Sonntag, 5. Dezember 2021
Aerial Hoop Tutorial: Combo
Sonntag, 28. November 2021
Pole Dance Tutorial: Brass Monkey
Sonntag, 21. November 2021
Sonntag, 14. November 2021
Yoga Tutorial: Heraufschauender Hund
Sonntag, 7. November 2021
Aerial Hoop Tutorial: Combo 1
Donnerstag, 12. August 2021
Der Tod als selbst gewählter Weg
Wenn ein Mensch
geht, hinterlässt er Leere, Schmerz, Trauer, Sehnsucht. Immer.
Wenn ein Mensch beschließt zu gehen, dann kommen Unverständnis und vielleicht
sogar manchmal Wut dazu.
Vor Jahren begleitete ich meine Tochter zu einem Trauergottesdienst für ihren
Klassenkameraden, der den Freitod gewählt hat. Der Pfarrer sagte damals, man
könne es nicht verstehen, es wäre wohl so, dass die Angst vor dem Leben einfach
größer gewesen sei als die Angst vor dem Sterben.
Seit März 2020 haben 5 Trainerkollegen*innen mehr Angst vor dem Leben, mehr Angst vor der Zukunft gehabt als vor dem Tod.
Jedes Schicksal unendlich traurig.
Keine Erklärungsversuche
Die Fragen nach Namen, sowie die Frage nach familiären Hintergründen werde ich nicht aufgreifen. Teilweise kannte ich die Menschen persönlich, teilweise stand ich mit den Personen schon auf einer Bühne, teilweise haben sie mich über sozialen Medien inspiriert und ich bin ihnen gefolgt. Jede Nachricht schockt erneut. Und die Frage nach den Gründen taucht unweigerlich auf. Diese kann wahrscheinlich niemand beantworten.
Kleine Community
Die Szene und Community rund um die Sportart Pole Dance wächst, dennoch ist sie im Vergleich zu anderen Breitensportarten klein. 5 Personen in 1,5 Jahren, die für sich den Freitod gewählt haben. Sie bleiben unvergessen. Wir hätten sie alle gerne länger um uns gehabt.
5 junge Menschen. Kraftvoll, voller Stärke, Humor, mit einer unvergleichlichen Leidenschaft. 5 Personen, die alles gaben – am Ende sich selbst.
Wenn die Leidenschaft getötet wird
Wenn die Seele stirbt, folgt der Körper. Wenn der Körper nur noch eine leere Hülle ist, dann will man ihn loswerden, denn er scheint nur noch Ballast zu sein, der die getötete Seele nicht hergibt und sie immer tiefer in die Sümpfe der Traurigkeit zieht.
Allein und einsam
Bei einigen dieser Menschen konnte man es erahnen. Die Belastungen der Zeit wurden öffentlich benannt, die Trauer, der Verlust dessen, was einen ausmacht, wurden mehrfach beschrieben.
Nicht instrumentalisieren
Ja, ich würde gerne darüber schreiben, dass es für viele nicht einfach nur ein „stay at home“ war, sondern viel viel tiefer ging. Ich möchte aber diesen Beitrag nicht instrumentalisieren.
Ich möchte nicht von Kollateralschäden sprechen, weil ich es als pietätlos empfinde.
Ich bin nur erschrocken über die Menge an Personen und habe Angst.
Danke
Solange wir uns an die Menschen erinnern, werden sie nicht wirklich tot sein. Sie sind fern. Sie haben für sich einen anderen Weg gewählt, ein anderes Land, einen Weg, um frei zu sein.
Danke für all das, was ihr uns gegeben habt. Danke für eure Leidenschaft. Danke für die Inspirationen. Danke für eure Liebe zum Sport und zu euren Teilnehmern und Teilnehmerinnen.
Getanzte Hommage https://youtu.be/W3JlbR9WX_s
Donnerstag, 5. August 2021
Guter Sexismus - schlechter Sexismus
Liederlich. Billig.
Sexistisch. Anrüchig. Schmutziger Sport.
All diese Dinge dürfen sich Polesportler*innen immer noch anhören.
Hauptargument: Die Kleidung ist so knapp.
So knapp wie manche Hosen im Beachvolleyball und Beachhandball sein MÜSSEN,
wenn die Spielerinnen die Regeln befolgen wollen, sind die Höschen der
Polesportler*innen nicht. Aber das tut nichts zur Sache. Das Urteil ist schon
vorher gefallen.
