dass mir weniger Kombinationsmöglichkeiten und Übergänge zur Verfügung standen, weil Trick a nur auf Seite a und Trick b nur auf Seite b gut funktionierten, um diese beiden Tricks, die wunderbar zusammenpassen würden, auch wirklich zusammenbringen zu können, müsste ich also mindesten einen der beiden Tricks auch auf der anderen Seite lernen und üben.

 

Auch geistig in Balance bleiben

Und ich gehe im Training heute soweit, wie es mir körperlich möglich ist und schätze dabei immer Kosten und Nutzen ab.

So ähnlich ist es auch mit den Informationen, die einem zur Verfügung stehen.

Informationen, die per se der eigenen inneren Haltung und Überzeugung entsprechen, sind leichter zu internalisieren, stärken sie doch indirekt die eigene Meinung.

 

Dennoch weiß ich, dass – sollte ich nur in dieser einen Richtung bleiben - sich gedankliche Dysbalancen ergeben werden, die einen klaren Blick auf Dauer verschleiern können.

 

Und so lese ich auch Artikel und sehe mir YouTube Videos an, die ich persönlich als Ausgeburt der Absurdität empfinde. Aber ich zwinge mich, nicht gleich wegzuklicken, sondern möglichst objektiv darauf zu achten, ob tatsächliche Informationen darin vorhanden sind, oder ob nur Fragen gestellt werden. Ich achte auf die Wortwahl und auf Manipulationstechniken, ich recherchiere über die Autorinnen und Autoren.

 

Das tue ich aber auch bei den Artikeln, die mir gefallen, die meinem Denken entsprechen. Ich zwinge mich, hier auch „advocatus diaboli“ zu sein.

Das macht keinen Spaß. Manchmal fühlt man sich wie ein Negativ-Mensch auf ständiger Fehlersuche.

 

Vorteile

Ich bin der Meinung, nur, wenn ich auch der anderen Seite Raum und Zeit einräume, kann ich auf Dauer in Balance bleiben. Nur, wenn ich bereit bin, meine (gedankliche) Komfortzone zu verlassen, habe ich überhaupt die Möglichkeit, so etwas wie Objektivität walten zu lassen. Obwohl sich natürlich die Frage stellt, ob ein einzelner Mensch überhaupt zur Objektivität fähig ist.

 

Nur wenn ich bereit bin, mir selbst in den Allerwertesten zu treten, mich selbst herauszufordern, auch gedanklich, kann ich wachsen. Nur dann kann ich zuhören, nur dann kann ich kombinieren.
Bleibe ich stets bei dem, was mir gut gefällt, was sowieso meinem Denken entspricht und was ich schon kann, so stehen mir wertvolle und außergewöhnliche Kombinationsmöglichkeiten irgendwann nicht mehr zur Verfügung. Ich werde im wahrsten Sinne des Wortes einseitig. Und Einseitigkeit kann niemals objektiv sein.

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Let's talk about sex...


Wow, endlich mal ein spannender Blogbeitrag? Leider muss ich die geschätzten lesenden Personen (mal wieder) enttäuschen. Um gleich ein paar Dinge vorab zu klären: Ich bin gerne eine Frau (mit allen Vor- und Nachteilen, die nicht näher erläutert werden müssen). Ich bin der Meinung, dass es gut ist, dass heute jeder Mensch sich in Kleidung seiner Wahl präsentieren darf und dass dies KEINE Einladung für übergriffiges Verhalten ist. Ich bin auch der Meinung, dass Gleichberechtigung unheimlich wichtig ist und ich bin KEINE Feministin.

 

Sex sells?

Aufmerksamkeit geht mit dem Sexthema einher. Ein Produkt verkauft sich besser in Verbindung mit einem schönen Dekolleté, ein bisschen Anzüglichkeit muss schon sein, wenn man Aufmerksamkeit haben will (wird man ja an den Lese- und Zugriffszahlen dieses Blogbeitrags sehen). Wer da nicht mitmacht ist von gestern, prüde, verklemmt oder alles zusammen. Wahlweise kann man dann eine gescheiterte Verbindung eines Produkts mit Brüsten dann immer noch „frauenverachtend“ betiteln. Wie es halt gerade passt.

 

Nicht immer zum Thema machen

Es ist gut, dass man offen über das wichtige und schöne Thema Sex reden kann und alles, was damit zu tun hat, nicht mehr verstecken muss, als müsse man sich dafür schämen. Man muss es nicht verstecken, aber man muss es auch nicht immer und ständig wie eine Monstranz vor sich hertragen.

