Ästhetik und Tanz

"Die Ästhetik der Kunstform Tanz lässt sich durch wissenschaftliche Untersuchungen nicht erklären."
(aus dem Buch "Dance Anatomie", Seite 1 - ISBN: 978-3-7679-1046-1)

.....also werde ich nicht versuchen, es zu tun.
Aber vielleicht liegt es genau daran. Tanz ist Hingabe, Tanz ist Gefühl, Tanz ist Charakter, Tanz ist Seele. Kann man Gefühle, Charakter, Hingabe und Seele wissenschaftlich definieren? Vielleicht in Teilen, aber eben nicht im Ganzen.

Technisch perfekter Tanz ohne Seele kickt mich nicht. Seele ohne Technik ist aber auch nicht die Lösung.
Wie kann man also versuchen, die Potentiale der inneren Schönheit in der Kunst- und Ausdrucksform "Tanz" nach außen zu tragen?

Zeit und Raum sind wesentliche Bestandteile für mich. Den Bewegungen Zeit geben, sie zelebrieren, Raum einnehmen, sich groß machen und den Raum, der einem zur Verfügung steht, einnehmen. Nicht zögerlich, nicht bittend, sondern mir einer selbstbewussten Selbstverständlichkeit.

Jede Bewegung verdient die gleiche Aufmerksamkeit. Eine Drehung, ein Climb, ein Lift - ganz egal ob im Hoop oder an der Pole oder im puren Floorwork besteht aus Anfang, Hauptteil und Ende.
Oftmals kann man beobachten, dass das Hauptaugenmerk auf den Mittelteil, den ja hier auch benannten Hauptteil gelegt wird. Der Anfang verhungert, auf das Ende wird kein Wert gelegt.
Vielleicht, weil man nicht so viel Zeit damit verbraten möchte? Vielleicht, weil man gedanklich schon im nächsten Move steckt? Vielleicht, weil man in möglichst wenig Zeit möglichst viele Hauptteile packen will?

Man gibt sich im Alltag so selten Raum. Alles muss schnell gehen. Ergebnisse müssen stimmen. Leistung ist, was man in guter Qualität in möglichst kurzer Zeit schafft. Die Ästhetik hat keinen Platz in diesen Erwartungshaltungen. Muss sie auch nicht.
Aber im Tanz, im Studio, in der Zeit, die ein Mensch mit sich und seinem Körper verbringt, da darf man sich Raum und Zeit nehmen. Selbstverständlich Bewegungen zelebrieren, die Größe des eigenen Charakters wahrnehmen, Raum einnehmen.

Vielleicht liegt darin auch ein bisschen das begründet, was als Ästhetik wahrgenommen wird?

Kommentare