In Zeiten teils sinnlos erscheinender Diskussionen über das Gendern aller
möglichen und unmöglichen Worte finde ich es bemerkenswert, dass sich sehr wohl
Personen darüber Gedanken machen können, ob es „der Stuhl“ oder „die Stuhlin“
heißen sollte, sich aber nicht darüber beschweren, wenn Frauen Strafen bekommen,
weil ihre Kleidung zu VIEL bedeckt hat.
Disclaimer
Normalerweise
kommen diese Erklärungen immer am Ende eines Artikels, hier zu Anfang. Es geht
mir nicht darum, eine Sportart höher/besser zu bewerten als eine andere. Es
geht mir nicht darum, den tausendsten Versuch anzustellen, den Polesport in das
gewünschte Licht zu rücken, und es geht mir nicht darum, dass ich
Beachvolleyball oder Beachhandball mag oder nicht mag. Punkt.
(Update 06.08.2021: Ich muss einen weiteren Disclaimer einfügen: Nein, ich
finde die Regenbogenbewegung NICHT schlecht. JA, ich bin absolut dafür, dass
man Menschen jeglicher Coleur (darf ich das jetzt noch sagen?) achtet und
respektiert. NEIN, ich habe kein Problem mit Regenbögen…)
Argumentative Grundlage
Beachvolleyball, Beachhandball wird im Freien gespielt. Das Wort „Beach“ legt die Assoziation mit Wärme, Strand, Sommer und warmen Temperaturen nahe. Insofern ist es gut möglich, dass knappe Kleidung hier angenehm sein kann. Für die Ausübung der Sportart ist knappe Kleidung allerdings nicht zwingend notwendig. Beim Polesport offeriert nackte Haut Grip. Wo die Haut in Berührung mit der Pole (Stange) kommt, da kann man Grip aufbauen. Kleidung aus handelsüblichen Materialien (alles außer Lack und Latex) rutscht an der Stange. Der Sport ist so nicht auszuführen. Wäre ungefähr so, wie wenn man Barrenturner*innen sagen würde, sie sollen Samthandschuhe tragen.
Was also bei der einen Sportart eine Kann-Option darstellt, ist bei der anderen Sportart obligatorisch.
Gab es noch bis vor Kurzem Vorschriften, die eine maximale Breite an der Seite des Höschens von 7cm für die Sportlerinnen erlaubten, so wurde dies mittlerweile angepasst (https://www.faz.net/aktuell/sport/olympia/olympia-regelecke-die-bikini-revolution-11836296.html). Es steht den Sportlerinnen frei, auch in T-Shirt und kurzer Legging die Wettkämpfe zu bestreiten. Die Hosen müssen dabei 3cm über dem Knie enden.
Gut. Es gibt nun allem Anschein nach mehr Wahlfreiheiten und die Mannschaften können selbst entscheiden, wie sie auftreten wollen, was für sie am stimmigsten ist.
Die verfrorenen Norwegerinnen
Irgendwie scheint
das aber nicht für alle Turniere zu gelten. Bei der EM in Bulgarien hatte sich
das Team der norwegischen Beach-Handballerinnen dazu entschieden, in Shorts zu
spielen. Man fühle sich in kurzen Slips sexualisiert und unwohl. Den
Spielerinnen war klar, dass dies offiziell nicht erlaubt ist, und dass es zu
einer Strafe kommen könnte.
Kurz festgehalten: Eine Strafe, weil Frauen zu VIEL Kleidung tragen und zu VIEL
der nackten Haut verstecken – nicht umgekehrt.
Beachhandball ist dabei allerdings um 3cm weniger sexualisiert als Beachvolleyball. Der Dresscode für Turniere verlangt von Frauen, ein Top und eine Bikini-Hose zu tragen. Männer dürfen Hosen tragen, die 10cm über dem Knie enden, dabei dürfen sie nicht zu „lässig“ geschnitten sein (um Einblicke zu vermeiden? Oder damit nichts in der Gegend baumelt?).