 

Die Befreiung der Frau

Auch auf die Gefahr hin, mir jetzt ziemlich viele Geschlechtsgenossinnen sofort zu Feindinnen zu machen: Ich bin keine Feministin. Dieses ewige Herumreiten auf der Notwendigkeit die Frau, ihre Sexualität und ihre Spinnereien (die jede Frau hat), zu befreien, zuzulassen, zu hofieren und zu kultivieren, nervt mich.

Ich bin der Meinung, wer souverän mit sich umgeht, der kann alles zum Thema machen und tut es auch, muss es aber eben nicht immer tun und geht „gechillt“ mit sich um. Ganz gleich ob Mann, Frau, Divers oder sonst irgendein Lebewesen. Gleiches Recht für alle.

 

Apropos Gleichberechtigung: Wie würde man es denn empfinden, wenn Männer beständig über Sexualität, ihre Wünsche, ihre sexuelle Selbstverwirklichung und vieles mehr reden würden und dies als männlichen Befreiungsschlag in einer Zeit der (neuen) weiblichen Unterdrückung betiteln würden (womit sie nicht ganz Unrecht hätten)? Eben.

 

Tanz, Sinnlichkeit und billiges Verhalten

Männer, die beständig ihre Brusthaare oder ihren nackten Oberkörper ohne Haare präsentieren würden, um dann der Vollständigkeit halber den unteren Teil auch noch demonstrativ in den Mittelpunkt zu rücken, würde man als eher unkultiviert und anstandslos betiteln, während es bei Frauen eine notwendige Verhaltensweise zum Erhalt der Freiheit zu werden scheint.

 

Sich sinnlich zu bewegen, den Körper zu nutzen, um Emotionen auszudrücken, sich als schön zu empfinden, als erotisch, als attraktiv – all das ist gut. All das darf sein/muss vielleicht auch manchmal sein. Die Gratwanderung zwischen sinnlich und billig liegt manchmal in wenigen Zentimetern. Eine langgezogene Bewegung des Arms von oben nach unten neben dem Körper wirkt tänzerisch, ein sanftes Entlangfahren der Fingerspitzen an der Seitenlinie des Körpers sinnlich und ein Betatschen der Brust, um dann mit der flachen Hand zwischen den Beinen zu landen eben (meine Meinung) billig.

 

Was meiner persönlichen Meinung nach nicht sein muss

Was ich damit meine? Ganz konkret: Nein, es muss nicht immer der sehr knapp behoste Schambereich sein, der bei (Poledance) Bildern in den Mittelpunkt gerückt wird. Ja, es gibt Figuren, bei denen man die Technik, wie man diese Figur/diesen Trick ausführt, in einer Fotopose, die dann eben genau den Fokus auf den gerade noch bedeckten Schambereich lenkt, am besten sieht, aber diese Fotos müssen doch nicht überall immer und ohne auch nur einen zweiten Blick darauf zu werfen, veröffentlicht werden.

 

Wenn wir für die Anerkennung dieser Sportart als Sport kämpfen (tun wir das überhaupt noch oder ist Pole ohne Anzüglichkeit mittlerweile so „langweilig“ geworden, dass wir uns schon wieder gezwungen sehen zu provozieren?), dann kann man auf Beine-Spreiz-Bilder mit Hauptfokus Schambereich bitte verzichten.
Wer dies als Akt sexueller Befreiung sieht, dem sei es vergönnt – ich brauche es nicht.


Donnerstag, 8. Oktober 2020

Tanztherapie - Die Kunst, Raum einzunehmen

 

„Traue keiner inneren Stimme, die nicht liebevoll mit Dir spricht.“ (Rolf Merkle) – entnommen als Zitat aus dem Buch „Seelengift“ von Lea Lasatone.

Diese inneren Stimmen scheinen oftmals genau dann laut zu werden, wenn man sich Raum schaffen möchte. Da „Tanzen“ viel mit bedeutungsvollen Bewegungen, der Beanspruchung von Raum und dem Wahrnehmen der eigenen Schönheit und Größe zu tun hat, heißt es zu Beginn oftmals nicht „Takt halten und Rhythmus zählen“, sondern viel eher „die inneren Zweifler mundtot machen.“ 

 

Tanz und Gefühle

Tanz und tänzerischer Ausdruck lebt (meiner bescheidenen Meinung nach) von echten Gefühlen. Man merkt es, ob jemand eine Schrittfolge abarbeitet oder sich seiner selbst bewusst ist und seiner Seele und seinen Gefühlen mittels tänzerischen Bewegungen Ausdruck verleiht und den Bannbruch nach außen erlaubt.