„Spielerinnen müssen Bikinihosen tragen, diese müssen körperbetont geschnitten sein und einen hohen Beinausschnitt haben. Die Seitenbreite darf höchstens 10cm betragen.“
Einschaltquoten
Sind Männer generell unansehnlicher als Frauen? Dürfen Männer auch ein Top und ein Bikinihöschen tragen? Dürfen Männer oben ohne spielen und wenn, ja, warum und wenn nein, warum nicht? Sollte es doch nur um Einschaltquoten gehen? Werden hier Frauen instrumentalisiert? Schaut das Publikum auf den Spielverlauf oder auf wippende Dekolletés und auf die in den Pofalten verschwindenden Hosen? Fragen über Fragen.
Pink ist keine Farbe, Pink ist ein Statement
Nie war dieser Satz so treffend. Die Pop-Sängerin Pink hatte über Twitter angeboten, die Geldstrafe für das norwegische Team von 1500,00€ zu übernehmen. Zu dieser Strafe wurde das norwegische Team verdonnert, weil sich die Frauen dazu entschieden hatten, zu viel Kleidung zu tragen.
Der norwegische Verband wird die Strafe nun gemäß den Regularien selbst zahlen. Der Empfänger des Strafgelds, der europäische Handballverband EHF, hat sich im „Gegenzug“ dazu bereiterklärt, die gleiche Summe an eine internationale Sportstiftung zu spenden, die sich für die Gleichstellung von Mädchen und Frauen im Sport einsetzt.
Wenn die Hosen Regenbogenfarben haben
Sind die Gemüter nun besänftigt? Sollte man das als „diplomatische Lösung“ sehen? In Zeiten, in denen keine Einzelfarben (schwarz, weiß) nur noch der gesamte Regenbogen mehr erlaubt zu sein scheinen, kann es sein, dass man Sportlerinnen bestraft, weil sie sich erdreistet haben, sich anzuziehen?
Wo bleibt hier der „Aufschrei“? Ich höre ihn nicht.
Wahrscheinlich hätte ich die Diskussion nicht einmal wirklich mitbekommen, wenn ich nicht aufgrund des Wissens, wie es ist wegen Kleidung schief angeguckt zu werden (ich will das Wort „diskriminiert“ bewusst nicht verwenden), getriggert gewesen wäre.
GMV-Faktor
Wo bleibt der GMV-Faktor? GMV? Gesunder Menschenverstand.
Ganz einfach:
„Gesund“ gibt es nicht mehr, nur noch „getestet“, „geimpft“ oder „genesen“.
Menschen gibt es auch nicht mehr, nur noch Wesen. Und wenn der Verstand keinen
Ankergrund mehr findet, dann kann er sich auch nicht mehr breitmachen. Logisch
eigentlich.
Donnerstag, 22. Juli 2021
Unsichtbarer Schmerz
Wir glauben gerne, was wir sehen. Schmerzen kann man nicht sehen. Das Schmerzempfinden ist von Person zu Person unterschiedlich. Eine Person empfindet einen abgebrochenen Fingernagel als schlimm, eine andere Person spricht davon, dass es ihr gutgehen würde, obwohl sie fast buchstäblich mit dem Kopf unterm Arm erscheint.
Abgesehen von diesen Selbstverständlichkeiten stellt sich dann auch immer die Frage, was eine Person mit der Beschreibung ihrer Beschwerden erreichen will. Möchte sie das Umfeld in Kenntnis setzen oder soll „mehr“ damit bewirkt werden. Das weiß allein die Person selbst und die Interpretation des Umfelds kann hier vollkommen falsch sein.
Zur Kenntnisnahme
Jede Kursstunde beginnt mit der Frage des Trainers/der Trainerin, ob er/sie etwas wissen muss, was den Gesundheitsstatus der teilnehmenden Personen betrifft und unter Umständen beachtet werden muss oder soll. Die Antworten haben eine Bandbreite von „Ich bin geimpft.“ bis „mein Zehennagel ist eingewachsen“.
Fakt ist, wenn eine Person zum Training erscheint, geht sie und auch der Trainer/die Trainerin davon aus, dass das Training absolviert werden kann. Manches verbessert sich auch während des Trainings, anderes kann das Training negativ beeinflussen. Wie der Sachverhalt ist, wird man gemeinsam während des Trainings feststellen.
Zudem zeigt sich hier bereits die oben beschriebene Subjektivität der Empfindungen, die im Grunde nicht bewertet werden sollte. Manches ist für den Trainer einfach wichtig zu wissen. Wer gerade Kreislaufprobleme hat oder mit Kopfschmerzen kämpft, ist unter Umständen nicht ganz so leistungsfähig wie im Normalfall.