Tanz zeigt somit auch immer ein bisschen von der Stärke, aber auch der Verletzlichkeit, zeigt Gegensätze, erlaubt diese und zieht uns deswegen vielleicht auch in den Bann - als aktiver "Täter" oder nur als beobachtende Person.

 

Tanz und Schönheit

Jeder Mensch ist schön. Jeder Mensch hat ein Strahlen. Manche zeigen es, manche verstecken es. Tanz gibt der Schönheit und Individualität Raum und lässt sie zu. Wer sich allerdings nicht glaubt, dass er/sie schön ist, wer nicht erkennt, wie einzigartig er/sie ist und dass es erlaubt ist, diese Einzigartigkeit auch zu zeigen, der tut sich schwer damit, diese attraktiven Persönlichkeitsmerkmale nach außen zu tragen.

„Ganz okay“ ist eben nicht unbeschreiblich schön. Die meisten Menschen gestehen sich ein „Ich bin schon ganz okay.“ noch zu, alles was darüber hinausgeht, ist anmaßend und findet im Alltag keinen Platz.

Wir schaffen Freiräume. Nicht nur aus technisch notwendigen Gründen haben bei uns alle Personen „Platz“.

 

Tanz und Fehler

Und was passiert, wenn es nicht klappt? Dann melden sich die bösen koboldsgleichen inneren Stimmen und erinnern uns fragend, ob sie es nicht gleich gesagt hätten, dass man das nicht kann. Sie hätten es einem vorher gesagt, dass man es lassen solle, weil es nur fehlerbehaftet wäre, lächerlich, stümperhaft und ungelenk wirken würde.

Na und? Kinder, die laufen lernen, fallen auch um, wirken mit ihren kurzen Stumpenfüßen auf denen sie noch nicht mal ordentlich stehen können, selten grazil, stolpern durch die Gegend und sind ungelenk. Und sind sie dabei nicht mit das Schönste, was die Welt zu bieten hat? Eben.

Wenn wir uns aufmachen, zu tanzen, dann sind wir Kinder, die laufen lernen. Wir stehen nicht auf einer Bühne, wir schaffen uns Freiraum in einer geschützten Atmosphäre.

Jeder Mensch macht „Fehler“ und so lautet ein sehr weiser Spruch: „If you stumble, make it part of the dance.“ – Wenn Du stolperst, lasse es in deine Choreographie einfließen, lass‘ es so aussehen, als ob es dazu gehört.

Niemandem wird es auffallen, außer wir weisen (körpersprachlich) darauf hin.

 

Tanz und Raum

Maße Dir nicht zu viel an. Sei bescheiden. Mach‘ dich klein. Breite dich mal hier nicht so aus. Das steht dir nicht zu. Sei unauffällig. Provoziere nicht. Lenke nicht zu viel Aufmerksamkeit auf dich.

Im Alltag können derartige Hinweise sinnvoll sein oder sogar einen Akt des sozialen Miteinanders, Respekts und der Höflichkeit darstellen. Beim Tanz haben sie nichts verloren.

Nimm Raum ein. Mach‘ dich groß. Erkenne deine Stärke. Lass‘ dir Zeit. Lenke die Blicke auf dich. Sei Diva.

 

Tanz und Beobachtung

Betrachte dich und gestehe Dir zu, dass Du gut findest, was Du siehst. Zumindest ein paar Punkte – vielleicht werden es ja in Zukunft mehr.
Sehe in den Spiegel.

Was am Anfang rein der Überprüfung der korrekten Technik dient, kann mehr als das sein.

Sich selbst beobachten und nicht nur nach den Fehlern suchen ist ein wichtiger Anfang.

 

Tanz und Freiheit

Es gibt kaum jemanden, der in unser Studio kommt und Poledance oder Aerial Hoop rein gymnastisch und sportlich lernen will. Immer wieder kommt bereits zu Beginn die Frage, ob man das Erlernte auch tänzerisch verbinden würde. Ja, auf alle Fälle, den so sieht unsere Philosophie aus.

Am Anfang ist es harte Arbeit, denn als Trainerin kenne ich meine Kobolde, meine eigenen, die auch heute noch da sind und mich stets begleiten. Die Kobolde, die auch mir sagen, dass ich es lassen könne, weil ich nicht schön und nicht grazil, weder elegant noch tänzerisch wäre, aber denen ich nicht mehr zuhören will.

Und gerade weil ich meine eigenen Kobolde kenne, weiß ich, wie sich oftmals die Kobolde anderer anhören können und am Anfang offeriere ich, meinen teilnehmenden Personen beim Kampf gegen die Kobolde zu helfen.

Ich sage meinen teilnehmenden Personen oft, dass auch bei mir die Kobolde beständig meckern würden, ich ihnen nur nicht mehr zuhören möchte bzw. sie nicht mehr ernst nehmen würde, das wäre der einzige Unterschied. 

Und dann darf man miterleben, wie Menschen ihrem ursprünglichen Wunsch, sich tänzerisch auszudrücken, Raum geben und wie sich tiefe und unverwechselbare Schönheit zeigt. Und manchmal möchte man dann als Trainer auch einfach nur noch zusehen und genießen, denn es gibt nichts Schöneres als souveräne und von innen kommende Schönheit, die sich im Tanz offenbart.

Donnerstag, 20. August 2020

Sonderveranstaltungen und Alltag

 

 

Als Trainer kommt man des Öfteren in den Genuss, in andere Studios eingeladen zu werden, um einen bzw. mehrere Workshops zu leiten. Auch bei Tagesseminaren und Abendvorträgen muss man sich darüber im Klaren sein, dass man die teilnehmenden Personen in ganz besonderen Stimmungen erreicht. Der Transfer in den Alltag (der Arbeit bzw. der täglichen Trainingsroutine) ist ein extrem wichtiger Bestandteil, der zum einen nicht vergessen werden darf und zum anderen aber auch das eigene Standing zerstören kann. Will man gehyped werden oder will man den Personen etwas mitgeben, was Ihnen auch morgen noch hilft? Diese Frage muss man sich dabei permanent stellen.

 

Erwartungshaltung

Besondere Anlässe sind nicht mit dem Alltag vergleichbar. Soweit so gut. Als Trainer, der die heimischen Gefilde verlässt, um eine Schulung, einen Workshop oder einen Vortrag zu geben/zu halten, erreicht man die teilnehmenden Personen immer in einer besonderen Stimmung. Diese kann von positiven Gefühlen und Vorfreude bestimmt sein (Auftritte, Sportworkshops in anderen Studios) oder auch von einer weniger guten Grundstimmung (Fortbildungen und Seminare). Wie die Stimmung ist, erfährt man, wenn man vor Ort ist.

Bei Sportworkshops zu denen man eingeladen wird, hat man meist das Glück, dass alle anwesenden Personen in Vorfreude vereint sind. Sie haben sich selbst entschlossen, teilzunehmen und sie sind motiviert. In Fortbildungen und Seminaren kann das unter Umständen anders sein, wenn die teilnehmenden Personen von der Ebene der Vorgesetzten geschickt werden, wenig Lust haben und den Sinn der Veranstaltung nicht verstehen.

 

Nähe und Abstand in perfekter Melange

Fakt ist, als Trainer habe ich diese besondere Gruppe von Menschen für eine sehr begrenzte Zeit um mich. In dieser sehr begrenzten Zeit muss ich es schaffen, ihre Erwartungen zu erfüllen, Vorurteile auszuräumen, für die Personen da zu sein und alles zu geben.

Kein leichter Job.
Abendvorträge mit Rahmenprogramm, Showauftritte und sportliche Workshops gehören meist zu den Anlässen, die bei allen Beteiligten ein gewisses Hochgefühl aufkommen lassen. Gegenseitige Wertschätzung durchzieht den Raum, die Personen zeigen Interesse, sie genießen die Veranstaltung, kommen mit einer guten Stimmung.

Schnell begegnet man sich mit aufgeschlossener Freundlichkeit und Humor. Man lacht miteinander und die teilnehmenden Personen projizieren die guten Gefühle auf den Trainer.

Das macht Spaß und pusht das Ego und die Stimmung und es gehört zum Job, diese Rolle zu bedienen.

Auch in Seminaren und Fortbildungen erlebt man schnell, sobald die ersten Blockaden fallen, dass die teilnehmenden Personen in vollem Vertrauen um Rat bitten, Dinge aus dem beruflichen Alltag erzählen, sich öffnen und ihren tiefen Empfindungen Raum geben.

Das geht, weil alle Beteiligten wissen, dass diese „von 0 auf 100 Nähe“ auf eine gewisse Zeit begrenzt ist, dass man selbst wieder geht, aber auch, dass der Trainer wieder gehen wird.