Kopfschmerzen sieht man nicht. Kreislaufprobleme auch nicht – zumindest nicht, wenn die Person nicht zusammenbricht. Dennoch ist es wichtig es zu erwähnen.
Wenn die Person diese Dinge erwähnt, so scheint es für sie wichtig zu sein und dann hat es der Trainer/die Trainerin auch zu respektieren.
Unsichtbares Vertrauen
Und wenn eine Person sagt, es würde ihr wirklich nicht gutgehen und dabei aussieht wie das blühende Leben? Wir können immer nur an Menschen hinsehen, nie in sie hineinsehen. Es kommt immer darauf an, ob das Empfinden, die Schmerzen, der Allgemeinzustand in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte. Wer nach jeder Bewegung jammert, wer sich darüber beschwert, dass man beim Sport schwitzt, wer sich darüber beschwert, dass die Muskeln arbeiten müssen und man diese spürt, wer an dem Anstrengungsempfinden so gar nichts Gutes lassen kann, der ist sicherlich nicht richtig aufgehoben. Er oder sie tut sich dann ja auch keinen Gefallen. Aber es gibt Personen, die sagen einmal, dass es ihnen nicht gutgehen würde, und lassen sich dann nichts mehr anmerken. Sie kämpfen einen stillen Kampf. Vielleicht sieht man zufällig hin, wenn sie gerade das Gesicht verziehen. Auf die Frage, was denn los wäre, kommt dann ruhig, fast nonchalant, dass sie doch gesagt hätten, es würde ihnen nicht gutgehen.
Es sprühen keine Funken, es spritzt kein Blut, kein Fuß ist eingegipst und der Mensch sieht auch nicht aus wie der wandelnde Tod. All das muss nicht heißen, dass dieser Mensch nicht gerade kämpft.
Meist sind es diejenigen, die kaum etwas erwähnen, die sich mit ihren Beschwerden zurückhalten, die man kaum bemerkt, die wirklich leiden.
Für diese Menschen bedeutet es eine große Überwindung, überhaupt zuzugeben, dass sie nicht „ganz so fit sind“.
Sichtbare Pflaster
Vor Jahren hatte ich schlimme Rückenschmerzen. Es war der akute Bandscheibenvorfall in der HWS, der sich da bemerkbar machte. Über Wochen. Ich habe es verlauten lassen. Punkt. Sonst hat man mir nichts angemerkt. Aber jede Stunde war ein Kampf. Nachdem es nicht besser wurde, hat mich mein Weg dann doch zum Arzt geführt und ich bekam 12 Quaddelspritzen (Wasserspritzen) in den Rücken, um den Druck zu nehmen. Am Abend stand ich im Studio mit 12 Pflastern.
Ein großes Hallo, bestürzte Blicke, Fragen, was ich denn gemacht hätte. Antwort: „Das Gleiche wie die letzten 3 Wochen auch. Da habe ich es eben nur kurz erwähnt.“
Die Pflaster waren der sichtbare Beweis dafür, dass es wohl doch nicht nur „leeres Gerede“ gewesen ist.
Muss ich mir jetzt immer Pflaster irgendwo hin kleben?
(P.S.: Nein, Pause machen ist leider keine Option. War es noch nie, weil ich es mir nicht leisten kann. Punkt. Lassen wir das Thema einfach, okay?)
Die härtesten Kämpfe sind oftmals still
Migräne, Magen- und Darmprobleme, Nervenentzündungen, Bandscheibenvorfälle, MS, psychische Belastungen, Trauer, Resignation, Depression und vieles mehr sind nur eine Handvoll an Belastungen und Gegner, gegen die so viele Menschen kämpfen müssen, ohne dass man immer etwas von ihren Kämpfen mitbekommt. Die Kämpfe, die Belastung, die Schmerzen kleinzureden, nur weil man sie von außen nicht sehen kann, ist nicht schön.
Es gibt Menschen, die kämpfen jeden Tag. Sie kämpfen einen stillen Kampf. Sie tragen weder einen Gips noch haben sie Pflaster. Sie laufen ohne Krücken und sehen aus wie das blühende Leben.
Nur weil man nichts sieht, diesen Menschen den inneren immerwährenden Kampf abzusprechen ist eine Form von Respektlosigkeit.