 

Sonderrolle

Ein Trainer, der somit nur eine gewisse Zeit im Unternehmen verbringt wird immer eine Sonderrolle haben. Diese Sonderrolle kann man genießen und das Beste für sich selbst herausholen, oder aber es gelingt einem, den teilnehmenden Personen viel mitzugeben, was sie auch morgen und übermorgen noch nutzen können, was sie wirklich weiterbringt.

Im Idealfall bedient man beide Teile der Erwartungsmedaille. Motivationstrainer im Reinklischee habe ich für mich persönlich schon immer abgelehnt. Meist hatte ich das Gefühl, sie feiern sich eigentlich nur selbst. Morgen steht man als Teilnehmer aber immer noch mit den gleichen Problemen da und ein „Tschaka, ich schaffe das!“ bringt einen irgendwie auch nicht weiter.

 

Transfer in den Arbeitsalltag

In Seminaren, Vorträgen etc. wird somit auch oft im Feedbackbogen gefragt, ob man als teilnehmende Person meint, die Dinge in den Arbeitsalltag umsetzen zu können. Diese Frage ist gut, aber verfrüht gestellt. In der Sonderstimmung, in der man sich am Ende einer Veranstaltung befindet, kann man das noch gar nicht sagen.

Ob der Trainer wirklich was „drauf hatte“, wird sich erst später herausstellen, wenn er schon wieder weg ist.

 

Alltag und die Mixtur der Stimmungen

Und hier können die Stimmungen aufeinandertreffen und ebenso gleichermaßen auseinanderdriften. Wir alle haben schon einmal erlebt, wie es ist, wenn man aufgekratzt nach Hause kommt und der Partner oder die Partnerin schon im „Snooze-Modus“ war. Irgendwie prallen dann die Stimmungen aufeinander und der ruhige Part fühlt sich leicht gestresst von der Aufgekratztheit des anderen, umgekehrt hat man das Gefühl, die gute Stimmung würde gelöscht wie ein Feuer.

 

Zielsetzung

Ziel eines guten Trainers muss es sein, etwas mitzugeben, was auch morgen noch weiterhilft, womit der (zahlende) Teilnehmer auch morgen noch etwas anfangen kann. Das kann manchmal bedeuten, dass die Teilnehmer im Seminar/in der Veranstaltung vielleicht sogar nicht alles bekommen, was sie erwarten. Das kann manchmal bedeuten, dass die Erwartungen nicht komplett erfüllt werden.

Nein, man stimmt eben nicht in das Lästern über den Vorgesetzten mit ein, sondern schiebg hier einen Riegel vors. Es kann auch bedeuten, dass man nicht die wildeste Flexi-Figur zeigt, weil man weiß, dass sich die teilnehmenden Personen dann morgen nicht mehr rühren können, oder sich Verletzungen zuziehen, die sich eventuell erst am nächsten Tag zeigen.

Es könnte einem egal sein, denn für die gute Stimmung der Momentaufnahme wäre es besser, sich so zu verhalten, dass die Erwartungen alle erfüllt werden. Es ist aber auch eine Frage der Loyalität, des Anstands und der Verantwortung, an morgen zu denken, auch wenn man die Menschen morgen vielleicht gar nicht mehr sieht.

 

Donnerstag, 13. August 2020

An mir lag es nicht!

Im Training offeriere ich gerne folgende Ausreden: Wenn etwas nicht klappen sollte, dann ist daran natürlich wahlweise die Stange/das Trainingsgerät an sich, das Wetter, das zu anstrengende Warm-Up vorher oder generell der Trainer Schuld. Wir quittieren diese bereits zu Beginn ausgebreitete Auswahl an Ausflüchten gerne mit einem gemeinsamen Schmunzeln. Es ist zum einen wirklich sinnvoll, sich nicht dauernd selbst niederzumachen, wenn etwas nicht klappt, zum anderen übertreiben wir damit das, was Menschen im Allgemeinen gerne tun: Den Grund für eine Situation nicht bei sich zu suchen.

 

Wahrscheinlichkeitsrechnungen

Ein einfacher emotionsloser Vergleich zu Beginn. Ein – zugegeben etwas seltsamer – Test offeriert 140 Antwortmöglichkeiten. Alle Antworten sind richtig. Man muss 20 wählen, um die volle Punktzahl zu erreichen. Man selbst beschließt, nur 17 zu wählen und besteht den Test nicht.

„Selbst schuld!“, würde jeder Mensch hier sagen. So sind wir aber nun mal nicht gestrickt.

Es ist mühsam und kratzt am Ego, den Grund für ein suboptimales Ergebnis bei sich selbst zu suchen. Immerhin müsste man dann auch mit den Konsequenzen zurechtkommen. Entweder müsste man für das nächste Mal etwas ändern (bäh, anstrengend!) oder aber damit leben, dass man es selbst „versemmelt“ hat (bäh, doof!).

Es ist viel einfacher, Gründe überall zu suchen, nur nicht bei sich. So sind wir nun mal, es ist hilfreich, das anzuerkennen.

 

Der Tritt in den Allerwertesten

Für das eigene Ego und den Wohlfühlfaktor in der gleichnamigen Zone ist es gut, Dinge zu tun, die das eigene Ego streicheln oder zumindest nicht in Frage stellen. Auch das ist normal. So lange man damit zufrieden ist und es keinerlei Beschwerden gibt, reicht das aus und ist auch vollkommen in Ordnung. Stellen sich Beschwerden ein, muss man etwas ändern. Menschen ändern sich aber nicht so gerne. Andere vielleicht schon, Umstände auch, aber nicht sich selbst (siehe oben genannten Anstrengung).

Beschwerden können dabei durchaus doppeldeutig verstanden werden: Unzufriedenheit im Job, Langweile in der Freizeit, Frustration in der Beziehung oder körperliche Beschwerden aufgrund zu geringer sportlicher Betätigung. Wie sich der Umstand, dass „etwas“ nicht mehr passt, äußert, ist dabei zweitrangig.

 

Trainer kennen das: Es gibt Übungen die liegen einem und es gibt Übungen, die liegen einem weniger. Es gibt die „eine“ Seite und es gibt die „andere“ Seite. Somit ist die Versuchung groß, nur das zu zeigen, was man bestens beherrscht und die anderen Dinge einfach „zu lassen“. Zur Untermauerung der eigenen Rolle (kompetent, sportlich, stark, kräftig, perfekt) scheint dieses Vorgehen nicht nur legitim, sondern auch erfolgsversprechend und nachvollziehbar zu sein.

 

Dinge zu tun, in denen man NICHT perfekt ist, miteinander zu trainieren und anzuleiten, selbst wenn man dabei nicht immer in die Meisterrolle schlüpfen kann und auch immer wieder die „andere“ Seite zu zeigen, erfordert einen gedanklichen Tritt in den Allerwertesten. Immer und immer wieder.

 

Training der Fairness

Das ist Training. Übst du noch, oder trainierst Du schon?

Und nein, das macht nicht immer Spaß und ja, es ist immer anstrengend, aber hinterher belohnt einen das Gefühl, wieder einmal eine (kleine) Grenze überschritten und somit den eigenen Horizont erweitert zu haben.

 

Dieses Vorgehen ist fair. Hart, aber fair. Sich selbst gegenüber, aber auch den Mitmenschen gegenüber, denn ein Bild zu skizzieren, durch welches man sich selbst überhöht, während man die Mitmenschen als defizitär dastehen lässt, entspricht einfach nicht der Wahrheit.

 

„Wer nur das tut, was er schon kann, wird immer bleiben, was er schon ist.“ (Henry Ford)
Kein Problem, so lange sich – siehe oben – keine Beschwerden einstellen.

 

Alles Negative zurücklassen

Am Ende sollte das gute Gefühl bleiben. Kein Training, keine Fortbildung, keine Verhandlung und kein Meeting verlaufen immer zu 100% toll. Es gibt immer etwas, was man kritisieren und bemängeln kann. Die Dosis macht das Gift und der Fokus den Sonnenschein.

Wer das Hauptaugenmerk auf das legt, was nicht gut gelaufen ist und sich ausschließlich auf diese Punkte fokussiert, der wird nie zufrieden werden. Wer zusammenfasst, was gut und was weniger gut gelaufen ist, wer ein Ziel vor Augen hat und wer bereit ist, an den richtigen Stellen die Änderungsmöglichkeiten bei sich selbst zu suchen, der wird gestärkt werden. Und auch das gilt für jede Art von Training, ob nun Personalentwicklung oder Sport.

 

Ein liebgewonnenes Ritual am Ende

Und so nehmen wir zum Abschluss jeder Kursstunde gedanklich das Positive mit, schieben das Negative von uns und schütteln das ab, was noch an uns klebt, uns aber nicht weiterbringt.